Luther als sperriger Rebell

Der Historiker und Lutherbiograf Heinz Schilling fordert dazu auf, das Fremde an Martin Luther wahrzunehmen und nicht den eigenen Zeitgeist zu feiern. Mit seiner radikalen Hinwendung zu dem Gnade verteilenden Gott vollzöge der Mann aus Wittenberg eine Wende hin zur substanziellen Religiosität.

Die Lutherkultur à la Käsemann ist nichts anderes als aktualistischer Kitsch. Das Gespräch ist sehr empfehlenswert!

Kommentare

  1. Du meinst doch sicherlich "Käßmann" und nicht "Käsemann"??!!

    Nix für ungut.

    An der Stelle aber auch einmal vielen Dank für die vielen wertvollen

    Kommentare, Hinweise und Links auf  "theoblog". Habe schon sehr

    häufig davon profitiert.

    Liebe Grüße,

    Thony

  2. @Thony: Ich meine Käßmann und schreibe „Käsemann“.

    Grüße aus Berlin, Ron

  3. Käßmann…Käsemann… – hmm, neue Runde im Margot-Bashing?? Bin gespannt…  😉

  4. Schandor meint:

    ROFL

    Käsefrau? Milchmann?

    Dawöö is‘ jo soa fescha Käfa, nedwoa?

  5. @ernst: Gerade einen Historiker sollten die sehr starken Argumente von Schilling überzeugen!

     

    Liebe Grüße, Ron
     
  6. Tim-Christian meint:

    „Nein, wir haben keine Zeit mehr zu solchen feierlichen Kirchenfesten, in denen wir uns vor uns selbst darstellen, wir wollen nicht mehr so Reformation feiern! Laßt dem toten Luther endlich seine Ruhe und hört das Evangelium, lest seine Bibel, hört das Wort Gottes selbst. Gott wird uns am Jüngsten Tage gewiß nicht fragen: Habt ihr repräsentative Reformationsfeste gefeiert?, sondern: Habt ihr mein Wort gehört und bewahrt? Lassen wir es uns darum sagen: Aber ich habe wider dich, daß du die erste Liebe lässest.“

    (Dietrich Bonhoeffer, Predigt zum Reformationsfest 1932)

  7. Wunderbar. Käsemann statt Käßmann. Das erinnert mich an Namenskreationen, die während der Grundschulzeit zum Mobben verwendet wurden.

  8. @ Ron: Ganz klar, da stimme ich Dir voll zu.

    Das ist andererseits nichts Neues und eine stets interessante Frage, inwieweit Gedenkanlässe instrumentalisiert werden, d.h. in welchem Ausmaß sie mindestens soviel über die Gedenkenden vermitteln als auch über die Person/das Ereignis, dessen gedacht werden soll. Und wer dabei den Ton angibt.
    Den archimedischen Punkt gibt es hier nicht: aber das gilt nicht nur für Frau Käßmann, sondern auch für konservative lutherische Professoren – oder auch aktuelle Vertreter einer "reformatorischenTheologie"… oder nicht?

    Gibt es also ein ´richtiges´ oder historisch korrektes Luther- Gedenken?
    Nein, natürlich nicht!

  9. @ Tim-Christian: Zu beachten ist, an welches Auditorium Bonhoeffer sich hier richtet!

    Außerdem sind seine Äußerungen durchaus zeitgebunden und nicht, bei aller  Wertschätzung, a priori über jede Kritik erhaben.

    (Gibt es eigentlich sowas wie ´Killer-Zitate´?) 😉

  10. @ernst und Tim-Christian

    Ich denke, dass Zitat von Bonhoeffer passt hier fast wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge. Aus der Predigt sollte auch das Zitat "Lies die Bibel, lies Luther" stammen. Wenn ich die Predigt recht in Erinnerung habe, ging es doch Bonhoeffer genau darum, dass Luther selbst zur Sprache kommt und nicht eine mehr oder weniger reflektierte Ansicht über die Ansichten Luthers über die Bibel. In diesem Sinne hat H. Schilling vollkommen recht. M. Käßmann (jetzt habt ich mich schon ganz unsicher gemacht, wie die Dame wirklich heißt!) versucht hier Luther für sich zu vereinnahmen. Bohnhoeffer weist darauf hin, dass uns Luther den Weg zur Bibel gezeigt hat. Das ist ein Hinweis, der für uns heute vielleicht noch wichtiger ist als in den 30er Jahren. Daher finde ich die Bohnhoeffer-Äußerung als gar nicht zeitgebunden, eher sogar als sehr weitsichtig, fast schon prophetisch 🙂

     

    Peter

     

    PS: @ernst: Bei einem anderen Thema bist du noch einen Beleg schuldig:

    http://theoblog.de/die-axt-an-die-wurzel/18046/comment-page-1/#comment-17313

  11. Roderich meint:

    Vor ca. 2 Wochen hörte ich Frau Kässmann ein einem öffentlichen Vortrag. Einerseits bezeugte sie in gewissem Maße den Glauben – allerdings verwässert. (Wunder? Es ist nicht schlimm, wenn Sie nicht an Wunder glauben. Dass es nach dem Tod weiter geht, das glaube ich).

    Sie sagte explizit: "Für mich ist Luther kein Held". Begründung: Weil der einige Dinge falsch gemacht hat, z.B. am Ende seines Lebens gegen die Juden gepredigt hat, oder was er gegen die Türken sagte, war auch "zu hart".

    Das finde ich sehr schade. Wenn sie nicht den Mut hat, sich zu Luther als Helden zu bekennen, soll sie bitte keine Luther-Botschafterin sein. Aber ihr ist der Beifall vom Zeitgeist lieber als der Beifall von Gott.

    Man kann Martin Luthers antisemitische Aussagen – die ja ohne Zweifel falsch und extrem überzogen waren – nicht an heutigen Maßstäben messen. Heute ist jeder gegen Antisemitismus – gerade nach den furchtbaren Erfahrungen in Deutschland in den 30er/40er Jahren unter Hitler.

    Aber damals war eben auch fast jeder Antisemit. (Die katholische Kirche hatte eine lange antisemitische Tradition). Auch darf man nicht vergessen, dass manche Juden in Luthers Augen eine Gotteslästerung betrieben, wenn sie z.B. sagten, Jesus (der Sohn Gottes) sei der Sohn einer Hure (Maria, die ja Joseph noch nicht geheiratet hatte).

    Antisemitische Aussagen sind nicht zu rechtfertigen, jedoch muss man sie im Kontext der jeweiligen Zeit sehen.

    Heinrich Heine, 1797-1856, selber jüdisch, beschrieb Luther als "sehr großen Helden". (Ob er das aus eher revolutionären Motiven, also aus falschen Motiven tat, sei mal dahingestellt). Jedenfalls sagte er (sinngemäß): Luther war ein großer Held. Wir, die wir Jahrhunderte später leben, sollten uns nicht an kleineren Charakterfehlern des Giganten Luthers aufhalten, sondern die großartige geschichtliche Bedeutung Luthers würdigen. (Das steht in Heines sehr unterhaltsamem Buch "Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland")

    Was die Türken angeht, standen die Türken ja kurz vor den Toren Wiens. Die Türken waren damals wesentlich schlagkräftiger als das verteilte Europa. Damals war es also eine reale Gefahr, dass die Türken – mit offensiver Kriegsführung – Europa einnehmen würden und das Christentum auslöschen würden. Darf man da nicht zu den Waffen rufen, dass sich Europa verteidigt? (Damit widersprach er nicht seiner eigenen Zwei-Reiche-Lehre, denn nur die Obrigkeit hatte das Schwert, und Verteidigungskriege gehören zur Aufgabe der Obrigkeit). Jeder vernünftige Europäer hätte damals zur Gegenwehr gegen diese Türkischen Offensiv-Jihad-Krieger aufgerufen.

    Fakt ist: Luthers Aussagen zu Juden waren sicher falsch, zu den Türken vielleicht überzogen, aber insgesamt sind sie aus der Zeit zu sehen.

    Klar sind hingegen die Verdienste Luthers: 1483 geboren, seit 1505 Mönch, seit 1511 in Wittenberg, kämpfte sich Luther in mehreren Jahren intensiven geistlichen und intellektuellen Ringens durch die Verirrungen mehrerer Jahrhunderte scholastischer Theologie und durchdachte Schritt für Schritt die Irrlehren der katholischen Kirche, und kehrte zurück zu einer klaren biblischen Linie. Nicht auszudenken, was ohne Gottes Wirken durch Martin Luther (und – nach Luther – durch die anderen Reformatoren, die ja auf Luthers Wirken aufbauten) aus Europa geworden wäre!! Und noch schlimmer, was aus der Kirche geworden wäre. (Menschlich gesprochen – denn Gott kann sich jederzeit andere Reformatoren berufen, wenn die berufenen versagen).

    Europa wäre evtl. im Sumpf der katholischen Korruption untergegangen. (Peter Hammond sagte mal: Wegen der Reformation stieg in west- und nordeuropäischen Ländern die Lebenserwartung und auch die ökonomische Kraft (wegen der protestantischen Arbeitsethik). Nur deshalb konnte der Islam später zurückgeschlagen werden.)

    Luther kämpfte sich also wie gesagt in seiner Wittenberger Zeit durch die Irrtümer scholastischer Theologie und "wiederentdeckte" die biblische Sicht in vielen theologischen Fragen. Unter Einsatz seines Lebens verteidigte er die biblische Sicht im Reichstag zu Worms – dies hätte (siehe Wycliffe und Hus) seine Karriere oder sein Leben kosten können.

    So wie in Hebräer 11 die "Glaubenshelden" des Alten Testamentes gefeiert werden, und so, wie Paulus uns gebietet, uns zunächst am Vorbild Jesu Christi, dann aber auch am Vorbild der glaubenden Vorgänger auszurichten, (1. Kor. 11,1; Phil 2,5; Phil 3,17; Phil 4,9; Hebr. 12,1-3), so sollen wir uns auch an den GLAUBENSHELDEN der KIRCHENGESCHICHTE ausrichten.

    Trotz gewisser Fehler war Luther definitiv ein großer Held der Kirchengeschichte. (Vielleicht fällt das Katholiken schwieriger einzugestehen, für Protestanten ist das normal). Wenn ein Protestant das leugnet, ist das also unverständlich. 

    Wer nun wie Kässmann meint, "Luther war kein Held", hat definitiv nicht die charakterliche Statur, um "Botschafter" der Reformation 2017 zu sein, oder um Luther zu vertreten. Denn Kässmann traut sich nicht, offensichtliche Wahrheiten gegenüber dem Zeitgeist zu vertreten.

    (Hinzu kommt, dass Kässmann selber keine klaren biblischen Überzeugungen hat. Das eigentliche Evangelium predigt sie nicht – ich habe es von ihr an dem Abend jedenfalls nicht gehört. (Da hatte Kässmann zwei Stunden lang 2.000 Leute vor sich und hat bei manchen ein gutes Gefühl hinterlassen, wie nett und sympathisch doch Frau Kässmann ist, hat aber nichts davon gesagt, dass der Mensch Sünder ist, dass er Vergebung braucht durch Jesus Christus, dass wir Gott gehorchen müssen in allen Dingen, etc. Wer keine Überzeugungen hat, für den ist es auch viel schwieriger, Rückgrat zu zeigen – denn er hat keine Motivation, seine Popularität zu verlieren für eine Wahrheit, von der er / sie gar nicht so überzeugt ist).

     

  12. @ peter: nein, ich bin garnichts schuldig; denn soviel Zeit hab ich nicht!

    @ roderich: Du schreibst (wie häufig) soo viel, dass man selber eine halbe Stunde beschäftigt wäre, wollte man auf alles eingehen…

    Immerhin, endlich wird hier so langsam das Feuer auf die nette Frau Käse… äh…Käßmann eröffnet! 😀

    Und Luther – ein Held? Was soll denn das? Was wäre denn ein Held? Gibt es das noch, genauer gesagt, können wir heute noch unbefangen von Helden reden? Ich glaube, Luther wäre der erste gewesen, der dagegen protestiert hätte: "Wir sind Bettler, das ist wahr", sind seine letzten schriftlich überlieferten Worte gewesen…  –  "Aber ihr [Käßmann] ist der Beifall vom Zeitgeist lieber als der Beifall von Gott." Aha… so einfach ist da also. Du hörst sie einmal und weißt schon Bescheid! 

    Ansonsten: ein bisschen Geschichtsklitterung, was Du schreibst ist ja nicht ganz unsinnig, aber es sind diese undifferenzierten Vereinfachungen: dass die Türken damals nicht den Frieden, sondern Ausdehnung ihres Machtbereichs wollten, stimmt ja, aber dass sie "Europa einnehmen würden und das Christentum auslöschen würden" ist historisch völlig spekulativ und daher nichts als blanker Unsinn! 
    Du schreibst von " Türkischen Offensiv-Jihad-Krieger(n)"? Was ist denn das für eine Sprache? SO wird man der osmanichen Offensive nicht gerecht; es ging um brutale Machtpolitik in allererster Linie.

    Komm bitte auch nicht mit Max Webers "Protestantisch[r] Ethik und de[m] Geist des Kapitalismus": Diese These ist hundert Jahre alt und wird heute von Wirtschaftshistorikern teils viel differenzierter gesehen, teils auch bestritten.

    Heinrich Heine als Kronzeugen zu bemühen, ist gewagt: das alte Lästermaul hat Luther derart auf den Schild gehoben, weil er selbst die katholische Kirche als Hort der Reaktion beurteilte und ihr ordentlich eins auswischen wollte!

    Und es ist auch zu billig, Luthers antisemitische Ausfälle einfach mit dem Zeitgeist zu entschuldigen; angesichts der unseligen Tradition des deutschen Antisemitismus muss man hier einfach kritischer sein! Das heißt doch nicht, dass ich nicht den herazusragenden Beitrag Luthers kleinreden wollte – im Gegenteil. Gerade weil Luther auch angreifbar ist, muss man um so mehr würdigen, was er an historischer Leistung zustande brachte. Er hat sich nicht gescheut, auch in die Niederungen des kirchlichen Alltags sich zu begeben; es ging ihm immer auch um die Menschen, die Seelsorge.

    Aber dass Du schließlich nicht nur die charakterliche (!) Eignung von Frau Käßmann bestreitest, sondern auch behauptest, sie habe " keine klaren biblischen Überzeugungen" – das ist schon mehr als ein starkes Stück! "Das eigentliche Evangelium predigt sie nicht", sagst Du: für solch ein vernichtendes Urteil genügen Dir 2 Stunden Vortrag! "Wer keine Überzeugungen hat, für den ist es auch viel schwieriger, Rückgrat zu zeigen"! Das hast Du vermutlich sogar geschrieben, ohne rot zu werden? Merkst Du nicht,was Du hier für Urteile vom Stapel lässt? Du richtest ohne Skrupel, ein kurzer Moment genügt?

    Frau Käßmann redet sicher anders vom Glauben als Du oder ich – lass sie doch! Was Gott damit anfängt, ist seine Sache.

    Neulich war ich auf einer Beerdigung, und da hat der fromme Trauerredner viel "davon gesagt, dass der Mensch Sünder ist, dass er Vergebung braucht durch Jesus Christus, dass wir Gott gehorchen müssen in allen Dingen" usw. – und es war einfach nur völlig daneben und wurde weder der Verstorbenen noch den Zuhörern gerecht!

  13. Roderich meint:

    @Ernst,
    Hast Du irgend ein schriftliches Zitat von Kaessmann, wo siendas Evangelium predigt?

  14. Roderich meint:

    … Und auch sonst fällt mir auf, dass Du in Deinen Beiträgen nur die Aussagen anderer „bezweifelst“ oder „in Frage stellst“, nach dem Motto „soooo kann man das aber nicht sagen“, ohne dann konkrete Argumente oder Deine Sichtweise zu bringen.

  15. dass die Türken damals nicht den Frieden, sondern Ausdehnung ihres Machtbereichs wollten, stimmt ja, aber dass sie "Europa einnehmen würden und das Christentum auslöschen würden" ist historisch völlig spekulativ und daher nichts als blanker Unsinn!

     

    Na ja, spekulativ ist es sowieso, weil es nicht eingetreten ist und man es im Nachhinein nicht beweisen kann. Aber deswegen ist es nicht automatisch Unsinn. Wer sich die Geschichte der Ausbreitung des Islam anschaut, hat gute Gründe, anzunehmen, dass die Muslime Europa sehr verändert hätten. Christliche Kulturpflege hätten sie sicher nicht betrieben.

     

    Als besonders bibeltreu ist mir die Frau Käßmann auch noch nicht aufgefallen. Wo hat die Frau denn schon mal richtig "klare Kante" gezeigt? Mindestlohn, Afghanistan und solche Themen zählen nicht, weil das nicht "Evangelium" ist. Das mag gesellschaftlich relevant sein, ist aber eben nicht die frohe Botschaft.

     

    Frau Käßmann redet sicher anders vom Glauben als Du oder ich – lass sie doch! Was Gott damit anfängt, ist seine Sache.

     

    Und das ist die Crux. Sie können alle sehr salbungsvoll reden. Und ich hab nichts gegen gute Redner. Aber die Form verrät hier meiner Meinung nach doch oft auch sehr viel über den Inhalt. Da wird mit Phrasen und Floskeln oft der magere Inhalt kaschiert. Und das sollte man thematisieren dürfen. Über die Form mag man in Zweifelsfall streiten, aber ist es nicht erstaunlich, dass sich teilweise sogar Nichtchristen über das mangelnde Profil der Evangelischen Kirche amüsieren? Man erinnere sich da nur an die Berichterstattungen zu den letzten Kirchentagen. Was wurden da für Häme ausgeschüttet über diese Veranstaltung, die einige gar dazu verleitete, dieses Protestanten-Event mit einer Esoterik-Tagung zu vergleichen.
    Spätestens da merkt man dann: Form und Inhalt haben miteinander zutun. Letztendlich geht es um den Inhalt. Und wenn der nicht ausbalanciert ist, dann ist das kritikwürdig. Wenn Gottes Heiligkeit nicht angesprochen wird; wenn die (persönliche, furchtbare) Konsequenz der Sünde nicht aufgezeigt wird; wenn Heiligung kein Thema ist; wenn nicht erklärt wird, dass Nachfolge hohe Kosten verursacht und wir gut daran tun, sie zu bedenken.

     

    Neulich war ich auf einer Beerdigung, und da hat der fromme Trauerredner viel "davon gesagt, dass der Mensch Sünder ist, dass er Vergebung braucht durch Jesus Christus, dass wir Gott gehorchen müssen in allen Dingen" usw. – und es war einfach nur völlig daneben und wurde weder der Verstorbenen noch den Zuhörern gerecht!

     

    Das ist schade. Aber es zeigt, dass man auf beiden Seiten vom Pferd fallen kann. Dieser hatte nicht die Empathie, in einer Situation der Trauer Tröstendes zu sprechen. Käßmann hingegen redet fast immer wie auf einer Beerdigung: Von Liebe, Gnade, abgewischten Tränen, Vertrauen, Hoffnung. Auf ein donnerndes Wort der Buße wartet man bei ihr vergebens. Stattdessen gibt es Klima, Afghanistan und soziale Ungerechtigkeit. Genau deswegen brauchen wir mehr von Luther und weniger von Käßmann. Das Evangelium sollte nicht arbeitsteilig gepredigt werden, sondern voll und ganz und ausgewogen vom jedem Einzelnen!

  16. @ernst

    nein, ich bin garnichts schuldig; denn soviel Zeit hab ich nicht!

    Du hast aber auch die Zeit gehabt, eine Behauptung aufzustellen – dann solltest du dir auch die Zeit nehmen und diese belegen!

     

    Peter

  17. Zu Margot Käßmann:

     

    es geht nicht darum zu hetzen …

    Frau Käßmann ist ohne Zweifel für viele das, was man wohl eine charismatische, authentische Person nennt … – das Gegenteil eines Langweilers, eines Schauspielers, das Gegenteil zur antrainierten Publikumswirksamkeit …

     

    Das täuscht doch aber nicht darüber hinweg, dass es im Vorfeld bereits begründete andere Stimmen gab zu ihrem Spezialauftrag – bspw.:

    http://www.idea.de/detail/thema-des-tages/artikel/kaessmann-als-botschafterin-eine-fehlbesetzung.html

    (6. Juli 2011)

     

    Außerdem gab es da ja noch dieses:

    http://www.bekennende-kirche.de/hefte/Bekennende_Kirche_13.pdf

    (Febr. 2003)

    Zitat: „Die Leiterin der Hannoverschen Landeskirche, Margot Käßmann, hat das biblische Verständnis

    der Jungfrauengeburt für überholt erklärt. Gegenüber der Deutschen Presseagentur (dpa) behauptete

    sie, daß die diesbezügliche alttestamentliche Stelle bei Jesaja (7,14) nur von einer „jungen Frau“

    spreche. Die historisch-kritische Bibelauslegung habe gezeigt, daß die Bedeutung von sexueller

    Unberührtheit erst nachträglich hinzugefügt wurde und auch nur in einem Evangelium zu finden sei. Im

    traditionellen Verständnis der Jungfrauengeburt liege eine Ursache für die spätere Sexualfeindlichkeit

    der Kirchen. Man habe Eva und Maria als Gegenpole verstanden: „Die eine stand für die Verführung

    in der Welt, die andere für die unbefleckte Empfängnis.“

     

    Kein Hut von gestern, weil:

    http://www.evangelisches-medienzentrum.de/media/b812bf4c63ddae563e2cc9f3d20796dc.pdf

    Zu Ihrem Buch über das Glaubensbekenntnis:

    (Anderweitig wird dieses Buch vorgestellt als „was den evangelischen Glauben ausmacht …“) 

    Zitat: „Na ja, und dann kommt es, wie es kommen muss. Lukas hat in seinem

    Evangelium aus der jungen Frau bei Jesaja eine Jungfrau gemacht. Die Geschichte

    von der Jungfrauengeburt wurzele in alten Mythen aus dem zweiten Jahrtausend vor

    Christus und betone lediglich das Besondere an diesem Menschen. Da siegt, ganz

    im Sinne liberaler deutscher Normaltheologie, die Vorstellung vom menschlich

    Möglichen über den Glauben an das Wunder der Menschwerdung Gottes.“

     

    Vielleicht ist ja die Jungfrauengeburt jetzt auch nicht so zentral und darauf könnte man ja auch verzichten. Es reicht doch, wenn noch „Kreuz“ und „Auferstehung“ und „Jesus ist Gott“ bleiben … Macht auch nichts, wenn weiterhin das Glaubensbekenntnis gesprochen wird, obwohl Teile bereits als Glaubensinhalte und historische Wahrheit aufgegeben sind … Als „Verbundenheitsritual“ geht es noch … Wer dann solche Inhalte tatsächlich von A bis Z glaubt, muss zu Einfältigen und Naiven gehören ….Auch die müssen nun mal getragen werden … bzw. für mehr Bildung sollte man dann wohl sorgen …

    (Übrigens das Ganze kenne ich selbst als jahrelanges Mitglied einer Kirchgemeinde der EKD … am Ende war nur noch Trennung davon möglich …)  

     

    Was bitte hat dies mit Luther gemein?

    http://www.luther2017.de/20361/selbst-denken-margot-kaessmann-als-botschafterin-fuer-das-reformationsjubilaeum-eingefuehrt

    Zitat: „Käßmanns erste Forderung lautet: "Selbst denken!"

    Also ich komme nicht umhin hier die Instrumentalisierung eines Luthers zu sehen, der selbst  kirchliche Dogmen anhand der Schrift hinterfragte. Bei Käßmann wird ein Hinterfragen daraus für das Luther sicher kein Verständnis gehabt hätte. Dennoch hat man u. a. den Anspruch mit ihr als „Leitfigur“:

    Zitat: „Die inhaltlichen Anliegen der Reformation sollen "allem Volk" vergegenwärtigt werden, warb der rheinische Präses.“

     

  18. mannomann, das geht ja richtig ab hier…

    Ich habe sehr wohl auch begründend dargestellt, warum ich anderer Meinung bin als ihr.

    Ihr redet von "klarer Kante", wisst genau was die "Frohe Botschaft" ist, fordert donnernde Worte der Buße (Nochmals: bei solcher Sprache graust es mir). Käßmann rede "fast immer wie auf einer Beerdigung" – soso… (eine ziemlich wolkige Behauptung ist das)
    Ich finde zwar auch nicht alles so gehaltvoll, was sie sagt, aber sie schafft es offenbar immer wieder, Menschen anzusprechen, dass diese sich ernst genommen fühlen. Das hat auch damit zu tun, dass sie nicht nur den Ton, sondern auch den Zugang zu Themen oder Situationen findet, bei denen viele ratlos sind. Dass ihr das gelingt, ist schon mal eine ganze Menge. Und sie hat viel Verantwortung schon in ihrem Leben getragen.

    Generell fällt auf, mit wieviel ´Selbstbewusstsein´ eure Standpunkte vertreten werden. Eine Sicht, die auf anderes Wert legt wird in der Regel nicht anerkannt, mein Beitrag wird seziert und das ein oder andereheruasgegriffen, und dabei versucht ihr das alles so darzustellen, als wäre die  richtige Perspektive oder auch eine gewisse ´Wissenschaftlichkeit´nur auf eurer Seite. 

    Die Wahrheit ist einfach: ihr habt ein Feindbild, und daran wollt ihr nicht rütteln lassen. 

  19. @ernst: Zu behaupten, Luther sei ein Vorkämpfer der Frauenordination gewesen, ist so ein Käse, dass es einem Historiker (Theologen haben sich an solche Thesen gewöhnt) sämtliche Zehennägel verbiegen müsste. Es wundert mich, dass Du für solchen Missbrauch noch Worte der Verteidigung findest. 

     
    Liebe Grüße, Ron
     
      
  20. @ Ron: ICh kann  mich nicht entsinnen, dass ich das verteidigt hätte, – vielmehr: "Ich finde zwar auch nicht alles so gehaltvoll, was sie sagt…"  

    Aber das ist ja ein Punkt: einzelne Aussagen zu fokussieren und die Kritik daran aufzuhängen, finde ich nicht angemessen.

    DAss Käßmann selbstverständlich durch ihren akademischen Werdegang geprägt ist, also eine konventionelle universitäre Theologie, kann ja nicht anders sein. Das mag man bedauerlich finden. Wenn dagegen die Geschütze dogmatischer Festlegungen aufgefahren werden, dann steht sie natürlich unweigerlich auf der Verliererseite. 
    Über ihr Christsein sagt das noch nichts aus!Und sie ist denn auch mehr als Bischöfin denn als Theologin in Erinnerung.

    Was ich nicht verstehe: dass man ihr gegenüber nicht einfach tolerant sein kann!
    Welchen Standpunkt nahm seinerzeit Gamaliel (Apg.5) ein?

    Außerdem: eine Luther-Botschafterin ist primär nicht dazu berufen worden, akademische Debatten unter Fachgelehrten zu initiieren, sondern das Anliegen eines Luther-Gedenkens für die breite Öffentlichkeit ikns Bewusstsein zu rufen: dafür ist sie eine sehr gute Besetzung.

    Dass andererseits ihre Stärke, nämlich die Öffentlichkeitswirksamkeit, zuweilen auch zu einer Schwäche wird, durch allzu griffige Äußerungen, mag ja ärgerlich sein; die Masse der Menschen interessiert es nicht. Die verstehen sowieso nichts von Theologie! Aber wenn sie ein bisschen Ahnung bekommen, dass die Reformation Luthers weitreichende Konsequenzen hatte und dass der Glaube, das Vertrauen auf Gott frisch und gegenwärtig sein kann – dann wäre mehr erreicht, als man eigentlich erwarten kann!

  21. @ernst: Tolerant gegenüber Frau Käßmann bin ich und will ich gern sein. Doch gerade das, was sie sagt, muss man kritisieren dürfen!

     

    Liebe Grüße, Ron
     
  22. @ernst

    Mir ist deine Haltung unbegreiflich.

    Es geht doch nicht darum ein allumfassendes Personenurteil über Frau Käßmann abzugeben.

    In der Auseinandersetzung mit ihrem Spezialauftrag geht es um eine eingegrenzte Sache.

     

    Hier kann zum eigentlichen Gespräch auch noch mal nachgelesen werden:

    http://www.dradio.de/dlf/sendungen/tagfuertag/1914280/

    Luther als der sperrige Rebell

    Kritik an inhaltlichen Vorstellungen zur Feier des Reformationsjubiläums von Heinz Schilling

    Heinz Schilling im Gespräch mit Monika Konigorski

     

    Ein Bischofsamt (und ich lasse jetzt die Geschlechterfrage außen vor) ist ohne Theologie kaum denkbar und Christenleben ebenso wenig.

    Theologie ist doch keine Bezeichnung für eine Spezialgruppe namens „Akademiker“.

    Der ist ein guter Bischof, der die ihm Anvertrauten zum „mündigen Christsein“ führt. „Akademische Theologie“ herunter zu transformieren ohne Wahrheitsverlust wäre eine angemessene Erwartungshaltung.

    Auch Frau Käßmann hat das verstanden, wenn da nicht ihre problematische Theologie wäre …   

    Weil jemand nichts von Theologie versteht, darf doch daraus niemals der Schluss gezogen werden, dass Lügen legitim sind. Hauptsache das Ergebnis (Öffentlichkeitswirksamkeit und „es ist in aller Munde“) stimmt. Allein das passt schon mit der viel propagierten Nächstenliebe überhaupt nicht zusammen ….

     

    Das „Anliegen eines Luther-Gedenkens“ für die breite Öffentlichkeit geht doch nicht ohne Anliegen Luthers bzw. mit Fehldarstellungen Luthers bzw. mit …

    Wenn Herr Schilling eine solche Fehldarstellung aufzeigt, dann kann doch die Reaktion nicht sein:

    „Manchmal ist sie halt nicht so gehaltvoll. Lasst die arme Frau mal gewähren, vielleicht ist es denn doch von Gott ….“.

    Gamaliel hier zu bemühen ist unsinnig, weil die sachbezogene Kritik an ihrem Spezialauftrag keine antichristliche Verfolgungswelle darstellt und weil Lüge nicht „aus Gott“ kommen kann. Insofern könnte man warten „bis die Hölle gefriert“ oder … bis sich irgendwann mal erweisen sollte, dass „Lüge aus Gott kommt“.

     

    Sich jetzt hier aber reinzusteigern, halte ich auch für verfehlt. Auch ich habe die Hoffnung, dass mit dem „Luther-Gedenken“ auch positive und wahre Anstöße gegeben werden. Nur mein Fuß ist dann eben nicht Gamaliel – sondern bspw. der Lobgesang der Maria oder all das, was über die Weltregentschaft meines Gottes geschrieben steht.     

  23. @ Ron: Dem stimme ich zu!

    @ lutz: Ja, genau, das war (oder sollte sein) ein Gespräch über Luther.

    Ansonsten: Ich erwarte auch nicht, dass jeder meinen Standpunkt begreift. (Woran auch immmer das liegt.)

    Wenn es darum geht, "„Akademische Theologie“ herunter zu transformieren ohne Wahrheitsverlust", so ist das sicher in der gesamten Kirchengeschichte eine Herausforderung gewesen: das beginnt nicht mit Luther und hört nicht mit Frau Käßmann auf – immerhin hat sie sich aber an exponierter Stelle dieser Herausforderung gestellt… 

     

    PS: Im gesamten Gespräch von Schilling mit dem DLF ist von Frau Käßmann nur in einem Satz die Rede… 😉

  24. Roderich meint:

    @Ernst,

    hast Du vielleicht noch ein Zitat aus irgend einem Buch oder einer Predigt von Frau Käßmann, wo sie tatsächlich das traditionelle Evangelium predigt? Würde mich nur interessieren. (Deswegen musst Du jetzt keine Bücher kaufen von ihr. Es könnte aber sein, dass Du schon welche von ihr hast, da Du sie ja so verteidigst, und daher sicher gut weisst, was sie geschrieben hat).

  25. Roderich meint:

    @Ernst, danke. Kannst Du daraus auch zitieren, wo sie das Evangelium predigt?

  26. @roderich: ? ? ?

    (da Du lesen & denken kannst, darf ich Dir texterschließende Kompetenz zutrauen. Und Zitate sind Belege, nicht die Sache selbst! Also…Augen auf im Straßenverkehr!)

     

  27. Schandor meint:

    @ernst @roderich

    ach, nichts weiter …

    😉

  28. Roderich meint:

    @Ernst,

    es ging ja um die Frage, ob Frau Käßmann das Evangelium predigt. (Das setzt voraus, dass wir beide wissen, was das Evangelium ist).

    Jetzt nennst Du einen Link (da hättest Du auch gleich einen Buchtitel nennen können) und sagst: "Suche Dir das Zitat doch selber raus". Warum soll ich einen Beleg für Deine These suchen? Und wenn ich es nicht finde, liegt es daran, dass meine Augen nicht auf sind… ts, ts, ts.

Ihre Meinung ist uns wichtig

*