Luther auf dem Reichstag zu Worms

Luther.jpgMartin Luther hatte von der Kirche immer wieder die Widerlegung seiner Lehren aus der Heiligen Schrift gefordert. Das wurde ihm unter Berufung auf frühere Konzilsentscheidungen und die Lehrgewalt des Papsttums allerdings nicht zugestanden. Seine Schriften wurden in der päpstlichen Bulle »Exsurge Domine« vom 15. Juni 1520 verurteilt und so hoffte die Kirche, die Sache sei damit vom Tisch.

Luthers Universität Wittenberg sowie sein Landesfürst, Kurfürst Friedrich der Weise, verteidigten allerdings Luthers Anspruch auf unparteiisches Gehör und eine Widerlegung aus der Heiligen Schrift. Der Kurfürst erlangte beim Kaiser Karl V., der in Worms seinen ersten Reichstag abhielt, dass Luther vorgeladen wurde. Luther wurde dort gefragt, ob er seine von Rom verurteilten Schriften widerrufen wolle. Luther, der damit nicht gerechnet hatte, erbat sich einen Tag Bedenkzeit und entwarf für den 18. April 1521 eine Antwortrede, die ich hier anlässlich des Reformationstages auszugsweise wiedergebe:

Weil ich aber ein Mensch bin und nicht Gott, kann ich meine Schriften nur so verteidigen, wie mein Herr Jesus Christus seine Lehre verteidigt hat. Als er vor Hannas über seine Lehre befragt wurde und ein Diener ihm ins Gesicht schlug, hat er gesagt: »Habe ich unrecht geredet, so beweise, daß es unrecht ist.« (Joh. 18,23). Wenn der Herr selbst, der wußte, daß er nicht irren kann, bereit ist, selbst von einem niederen Knecht ein Zeugnis gegen seine Lehre zu hören, wieviel mehr muß dann ich, der ich ein Nichts bin und nur irren kann, darum bitten und darauf warten, ob jemand gegen meine Lehre Zeugnis vorbringen will. Darum bitte ich durch die Barmherzigkeit Gottes, Eure Majestät, Eure durchlauchtigsten Herrschaften oder wer auch immer es vermag, der Höchste oder der Geringste, wolle Zeugnis geben, die Irrtümer widerlegen, sie mit Propheten- und Evangelienworten überwinden; denn ich werde, wenn ich belehrt worden bin, bereit sein, jeden Irrtum zu widerrufen, und meine Bücher als erster ins Feuer werfen.

Daraus geht, so meine ich, hervor, daß ich die aus Anlaß meiner Lehre in der Welt entstandenen Gefahren, Zwietracht und Streitigkeiten, deretwegen ich gestern ernst und streng ermahnt worden bin, wohl im Auge gehabt und erwogen habe. Für mich ist es allerdings der allererfreulichste Anblick, wenn ich sehe, daß um des Wortes Gottes willen Eifer und Streit entstehen. Denn das ist der Lauf, das Geschick und der Ausgang des Wortes Gottes, wie der Herr sagt: »Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert; denn ich bin gekommen, einen Menschen mit seinem Vater zu entzweien« usw. (Matth. 10,34 f.) Darum müssen wir bedenken, wie wunderbar und schrecklich unser Herr in seinen Plänen ist, damit nicht das, was zur Beilegung von Streitigkeiten unternommen wird – wenn wir damit anfangen, das Wort Gottes zu verurteilen –, vielmehr zu einer Sintflut unerträglichen Übels führt. Man müßte dann Sorgen haben, daß die Regierung dieses jungen edlen Fürsten Karl (auf den sich nächst Gott viel Hoffnung richtet) unglücklich werden könnte. Ich könnte das an vielen Beispielen der Schrift vom Pharao, vom König von Babylon und von den Königen Israels zeigen, die sich dann am meisten zugrunde gerichtet haben, wenn sie mit den weisesten Ratschlüssen ihre Reiche befrieden und befestigen wollten. Denn Er ist es, der die Klugen in ihrer List fängt und Berge zu Fall bringt, ehe sie es merken (Hiob 5,13; 9,5). Darum bedarf es der Furcht Gottes. Ich sage das nicht, weil so hochgestellte Persönlichkeiten der Belehrung und Ermahnung durch mich bedürften, sondern weil ich meinem Deutschland den gehorsamen Dienst, den ich ihm schulde, nicht vorenthalten darf. Damit befehle ich mich Eurer Majestät und Euren Herrschaften. Ich bitte demütig, es nicht zuzulassen, daß der Eifer meiner Gegner mich ohne Grund bei ihnen in Ungnade stürzen läßt. Ich habe geredet.

Luther wurde nach diesen Worten vorgehalten, er habe nicht zur Sache geredet und ihm stehe nicht zu, Konzilienentscheidungen in Zweifel zu ziehen. Man erwartete von ihm keine »gehörnte«, sondern eine einfache Antwort. Der Reformator antwortete:

Wenn Eure Majestät und Eure Herrschaften denn eine einfache Antwort verlangen, so werde ich sie ohne Hörner und Zähne geben. Wenn ich nicht durch Schriftzeugnisse oder einen klaren Grund widerlegt werde – denn allein dem Papst oder den Konzilien glaube ich nicht; es steht fest, daß sie häufig geirrt und sich auch selbst widersprochen haben –, so bin ich durch die von mir angeführten Schriftworte überwunden. Und da mein Gewissen in den Worten Gottes gefangen ist, kann und will ich nichts widerrufen, weil es gefährlich und unmöglich ist, etwas gegen das Gewissen zu tun. Gott helfe mir. Amen.

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