Margot Käßmanns romantischer Pazifismus

Mit Liebe müsse man den Brüsseler Terroristen begegnen, meint die evangelische Theologin Margot Käßmann. Liebe heißt hier natürlich nicht, die Mörder für ihre Grausamkeiten bestrafen, sondern ihnen vergeben, ihnen „mit Beten und Liebe zu begegnen“.

Freilich stimmt, dass der Islamismus nicht allein mit Waffen zu bekämpfen ist. Das kann nicht funktionieren und kommt bei den aktuellen Debatten viel zu kurz. Die Weltbilder, die den sinnlosen Mord an Zivilisten rechtfertigen und stimulieren, müssen widerlegt werden. Aufklärung, Religionskritik im guten Sinn, ist deshalb nötig. Diskutierten und rängen wir doch wieder um die Wahrheit (der Religionen)!

Dass allerdings ein Staat den Terrorismus kampflos hinnimmt, ist keine christliche Staatsethik, sondern romantische und gefährliche Schwärmerei. Hannes Stein hat für DIE WELT den Pazifismus der EKD-Botschafterin für das Reformationsjubiläum 2017 unter die Lupe genommen. Ich bin nicht mit allem einverstanden und vermisse die für die christliche Sozialethik so wichtige Unterscheidung zwischen einem geistlichen und politischen Reich. Dennoch sei die Pazifismuskritik empfohlen:

Das moralische Problem des Pazifismus ist Folgendes: Ich kann für mich selber zwar sagen, dass ich unter keinen Umständen Gewalt anwenden werde, dass ich mich lieber töten lasse, als einen anderen Menschen zu töten, dass ich mich gegen Übergriffe niemals zur Wehr setzen will. Aber schon für meinen kleinen Sohn kann ich das nicht mehr sagen.

Hier mehr: www.welt.de.

Kommentare

  1. Um dazu zum Beispiel C.S. Lewis‘ Meinung zu hören, müsste man leider in den Englischen Originalsammlungen seiner Essays nachschauen, da – @Hanniel: bitte prüf das mal nach, ich denke Du hast sie – in den deutschen Ausgaben von „The Weight of Glory and Other Adresses“ das Essay „Why I am not a Pacifist“ geflissentlich ausgelassen wurde. Ähnlich wie in „Gott auf der Anklagebank“ wo „Dangers of National Repentance“ nicht mit übersetzt wurde. Wenn man die Essays gelesen oder, wie ich, als Hörbuch gehört hat, kommt man zu der Überzeugung, dass das kein Zufall sein kann. Und der Lutherische Konvent im Rheinland hat sich auch hierzu gemeldet: https://www.facebook.com/permalink.php?story_fbid=916422381810416&id=118045188314810

  2. Frau Käßmann redet meist Käse und ist einfach nur links.
    Die Analysen sind zutreffend, wie auch die Analyse von Herrn Kissler im Cicero. Allerdings reicht bei Frau Käßmann eigentlich auch die Analyse: links-protestantisch (inwieweit sie Marx wichtiger als das Evangelium nimmt, wäre zu klären). Das erklärt ihre völlig verantwortungslosen und unchristlichen Statements, die die Tagespresse genüsslich seit 30 Jahren widergibt: Pille = gut. Frauen als Karrierefrauen = gut. Schutz des Lebens = schlecht. Krieg = schlecht. Schutz von Opfern = schlecht. Betroffenheit = gut. Ratio = nicht vorhanden.
    Gesinnungsethik ist keine Ethik. Wer keine Verantwortung übernimmt für die Folgen seines Handelns, der ist bloß ein Schwätzer.

    „Der frühere Heeresinspekteur Generalleutnant a.D. Helmut Willmann (Bonn) sagte der Evangelischen Nachrichtenagentur idea, dass Käßmann einen „fast fundamentalistischen Pazifismus“ vertrete: „Sie macht zwischen der Gesinnungsethik für den Einzelnen und einer allgemeinen Verantwortungsethik keinen Unterschied.“ Sie übertrage die Aussagen der Bergpredigt – „Liebet eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen“ (Matthäus 5,44) – auf die Politik: „Das würde dann bedeuten, dass ein Staat seiner Aufgabe, die Bürger nach innen und außen zu schützen, nicht nachkommt. Es wäre eine vollkommene Schutzlosigkeit. Das kann Jesus in der Bergpredigt nicht gemeint haben.“ Es gebe Situationen, wo es unmoralisch sei, nichts zu tun. Als im vergangenen Jahr im Irak ein Völkermord an den Jesiden durch die Terrororganisation „Islamischer Staat“ gedroht habe, habe Käßmann einen militärischen Einsatz abgelehnt: „Wenn die Gefahr besteht, dass Unschuldige getötet werden, dann müssen wir handeln. Damit zeigt sich: Der fundamentalistische Pazifismus von Frau Käßmann kann, wenn man ihn vom einzelnen Menschen auf die Schutzfunktion des Staates überträgt, unmoralisch sein.“ idea

  3. Theophil Isegrim meint:

    Als Jesus am Sabbat heilte, könnte man das als Sünde ansehen (und nicht als Wunder), weil die Sabbatruhe gebrochen wurde. Aber es war niemals Sünde, weil, wenn er es nicht getan hätte gegen das Liebesgebot verstoßen hätte.

    Das Liebesgebot hat einen sehr hohen Stellenwert und damit auch die Feindesliebe. Was aber, wenn mein Feind gerade dabei ist jemand zu töten und ich könnte es verhindern. Verstieße es nicht gegen das Liebesgebot, wenn ich passiv bleiben würde? Ich kann doch nicht die Nächstenliebe auf Kosten der Feindesliebe aufgeben. Das scheint Frau Käßmann nicht zu verstehen.

    Ich kann ja gerne mein Leben hingeben, wenn ich der Meinung bin, es müßte so sein. Aber für andere kann ich die Entscheidung nicht treffen und nichts tun.

    Ich bin sehr froh drüber als die Soldaten zu Johannes den Täufer kamen und fragten, was sie tun sollen. Sich an ihrem Sold genügen und die anderen nicht unterdrücken. Von zerbrich Dein Speer und diene deinen Feinden kann ich in der Bibel nichts lesen.

  4. Wenn die Alliierten damals so gedacht hätten wie Käßmann, dann wäre Hitler heute noch an der Macht. Vielleicht sollte Frau Käßmann mal die Arbeitslager in Nordkorea besuchen, und die Gefangenen fragen, was sie vom Pazifismus halten. Aber das traut sie sich wohl nicht. Das würde ihr naives Weltbild auch zu sehr erschüttern!

  5. rolf eicken meint:

    Leider ist mein Kommentar verschwunden.
    Rolf

  6. Hier ist nicht angekommen. Bitte mir per Mail oder Kontakt zusenden, dann kann ich ihn reinstellen.

    Liebe Grüße, Ron

  7. Pazifismus ist ansich ja nichts Schlechtes. Wenn mir allerdings jemand wie die Schergen des IS mit einer Kalaschnikow gegenüber stehen, wird mir mein Pazifismus nichts nützen. Allerdings dürfen wir unsere in teilweise langen Kriegen und sozialen Kämpfen durchgesetzten Werte, wie Demokratie, Religionsfreiheit, Meinungsfreiheit, Pressefreiheit usw., deshalb nicht opfern.
    Sie sind für uns in der westl. Welt zu wertvoll. Dass Frau Käßmann das Gebot der „anderen Wange“ hier überstrapaziert, sei ihr verziehen, verstehen kann ich es nicht.

    Nach meiner vorläufigen Genesung, werde ich mindestens die nächsten 6 Monate in meinem Häuschen in Südspanien verbringen. Auch der Garten braucht, nach 1 Jahr der Abwesenheit, Pflege.

    Ich danke allen Beteiligten an diesem Blog für die interessanten Themen und Kommentare. Sie haben mich oft zum Nachdenken gebracht.

    Liebe Grüße
    Rolf Eicken

  8. @Rolf

    Womöglich ist der IS auch der falsche Adressat. Mir hat bis heute noch keiner verständlich machen können, warum nicht alle Kräfte gemeinsam gegen den IS in Syrien vorgehen, warum der IS immer nur unschuldige Zivilisten angreift, warum Netanjahu erst jüngst wieder von einer Bedrohung Israels durch den IS sprach, gleichwohl aber – trotz geografischer Nähe – keine Angriffe auf Israel bekannt sind.
    Vor diesem Hintergrund scheint Frau Käßmann einem bestimmten Bild (woher auch immer sie es hat) zu folgen, das emotional verständlich, bei näherer Betrachtung aber unverständlich wird.

  9. Peter Geerds meint:

    „… wird mir mein Pazifismus nichts nützen.“
    Das kommt auf die Erklärung an, was „nützen“ heißt. Wenn es (nur) heißt, sich einen Vorteil verschaffen, ist Pazifismus so ziemlich die schlechteste Wahl.

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