Martin Luther und die Vernunft

AndersonCov.jpgDie Vernunft ist die »höchste Hur, die der Teufel hat« (WA 51, 126). Viele meinen, mit diesem Zitat sei die Position Luthers zur Vernunft beschrieben.

Dass Luther keinesfalls vernunftfeindlich eingestellt war, sollte jedem einleuchten, der seine sorgfältig vorbereitete Verteidigungsrede auf dem Reichstag zu Worms studiert. Luther sagte 1521 dort nämlich:

Wenn ich nicht mit Zeugnissen der Schrift oder mit offenbaren Vernunftgründen besiegt werde, so bleibe ich von den Schriftstellen besiegt, die ich angeführt habe, und mein Gewissen bleibt gefangen in Gottes Wort.

B.A. Gerrish’s Studie über die Vernunft bei Luther hat die Wahrnehmung der Vernunftkritik des Reformators besonders stark geprägt. Nun hat David Andersen eine Untersuchung vorgelegt, die die Ergebnisse von Gerrish hinterfragt. Paul Helm schreibt in seinem Vorwort zur Studie, die von Alister E. McGrath und John Warwick Montgomery begleitet wurde:

The result of this many-sided approach to the Reformer is a refreshingly positive re-evaluation of Luther‘s estimate of reason and of the often-reproduced portrait of Luther as fideistic and pessimistic. This new orientation also succeeds in revealing the complexity of Luther‘s thought, its nuances as well as its tensions, and the fact that he thinks of reason and faith on various levels. Reason is majestic, but it is to be subordinate to the will of God. It is majestic, but it is also fragmented and distorted by the Fall.

Das Inhaltsverzeichnis kann zusammen mit einem Vorwort von John Warwick Montgomery hier herunter geladen werden: Andersen_Luther.pdf

Das Buch:

  • David Andersen: Martin Luther The Problem of Faith and Reason: A Reexamination in Light of the Epistemological and Christological Issues, Preface by John Warwick Montgomery and Foreword by Paul Helm, Bonn, VKW, 2009, 196 S.

kann hier erworben werden:

Kommentare

  1. Johannes meint:

    Gerade habe ich ein Zitat dazu gefunden: „Et sane verum est, quod ratio omnium rerum res et caput et prae ceteris rebus huius vitae optimum et divinum quiddam sit.“ Aus der disputatio de homine, These 4. Das ist ja fast schon aristotelisch…

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