Mediennutzung junger Erwachsener

Der im März verstorbenen Mediensoziologe Professor Kurt Imhof hat vor einigen Jahren zusammen mit einer Forschergruppe begonnen, dass Medienverhalten junger Erwachsener in der Schweiz zu untersuchen. Die Ergebnisse werden im Jahrbuch Qualität der Medien publiziert. Die Hauptbefunde der diesjährigen Untersuchung lauten:

  • Die Digitalisierung erhöht die Bedeutung von Soft­news;
  • Die Digitalisierung des Mediensystems schwächt die Informationsmedien auch  finanziell;
  • Aufwertung publizistikfremder Bereiche, mehr Kon­zentration und weniger Vielfalt;
  • Gesteigerte Konkurrenzwahrnehmung;
  • Die Strukturschwäche im Informationsjournalismus wirkt sich messbar negativ auf die Medieninhalte aus.

Die NZZ schreibt zur gestern vorgestellten Studie:

Gerade für die Anbieter von Hintergrundinformationen wird nach Ansicht des Fög die Lage schwieriger – dies angesichts der wachsenden Bedeutung von Facebook und der mobilen Mediennutzung via Smartphones. Die Social Media dienen zunehmend als primäre Informationsquelle – dies macht der «Reuters Digital News Report» (2015) als international dominierenden Trend aus. Gemäss dem Institut Pew Research konsumieren in den USA bereits über 60% der jungen Erwachsenen Nachrichten hauptsächlich über soziale Netzwerke.

Über diese Plattformen wird wiederum vor allem leichtgewichtiger Informationsstoff weitergereicht. Von den 200 Beiträgen, die im vergangenen Jahr am meisten verlinkt oder mit einem «Like» versehen wurden, sind laut den Zürcher Forschern 61% der Kategorie Soft News zuzuordnen, und 80% haben nur episodischen Charakter; sie bieten also keine Einordnung eines Themas. Wenn sich die Medienunternehmen zunehmend am viralen Erfolg ihrer Informationsprodukte orientieren, würden umso mehr leichtgewichtige, unterhaltende Angebote an Bedeutung gewinnen, heisst es im Jahrbuch.

Kurz und gut: Unter den jungen Erwachsenen wächst die Gruppe der «News-Deprivierten», die gar oder fast keine Informationen mehr nutzen und vorwiegend Unterhaltungsangebote aufsuchen. Diese Entwicklung bezeichnen die Forscher in demokratiepolitischer Hinsicht als alarmierend.

Mehr: www.nzz.ch.

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