N.T. Wright stellt sein Magnum Opus zu Paulus vor

Mike Bird hat mit N.T. Wright über sein großes Paulusbuch Paul and the Faithfulness of God gesprochen. Das Werk mit über 1800 Seiten wird in Europa im Oktober 2013 erscheinen.

Gegen Ende des Gesprächs fragt Mike nach der paulinischen Rechtfertigungslehre. Wright’s Antwort ist konsistent mit dem, was er anderswo dazu gesagt hat. Er schätz die Dinge ganz gut ein: „I have reframed those topics.“

Hier geht’s zum Video: www.youtube.com.

VD: DB

Kommentare

  1. Hallo Ron,

    die Ankündigungen zu Wrights „Epos“ sind schon überall zu finden. Allerdings werde ich mir die 1800 Seiten wohl nicht „antun“. Bin aber jetzt schon auf die Rezensionen aus den unterschiedlichen Lagern sehr gespannt.

    Aber mal eine Frage zu Michael Bird. Kannst du etwas Näheres zu ihm sagen? Irgendwie werde ich nicht so recht schlau aus dem Mann. Nach zwei Theologen gefragt, die ihn sehr geprägt haben, antwortete er: „N.T. Wright und D.A. Carson“. Hm … Auch das Wenige, was ich bisher von ihn gelesen habe, lässt mich nicht so wirklich erkennen, wo er steht. Kennst du ihn näher?

    Ich habe gesehen, dass bald eine Systematische Theologie von Bird erscheint. Sie heißt glaube ich Evangelical Theology und soll wohl sehr vom Gedanken des Gospel as Center geprägt sein.

    Liebe Grüße
    Schlotti

  2. @Schlotti: Die Antwort lautet: In between.

    Liebe Grüße, Ron

  3. Ein atemberaubendes Buch!
    Wir haben es ja im Research Seminar mit Wright gelesen und diskutiert. Es wird nicht enttäuschen. Auch sollten sich mit dieser ausführlichen und systematischen Darlegung endlich gewisse Feindbilder ein für alle mal erübrigen …

  4. @Christoph: Deinen begründeten Optimismus teile ich nicht.

    Liebe Grüße, Ron

  5. Lieber begründeter Optimismus als unbegründeter Pessimismus 😉

    Ernsthaft: Es wird natürlich Leute geben, die das Buch nicht lesen oder verstehen. Aber: Konnte ich bisher nachvollziehen, wenn Wright nicht oder falsch verstanden wurde (wenig systematische Darstellung zu Paulus), so wird es nun zumindest in keiner Weise mehr Wrights Schuld sein. 🙂

  6. Alexander meint:

    Bird, ein Aussie, bezeichnet seine eigene Position als „progressive reformed“ (siehe „Justification: Five Views“), also, wie Ron schon andeutete, irgendwo zwischen klassisch reformiert und NTW/NPP. Klar „egalitarian“ ist immerhin seine Position hinsichtlich der Geschlechterrollen.

  7. @Christoph: Da ich das Buch im Gegensatz zu Dir nicht kenne, muss ich mich an das halten, was NTW im Interview sagt. Da höre ich nichts Neues. Vor allem höre ich: Ich liefere jetzt den Bezugsrahmen (oder Metanarrativ), der es uns endlich erlaubt, Paulus richtig zu verstehen. Naja.

    Gute Nacht, Ron

  8. Meiner persönlichen Meinung nach ist dieses Paradigma aus methodischer Sicht gar nicht so entscheidend. Man könnte das auch nach etwas anderen Eckunkten aufziehen (also nicht unbedingt Monotheism, Election, Eschatology). Aber es bietet einen guten Rahmen innerhalb dessen Wright alles wichtige behandelt. Und das ist in meinen Augen der Wert dieser Arbeit. Gar nicht so sehr die Gesamtstruktur, als das, was Wright innerhalb dessen liefert: Eine detaillierte Darstellung seiner Position und eine _Begründung_ eben dieser anhand der einzelnen Primärtexte. Oft wenn man Wright liest hat man den Eindruck, dass das schon so irgendwie stimmt, aber es ist schwer danach das Gefühl in Worte zu fassen und wiederzugeben was er meinte. Es fehlen einem dann doch oft die Zusammenhänge und auf Nachfrage kann man nicht wirklich sagen, wie er auf einen bestimmten Punkt von einem anderen aus kommen konnte, obwohl es vielleicht in seinen eigenen Worten noch irgendwie plausibel wirkte. Manche denken deshalb, dass er einfach seine eigene Sprache hat oder dass vieles einfach wirklich unbegründet im Raum steht und bloße Annahmen darstellt. (Dies hat sicher auch etwas mit Wrights Schreibtempo zu tun und damit, dass er selbst manchmal nicht merkt, wenn er einen Gedankenschritt voraussetzt, der für ihn bereits selbstverständlich geworden ist, ohne ihn genauer zu erläutern.) Hier hat man nun die Möglichkeit zu sehen, wie sich für Wright eins aus dem anderen ergibt und wie alles zusammenhängt. Endlich bekommt man nicht nur einen Einzelbaustein (oder einen groben Überblick), sondern ein System zusammenhängender und wechselwirkender Elemente präsentiert. Darin liegt in meinen Augen der eigentliche Wert.

  9. P.s.: Habe mir gerade das Video angeschaut, das ich noch nicht kannte. Noch eine Anmerkung: „Da höre ich nichts Neues. Vor allem höre ich: Ich liefere jetzt den Bezugsrahmen (oder Metanarrativ), der es uns endlich erlaubt, Paulus richtig zu verstehen.“ Ich glaube Du reagierst da ein wenig über. Es stimmt, Wright betont sehr – in der Antwort auf die erste Frage – dass er versucht habe einen in sich schlüssigen Gesamtentwurf zu präsentieren. Das bedeutet natürlich, dass bisherige Skizzen unvollständig sind. (Wozu denn auch sonst überhaupt ein Buch schreiben …) Aber er wendet sich hier nicht in erster Linie gegen die reformierte Tradition, der er nun endlich sein neues Verständnis gegenüberstellen kann. Das ist gar nicht so das Gespräch, das für ihn da im Hintergrund steht. Vielmehr bezieht er sich auf (von ihm so wahrgenommene) Tendenzen in der (ungesagt: deutschsprachigen) neutestamentlichen Forschung, die Paulus‘ Werk in viele Einzelteile zerlegt ohne sie sinnvoll wieder zusammensetzen zu können oder zu wollen. Man könnte Wrights Anliegen, das er hier beschreibt, sogar beinahe als „harmonisieren“ beschreiben (ein klassisch konservatives Unterfangen). Sprich: Auch hier ist das sinngebende Meta-Narrativ im Hintergrund der Erläuterung entscheidend für die richtige Interpretation.-)

  10. @Christoph: Was die Betonung der Einheit bei Paulus anbetrifft, bin ich bei NTW oder bei Dir. Diesbezüglich kann die ntl. Forschung in D lernen. NTW kommt, falls ich nichts übersehen habe, bezeichnenderweise im neuen Paulus Handbuch von F. Horn nicht vor.
    Meine Anmerkung bezog sich eher auf den zweiten Teil des Videos, wo er sagt, dass die traditionelle Theologie (hier wird er sich wohl auf Luther, Melanchthon, Calvin etc. beziehen), den jüdischen Bezugsrahmen übersehen und deshalb Rechtfertigung statisch gedeutet habe.

    Liebe Grüße, Ron

  11. Gut, ja, in dieser Hinsicht haben Du und Wright natürlich Recht (Du, dass er das so sieht und er, dass die Situation so ist 😉 ).
    Ich wundere mich dann allerdings schon, dass der komplette erste, größere Teil einfach an Dir vorbeigezogen ist und Du dann nur im Hinblick auf die Diskussion zu „Justification“ Dein Urteil festmachst, Du hättest „nichts Neues“ gehört …
    Ich verstehe, dass Rechtfertigung Dir wichtig ist – und sie ist auch für Wrights Projekt recht zentral, aber es gibt doch auch noch viele andere Aspekte. Insbesondere eben das Grundanliegen, das er eingangs beschreibt. Sollte das nicht im Vordergrund stehen? Oder das Motiv der „Rückkehr JHWHs nach Zion“. Das ist in der Tat ein neuer (in JVG bereits kurz angerissener) Vorschlag, der sich durchaus als sehr wichtiger hermeneutischer Schlüssel herausstellen könnte – und damit großes Potential hat eine frühe hohe Christologie und Pneumatologie historisch glaubwürdig zu begründen. Das ist ein ziemlich aufregender Ansatz – und wird auch besprochen, ehe die beiden sich noch Justification zuwenden. Das darf doch alles nicht verblassen neben der Rechtfertigungsfrage …
    (Bei nochmaligem Durchgehen des Posts hier, sehe ich aber natürlich ein, dass durch mein Verweis auf das Ausräumen von Missverständnissen die Richtung der Diskussion schon in Richtung Rechtfertigung gelenkt war und Deine Aussagen nicht unbedingt bedeuten, dass Du generell nichts Neues und Interessantes erwartest, sondern lediglich im Hinblick auf die Rechtfertigungsproblematik. Aber again, nun wirst Du endlich auch eine detailliertere Exegese der relevanten Stellen beisammen haben.)

  12. Mal ne andere Frage: Was ist denn in Bezug auf Paulus‘ Theologie nun wirklich empfehlenswert? Ich bin kein Freund der NPP, suche eher was klassisch Konservatives. Es darf ruhig was Umfangreiches sein, von der Qualität her denke ich an das Opus von Köstenberger, A Theology of John’s Gospel and Letters. Ein Werk, das ausreicht für pastorale Tätigkeit, das nicht erst noch durch zig andere ergänzt werden muss. Insbesondere suche ich ein solches Werk in Bezug auf den späten Paulus (Gefangenschaftsbriefe / Pastoralbriefe).

  13. Mal eine andere Frage: Was ist denn in Bezug auf Paulus‘ Theologie nun wirklich empfehlenswert? Ich bin kein Freund der NPP, suche eher was klassisch Konservatives. Es darf ruhig was Umfangreiches sein, von der Qualität her denke ich an das Opus von Köstenberger, A Theology of John’s Gospel and Letters. Ein Werk, das ausreicht für pastorale Tätigkeit, das nicht erst noch durch zig andere ergänzt werden muss. Insbesondere suche ich ein solches Werk in Bezug auf den späten Paulus (Gefangenschaftsbriefe / Pastoralbriefe).

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