Neigt der Weltkirchenrat zum Antisemitismus?

Deutschlandradio meldet:

Die evangelischen Theologen Ekkehard und Wolfgang Stegemann werfen dem Weltkirchenrat Antisemitismus vor. Sie schreiben in einem Beitrag für die deutsche Wochenzeitung „Jüdische Allgemeine“, der Ökumenische Rat der Kirchen verurteile die Politik Israels und verschone gleichzeitig dessen Feinde von jeder Kritik. Hier wirke die alte christliche Judenfeindschaft in der Mobilisierung gegen Israel nach.

In dem Beitrag der Neutestamentler heißt es:

Der Weltkirchenrat hat bei seiner Gründung im Jahr 1948 Antisemitismus als Sünde gegen Gott und die Menschen verurteilt. Zugleich hat er allerdings bis heute ein Problem mit dem im selben Jahr gegründeten Staat Israel. 1956 stellt der Weltkirchenrat fest: »Ferner glauben wir – trotz des verständlichen Wunsches vieler Juden, ein eigenes Land zu haben –, dass es ihr Beruf ist, als das Volk Gottes zu leben und nicht nur eine Nation wie andere auch zu bilden.« Der traditionell religiöse christliche Absolutheitsanspruch wird in politische Vorschriften transformiert. Der Weltkirchenrat schreibt dem jüdischen Volk vor, in welcher Form kollektiver Identität es existieren darf. Er wendet auf das jüdische Volk und seinen Staat Maßstäbe an, die für alle anderen Völker und Staaten dieser Welt nicht gelten.

Seither steht der Weltkirchenrat an vorderster Front derer, die Israels Politik fortgesetzt verurteilen, dessen Feinde jedoch von Kritik verschonen. Dieser Gebrauch doppelter Standards und die Einseitigkeit der Parteinahme für die palästinensische Seite des Konflikts gehen Hand in Hand damit, dass man sich im Weltkirchenrat das Narrativ der Feinde des Staates Israel zu eigen gemacht hat. Wie sie stellt er die Legitimität des politischen Handelns des Staates Israel nahezu ständig öffentlich infrage, ignoriert jedoch mit Absicht die Realität der anhaltenden militärischen, terroristischen und propagandistischen Vernichtungsdrohungen gegen Israel.

Mehr: www.juedische-allgemeine.de.

VD: TS

Kommentare

  1. Roderich meint:

    – Eine Kritik an der Politik Israels muss nicht aus Antisemitismus herrühren (genau wie die gegenwärtige Kritik an Deutschland seitens einiger Südländer nicht unbedingt „rassistischer Anti-Germanien-Ismus“ ist).
    – Gerade die EKD neigt eher zur politischen Linken, dort identifiziert man sich eben gerne mit dem „Underdog“, auch wenn man damit den Rechtsstaat in Frage stellt.
    – Dass die EKD ein Problem damit habe, die Bibel zu genau zu nehmen (und „zu biblisch christlich absolutistisch“ denkt) ist wohl auch weit entfernt von der Realität.
    Also – irgendwie ist der Artikel nicht recht überzeugend.

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