Nicht nur Herzen, auch Verstand gewinnen

Jonathan Fitzgerald beschreibt für THE WALL STREET JOURNAL die Evangelikalen in den U.S.A. auf ihrem (nicht ganz einfachen) Weg zu einem intellektuell verantworteten Glauben:

On Dec. 8, some of America’s brightest contemporary intellectuals gathered at the New School to discuss the tenuous relationship between „Evangelicalism and the Contemporary Intellectual.“ Sponsored by Brooklyn-based literary magazine n+1, the panel featured The New Yorker’s Malcolm Gladwell and James Wood and The Nation’s former associate literary editor Christine Smallwood. While these thinkers all grew up in close proximity to evangelicalism, there was one conspicuous absence from the conversation: an intellectual who still professes the Christian faith. The discussion was predictably thoughtful, though evangelical belief was treated as something necessarily dispensed with on the way to becoming a public scholar.

This feeling of intellectual distance from grass-roots Christianity is not new. It’s been almost 30 years since Charles Malik, a former president of the United Nations General Assembly and a devout Christian, gave a speech at Wheaton College called „The Two Tasks.“ To the audience assembled for the dedication of Wheaton’s Billy Graham Center, he said: „The greatest danger besetting American evangelical Christianity is the danger of anti-intellectualism.“ This idea was picked up by historian Mark A. Noll 14 years later in his 1994 book „The Scandal of the Evangelical Mind.“ The „scandal“ of the title, he said, was „that there is not much of an evangelical mind,“ despite what he sees as a biblical mandate to better understand creation. Mr. Noll asserts that this lack is reinforced by the historical experience of evangelicals in America, whose churches and ministries have gained more adherents at the cost of fostering anti-intellectualism and bad theology.

Hier der Artikel: online.wsj.com.

Kommentare

  1. Den christlichen Glauben ohne Verstand zu verkündigen, bedeutet, dass man einen Teil des Menschen, der zu seiner Ebenbildlichkeit gehört ausklammert. Aber gerade das ist der große Fehler der gemacht wird. Gott will, dass wir ihn auch mit unserem Verstand lieben sollen. Der Verstand ist zwar durch die Sünde verdunkelt, aber deshalb dürfen wir ihn nicht komplett ausklammern.

    Das Evangelium ist bei vielen Intellektuellen eine Torheit, aber da es Wahrheit und Realität ist, braucht sich keiner zu verstecken. Gerade wenn wir sagen, dass das Evangelium den Verstand wieder erhellt, weil er nun eine reale Denkvoraussetzung hat, dürfen wir nicht gleichzeitig sagen, dass das Christentum keine Intellektuellen hervorbringt. Die Geschichte zeigt auch was ganz anderes. Wo die Reformation gegriffen hat, hat sie Kreativität, neue Kunstrichtungen, wissenschaftliche Erkenntnis, Erfindungsgeist und Fortschritt hervorgebracht.

  2. Roderich meint:

    Thomas, Ron: was waere denn noetig, um uns in BRD als Evangelikale Christen auch wieder „ans Denken“ zu bringen?

    (Ein Gedanke: Bei Bibelschulen ansetzen, mehr ueber Glauben und Denken, Glaube und Wirtschaft, Glaube und Wissenschaft, Glaube und Politik, Glaube und Kunst lehren. Daraufhin sollten die Pastoren, die diese Bibelschulen besuchen, das auch mehr in ihren Gemeinden lehren. Neben konkreten Sachinhalten (denn Wissen ist auch wichtig) sollten wir auch unsere grundsaetzlichen Denkvoraussetzungen anhand der Bibel neu pruefen. Sehr gut, was Thomas dazu schreibt. Der Verstand ist von Gott gemacht. Man muss ihn zwar stets in Ehrfurcht unter die Heilige Schrift stellen, aber ihn deswegen noch lange nicht ausschalten, sondern ihn – betend – gebrauchen. Wir brauchen eine Aufwertung des Verstandes, in unseren Grundvoraussetzungen. Schaut man sich das Amerika des 17., 18.. 19. Jahrhunderts an, als das Christentum noch vorherrschend war, oder jede Gesellschaft, in der das Christentum vorherrschend war oder ist (ob das heute noch irgendwo der Fall ich, bezweifle ich), dann waren immer die fuehrenden Denker christliche Intellektuelle.
    Unsere heutige Theologie ist zu eng. Wir KOENNEN im Prinzip keine christlichen Intellektuellen mehr hervorbringen, weil unsere Theologie nicht dazu ermutigt. Der Glaube ist von uns Evangelikalen zur Gefuehlssache, zur Mystik, degradiert worden. So wichtig die persoenliche Erfahrung mit Gott ist, (wenn die fehlt, ist der Glaube auch nur leerer Intellektualismus), so wesentlich ist doch gleichzeitig das Intellektuelle Fundament.
    Ohne Intellektuelles Fundament ist eine lebendige Glaubenserfahrung nicht sehr durchschlagend. Wenn man einseitig die persoenliche Beziehung zu Gott priorisiert und thematisiert, dann stirbt auf lange Sicht nicht nur der Intellekt, sondern AUCH die persoenliche Beziehung zu Gott. Denn wenn der Glaube kein intellektuelles Fundament hat, wenn der Intellekt von weltlichem Denken beeinflusst anstatt erneuert ist, wenn der Intellekt eigentlich etwas anderes sagt als die persoenliche Erfahrung, dann glaubt man der persoenlichen Erfahrung auf die Dauer auch nicht mehr.
    Daher unter anderem das Trauerspiel in christlichen Gemeinden. Viele trauen sich nicht recht, ihren Glauben zu bezeugen. Denn sie sind nicht wirklich davon ueberzeugt, dass in einer intellektuellen Auseinandersetzung standhalten kann.
    Dies muss sich aendern. Denn wenn Gott der Schoepfer ist, dann ist die christliche Weltanschauung nicht nur vernuenftig, sondern die mit Abstand vernuenftigste von allen Weltanschauungen, und die einzige, die sich auch leben laesst. Das bezieht sich auch auf alle Lebensbereiche. Die Welt braucht ein gelebtes, glaubensmaessig (erfahrungsmaessig) lebendiges und intellektuelles Christentum.
    Der Einzelne kann da schon sehr viel Unterschied zum Guten machen, indem er sich selbst sowohl um seine persoenliche Beziehung zu Gott, als auch um einen komplett erneuerten Verstand bemueht.

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