Norbert Bolz kritisiert Reformpädagogik

Wir brauchen keine Bildungsrevolution, sagt der Philosoph und Medienwissenschaftler Norbert Bolz. Statt Reformen brauchen wir selbstbewusste Lehrer, statt Ganztagsschulen sollten sich die Eltern wieder selbst um ihre Kinder kümmern:

Als vierfacher Vater von schulpflichtigen Kinder glaube ich, das Problem der Schulen ist nicht das Curriculum, sondern völlig überforderte Lehrer, die sich immer häufiger in Krankheiten flüchten. Überfordert sind die Lehrer nicht vom Stoff, sondern von Eltern, die immer größere Konsumentenerwartungen an die Schule richten, und zum anderen von der Verwaltung, die den Lehrern ständig neue Reformprogramme aufdrückt und sie in irgendwelche Schulungen hetzt. Hier werden sie dann mit sogenannten „neuen Formen des Lernens“ konfrontiert, die ihren eigenen Erfahrungen widersprechen. Das klassische Beispiel ist der Frontalunterricht. Alle Welt, die über Pädagogik nachdenkt, ist dagegen. Die wirklich guten Lehrer, verstehen die Diskussion überhaupt nicht und die Schüler bestätigen mir immer wieder, dass diese gruppenbasierten Alternativmodelle zu nichts führen. Ich wünschte mir manchmal mehr Feuerzangenbowle und weniger Brüsseler Reformideen.

Mehr: www.cicero.de.

Kommentare

  1. „Das klassische Beispiel ist der Frontalunterricht. Alle Welt, die über Pädagogik nachdenkt, ist dagegen. Die wirklich guten Lehrer, verstehen die Diskussion überhaupt nicht und die Schüler bestätigen mir immer wieder, dass diese gruppenbasierten Alternativmodelle zu nichts führen.“

    Das stimmt so nicht, da muss ich als fertig ausgebildeter Lehramtsstudent widersprechen. Norbert Bolz scheint hier nicht genau informiert zu sein. Neueste Studien belegen, dass der wesentliche Punkt des Unterrichts der Lehrer/die Lehrerin ist und es nicht unbedingt eine präferierte Methodik gibt (http://www.zeit.de/2013/02/Paedagogik-John-Hattie-Visible-Learning). Es ist in der Didaktik eigentlich klar und vielleicht in Brüssel noch nicht angekommen, dass auch Frontalunterricht seinen Platz hat und haben muss. Nur ist es halt so, dass dieser in der Vergangenheit viel! zu großen Platz eingenommen hat und oft auch falsch eingesetzt wurde, und deshalb in der LehrerInnenausbildung (zumindest an der Uni Innsbruck) im Sinne der Methodenvielfalt großen Wert auch auf reformpädagogische Ansätz gelegt wird. Nicht weil Frontalunterricht per se schlecht ist, sondern dieser aus unterschiedlichen Gründen fast immer noch ausschließlich eingesetzt wird. (Jeder Schüler/jede Schülerin kennt Frontalunterricht aus eigener Erfahrung, aber zur Professionalisierung der Lehrperson gehört eben auch Kenntnis und Einsatz anderer sinnvoller Methoden)

    @Zur Überforderung durch Konsumerwartungen der Eltern: Full Ack, kommt übrigens (gerade?) auch an christlichen Schule vor!

    Wer sich auch aus christlicher Perspektive mit diesem Thema beschäftigen will, dem sei dieses Buch ans Herz gelegt: Woltersdorff, Nicholas P. (2002): Education for Life. Reflections on Christian Teaching and Learning.

  2. Schuld sind immer die anderen. Die Lehrer, das Unterrichtsmodell, die Schüler.

    Ich empfinde eine Diskussion allein über Ursachen nicht als hilfreich und würde mir wünschen, dass über konstruktive Lösungen diskutiert werden würde.

    Und dabei gehen mir Einzelheiten des Lehrprogramms Christi durch den Kopf: „Gemeinschaft“ (à la Martin Buber: „Alles wahre Leben ist Begegnung.“), „Lernen am Beispiel / durch Anschauung“ („sehet die Lilien auf dem Felde“); „Zweierschaft“ (zu neu-amerikanisch: „Success-Teams“).

    Sicher: diese laienhaften Gedanken allein sind keine wirkliche Hilfe, doch eines ist sicher: vom Klagen allein wird die Situation nicht besser…

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