Nützliche Schafe

Facebook, Twitter oder Google+ haben viele Millionen Mitglieder. Die Schwächen ihrer virtuellen Welt jedoch machen deutlich, wie machtlos sie als gesellschaftliche Kraft sind. Soziale Netzwerke lenken ab und Aufmerksamkeit ist in unserer Ökonomie eines der knappsten Güter.

In einem klassischen Machtnetzwerk wird mit dieser Macht etwas gemacht. Es werden die Ressourcen investiert, neu kombiniert und neue Prozesse der Wertschöpfung in Gang gesetzt. Auch die Web-2.0-Geschäftsmodelle funktionieren nach dem Input-Output-Modell. Verschiedene Inputs werden kombiniert, um einen neuen Output zu generieren. Im Fall der sozialen Netzwerke ist es das Wissen um das Nutzungsverhalten der Mitglieder, verbunden mit ihren Eigenschaften, ihren Datenprofilen.

Wer denkt, Facebook, Twitter etc. wären dazu gemacht, die Anwender reich zu machen, der irrt. Es ist umgekehrt: Die User sind der Input, sie sind das Tool, das all den Datensammlern und Datenverwertern hilft, selbst eine Netzwerkrendite zu erwirtschaften und damit Reichtum zu produzieren. Es gilt der Grundsatz: Wenn dir ein Produkt gratis angeboten wird, dann bist letztendlich du als Kunde in der Regel selbst das Produkt.

Hier mehr: www.welt.de.

Kommentare

  1. Ist ja eigentlich nix Neues – aber darüber sollten insbesondere mal auch all jene frommen *user* nachdenken, die die banalsten Inhalte posten und gerade ihre achthundertsiebenundsechzigste ´Freundschaft´ bekanntgegeben haben… 😀

  2. Bin ich als Kunde das Produkt? Doch wohl eher der Werbebriefkasten.

  3. Roderich meint:

    Das ist gut.

    Es gilt der Grundsatz: Wenn dir ein Produkt gratis angeboten wird, dann bist letztendlich du als Kunde in der Regel selbst das Produkt.

    Deshalb auch lieber nicht mitmachen bei kostenlosen Preisauschreiben (die wollen nur unsere Adresse zu Werbezwecken, die eben im Mittel mehr wert ind als der Preis kostet (geteilt durch die Anzahl der Adresseneinsender)).

    Auch die Bonuskarten bei Supermaerkten oder Tankstellen nutzen eher dem Supermarkt oder der Tankstelle – dadurch, dass man dann (bewusst oder unbewusst) oefter dorthingeht. Es kostet wertvolle Zeit und gedankliche Aufmerksamkeit, um irgendwelche „Punkte“ zu sammeln, und sie dann spaeter mal einzuliefern… und unsere menschliche Aufmerksamkeit ist begrenzt, schenken wir sie also lieber wichtigen Dingen. Um zu einem ehrlichen Preis einzukaufen, braucht man nicht teilzunehmen an den „Bonusaktionen“. Und um Ehrlichkeit (bzw. Nachfolge) geht es ja. Nicht darum, irgendwo noch 2 % mehr absahnen zu koennen.

  4. schandor meint:

    @Roderich

    Der Kunde ist das Produkt. An wen erinnert uns das? Richtig: The medium is the message (Marshall McLuhan).

    Was Bonuskarten & Co so verraten, erfährt der gespannte Leser hier:
    http://www.spiegel.de/flash/0,5532,15385,00.html

    sehenswert!

    lg

  5. Roderich meint:

    @Schandor,
    vielen Dank – sehr gute Animation im Spiegel (dauert seine 30 min da durchzuklicken…).

    Ja, die Trends gehen zu mehr „Digitalisierung“ auch und gerade im „Kaufbereich“ – bald nur noch bargeldlos shoppen, Zugfahren vorzugsweise mit Chipkarte (hier in NL ist das jetzt der Trend), Wohnungstueren per Karte statt Schluessel (wie der Spiegel-Beitrag deutlich macht), etc.
    In 100 Jahren wird man sich doch im Vergleich zu heute recht „beobachtet“ vorkommen… nur dass man es dann als normal ansieht.

    Die eigentliche Freiheit kann einem aber keiner nehmen, auch kein Ueberwachungsstaat: Freiheit von Suende durch Jesus Christus. (Dennis Peacocke definierte Freiheit mal mit „Being free to serve God – unhindered by sin“, d.h. frei seiner Berufung nachgehen zu koennen, ohne dass man von Abhaengigkeiten, Suende etc. aus seiner Bahn geworfen wird.)
    Natuerlich sollte man als Christ auch danach streben, dass uns bzw. unseren Nachkommen die Freiheit auch im gesellschaftlichen Zusammenleben erhalten bleibt.

  6. @ Roderich
    Ich weiß zwar nicht, wer Dennis Peacocke war oder ist, aber seine Definition stößt mir auf:wann wären wir denn als Menschen „free to serve God – unhindered by sin“? Können wir Gott sonst nicht dienen? Das riecht gewaltig nach einem perfektionistischen Modell. Oder wie ist es gemeint?
    Ich halte es da wieder lieber mit Luther, der bekanntlich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen wollte, wohl wissend, dass er ein Sünder war und blieb – jedenfalls in dieser Welt.

  7. Roderich meint:

    @Ernst,
    gute Frage.
    Galater 5,16 sagt: Lebt im Geist, so werdet ihr die Begierden des Fleisches nicht vollbringen.
    Ein Christ hat den Heiligen Geist und MUSS sich nicht mehr treiben lassen von Begierden. Begierden stehen dem Wirken des Heiligen Geistes im Weg.
    In diesem „Leben im Geist“ kann man unterschiedlich weit sein. Es ist Aufgabe von Bruedern und Schwestern, sich gegenseitig zu ermutigen, weiterzukommen.

    Ich teile aber eine zu binaere Auslegung nicht: Christ = Leben im Geist; kein Christ = Leben im Fleisch. Es ist nicht so, dass mit dem Tag der Erloesung man automatisch „im Geiste“ lebt fuer den Rest seines Lebens.

    Es kostet eine gewisse „Muehe“, um im Heiligen Geist zu leben. Ohne Bibelstudium und Gebet ist das unmoeglich. Das wollen aber manche Christen nicht wahrhaben und beschimpfen solch einen Ansatz dann als „Werkgerechtigkeit“. Es geht aber nicht um Werkgerechtigkeit, sondern man ist – auch als „betender und bibellesender Christ“ allein durch Gnade gerettet. Aber wie Paulus sagt, soll man auch alle Muehe dransetzen, um an Christus dranzubleiben. Ein falsches Verstaendnis von „Sola Gratia“ uebertraegt diesen Begriff, der sich bei Luther / Calvin etc. auf die Rettung bezieht, dann auf den restlichen Lebensweg des Christen.
    Natuerlich kann man sagen: all unsere Muehe ist auch nur Gnade. Aber andersherum ist es nicht erlaubt, zu sagen: Ich brauche mich nie mehr anzustrengen, weil es sowieso nur Gnade ist.

    Aber es geht natuerlich nicht um Perfektionismus. Luther sagte irgendwo: Peccate fortiter, oder so aehnlich. Suendige kraeftig, aber dann suche auch kraeftig die Vergebung. Damit meinte er keineswegs, man solle absichtlich suendigen. Er meinte nur, man solle nicht fixiert sein auf den Perfektionismus, und dann bricht eine Welt zusammen, wenn man doch mal „suendigt“. Sondern wir sind nicht perfekt. Wir sollen uns bemuehen im Geist zu leben, und wenn wir in Suende fallen, sollen wir schnell wieder zu Christus kommen und nicht „liegenbleiben“.

    Sicher koennten wir alle entdecken, wie wunderbar das Leben im Geist ist, wenn es uns mal fuer eine gewisse Zeit eine Prioritaet waere, Gott zu suchen. (Also statt 3h Fernsehen am Tag, was der Durchschnitt der Deutschen ist, vielleicht Fernseher raus und mal 1 oder 1.5h Bibellesen und Gebet am Tag – mach das mal und schau, was dabei herauskommt…) 🙂

    Es gibt Glaubensvaeter, auch heute, die Gebet und Bibel zu einem Lebensstil gemacht haben. Es ist eine Frage von Angewohnheiten, die man sich eintrainieren muss. (Das ist wie im Sport – ohne Training laeuft nichts). Schlechte Angewohnheiten sind kein Problem. Man muss sie sich einfach wieder abtrainieren.
    Es hilft ungemein, wenn man dabei mit jemand anders zusammen beten kann, der in der Hinsicht schon „weiter“ ist.

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