Partnerschaft: Was überzogene Erwartungen anrichten

Wir haben uns auseinandergelebt, heißt es beim Zerbruch einer Partnerschaft immer wieder. Was damit genau gemeint ist, können die Paare oft nicht beschreiben. Die Psychiaterin Heidi Kastner hat die Erfahrung gemacht, dass dann oft Banalitäten wie Haare im Waschbecken oder schmutzige Socken im Bad genannt werden.

Die Gerichtspsychiaterin und Chefärztin einer Landesnervenklinik in Österreich hat viele zerbrechende Beziehungen studiert und ihre Beobachtungen in dem Buch Tatort Trennung. Ein Psychogramm publiziert. Das Ergebnis überrascht. Sie warnt vor einer Überbetonung von Romantik und Sex und der Flucht aus der Partnerschaft.

Livia Gerstner, die das Buch für die FAZ vorstellt, schreibt:

Man kann Heidi Kastners Buch als Kampfansage an die romantische Liebe lesen oder als Kritik an einer Gesellschaft voller Egomanen, deren Drang nach Selbstverwirklichung und individuellem Glück wenig Kompromisse zulässt. Worum es ihr aber vor allem geht, ist Schadensminimierung. Der Verlust einer emotionalen Bindung, sagt Kastner, sei das belastendste Ereignis im Leben eines Menschen. Für Kastner ist daher jede Trennung ein Tatort. Hier werden Menschen in Verzweiflung gestürzt, in Verbitterung getrieben und in ihrer Selbstdefinition erschüttert. Ein Tatort, den es zu vermeiden gilt.

Kommentare

  1. Waldemar meint:

    Das hört sich interessant an.
    hier der Link vom FAZ Artikel

  2. Waldemar meint:
  3. Sie warnt vor einer Überbetonung von Romantik und Sex und der Flucht aus der Partnerschaft.

    Diese Warnung ist durchaus berechtigt. In evangelikalen Kreisen sollte man allerdings eher vor einer Skepsis gegenüber Romantik und Sex warnen. Diese Skepsis ist ja auch ein Grund dafür, dass solche Artikel wie dieser häufig in evangelikalen Blogs erscheinen.

  4. „Sie warnt vor einer Überbetonung von Romantik und Sex und der Flucht aus der Partnerschaft“

    Womöglich werden gar nicht Romantik und Sex überbetont, sondern nur zu wenig betont, dass es da unweigerlich Veränderung gibt. Silberne und goldene Hochzeiten feiern die, die mit den Veränderungen umzugehen lernen – alle anderen sind noch auf der Flucht.

  5. Heike schrieb:

    Silberne und goldene Hochzeiten feiern die, die mit den Veränderungen umzugehen lernen – alle anderen sind noch auf der Flucht.

    Das ist ein ganz schön „plakativer“ Kommentar. Beide Teilaussagen sind so nicht richtig.

    In dem Dorf, aus dem ich komme, feierte auch mal ein Ehepaar goldene Hochzeit, dessen männlicher Teil bekannt für Fremdgehen war. Alle Beteiligten – Gastgeber wie Gäste – spielten das Spielchen artig mit. Man sollte also keineswegs glauben, dass Ehepartner, die ihre goldene Hochzeit feiern, auch eine gute Ehe führen, weil sie sich ja sonst bereits getrennt hätten. Immer wieder halten Ehepartner ihre Ehe formal aufrecht, obwohl sie sich nicht mehr lieben. Oft spielt kultureller Druck eine Rolle. Das kann, wie im beschriebenen Fall, der Druck der traditionellen Dorfkultur sein oder auch der Druck einer christlichen Denomination.

    Allen Geschiedenen zu unterstellen, sie wären noch auf der Flucht (was immer das genau heißen mag), ist ganz schön verwegen. Es gibt sehr wohl Situationen, wo eine Ehe derart belastend ist, dass die Trennung das kleinere Übel ist. Vollmundige Urteile über Geschiedene treffen in der Regel diejenigen, die noch nie erlebt haben, was eine gescheiterte Ehe ist.

  6. Oh, da habe ich Sie ein wenig auf die Palme gebracht, liebe Kokospalme? 😉

    Natürlich ist mein Satz plakativ. Natürlich kenne auch ich das Leben und weiß, wie es da bisweilen zugeht. Ich weiß aber auch, dass es für viele Menschen – eigentlich für alle, die ich kenne – einen großen Wert darstellt, miteinander alt zu werden – und das kommt nicht nur daher, weil irgendein Pfarrer es von der Kanzel als Moral heruntergedonnert hat, sondern weil es mit etwas korrespondiert, was in ihnen schon längst angelegt ist kraft Schöpfung – und auf letzteres bezog sich die „Flucht“.

    Und es müssen ja nicht einmal beide auf der „Flucht“ sein – auch wenn gerne plakativ gesagt wird, dass immer beide schuld seien. (vgl. Mt 19,9) Es gibt – anthropologisch betrachtet – wohl kaum etwas verletzenderes für einen Menschen als den Verlust von liebender Bindung. Ich habe mir schon oft gewünscht, der Herr hätte uns mehr gesagt als den bisweilen unfassbaren Satz in Mt 19,12, aber es immerhin ein Ansatz.

    Also, liebe Kokosapalme, nehmen Sie mir meine „Plakat-Aktion“ bitte nicht weiter übel und betrachten Sie sie nur als Anregung.

    Liebe Grüße!

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