Patchwork: Das geheuchelte Familienglück

Ist Patchwork wirklich das Familienmodell der Zukunft? Auf jeden Fall passt es in unsere Unverbindlichkeitswelt. Doch unsere Selbstverwirklichungsmanie fordert ihren Preis. Und den zahlen die Kinder. Melanie Mühl schreibt herausstechend für die FAZ:

Alle sind glücklich. Denn wir haben ein neues gesellschaftliches Ideal gefunden: die Patchworkfamilie. Das Wort klingt nach Sommerferienlager, und die Fotostrecken in den Zeitschriften zeigen fröhliche Menschen, die sicher im Leben stehen und jedes Problem lösen, bevor es überhaupt da ist. Ihr Motto lautet Leichtigkeit. Die Menschen heißen Demi Moore, Heidi Klum oder Boris Becker, sie heißen Christian und Bettina Wulff. Sie wohnen in Hollywood oder im Schloss Bellevue. Sie rufen uns winkend entgegen: Patchworkfamilien sind super!

»Wir können das Leben nicht einfach wieder dort aufnehmen, wo wir es einmal fallengelassen haben«, schrieb die Schriftstellerin Marion Titze einmal in einem wunderbaren Text in der Literaturzeitschrift »Sinn und Form«. In diesem Satz verbirgt sich die einfache Wahrheit, dass unser Handeln immer Folgen hat. Die Folgen können harmlos sein oder katastrophal. Sicher ist, dass irgendjemand immer den Preis dafür zahlen muss.

Mehr: www.faz.net.

VD: EP

Kommentare

  1. Johannes Strehle meint:

    Sehr gut!
    Die Verfasserin empfiehlt das Buch
    „Kind sein zwischen zwei Welten: Was im Inneren von Scheidungskindern vorgeht“
    der Sozialforscherin Elizabeth Marquardt.
    Es gibt einige gute Leserbriefe zu dem Artikel.
    Die Verlorenheit und Zerrissenheit der Scheidungswaisen werden oft noch erhöht, wenn die geschiedenen Eltern mit ihren neuen Partnern Kinder haben.

    Wie sieht es bei den Evangelikalen aus? Vorbildlich?
    Wenn ich mich richtig erinnere, ist die Scheidungsquote der Evangelikalen in den USA höher als im Bevölkerungsdurchschnitt. Man spricht von Nachholbedarf! Wer dem Zeitgeist hinterherhinkt, hat zwangsläufig Nachholbedarf.
    Wie sieht es bei den deutschen Evangelikalen aus?
    Ist Familie ein Hauptthema in den Gemeinden?
    Sind die hauptberuflichen „Frontkämpfer“ (siehe Richard Pratt: Wenn ich König wäre) und die Gemeindeleitungen auf den Kampf um die Familie vorbereitet, auf die Auseinandersetzung mit den Einflüssen der Medien, der Politik, der gesellschaftlichen Trends und Wertmaßstäbe? Wie werden Familien unterstützt? Was wird für zerbrochene Familien getan?

  2. @Johannes: All diese Fragen bewegen auch mich!
    Danke, Ron

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