Planned Parenthood VII

Ich habe hier mehrfach über den Planned Parenthood-Skandal berichtet. Worum ging es bei dieser Geschichte? Mitarbeiter von Planned Parenthood, einer Organisation, die der US-Präsident Obama unter den Segen Gottes gestellt hat, berichteten davon, dass in deren Kliniken bei Abtreibungen bestimmte Organe von ungeborenen Kindern (z.B. die Leber oder das Herz) „beim Abbruch“ (also bei ihrer Tötung im Mutterleib) gezielt geschützt und konserviert werden, um sie später der medizinischen Forschung zugunsten von Menschen zur Verfügung zu stellen. Teilweise wurden die Organe der Kinder sogar verkauft. Föten wurden demnach abgetrieben, da sie vermeintlich noch keine vollwertigen Menschen sind, um dann ihre Einzelteile als menschliche Organe zu vertreiben (siehe dazu hier).

Obwohl vielen Leuten und auch Politikern diese Praxis der Organverwertung zu weit geht, hat dieser Skandal weder zu einem nachhaltiges Umdenken beim Lebensschutz geführt, noch Planned Parenthood in rechtliche Bedrängnis gestürzt.

Die Nachrichtenagentur kath.net meldet heute allerdings, dass David Daleiden, der mit seinen verdeckt gedrehten Videos den Skandal ans Licht gebracht hat, wegen Urkundenfälschung angeklagt wird. Ihm drohen bis zu zwanzig Jahre Haft.

David Daleiden, dem Gründer der Lebensschutzorganisation „Center for Medical Progress“ (CMP), drohen bis zu 20 Jahre Gefängnis. Eine Grand Jury in Houston (US-Bundesstaat Texas) hat am Montag entschieden, gegen ihn Anklage zu erheben. Sie wirft Daleiden vor, amtliche Unterlagen gefälscht zu haben. Zusätzlich wird ihm zur Last gelegt, gegen das Verbot des Erwerbs menschlicher Organe verstoßen zu haben. Gegen Sandra Merritt, eine Mitarbeiterin Daleidens, hat die Grand Jury die gleiche Anklage wegen Urkundenfälschung erhoben. Sie hat sich bei der Gründung der Gesellschaft BioMax unter dem Namen „Susan Tennenbaum“ als Geschäftsführerin eingetragen.

Hier mehr: www.kath.net.

Kommentare

  1. Schandor meint:

    Solch mächtigen Lobbyisten sollte man halt nicht ans Bein pinkeln.

  2. @Schandor: Sollten sie sich besser weg ducken oder gar Beifall klatschen.

  3. Roderich meint:

    Das meinte Schandor ironisch. 🙂 (A fortiori)

  4. Johannes meint:

    An diesem Fall sollte man auf jeden Fall „dranbleiben“. Sollten Daleiden und seine Mitarbeiterin wirklich einer Straftat überführt werden, wäre dies ein Bärendienst für den Lebensschutz. Im Moment riecht es aber nach einer politisch motivierten Anklage, die sich im Extremfalls als eine Methode erweisen könnte, wie sie in Diktaturen nur gang und gäbe ist. Verdeckte Ermittlung ist jedenfalls keine Straftat, sondern in der journalistischen Recherche absolut üblich.

  5. Das Klageschreiben von Planned Parenthood findet sich hier:
    https://assets.documentcloud.org/documents/2690717/Planned-Parenthood-v-CMP-complaint.pdf

    Durch das beklagte „Center for Medical Progress“ aufgedeckte Dokumente:
    http://www.centerformedicalprogress.org/human-capital/document-vault/

    Die Ungeheuerlichkeit der aufgedeckten Vorgänge (und das weitgehende Verschweigen der durchaus erheblichen Reaktionen der US-Politik darauf durch die deutschen Medien) ist die eine Sache, eine andere jedoch, wo für Christen die Grenzen bei der Wahl der Mittel liegen:

    Verdeckte Ermittlung ist Sache der Exekutive, nicht der vierten oder fünften Gewalt im Staat. Verdeckt recherchieren kann und darf natürlich jeder, solange er sich an die Gesetze hält, aber die Kernfrage ist ja hier, ob ich als Christ (gerechte?) Gesetze brechen (z. B. Urkundenfälschung, heimliche Mitschnitte) und lügen darf oder gar muss, um ein in meinen Augen erheblich größeres Unrecht aufzudecken und zu bekämpfen.

    Wenn andere die Ergebnisse von „dirty work“ liefern, um die Achse des Bösen zu zerbrechen, sitzt man gerne vor dem Fernseher oder am Stammtisch und bewertet. Und wenn es z. B. um Opportunismus in der Politik oder die vorgebliche „Erlaubnis“ geht, um der Verbreitung des Islams willen zu lügen, sind wir schnell mit einem „geistlichen“ Urteil bei der Hand. Und hier?

    Die wenigen christlichen Kreise, in denen die Vorgänge Erwähnung finden, kommen scheinbar über eine rein deskriptive Darstellung (die ja durchaus nicht falsch ist) nicht hinaus.

    Wäre es nicht eine gute Sache, wenn gerade dieses Blog denjenigen Aktiven, die gegen Unrecht und gesellschaftliche Mißstände kämpfen, eine Leitlinie oder Bestärkung gäbe, was geht und was nicht, und vor allem, warum? Welchen Weg gibt uns Jesus vor – Wallraff oder Facebook oder …?

  6. Klaus Ebner meint:

    Sich unter falschem Namen ins Firmenregister eintragen ist bei uns auch strafbar. In Amerika – auch aufgrund der Anti-Terror Gesetze noch mehr. Gespräche heimlich mitzuschneiden und dann ohne Einwilligung des Gesprächspartners zu veröffentlichen ist ebenfalls illegal. Diese Videos auch noch nachträglich zu manipulieren und den Zusammenhang zu verändern ist außerdem unmoralisch. Daleiden ist nichts weiter als ein mutmaßlicher Krimineller – nicht mehr und nicht weniger.

  7. Schandor meint:

    @Roderich

    Danke, ja, so hab ichs gemeint! 😉

  8. @Klaus Ebner:

    Die Beurteilung nach dem (staatlichen) Gesetz war nicht mein Punkt, das hat das angerufene US-Gericht zu verhandeln. Dennoch kurz angemerkt:

    > Daleiden ist nichts weiter als ein mutmaßlicher Krimineller – nicht mehr und nicht weniger.

    Theologisch und juristisch ein sehr interessanter Satz, wie ich ihn drehe und wende. Könnte von einem Lobbyisten stammen : )

    > Diese Videos auch noch nachträglich zu manipulieren und den Zusammenhang zu verändern ist außerdem unmoralisch.

    Haben Sie dazu jenseits der Klageschrift Kenntnisse oder Belege? Haben Sie die veröffentlichten Videos gesehen? (www.youtube.com/user/centerformedprogress)

    Was Planned Parenthood mit der Klageschrift mehr als ein halbes Jahr nach Veröffentlichung der Mitschnitte (auch) bezweckt, liegt ja auf der Hand. Hätte es inhaltliche Zweifel an den Veröffentlichungen gegeben, hätte der US-Senat nicht daraufhin Anfang Dezember (wohl erstmalig) gegen die Förderung für Planned Parenthood aus Bundesmitteln gestimmt.

    Also keine nebensächlichen Vorgänge und für Planned Parenthood auch nicht außergewöhnlich. Meldung von gestern: „Planned Parenthood in South Carolina Fights Fine for Cooking Remains of Aborted Babies“ (www.lifenews.com).

  9. @Klaus Ebner: Ich bin auch Freund von so manchen journalistischen Arbeitsweisen. Ich hoffe Sie haben sich mehrfach darüber beschwert, wie Günter Wallraff in den letzten Jahrzehnten gearbeitet hat. Was wurde da alles unterschrieben, gelogen und gefilmt.

    Das angeschnittene Videomaterial ist, wie sie wahrscheinlich wissen, auch zur Verfügung gestellt worden.

    Was mich eigentlich interessiert: Ist es ihrer Meinung nach kriminell, ungeborene Kinder zu töten und ihre Organe anschließend zu vertreiben?

    Liebe Grüße, Ron

  10. Klaus Ebner meint:

    @gast
    Wissen Sie ich stehe nicht so wahnsinnig auf Fantasy Filme trotzdem habe ich mir einen Teil angesehen. Ich konnte in dem Kontext allerdings nirgends auch nur den geringsten Hinweis darauf erkennen, was Daleidens selbsternanntes Institut behauptet, nämlich dass Planned Parenthood ungeborene Kinder extra dafür tötet um mit dem Verkauf deren Organe Geschäft zu machen. Der Vorwurf ist einfach lächerlich. Der Senat ist seit 2014 mehrheitlich republikanisch besetzt, in sofern kam das als Vorwand gerade recht.

  11. Klaus Ebner meint:

    @Ron,
    die Frage verstehe ich nicht ganz, deshalb eine Gegenfrage. Ist es ethisch vertretbarer abgetriebene Embryos im Klinikmüll zu entsorgen – denn darauf läuft es ja letztlich hinaus. Die von Ihnen angesprochenen ungeborenen Kinder sterben ja nicht deshalb weil Planned Parenthood ihre Organe braucht sondern deshalb weil ihre Mutter – meist aus äußerst guten Gründen – kein Kind mit dem in Frage kommenden Vater haben will.

  12. @Klaus Ebner: Was ist denn an meiner Frage schwierig zu verstehen? Können Sie das erläutern? Wenn nicht, antworten Sie doch einfach.

    Zu Ihrer Frage: Selbstverständlich ist das Entsorgen von abgetriebenen Kindern in Mülltüten auch unmoralisch.

    Liebe Grüße, Ron

  13. @Klaus Ebner:
    Ich finde schwierig, Vorgänge öffentlich zu bewerten oder gar politisch zu deuten, wenn man sich nicht hinreichend mit ihnen befasst hat. Das kann schnell in Richtung Vorurteil und Vorverurteilung bzw. Verleumdung gehen.

    Dass Planned Parenthood Abtreibungen [nur] vornimmt, um die Organe der Kinder zu verkaufen [Kausalität beachten], hat nach meinem Kenntnisstand niemand ernsthaft behauptet, auch nicht das „Center for Medical Progress“.

    Welche Rolle das Geldverdienen dennoch bei Planned Parenthood und insbesondere im Zusammenhang mit der Nutzung von Gewebe und Organen der getöteten Kinder spielt, kann man aus mehreren Quellen erfahren, z. B. https://www.google.de/search?q=abby+johnson+tissue

    Aber erneut: Das Anliegen meines ersten Kommentars war ein ganz anderes.

  14. Klaus Ebner meint:

    @Ron,
    die Antwort auf Ihre Fragen hängt von der Ausgangssituation ab. Wenn es mit Einwilligung der Schwangeren und innerhalb einer gewissen Frist erfolgt ist es in meinem Land nicht kriminell. Denn kriminell ist was gegen gültige Gesetze verstößt, nulla poena sine lege wie es so schön heißt. Was Sie unter „Organe vertreiben“ verstehen erschließt sich mir nicht. Dass tote Körper für medizinische Forschung verwendet werden ist grundsätzlich nichts moralisch verwerfliches.

  15. Klaus Ebner meint:

    @ Gast,
    mit Verleumdung haben Sie schon recht – das dürfte ja auch Daleidens erstes Anliegen gewesen sein. Gut jedenfalls, dass sich seriöse Lebenschutz-Organisationen in Europa – wie zB. die Aktion Leben in Österreich von solchen Spinnern distanzieren. Was war denn genau das Anliegen Ihres Kommentars?

  16. @Klaus Ebner: Einerseits berufen Sie sich auf die derzeitige Rechtsprechung, andererseits ist Ihnen diese egal. Der Handel mir Organen ist auch in den USA untersagt. Ein Schwangerschaftsabbruch verstößt im Übrigen in Deutschland nach wie vor gegen geltendes Recht, auch wenn er unter bestimmten Umständen straffrei bleibt.

    Liebe Grüße, Ron

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