Prof. Slenczka: Stellungnahme zur EKD-Orientierungshilfe

Professor Dr. Reinhard Slenczka hat eine theologische Stellungnahme zur EKD-Orientierungshilfe „Zwischen Autonomie und Angewiesenheit“ verfasst. In einer Zusammenstellung der gröbsten Fehler heißt es:

Zum Schluss eine Zusammenstellung der gröbsten theologischen Grundfehler: Hier geht es nicht um eine Vielfalt von Theologenmeinungen, sondern um Grundlagen christlichen Glaubens und christlicher Lehre, die allgemeinverbindlich sind und dem „magnus consensus“ der katholischen (also nicht nur römischen) Kirche entsprechen:

  1. Der Dreieinige Gott ist nicht eine zeitbedingte Vorstellung von Göttlichem. Er spricht in seinem Wort der Heiligen Schrift, er rettet, aber er richtet und straft auch. Von Gott und seinem Reden und Handeln ist in dem Text an keiner Stelle die Rede.
  2. Heilige Schrift (S. 13) als Offenbarung des Dreieinigen Gottes enthält das wirkende Zeugnis des Wortes Gottes, durch das er handelt in Gericht und Gnade, in Verstehen und Verstockung (z.B. Jes 6, 10; Mat 13, 14 f; Mark 4, 11; Apg 28, 26). Das ist nicht eine „Vielfalt biblischer Bilder“ in „historischer Bedingtheit“. Vor allem aber ist es nicht die Aufgabe des Rates der EKD, die Schrift autoritativ auszulegen. Der Rat bzw. die Kirche stehen nicht über der Schrift, sondern deren Entscheidungen stehen unter der Schrift und sind an ihr zu messen.
  3. Rechtfertigung (S.. 61, 65, 71) ist nicht ein Verzicht auf Werke und Leistung unter Aufhebung der Gebote und Verbote Gottes (Antinomismus), sondern die Rettung des Sünders, der seine Sünde, die am Maßstab der Gebote erkannt wird, bekennt, aus dem Gericht Gottes durch den Glauben an Jesus Christus, der für uns Sünder am Kreuz gestorben und für unsere Rettung von den Toten auferstanden ist. Von Umkehr und Vergebung ist an keiner Stelle die Rede.
  4. Schöpfungsordnung (58, 59, 67 u. a.) ist ein wichtiger Sachverhalt, der darauf hinweist, dass der Dreieinige Gott diese Welt, den ganzen weiten Kosmos geschaffen und vom Größten bis zum Kleinsten geordnet hat. Diese Ordnung Gottes durchzieht die belebte und unbelebte Natur ebenso wie das Leben und Zusammenleben der Menschen. Wer das leugnet, aufhebt oder verändert, trägt die Verantwortung für die Straffolgen aus dem Gericht Gottes für Zeit und Ewigkeit (Ez 3, 16-21; 33, 7-9; Mat 7, 15-23).

Hier die gesamte Stellungnahme: aufklaerungzureheekd2013.pdf.

Kommentare

  1. So. Und hier mal was aus der anderen Richtung. Sehr lesenswert:
    http://www.hannesleitlein.de/?project=so-oder-so-ist-das-leben

  2. Autsch! Was für ein Satz: „Ein Christentum, das von Menschen verlangt, sich selbst zu verleugnen, wird dem obersten christlichen Gebot nicht gerecht. “

    Liebe Grüße, Ron

  3. Peter meint:

    @Ron
    Wichtig ist auch der Folgesatz dazu: „Wenn Menschen mit Scham sich selbst bekämpfen und verneinen sollen, um in die Gemeinschaft zu passen, können sie sich selbst und anderen nicht mit Würde und liebend gegenübertreten.“
    Es geht nicht um eine Demütigung vor Gott – was begrüßenswert wäre -, sondern um eine Anpassung an eine Gemeinschaft – worum es im Christsein eigentlich nicht geht. M. E. wird hier eine andere Art von Glauben/Christsein dargestellt.
    „Das Papier ist, wie Ute Gerhard, die stellvertretende Vorsitzende der Arbeitsgruppe, richtig bemerkte, ein Richtungswechsel.“ Richtig erkannt – ein Richtungswechsel von Gott weg. Anti-Buße?

  4. Schandor meint:

    Der Feind spielt die Klaviatur der bitterbösen Bässe bis hinauf ins ultrafrömmste hohe C, virtuos, virtuos! Je akademischer man sich ausdrückt, desto glaubwürdiger. Was sich heute Theologe schimpfen darf, ist eine Frechheit, die ihresgleichen sucht. Da hat einer den Kopf, sich ein paar Daten mehr zu merken als andere, schreibt eine dumme Arbeit und erhält einen Titel – ein Witz ist das, kaum an Geschmacklosigkeit zu unterbieten. Diese kryptopsychologischen Gottesleugner, die sich selbst als Theologen bezeichnen, sind – aus Sicht des Ewigen – Thanatologen, denn sie weisen den Menschen den Weg in den ewigen Tod.

  5. Danke erst mal für die hervorragende Stellungnahme Prof. Slenczka’s an dieser Stelle.
    Für mich drängt sich mehr und mehr der Verdacht auf, dass unsere evangelische Kirche längst unterwandert wurde von linksgerichteten Ideologen, um dem verhassten Christentum so von innen her den Todesstoß zu versetzen. Das Hinterherhecheln hinter den Zeitgeist ist inzwischen so offensichtlich, dass diese Selbstzerstörung mit Händen zu greifen ist.
    Geradezu eine Frechheit, Luther’s Wort zur Ehe als einem „weltlichen Ding“ zusammenhanglos zu zitieren.
    Wann wird von dieser fehlgeleiteten Kirche auch „Sodomie“ gesegnet – wenn es denn um eine „verlässliche und verbindliche“ Beziehung geht?

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