Reformation heute

rhEs gibt eine neue Zeitschrift zur Förderung reformierter Theologie: Reformation Heute. Die Zeitschrift steht explizit in der Tradition der reformierten Bundestheologie und nennt die „Three Forms of Unity“ als Lehrgrundlage. Die Beiträge sind allgemeinverständlich verfasst. Zum Anliegen schreiben die Herausgeber:

RH ist eine Zeitschrift, die das Anliegen der Reformation für die Erneuerung der Kirche heute fruchtbar machen will. Verbindliche Lehrgrundlage sind die reformatorischen Bekenntnisschriften, namentlich Luthers Kleiner Katechismus, der Heidelberger Katechismus, sowie das Niederländische Bekenntnis.

Die Erstausgabe vom Juli 2013 enthält folgende Beiträge:

  • Warum ›Reformation Heute‹: Die Zeitschrift zum Thema (Sebastian Heck)
  • »Semper Reformanda«: Die Prinzipien der Reformation im historischen Kontext (Victor E. d’Assonville)
  • Die wertvolle Perle: Zur heutigen Bedeutung der Reformation (Carl R. Trueman)
  • Die unversehrte Kirche: Ein Reformator verteidigt die Errungenschaften der Reformation (Johannes Calvin)
  • Was uns immer noch trennt: Reformatorische Lehre und römisch-katholisches Dogma im Vergleich (Raphael Schuster)
  • Reformatorisch Heute: Impulse für die Erneuerung der Kirche im 21. Jahrhundert (Bernhard Kaiser)

Ab 2014 soll die Zeitschrift einmal im Quartal erscheinen und 12,00 € im Abonnement kosten. Die Erstausgabe kann als Gratisexemplar hier angefordert werden: www.reformationheute.de.

Kommentare

  1. Könnte es sein, dass wir gar nicht weitere theologische Zeitschriften brauchen sondern Jünger, die losgehen und andere so zu Jüngern machen, dass sie wieder die nächsten zu Jüngern machen?
    Gott ist gerade dabei, überall auf der Welt Gemeinde-Gründungs-Bewegungen in Gang zu setzen und genau das gleiche fängt er gerade in Deutschland an. Aber da haben wir auch schon genug Wissen auf Deutsch (zuerst David Garrison: „Gemeinde-Gründungs-Bewegungen“ und seit kurzem auch Steve Smith / Ying Kai: „T4T – eine Jüngerschafts-ReRevolution“). Jetzt sind Nachfolger notwendig, die genau das leben und dem Auftrag von Jesus gehorsam sind – und damit die Reformation zu Ende führen.
    Wir stehen sonst in der Gefahr, immer weiter die in Deutschland weitverbreitete Irrlehre zu zementieren, dass Wissen in Gottes Augen wichtiger wäre als Gehorsam.

  2. „… und genau das gleiche fängt er gerade in Deutschland an …“
    Ich komme ursprünglich aus charismatischen Kreisen, die der Gemeindewachstumsbewegung anhingen/anhängen: Was meinst du, wie oft ich solche Aussagen in den letzten 30 Jahren gehört habe? Ich kann diesen UNFUG nicht mehr hören, als ob solche Leute in das Notizbuch Gottes geschaut hätten.

    Ich stimme dir zu, dass die Behauptung, Wissen wäre wichtiger als Gehorsam, so nicht stimmt. Drehe aber bitte den Satz auch nicht um! Als ob Gehorsam wichtiger wäre als Wissen. Wenn ich mir anschauen, wie die jungen Christen, die ich betreue, so drauf sind, dann fehlt ihnen vor allem Wissen – das einfachste und grundlegendste Wissen (selbst bei denen, die aus christlichem Elternhaus kommen!). Sonst sind sie sich nur selbst gehorsam.
    my2ct
    Peter

  3. @Samuel: Danke für den Hinweis. Jüngerschaft ohne heilsame Lehre endet allerdings irgendwann im Krampf, in der Erschöpfung oder in …

    Liebe Grüße, Ron

  4. @Peter:
    Ich rede nicht von der Gemeindewachstumsbewegung sondern von sich multiplizierenden (Haus-)Gemeinden wie Gott sie gerade überall in der Welt schenkt. (Kennst du die von mir genannten Bücher?)
    Tut mir leid wenn du viele schlechte Erfahrungen mit irgendwelchen Ankündigungen gemacht hat – aber ich SEHE, wie immer mehr Leute losgehen, Leute zum Glauben führen, daraus Gemeinden formen und diese Leute wieder losgehen und die nächsten zum Glauben führen. Noch ist es längst nicht so groß wie in China oder vielen anderen Ländern, aber die Anfänge sind genau die gleichen wie dort und jetzt entstehen Stück für Stück immer mehr Generationen von Multiplikation.
    Ich würde allerdings klar widersprechen, dass in Gottes Augen Wissen genauso wichtig wäre wie Gehorsam. (Oder wie würdest du das begründen?)
    Wir finden genügend Stellen wie Joh 15,10 in denen deutlich wird, das Gott Gehorsam liebt und dass Gehorsam letztendlich alles ist, was er von uns möchte. Wir sollen das leben, was wir schon von ihm verstanden haben und dann wird er uns Stück für Stück mehr von ihm offenbaren, uns mehr anvertrauen und unsere Fehlvorstellungen korrigieren.
    So wie ich meinen Gott und meine Bibel kenne ist ungenutztes Wissen in Gottes Augen rein gar nichts wert (bitte sag mir wenn du das anders siehst / andere Erkenntnis dazu hast)

    @Ron
    Ich glaube wir sind uns einig, dass wir natürlich gesunde Lehre brauchen und Irrlehre gefährlich ist. Allerdings ist eine der größten und gefährlichsten Irrlehren in Deutschland genau das „Wissen ist wichtiger als Gehorsam“, das sich durch fast die ganze deutsche Theologie zieht.
    Es geht ja nicht nur um den Inhalt von irgendwelchen Predigten / Büchern / Artikeln, sondern genauso um gelebte Irrlehre: wenn ich z.B. etwas predige, aber hinterher gar nicht überprüfe und Rechenschaft fordere, was sich dadurch im Leben der Zuhörer verändert hat, dann kann ich noch so viele Wahrheiten in meiner Predigt sagen – das ganze System vermittelt wieder: es geht um Wissen und nicht darum, was du damit machst.
    Diese Irrlehre betrifft leider auch das MBS – es ist eine dem System „Theologiestudium“ als Wissensvermittlung (und nicht Gehorsamstraining) immanente Irrlehre.

  5. @Samuel: Einig sind wir uns darin, dass die Liebe das Ziel der Lehre ist. Gemäß der Bibel gibt es so etwas wie ein Kopfwissen überhaupt nicht. Ansonsten bin ich weitgehend anderer Auffassung als Du. Ich halte die Trennung von Wissen und Glaube oder auch von Wissen und Gehorsam für das größere Problem. Moralismus, Fanatismus, Menschenfurcht und -verehrung sowie Autoritätshörigkeit haben in so einem Milieu ein leichtes Spiel.

    Liebe Grüße, Ron

  6. @Samuel: Ich melde mich nochmals auf die Anmerkungen, die Du Peter geschrieben hast. Natürlich ist Gehorsam wichtig. Aber Gehorsam und Liebe gehören zusammen und beide schließen das Verstehen ein. Ich spreche nicht davon, dass es immer darum geht, alles zu verstehen. Nein. Aber Gott wünsche einen Gehorsam, der durchs Herz geht. Das ist ein verstehender Gehorsam (Ich sage nicht: ein alles verstehender Gehorsam).

    Schon im AT wird deutlich, dass die Alternative zum Missbrauch des Denkens die Weisheit Gottes und damit der gottgewollte Gebrauch des Denkens ist. So lesen wir z.B. in Spr 28,26:

    Wer auf seinen Verstand vertraut, der ist ein Tor; wer aber in Weisheit lebt, der wird entkommen.

    Und wenn wir in Spr 3,5 lesen: „Verlaß dich auf den HERRN von gan­zem Herzen, und verlaß dich nicht auf deinen Verstand“, dann will da­mit nicht behauptet sein, dass Gottvertrauen in die Dummheit führt. Der Autor warnt uns ganz im Sinne des Sündenfallberichtes davor, den Ver­stand autonom, also losgelöst von Gottes Gedanken, zu gebrauchen. Das wird sehr klar, wenn wir Spr 2,1–6 studieren:

    Mein Sohn, wenn du meine Rede annimmst und meine Gebote be­hältst, so dass dein Ohr auf Weisheit achthat, und du dein Herz der Einsicht zuneigst, ja, wenn du nach Vernunft rufst und deine Stimme nach Einsicht erhebst, wenn du sie suchst wie Silber und nach ihr forschest wie nach Schätzen: dann wirst du die Furcht des HERRN verstehen und die Erkenntnis Gottes finden. Denn der HERR gibt Weisheit, und aus seinem Munde kommt Erkenntnis und Einsicht.

    Wir sollen also als Gläubige nicht mit dem Denken aufhören, wir sollen als Gläubige lernen, richtig zu denken. Der Aufruf an die Toren und Un­verständigen, die Bösen und Ungläubigen ist deswegen immer auch und vor allem mit einer Umkehr des Denkens verbunden (Ps 94,8):

    Habt Einsicht, ihr Unvernünftigen unter dem Volk! Ihr Toren, wann werdet ihr verständig werden?

    Nun zeigt schon der Sündenfallbericht, dass der Mensch die volle Ver­antwortung für sein sündiges Denken trägt, hinter dem bösen Denken je­doch satanische Absichten stecken. Paulus spricht von „den Ungläubi­gen, denen der Gott dieser Welt das Denken verblendet hat, damit sie den Lichtglanz des Evangeliums … nicht sehen“ (2Kor 4,4). Jesus beschreibt im Gleichnis vom vierfachen Ackerfeld, was passiert, wenn ein Mensch das Wort Gottes interessiert hört, dann aber doch nicht versteht: „… es kommt der Teufel und nimmt das Wort aus ihren Herzen, damit sie nicht glauben“ (Mt 13,19, vgl. a. Lk 8,12; ähnlich Mk 4,15 mit der Bezeichnung „Satan“).

    Liebe Grüße, Ron

  7. @Ron:
    Danke für deinen Kommentar – ich glaube jetzt kann ich konkreter formulieren, was ich meine: Ich stimme dir absolut zu, dass die Trennung von Wissen und Glaube oder von Wissen und Gehorsam ein großes Problem ist.
    Gott möchte dass beides zusammenpasst und in Balance ist.
    Gefährlich ist es, wenn mehr Gehorsam als Wissen da ist (die Probleme hast du beschrieben).
    Genauso gefährlich ist es jedoch auch, wenn mehr Wissen als Gehorsam da ist – und da dieses Phänomen in Deutschland weit verbreitet ist, hab ich besonders darauf mein Augenmerk gelegt (vielleicht müsste man in China eher den anderen Teil betonen, aber dazu kenne ich die Situation dort nicht gut genug).
    Als guter Lehrer muss ich darauf achten, dass bei meinen Schülern gar nicht erst eine Unausgewogenheit zwischen Wissen und Gehorsam entsteht. Und dazu sollte ich am besten eine Form wählen, die möglichst gut ausdrückt und sicherstellt, dass es um beides geht und Kopfwissen nichts wert ist.

    Viele Grüße,
    Samuel

  8. @Samuel

    Also ich kenne die Region in Deutschland noch nicht in der „mehr Wissen als Gehorsam“ das Problem sei.
    Ganz im Gegenteil:
    die Heilslehre der Bibel ist verschüttet, darauf basierend hast du sowohl „Gehorsam“ als auch „Ungehorsam“…
    Gedanken über eine „Unausgewogenheit“ kann ich momentan nicht nachvollziehen, weil die Grundlage (Wissen oder Lehre oder Verständnis oder …) nicht gegeben ist.
    Deswegen ist als Anfang jedes Gehorsams erst einmal das Wissen zu sichern bzw. zu etablieren.
    Aus diesem Grund können wir in Deutschland momentan gar nicht zu viele Zeitschriften, zu viele „Seminare“ haben – wir haben definitiv zu wenig.

  9. schandor meint:

    Deswegen ist als Anfang jedes Gehorsams erst einmal das Wissen zu sichern bzw. zu etablieren.

    Prädikat: Gut gebrüllt, Löwe!

  10. rolf eicken meint:

    @ schandor
    Was @Lutz schreibt gefällt mir gut und kommt meinen Beobachtungen sehr nahe.
    Wissen kann ich nur dazu erwerben, daß ich die Zusammenhänge dessen, um was ich mich bemühe, verstehe. Das ist wie mit dem Stein, den ich in einen stillen See werfe: er zieht immer neue, größere Kreise. So soll es mE. mit dem Wissen auch sein. Erst wenn ich den Kontext verstanden habe, kann ich anfangen zu gehorchen.
    Mit dem „Gehorsam“ habe ich allerdings Schwierigkeiten. Vor allem staune ich immer wieder darüber, wie genau wir Menschen uns anmaßen, zu „wissen“, was ein Gott von uns will und über uns denkt. Denn die angegebenen Quellen sind mW. ja willkürlich in die Bibel aufgenommen worden und geben das wider, was sich Menschen so vorgestellt o. vermutet haben. Können das Ge“wiss“heiten sein?
    MfG
    Rolf

  11. Schandor meint:

    @Rolf

    Sie sagen, Sie „staunen“ immer wieder, wie genau wir Menschen uns „anmaßen“, zu „wissen“, was ein Gott von uns will.
    Das verstehe ich nicht. Ich verwende als Quelle die Bibel, und dort steht ziemlich genau, was Gott von uns will und was nicht. Nicht, dass ich das einhalten könnte (wofür brauchte ich dann Erlösung?), aber ich möchte es und versuche es auch immer wieder. Für mich ist das gewiss genug, wenn Gott sagt, er hasse dies oder jenes. Dann weiß ich: Ich soll es ebenso hassen. Gott hat den Menschen erschaffen/konzipiert/gebaut/sich ausgedacht – wer sollte besser wissen, was für den Menschen gut ist, als sein Konstrukteur?

  12. Andreas meint:

    @Samuel: Du erwähnst die Gemeinde-Gründungsbewegung als vorbildlichen Impulsgeber, und in der Tat, ich habe in ihr in Bezug auf Treue, Hingabe und positiver Einfalt viel lernen können. Wenn es um Jüngerschaft und Bibel geht, so scheint mir jedoch dort die Formel „intuitiv = richtig“ oft zu dominieren. Für junge Christen ist es – natürlich abhängig von ihrem Hintergrund – oft ausreichend und befreiend so die Bibel zu entdecken, frei von all dem anderen Ballast, der ihnen das Bibellesen sonst so schwierig und dröge macht. Aber auf Dauer ist es die Tendenz, dass es zu einem oberflächlichen Bibellesen führt, einer Selektion unangenehmer Bibelstellen und einer Hörigkeit, sich die „schwierigen Stellen“ dann doch von einem „der sich auskennt“ erklären zu lassen, ohne seinen Weg zur Auslegung nachvollziehen zu können.

    Ich meine, dass wenn Jesus seinen Jüngern sagt, dass sie alles halten sollen, was er ihnen befohlen hat (Mt 28,20), dann meint er auch komplexe Wahrheiten, die seine Jünger uns in den Briefen hinterlassen haben und die wir für eine Jüngerschaft im Sinne Jesu dringend brauchen.

    Dein Anliegen, im dem, was wir wissen, Jesus gehorsam zu folgen und sich nicht in und hinter Informationen zu verkriechen kann ich voll unterstützen. Das Studium intensive Studium indes an sich schon kritisch zu sehen, nicht.

  13. @Andreas:
    Was mich sehr interessieren würde: Wo hast du denn diese Tendenz in einer Gemeinde-Gründungs-Bewegung beobachtet? Also hab ich da bis jetzt noch nicht allzuviel „von nahem“ gesehen – bei der einen mir bekannten Gemeinde-Gründungs-Bewegung in Deutschland kann ich jedoch mit Sicherheit sagen, dass das nicht der Fall ist. Je mehr dort Leute Gemeinden gegründet und dementsprechend Verantwortung haben, um so mehr kommen natürlich auch komplexere theologische Themen auf, mit denen sich dann aber die Leiter auch gründlich auseinandersetzen.
    Wir sollten jedenfalls nicht vergessen, dass die Briefe des Paulus z.B. an Timotheus oder in andere Städte sich an Leute richten, die andere zum Glauben geführt und Gemeinden gegründet haben. Genau so einen Lebensstil brauchen wir aber auch, wo Gehorsam (Zeugnis geben, Jünger machen) und Wissen (gute Lehre) in Balance sind und beides gleichmäßig wächst. Das ist jedenfalls das Vorbild, das ich bei Paulus und Jesus sehe.
    Und das unterscheidet sich meiner Meinung nach schon deutlich von dem typischen Theologiestudium, wo man jahrelang erstmal Wissen zu jeder Eventualität ansammelt und dann Vollzeitler werden kann, ohne auch nur einen Menschen zum Glauben geführt oder eine Gemeinde gegründet zu haben.

    Viele Grüße,
    Samuel

  14. @ Samuel: Rechtes Denken und rechtes Handeln gehören zusammen. Ich sage das als Mensch, der eher zum Denken neigt und unter vielen Menschen lebt, die ihr Handeln kaum reflektieren.
    http://www.hanniel.ch/?p=6506

  15. Andreas meint:

    Das Schaubild, Hanniel, fasst auch mein Denken gut zusammen. Ich war bei zwei Gemeindegründungen dabei und habe weitere beobachten können (teilweise immer noch). Nicht auf alle trifft es zu, dass intensives Bibelstudium vernachlässigt wird, aber bei einigen meine ich schon, es gesehen zu haben. Das Anliegen ist ja an sich gut, wenn es aus der Einfalt des Herzens kommt. Es gibt aber auch Gründungen aus einer problematischen Situation heraus. Man empfindet die eigene Gemeindesitation als verknöchert und macht es – wiederum je nach Hintergrund – an „zuviel Bibelstudium“ fest. Dabei ist das Problem aber nicht das zuviele Wissen, sondern die mangelnde Umsetzung.
    Über Gemeindegründungsstrategien gäbe es viel zu sagen, aber ich denke, dass ist dann doch zu sehr off-topic. Ich bin froh, in meiner Gemeindearbeit mehr lernen zu können, unter anderem auch am MBS. Die Umsetzung kommt nicht automatisch, aber es ist mein Wunsch, weiter in der Nachfolge Jesu zu wachsen!

  16. Wenn wir uns die Briefe im Neuen Testament ansehen, sehen wir, dass das Erkennen der Wahrheiten, insbesondere aber auch das Erkennen der Person und des Wesens Jesu Christi dem Gehorsam vorangeht, ja dass der Gehorsam die Folge davon ist.
    Zunächst wurde den Menschen das Evangelium dargelegt, Paulus verkündigte den ganzen Ratschluss Gottes einer Gemeinde, gleich nachdem sie entstanden ist.
    Die Basis christlichen Lebens ist der Glaube, aus dem wir leben. Und der erwächst nunmal aus der Predigt. Also aus der Verkündigung biblischer Wahrheiten.
    Gehorsam, der nicht in Verbindung zum Glauben steht ist Religiosität und steht in grosser Gefahr, zu einem Pharisäertum zu führen. Auch diese Warnungen Jesu gehören zu dem „alles“, was der Herr geboten hat. Somit muss die Grundlage geprägt werden, die zum Glauben führt und diesen fördert, der zu einem gesunden Gehorsam führt.
    Was Jüngerschaft angeht wird immer gerne 2.Tim 2,2 angeführt. Doch worum geht es? Timotheus soll (potentiell) begabte Brüder nehmen und diese schulen, damit sie dieses wieder weitervermitteln können. Es geht hier nicht um eine allgemeine Zweierschaftsbeziehung, sondern um konkrete Ausbildung mehrerer Lehrer, die dann die Gemeinde lehren können.
    Wir sehen hier, dass es bei Paulus, wie aber auch den anderen Aposteln ein ganz wichtiges Anliegen war, dass nichts von den geoffenbarten Wahrheiten in den Gemeinden verloren geht und dass immer auch alle darin gelehrt werden. Auch das Nachsinnen über Gottes Wort (z.B; Psalm 1) hat das Ziel, immer tiefer auch die Gedanken, den Willen, die Verheissungen, Absichten und das Wesen Gottes zu ergründen. Ich verstehe nicht, warum eine solche Ablehnung gegenüber dem Erforschen von Gottes Wort in letzter Zeit ensteht. Eine rein praxisorientierte Theologie, wie sie in den Gemeindegründungsbewegungen und den missionalen Bewegungen bevorzugt wird, steht in der Gefahr, ein Evangelium zu fördern, das zwar schnell Verbreitung findet, aber die Tendenz hat, dass der Glaube auf ein Minimum an Verständnis des Glaubens geführt wird, mit schnellem Gehorsamserfolg. Aber wird dies den Tiefgang bewahren und in den Gemeinden erhalten, den das Wort Gottes enthält? Eine rein gehorsamsbezogene Theologie funktioniert leider auch ohne Evangelium und lässt sich an pseudochristlichen Gruppierungen wie den Zeugen Jehovas, aber auch in areligiösen Verhaltensänderungsseminaren feststellen, die nqch den gleichen Prinzipien arbeiten, wie die postmodernen Jüngerschaftskonzepte.
    Eine an diese Methoden drangepflanzte richtige Theologie rechtfertigt dann nicht die Grundlage für das veränderte Verhalten, die nicht auf Wirken des Heiligen Geistes basiert. Also vieles funktioniert, hat auch eine äussere sichtbare Wirkung, aber letztlich nicht dem Willen Gottes gemäss. Paulus wurde auch unter Gamaliel trainiert und musste später dies alles (auch dem Gesetz untadelig zu sein) als Dreck erachten.
    Zum Thema Jüngerschaft/ Ziel ist immer ein Jünger Jesu zu werden, nicht ein Jünger eines anderen. Apg zeigt uns, dass alle durch Jesus Erretteten Jünger sind und dass es keine besondere oder gehobene Klasse von Christen ist.

  17. musste meine email adresse korrigieren

  18. @Samuel
    Dann frage ich jetzt mal ganz direkt:
    Woran machst du fest, dass in Deutschland das Phänomen weit verbreitet ist: es ist mehr Wissen da als Gehorsam?
    Weil es in Deutschland Theologiestudium gibt?

    Die hier vorgestellte Zeitschrift habe ich vor mir liegen und dort heißt es u.a.:
    Zitat: „Das Seminar vermittelt in einem kompletten theologischen, historischen und praktischen Lehrplan die Grundlagen für den kirchlichen Dienst, mit einem Schwerpunkt auf missionarische Gemeindegründung im deutschsprachigen Europa.“
    In diesem Anspruch sind Theorie und Praxis bedacht.
    Meine Bibel kennt kein Verbot sich „theoretisch“ auf Dinge vorzubereiten, die sich nicht zeitnah in die Praxis umsetzen lassen.
    Rechtes Theologiestudium (also dort, wo es wirklich darum geht: Was hat Gott gesagt?) führt nicht nur in die Originalsprachen, sondern auch in den jahrhunderte alten Fundus von Erkenntnissen Gläubiger, die demselben Herrn dienten, wie wir heute. Auch wenn solches in der Bibel nicht festgehalten ist – kennt meine Bibel doch das Lernen von „Vorgängern“.
    Ein solches Lernen kann nicht Makel sein.

    Außerdem möchte ich die Beiträge von Ron noch einmal in Erinnerung rufen:
    Zitat: „Gemäß der Bibel gibt es so etwas wie ein Kopfwissen überhaupt nicht.“

    Es wäre ein ganz fataler Irrtum, eine ganz schlimme Wegweisung, wenn am Ende steht: ein toter Glaube ließe sich durch Praxis (Werke) beleben. Der Jakobusbrief kennt einen Glauben, der in Teilen richtig ist – aber …
    Der Jakobusbrief kennt noch einen anderen Glauben, der richtig ist – nur der hat …

    Manchmal denke ich, dass bei solchen Analysen (warum habe ich den Eindruck nur Theorie und wenig Praxis …) eher psychologische und soziologische Komponenten eine Rolle spielen, weniger das Wort Gottes selbst. Hier muss man immer wieder neu aufpassen.
    Andererseits muss man aufpassen, ob der eigene „Werkeanspruch“ an sich selbst, aber auch an andere überhaupt stimmt. Auch hier kann nur das Wort Gottes selbst Aufschluss geben.
    Letztlich wird man immer wieder beim Evangeliumsverständnis landen – ist zumindest meine durchgängige Erfahrung.

    Deswegen freue ich mich momentan über jede deutschsprachige Initiative, die Licht mittels des Wortes Gottes ins Dunkel bringt. Da Glaube (also der lebendige) aus der Verkündigung (Sprache) kommt, können wir nur dann entsprechende Hoffnung (auf entsprechende Werke) haben, wenn genau diese Verkündigung stimmt.

  19. Andreas2 meint:

    @Samuel,
    Dein Vorbild Paulus hatte selber mehrere Jahre Intensiv-Ausbildung in der Bibel (bei Gamaliel, wenn auch noch als Unglaeubiger – Gott hat jedoch sein enormes Wissen – verbunden mit seiner Gottesfurcht, Gehorsam, Mut und Treue – genutzt in gewaltigen Ausmassen.) Aber Paulus laesst sich sicher nicht gegen gesunde Lehre ausspielen.

    Ob in einem Lande die gesunde Lehre an Bibelschulen noch gelehrt wird oder eine mehr und mehr verwaschene Version, ist ja selber auch eine Folge des Gehorsams oder Ungehorsams gegenueber Gott. Falsche Lehre ist meist eine Folge mangelnden Gehorsams.

    Natuerlich gibt es viele Leute, die nur noch (oft gute) Lehre hoeren, ohne es umzusetzen. Ob ein weniger an Lehre helfen kann, bezweifle ich da aber stark, es fehlt dann an einem ‚mehr an Gehorsam‘. (In vielen Freikirchen hoert man woechentlich, wie wichtig es ist, Leute zu Jesus zu fuehren, aber es geschieht eher weniger. Jeder weiss, wie wichtig und erwecklich fuer unsere eigene Seele das Gebet ist, dennoch beten wenige taeglich laenger als 45 Minuten.)
    Klar, wir Christen in BRD muessen vor allem zurueck zum simplen Glaubensgehorsam, wir koennen uns von der Spiritualitaet (bzw. Disziplin) der Asiaten und Afrikaner viel abschauen, etc., aber dafuer ist klare Lehre dennoch unabdingbar. Man ‚gehorcht‘ ja schliesslich der Bibel bzw. Gottes Wort, in Form der Lehre, die man kennt.
    Die Lehre, welche uns der Heilige Geist sowie der Verstand (gemaess bewaehrter hermeneutischer Methoden) auslegt; ohne die richtige Lehre haette man nichts, dem man gehorchen koennte.

  20. Samuel meint:

    @Ron, @Lutz
    Zu dem Zitat „Gemäß der Bibel gibt es so etwas wie ein Kopfwissen überhaupt nicht.“:
    Natürlich kennt die Bibel das Phänomen Kopfwissen! Das ist doch genau das, was Jakobus im zweiten Kapitel seines Briefes klar beschreibt (V16, V19) und sehr deutlich davor warnt: „Glaube ohne Werke ist tot“!

    @Lutz zu deiner Frage „Woran machst du fest, dass in Deutschland das Phänomen weit verbreitet ist: es ist mehr Wissen da als Gehorsam?“
    So ziemlich jeder mir bekannte Christ weiß, dass am Ende des Matthäus-Evangeliums der Missionsbefehl steht, wo es irgendwie darum geht, alle zu Jüngern zu machen. So ziemlich jeder hat ihn schon mehrfach als Aufforderung gehört. Zumindest einige können ihn auch zitieren.
    Du kannst selber den Test machen: Frage beliebige Christen, wie oft sie im letzten Monat einem Nichtchristen das Evangelium erklärt haben. Oder wie oft sie wenigstens gezielt irgendwohin gegangen sind, um genau das zu tun (und es hat sich niemand dafür interessiert). Das Ergebnis ist fast immer jeweils null.
    Meine Erfahrung deckt sich mit der Erfahrung vieler Freunde, die dasselbe machen: Wenn ich auf der Straße mit Leuten ins Gespräch komme, treffe ich praktisch nie Leute, denen auch nur ein Christ schon mal versucht hätte, die gute Nachricht zu erklären.
    In der Stadt in der ich wohne gibt es hunderte Kneipen, Cafés, Clubs, Unternehmen, … – und ich wüsste fast bei keinem davon, dass Christen gezielt dorthin gehen, um dort zu evangelisieren. Ich kenne Städte, wo es vielleicht nur 1-2 Mal im Jahr passiert, dass Christen gezielt dorthin gehen, wo Nichtchristen sind, um ihnen die gute Nachricht zu erzählen.
    Mt 28,19 beginnt mit „Geht hin!“ Der Großteil der Christen geht jedoch nirgendwohin (um dort Jünger zu machen). Die Anweisung ist simpel und klar, die meisten kennen sie, nur die wenigsten tun das. Das ist ein Beispiel, an dem ich das festmache und ich lade jeden ein, es selbst zu überprüfen.

    @Alle: Ich rede nicht von einzelnen Gemeinde-Gründungen, sondern wirklich von Gemeinde-Gründungs-Bewegungen, das ist ein großer Unterschied. Auf Deutsch ist das bis jetzt leider noch kaum bekannt (hatte ich selbst vor einem Jahr noch nicht gehört). Deshalb lade ich jeden ein, das T4T-Buch und das andere von mir genannt Buch zu lesen. Bzw. ehe ich hier nur Bücher empfehle: Einfach mitzukommen und es selbst zu erleben, wie so eine GGB in Deutschland aussehen kann.
    Auf Deutsch gibt es leider (noch) fast nichts im Internet zu dem Thema, aber auf Englisch findet man unter dem Stichwort „Church Planting Movements“ schon eine Menge.

  21. @Samuel
    „Glaube ohne Werke ist tot“ und der wird auch durch Werke (egal welche) nicht lebendig.
    Der Glaube, der lebendig ist, hat Werke (und darum geht es, wenn von „Jüngern“ die Rede ist).
    Es geht um diese Jünger, bei denen eine Trennung zwischen Glaube (Kopfwissen) und Werken (zu wenig?) gar nicht vorliegen kann.
    Die beiden gehören zusammen, mal einfach illustriert (überstrapazieren darf man das Bild jetzt nicht) wie „Leben und Atmen“. Man hat Leben und atmet zu wenig? Man atmet zu viel, bei zu wenig Leben?… Wer lebt, atmet (falsche Atemtechniken können durchaus sein).

    Der Gläubige kommt freilich nicht ohne Aufforderung aus und die Lehrbriefe sind voll von solchen.
    Es ist nicht richtig dieses: „Hingehen und Evangelium erklären und dann noch mit entsprechendem Erfolg“ zum ausschließlichen Kriterium für alle Gläubigen zu machen.
    Denk doch nur einmal an die Art und Weise wie eine gläubige Ehefrau mit ihrem ungläubigen Ehemann leben soll – oder an all die Aufforderungen bzgl. der Gemeinschaft der Gläubigen.
    Wie oft wird die Aufforderung zum Gebet gegeben, wie oft eine Aufforderung „Hinzugehen“? Hat der Beter eine Berufung „nicht zu gehen“, hat der, der geht und erklärt eine Berufung „nicht zu beten“? ….
    Wir haben sehr vielfältige Aufforderungen und eine Prioritätenliste sollte mit der Bibel zweifelsfrei belegbar sein.

    Dieser Prioritätsanspruch (bzgl. Mission) erinnert mich sehr an einen älteren, sehr unbequemen und herausfordernden Artikel, in dem „Mission“ an der Schrift überprüft wird.
    Die Eingangsproblematik tippe ich mal in Auszügen an:
    http://www.begowl.de/wp-uploads/Missio.pdf

    Zitat:
    „Das Thema Mission einmal kritisch zu beachten, fällt den meisten Christen schwer.
    Die Gründe dafür sind dreifach:
    1. … wird oft suggeriert, dass die Mission das wichtigste Anliegen Gottes für die Gemeinde ist (Priorität Gottes). …
    2. …Mission oft als Maßstab für Geistlichkeit und lebendigen Glauben dargestellt („Jeder Christ ein Evangelist“, „Christen brauchen keine Berufung um zu gehen, sondern um nicht zu gehen“, „Christen brauchen keine Berufung, sondern einen Tritt in den Hintern“ u.a.). …

    Man könnte sicher noch das ein oder andere noch dazu nennen.
    Ist die Mission wirklich Gottes Priorität? Dieser Frage wollen wir anhand der Schrift
    nachgehen und auch zeigen, welche Konsequenzen eine solche Ansicht mit sich
    bringt.“(Zitat Ende)

    Ob du jetzt den Ausführungen dort folgen kannst oder nicht – aber das ist genau das, was ich meine. Wir leben inmitten unzähliger Interpretationen des Wortes Gottes. Viele übernehmen wir, weil wir gar nicht auf den Gedanken kommen, es könnte was falsch sein.
    Ein gut ausgebildeter Lehrer ist dann ein nicht zu unterschätzender Segen.

  22. @Samuel, @alle: Ich befasse mich seit einigen Jahren mit den Gemeindegründungsbewegungen (oder auch missionalen Bewegung), auch in Deutschland. Bücher wie die von Garrison, aber auch Neil Cole (organische Gemeinde) oder David L. Watson („Gemeindegründungsbewegungen“ als übersetzete Zusammenfassung seines Web-Blogs) kenne ich und habe mich damit intensiver auseinander gesetzt. Das Anliegen verstehe ich gut und die Not mangelnder missionarischer Ausrichtung, der versucht wird, zu begegnen, kann ich gut nachvollziehen. Dennoch sollte hier sehr genau die Grundausrichtung beachtet werden: Welche Art von Evangelium wird durch diese Bewegungen vermittelt? Welches Gemeindeverständnis liegt den Konzepten zugrunde? Welches Reich-Gottes-Verständnis wird damit transportiert?
    Hier sehe ich einen sehr starken Bezug zu einer wichtigen und gottgewollten Theologie im Sinne der Kernaussagen der Heiligen Schrift und der damit verbundenen und davon ausgehenden Praxis christlichen Lebens. Einfach zu evangelisieren ohne ein klares Bild davon zu haben, was das Evangelium ist, entspricht nicht dem Missionsbefehl. Jünger zu machen, die nicht wirklich wissen, wem sie nachfolgen und denen man mehr das „wie“ als das „warum“ und dem „wem“ vermittelt, auch nicht. Wenn man diese Bewegungen genauer betrachtet, stellt man fest, dass letztlich etwas anderes rauskommt, als das, was wir in der Apostelgeschichte oder in den Brifen des Neuen Testaments als Gemeinde erkennen und verstehen. Auch ist die Frage der Rechtfertigung und der Errettung verstärkt in den Hintergrund gedrängt. Nachfolge und christliche Lebensführuing, sogar Mission stehen mehr im Vordergrund als die Frage, wer denn nun errettet und wer verloren ist. Wiedergeburt und das Leben aus der Gnade und durch den Heiligen Geist hat weniger Bedeutung als der Wille des Menschen, gehorsam zu sein. Fragt sich, ob da echtes neues Leben entsteht oder nur eine verstärkte und präzisere äußere Frömmigkeit. Das Ganze ist sehr vielschichtig und auch nicht hier im Blog mit wenigen Worten zu beschreiben. Kann nur zu Missverständnissen führen und somit auch schnell kritisierbar sein. Dessen bin ich mir bewußt. Es gibt diverse Webseiten, die sich inzwischen mit diesen Bewegungen kritisch auseinander setzen. Ich will nicht sagen, dass jede Kritik vollständig zu bejahen ist, aber die Grundzüge sollten sehr ernst betrachtet werden. Ich kann nur empfehlen, die Geschichte und Hintergründe, aber auch die theologischen Fragestellungen selber zu betrachten und daraus Schlüsse zu ziehen.
    Als Beispiele seien hier erwähnt:
    http://www.der-ruf.info/?tag=david-watson-gemeindewachstumsbewegung

    http://www.das-wort-der-wahrheit.de/willow-creekgemeindewachstumsbewegungmissionale-gemeindebewegungen

    Ich bin mir bewusst, dass diese Seiten auch angreifbar sind. Bin auch nicht in allem einverstanden, was sie schreiben oder äußern. Aber ich kenne die Autoren und weiß, dass ihnen die Verkündigung des Evangeliums eine Ermutigung der Gemeinden zu Evangelisation und Mission am Herzen liegt. Ihre Analysen sind daher ernst zu nehmen und auch für die Beurteilung der Gemeindegründungsbewegungen heranzuziehen.
    Die Frage, die mich in diesem Rahmen auch sehr beschäftigt ist, wie sehr die Gemeinden, die nicht evangelisieren, selber noch überzeugt vom Evangelium sind und wissen, was der Kern der Botschaft ist. Ich glaube, dass uns das humanistische Denken sehr beeinflusst hat und dass daher ein Verständnis davon, dass der Mensch Sünder ist, der erlöst werden muss, immer mehr verloren geht. Die Evangelisation heute zielt zu stark darauf ab, dass der Mensch noch etwas braucht, dass ihm Sinn und Hoffnung gibt und dass er daher etwas hören muss, dass ihm diesen Sinn vermittelt. Fehlende Betonung der Buße und der Verlorenheit des Menschen hat letztlich auch zur Folge, dass sich die Praxis aus der Bekehrung nicht ergibt. Der Weg, die Praxis ohne diese theologischen Grundlagen zu vermitteln und den Menschen gleich bei den äußeren Auswirkungen zu erreichen ohne dass der innere Mensch von Grundauf verändert wird, ist nicht der Weg, der zum Heil Gottes führt.

  23. Wie wichtig das auch ist, es reicht nicht, den Leuten den Missionsbefehl vor die Nase zu halten und zu erklären, dass es sich eben um einen Befehl und keine Einladung handelt, die man ausschlagen könnte. Dann wissen die Leute zwar, dass sie es tun sollen, sie wissen aber immer noch nicht, wie das praktisch aussehen kann. Dass Menschen Probleme damit haben, an einem Samstagabend unvermittelt in einer Kneipe aufzutauchen und das Evangelium zu verkündigen, kann ich gut verstehen. Das hat nicht zwangsläufig mit mangelndem Gehorsam zu tun, sondern eben auch mit mangelnder Lehre und Unterweisung darüber, WIE Evangelisation in angemessener und zielorientierter Weise gestaltet werden kann.

    Wir brauchen Experten im Disciplemaking, die wissen, WIE man „zu Jüngern macht“. Wir brauchen Lehrer, die nicht beim „du sollst“ stehenbleiben, sondern auch instruktiv erklären können, wie das praktisch aussehen kann, Stichwort Netzwerke/relational evangelism (siehe Johannes 1,35-45 oder Lukas 10,1-12). Aber die Leute müssen auch verstärkt über die grundlegenden Wahrheiten unterrichtet werden, wozu sie als Kinder Gottes berufen sind: Botschafter an Christi statt zu sein (2.Kor. 5,20), Hirte zu sein, dass sie geistliche Väter und Mütter sind (Paulus-Timotheus-Prinzip).
    Es mangelt definitiv an Lehre, aber auch daran, den Leuten praktikable Tools an die Hand zu geben, mit denen sie unverkrampft und auf natürliche Weise Unerettete evangelisieren und Erettete zu mündigen Nachfolgern und Multiplikatoren machen können. Dazu ist viel mehr Anstrengung und Unterweisung notwendig als eine Fokus-Predigt pro Halbjahr.

  24. Andreas2 meint:

    @Herr Eicken,
    Sie sagten oben, mit dem Gehorsam haetten Sie gewisse Schwierigkeiten, da die Bibel, wie Sie sagten, willkuerlich zusammengestellt sei.
    Vielleicht hilft da der Ansatz, einmal die gesamte Bibel betend zu lesen; man kann vor dem Bibelstudium den Vers aus Psalm 119,18 beten: ‚Herr, oeffne mir die Augen, dass ich sehe die Wunder an deinem Gesetz.‘
    Denn – auch gemaess Eph 1,17.18 – brauchen wir Gottes Hilfe, um Sein Wort zu verstehen, sozusagen ‚erleuchtete Augen des Herzens‘.
    Je mehr man in Gottes Wort liest, und das umsetzt, was man liest, desto mehr oeffnet sich auch das Verstaendnis des Wortes. Jesus gibt in Joh. 7,17 auch einen Weg an, dies praktisch zu testen: ‚Versuche einmal, Gottes Wort zu halten, und Du wirst sehen, es ist kein Menschenwort.‘
    Man kann sich dabei auch erst einmal getrost auf die Stellen konzentrieren, die man verstanden hat. Die anderen Stellen kommen spaeter dran. Das, was man verstanden hat, ist schwierig genug – in der Umsetzung. Wenn man mal die gesamte Bibel gelesen hat, merkt man auch, dass dort ein roter Faden hindurchgeht – bei 66 Buechern aus verschiedenen Sprachen, entstanden in einem Zeitraum von ueber 2000 Jahren in verschiedenen Laendern von verschiedenen menschlichen Autoren eigentlich ein Wunder, und das kann eigentlich nur vom Heiligen Geist inspiriert sein.
    Wenn ich die Bibel lese, merke ich jedenfalls, wie Gott darin auch konkret zu mir spricht, und die Bibel auch die Antworten fuer den modernen Menschen und seine Fragen hat. Die Weisheiten der Bibel sind insofern zeitlos, als sie das menschliche Herz und sein Verhaeltnis zu Gott betreffen – daran aendert sich in 5000 oder 10000 Jahren rein gar nichts. Der Mensch bleibt ein Suchender, bis er Ruhe findet bei Gott (Matth. 11,28-29).
    Soweit der ‚innere‘ Schriftbeweis.

    Hinzu kommt, dass Sie beten koennen, und Sie werden merken, dass Gott Sie erhoert, und das ist eine bestaetigende Erfahrung. Gebetserhoerungen ergeben sich unter gewissen Bedingungen, die in der Bibel genannt sind, z.B. Jak. 4,3; 1. Joh. 5,14; 1. Joh. 3,21.22; 1. Petr. 5,6; 1. Petr. 3,10-12; Joh. 15,16; und zusammenfassend Joh. 15,7 ‚Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren‘ sowie Psalm 37,4: Habe deine Lust am Herrn, der wird dir geben, was dein Herz wuenscht‘ (gleichbedeutend mit Matth. 6,33). Nun muss man sich wegen der Bedingungen keine grossen Gedanken machen und darf sich glaubend auf die Aussage Gottes verlassen: Gott erhoert ein Gebet, wenn es aus ehrlichem Herzen kommt. Fuer Suenden darf man um Vergebung bitten – man muss also nicht erst perfekt sein, um Gebetserhoerungen zu erleben, sonst haette kein Mensch Gebetserhoerungen; man braucht nur den Glauben, dass Gott Gebete erhoert; und den bringt man ja schon dadurch zum Ausdruck, dass man sich an Gott wendet und betet.

    Neben diesem inneren Schriftbeweis und der Bestaetigung durch die Gebetserhoerungen oder die Erfahrung des Friedens Gottes und Seiner Naehe z.B. im Gebet koennen Sie natuerlich noch allgemeine Sekundaerliteratur dazu lesen. Ich empfehle z.B. zum Thema ‚Apokryphen‘ (und warum die nicht in die Bibel aufgenommen worden sind) das gleichnamige Buch von Thomas Schirrmacher. Daran koennen Sie sehen, dass die Auswahl der Schriften keineswegs willkuerlich war.

    Zu der Frage der Kanonisierung der Bibel kann Ihnen bestimmt Ron oder koennen andere hier noch weitere Tipps geben (Spontan denke ich noch an Z.B. ‚The New Testament as Canon‘ von Brevard S. Childs, oder ‚Wie entstand die Bibel‘ von Glashouwer oder die Buecher von F.F.Bruce etc.)

    Nicht zuletzt glaube ich, Gott selbst hatte ein sehr grosses Interesse daran, dass die Heilige Schrift und damit Gottes Selbstoffenbarungen und Offenbarungen an die Menschheit zutreffend ueberliefert worden sind. Ich gehe davon aus, dass Gottes Heiliger Geist nicht nur bei der Inspiration der Schriften (der urspruenglichen Autographen), sondern auch im Ueberlieferungsprozess dabei war bzw. fuer die integre authentische Ueberlieferung des Wortes Gottes gesorgt hat.

    Gesegneten Sonntag (und vielleicht einen guten Gottesdienst).

  25. rolf eicken meint:

    @Andreas
    Herzlichen Dank für Ihre ausfühlichen Erklärungen. Ich bemerke, dass Sie ein sehr tiefgläubiger Mensch sind und es ehrlich meinen. Zu dem was Sie mir näher bringen wollen, fällt mir ein Ovid-Zitat ein: Divina potentia, ludit in humanis rebus.
    Da ich Hr. Prof. Schirrmacher schätze, werde ich mich um das Buch bemühen.
    Nochmals, herzlichen Dank !

  26. Andreas2 meint:

    @Herr Eicken,
    Besten Dank auch fuer das Ovid-Zitat. Ja, Gottes Kraft wirkt (’spielt‘) auch unter den Menschen. Es wuerde mich interessieren, wie Ovid dies erfahren hat.
    Dazu schreibt Paulus, der diese Kraft Gottes selbst oft erfahren hat (wie man an seinen Briefen und der Apg. ersehen kann), dass wir diese Kraft zwar haben, sie aber ‚in irdenen Gefaessen‘ haben, ‚damit die ueberschwaengliche Kraft von Gott sei und nicht von uns‘. (2. Kor. 4,7). Interessant auch, dass Paulus davon ausging, es sei der Normalfall, diese Kraft Gottes als normaler Glaeubiger auch zu erfahren. (Siehe 2. Kor. 12,9; 1. Kor. 4,19.20; 1. Kor. 1,18; 1. Thess. 1,5; Gal 3,5 etc.)

  27. Andreas2 meint:

    P.S.: Ovid war ja ein grosser Dichter.
    Haette Ovid ca. 50 Jahre spaeter gelebt, haette er vielleicht selbst Jesus Christus begegnen koennen – und dann vielleicht gar selber die ‚Metamorphose‘ der Wiedergeburt durch den Glauben mitmachen koennen. Nach so einem Ereignis waere ich aber gespannt gewesen auf seine dichterischen Erzeugnisse. Vielleicht haette er ja ueber ‚Die Kunst, Gott zu lieben‘ (Ars Amatoria Dei) geschrieben, wer weiss… 😉

  28. rolf eicken meint:

    @ Andreas2
    Das ist ein schöner Gedanke, aber er hat eben die „ars amatoria“ geschrieben, wobei von ihm die griech. und röm. Götterwelt und die daraus erwachsenen Mythen als Grundlage für seine Metamorphosen verwendet wurden. Leider ist Ovid ca. 16-20 Jahre zu früh gestorben, sonst hätte er vielleicht die dr. Paulus bewirkte Metamorphose des Zimmermanns Jesu in den Christus darstellen können. Immerhin hat er damals schon die Erde als eine Kugel bestimmt, was zu der Zeit sehr bemerkenwert war /ist. Ganz allgemein war Ovid wohl ein sehr diesseitiger Dichter, der mE. die Intentionen von Jesus wahrscheinlich nicht erkannt hätte.
    Danke für diesen Gedankenaustausch.
    MfG
    Rolf

  29. Andreas2 meint:

    @Rolf,
    Danke auch. (Allerdings sehe ich da keine Metamorphose des Jesus-Bildes durch Paulus – denn Jesus ist dem Paulus mehrmals persoenlich begegnet (in Erscheinungen etc.), und Gott hat durch den Heiligen Geist staendig mit Paulus geredet. Damit war Paulus‘ Theologie ganz auf der Linie Gottes, genauso natuerlich wie alles, was Jesus sagte.
    Die Metamorphose war nur im Leben des Paulus, alsos vom Saulus zu Paulus.
    Dichter haben oft eine besondere ‚Sehergabe‘, d.h. sie koennen Dinge tiefer wahrnehmen als gewoehnliche Menschen – und dies sprachlich reichhaltig ausdruecken. Nun ist eine Inspiration durch den Heiligen Geist die groesste Inspiration, die man bekommen kann (natuerlich gibt es auch daemonische Inspiration, und auch eine allgemeine ’natuerliche‘ Gabe der Empfaenglichkeit oder Kreativitaet‘, aber wenn Gottes Geist eine schon natuerlich besonders begabte Person inspiriert, kann diese Person seine besonderen Gaben besonders fruchtbringend einsetzen).
    Gott ist unerschoepflich. Gottes Geist kann zu besonderer Kreativitaet befluegeln. (Denn Gott ist Schoepfer; die Schoepfung der Welt samt Sternen, Menschen, reichhaltiger Flora und Fauna) war der groesste Akt der Kreativitaet jemals).
    Werden Menschen materialistisch, muss letztlich auch die Kunst darunter leiden.

  30. Andreas2 meint:

    @Rolf,
    Zur Ergaenzung:
    Joh. 15,5: Jesus sagt: ‚Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich koennt ihr nichts.‘
    Und: Joh. 7,38: ‚Wer an mich glaubt, wie die Schrift sagt, von dessen Leib werden Stroeme lebendigen Wassers fliessen.‘
    Das kann jeder – ob bekehrter Dichter oder ‚Normalbuerger‘ – erleben. Voraussetzung ist nur die vollkommene Hingabe bzw. das Vertrauen gegenueber Gott.

    Gott nutzt die von Ihm bereits verteilten natuerlichen Gaben und bringt sie durch den Heiligen Geist ganz zur Entfaltung. Siehe auch Psalm 1.
    Wenn sich jemand mit grossen Gaben bekehrt, wird er allerdings feststellen, dass Gott andere Prioritaeten hat als ‚andere Menschen ueber unsere Gaben staunen zu lassen‘, vielmehr geht es Gott um unseren Charakter. Haette ein Ovid sich bekehrt, so haette er vielleicht erst duch diverse Charakterschulen gehen muessen, denn Gott kann z.B. keine hochmuetigen selbstverliebten weicheierigen etc. Leute gebrauchen. Man sehe sich die grossen Pruefungen des Intellektuellen Paulus an. Nur, weil er ihnen standgehalten hat (inklusive Stockschlaege, Steinigung, Gefaengnis, Geisselung, stressige Verhoere – Paulus war auch charakterlich ein Gigant, und diese Kombination aus Intellekt und Charakter ist selten), konnte Gott die intellektuellen Faehigkeiten des Paulus ganz zur Geltung bringen.
    In summa: wer ganz auf Gott sieht, wer in Ihm bleibt, wer im Heiligen Geist und im Wort Gottes bleibt – der bringt viel Frucht.
    So erklaere ich auch die Kulturleistungen der westlichen Welt (auch wenn es natuerlich auch andere Hochkulturen gegeben hat).

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