Robert Spaemann kritisiert „Amoris Laetitia“

Der katholische Philosoph Robert Spaemann kritisiert das päpstliche Schreiben „Amoris Laetitia“ (dt. Freude der Liebe) scharf und beschwört sogar die Gefahr einer Spaltung der Katholischen Kirche herauf. Wie schon zuvor Christian Geyer von der FAZ, beanstandet auch Spaemann die fehlende Klarheit. Zudem diagnostiziert er den Bruch mit der kirchlichen Lehrtradition und eine Öffnung zur Situationsethik.

Nach Nachrichtenagentur kath.net meldet:

Es sei jetzt schon eine „Verunsicherung und Verwirrung von den Bischofskonferenzen bis zum kleinen Pfarrer im Urwald“ abzusehen. „Nach den entsprechenden Textstellen von `amoris laetitia´ … (könnten) bei … nicht weiter definierten `mildernden Umständen´ nicht nur die Wiederverheiratet Geschiedenen, sondern alle, die in irgendeiner `irregulären Situation´ leben, ohne das Bemühen ihre sexuellen Verhaltensweisen hinter sich zu lassen, d.h. ohne Beichte und Umkehr, zur Beichte andrer Sünden und zur Kommunion zugelassen werden“. Bischöfe und Priester, die sich an die bisher geltende Sakramentenordnung hielten, könnten gar nicht erst ernannt oder unter Druck gesetzt werden. Durch mangelnde Eindeutigkeit im Bereich Glaube und Moral sei mit einem „Säkularisierungsschub und Rückgang der Priesterzahlen in weiten Teilen der Welt“ zu rechnen. Kardinälen, Bischöfen und Priestern empfiehlt Spaemann in ihrem „Zuständigkeitsbereich die katholische Sakramentenordnung aufrecht zu erhalten und sich öffentlich zu ihr zu bekennen“. „Falls der Papst nicht dazu bereit … (sei) Korrekturen vorzunehmen, … (bleibe) es einem späteren Pontifikat vorbehalten, die Dinge offiziell wieder ins Lot zu bringen“.

Mehr: kath.net.

Kommentare

  1. Was Spaemann mit seiner Kritik bezweckt, erschließt sich mir noch nicht ganz. Artikel 305 schmeckt mir auch nicht (wie manches andere auch nicht, aber auch über amoris laetitia hinaus, wenn ich z.B. an das Video vom Papst zu Jahresbeginn denke) – aber das Schreiben des Papstes besteht nicht nur aus Art. 305. Wer im übrigen Antworten sucht, der sollte in die Heilige Schrift schauen.

  2. Melani meint:

    Robert Spaemann, Athanasius Schneider und einige andere aus dem rechtskonservativen Lager hat niemand zum Bevormunder und Massregler unseres Heiligen Vaters bestellt.
    Im übrigen wird doch durch Amoris Laetitia bloß eine pastorale Praxis anerkannt, wie diese zumindest in Deutschland schon lange gang und gäbe ist.
    .
    Die Rüffler sollten sich einmal Gedanken darüber machen, warum immer mehr Katholiken der Kirche den Rücken kehren, und warum selbst in reinkatholischen Gebieten der Gottesdienstbesuch auf die 15-Prozent-Marke gesunken ist.

  3. Ich kenne Sie Herr Spaemann ja nicht persönlich. Na gut konservativ.
    Ein Zwischenelement:Gott gibt uns Freiheit, Jesus bringt uns die Liebe nahe. Siehe auch meine Regeln.

    So, woher nimmt Herr Spaemann das Recht für sich in Anspruch zu entscheiden was richtig ist. Eine Anmaßung der Sonderklasse. Lebt er noch vor der Aufklärung?

    Da ist mir mein lieber Franciscus SJ, so wie der von mir verehrte Albert Keller SJ, leider verstorben, 1000x lieber.
    Und Franciscus darf ruhig undeutlich bleiben. Das letzte Wort hat ja doch Gott wenn er sich Herrn Spaemann zur Brust nimmt. Also warum soll nicht jeder seine von Gott gegebene Freiheit in Anspruch nehmen?

    Um es noch deutlich zu machen. Ich versuche im Sinne der Jesuiten kritisch zu sein und den Kern zu finden, was Gott und Jesus von uns will:

    Gott hat uns geschaffen, warum weiss nur er, jeder kann seinen eigenen Sinn finden, so wie bei mir zu lesem, warum und es gibt Viele . Eins ist klar und deutlich:

    Wenn er uns was, die Schöpfung, übergeben hat, so will er sicherlich, dass wir sie schätzen und lieben in Freiheit.

    So nebenbei habe ich damit bewiesen, ohne besonders bibelfest oder studiert zu sein, dass daraus von selbst das Gebot entsteht:

    Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst.

    Aber man kann mich ja der Dummheit zeihen.

  4. Schandor meint:

    @Melani

    Stimmt. Niemand hat sie bestellt, unseren Heiligen Vater maßzuregeln. Haben sie auch nicht getan. Sie haben nur den Konzernchef des Vatikan gemaßregelt, und das zurecht. Schließlich wird sich auch der Konzernchef vor dem Heiligen Vater einst verantworten müssen. Auch dafür, dass er diesen Namen Gottes usurpiert hat.

    @Rudolf

    Die Freiheit, die Gott uns gibt, ist nicht Willkür (also nicht das, was Sie augenscheinlich unter Freiheit verstehen, nämlich Autonomie). Ihr zweiter Satz ist – mit Verlaub – missverständlich: Meinen Sie, Prof. Spaemann beansprucht für sich, zu entscheiden, was richtig ist? Oder wollen Sie sagen, er nimmt in Anspruch, für alle zu entscheiden, was richtig ist? Ich vermute, Sie wollen zweiteres sagen. Nun, hier ist die Antwort leicht: Diese Entscheidungsgewalt muss er gar nicht „in Anspruch“ nehmen, er braucht hier nur nachzusprechen, was schon feststeht. Er lebt nicht vor der Aufklärung, aber dennoch in einer unaufgeklärten Zeit, in der nämlich Zeitgenossen sich als aufgeklärt wähnen, während sie ihren Aufkläricht zum Besten geben.

    Von der listigen Verschlagenheit, von hegelscher Dialektik auf höchster Ebene scheinen Sie nichts mitbekommen zu haben in ihrer Verehrung dieser Ordensmänner.
    War der Heilige Geist je undeutlich? Oder hat er die Undeutlichkeit als Privileg gekennzeichnet? Nein. Wer undeutlich spricht, hat etwas anderes vor, als er vorgibt – er will ablenken. Die von Gott gegebene Freiheit ist Gabe und Aufgabe, aber sie ist nimmermehr Freiheit zur Autonomie, also niemals das, was Sie darunter verstehen. Verwechseln Sie nicht Willkür mit Freiheit!

    Freiheit ist – biblisch verstanden – immer Freiheit von Sünde und Schuld, niemals Freiheit zur Sünde.

    Dass Sie im Sinne der SJ „kritisch“ sein wollen, spricht ganz deutlich für sich.

    Bewiesen haben Sie überhaupt nichts, sondern nur behauptet. Und zwar ganz ohne besonders bibelfest zu sein. Aber ja, es stimmt: Aus falschen Prämissen können richtige Schlüsse gezogen werden.

    Der Dummheit zeihe ich Sie nicht, aber Sie laufen schon Gefahr, sich dem Vorwurf der Naivität auszusetzen.

  5. Melani meint:

    @Schandor
    „Auch dafür, dass er diesen Namen Gottes usurpiert hat.“
    .
    Das verstehe ich wirklich nicht!
    Was wollen Sie damit aussagen?

  6. Schandor meint:

    @Melani

    Dass er sich einen Namen angemaßt hat, der nur Gott gebührt, Gott allein (siehe Johannes, Kapitel 17).
    Der Sohn Gottes sagt: Ihr sollt euch nicht „Vater“ nennen lassen, denn einer ist euer Vater: Gott. Um wieviel ernster ist es, wenn ein Mann sich „Heiliger Vater“ nennen lässt?

  7. @Melanie
    Wir haben verschiedene Auffassungen von Freiheit. Freiheit ist für mich nicht ein von Gott schon vorgegebenes persönliches Verhalten, sprich ich wäre eine Marionette. Willkür wäre für mich, wenn es andere beträfe eine Sünde gegen die Freiheit.
    Es ist richtig, ich behaupte zweierlei:
    1. Die Freiheit wie ich sie definiere. Ich fühle mich damit nicht allein.
    2. Gott ist gut. Wie es an sich auch von Gödel vorausgesetzt –>sein Gottesbeweis.

    Wenn ich bei den Grundlagen bleibe, so kann ich auch ohne große Bibelkenntnisse nicht fehl gehen, das zu den falschen Prämissen.

    Steht nicht irgendwo: seid wie die Kinder?
    Sie sind ein wenig hart zu den Jesuiten. Ich könnte auch andere Personen erwähnen, z.B. Sir Karl Popper über die Wahrheit, die immer wieder geprüft werden muss et al.
    Wie gesagt Herrn Spaemann, den Namen hörte ich zum ersten Mal, interpretiere ich als zu wissen, was für die Gemeinde gelten soll, also ihre zweite Annahme.
    Ich werde weiter kritisch sein im Sinne dieser beiden erwähnten Jesuiten und Sir Karl Popper und anderen. Was spricht da dagegen? Es verwundert mich.
    Andere SJ’s, so wie Menschen überall, mögen hinterlistig sein.
    Danke für ihren Kommentar.
    Wo finde ich ein wenig über Sie im Netz?

  8. @Melanie
    Wir haben verschiedene Ansichten über Freiheit. Willkür ist nicht Freiheit, da damit Machtausübung verbunden zu sein scheint, was an sich die Freiheit Anderer beschneidet.

    Was ich behaupte liegt nahe den Grundlagen, können also kaum falsche Prämissen sein.
    1. Gott ist gut. Siehe auch Gödel
    2. Die Freiheit, auch wenn sie einschließt zwischen Gut und Böse zu wählen.
    Sie gehen ein wenig hart mit den Jesuiten um, denke ich. Speziell über die Genannten. Was spricht „deutlich“ für sich?

  9. Sorry, der letzte Kommentar sollte an @Schandor gemünzt sein

  10. Melani meint:

    @Schandor
    .
    Im Griechischen kommt dem Wort πατέρας auch die Bedeutung „angesehener Mann“ zu. In der frühen Kirche sprach man daher von πατήρ εκκλησιάστικος.
    .
    Auch im klassischen Latein wird pater in diesem Sinne gebraucht („patres conscripti“ = Senatoren).
    .
    Und was „sanctus“ bzw. „heilig“ meint, finden Sie in entsprechenden etymologischen Wörterbüchern der lateinischen bzw. deutschen Sprache.
    .
    Und ein wohlmeinender Ratschlag: werfen Sie nicht anderen aus dem Kontext der Bibel strafende Zitate an den Kopf! Man könnte Ihnen solche leicht zurückwerfen, etwa Apg 8: 23 oder gar Apg 23:8 a.

  11. Schandor meint:

    @Melani

    Ei fein, diese herrliche Dialektik – aus schwarz mach weiß! Aus Verbot mach Gebot!

    Aber eines tut not zu wissen:

    Niemals ergreift Partei für diese Seite, wer auch nur ahnt, was dort sich verbirgt.

  12. Melani meint:

    @schandor

    Darauf hingewiesen hatte ich Sie, dass die „Vater“ ein Wort ist, dem unterschiedliche Begriffsinhalte (Merkmale) zukommen: das (wie man heute auch zu sagen beliebt) verschiedene Assoziationskomplexe auslöst.
    .
    Wenn ein Kind „Vater“ sagt, wenn ein Staatsgründer „Vater“ genannt wird, wenn der Papst als „Vater“ angesprochen wird usw., dann ist dabei doch nicht an GOtt als dem „Vater“ gedacht.
    .
    Warum sehen Sie denn dies nicht ein, und zeihen mich der „Dialektik“ (was immer das sein mag).
    Man muss auch einmal eingestehen können, dass man falsch liegt.

  13. Lars meint:

    @Melani

    Bitte vergessen Sie nicht:
    Theologen haben immer recht — egal, was sie sagen!

  14. Schandor meint:

    @Melani

    Stimmt: Ich liege falsch. Das gestehe ich hiermit gerne ein – und werde dabei bleiben. Denn mir scheint es ungefährlicher, im Jüngsten Gericht mich verteidigen zu müssen, dass ich die Historie und Etymologie der Heiligen Schrift wesentlich besser hätte wissen müssen, als dass ich mir die Frage stellen lassen muss, weshalb ich einer so klaren Ansage einen fremden Sinn beigelegt habe.

    Mir ist also lieber die Frage: Hast du nicht gewusst: Vater kann auch ganz was anderes heißen? als diese: Warum hast du meinem Wort nicht gehorcht?

    Die Gründe für meine Entscheidung liegen – so hoffe ich – auf der Hand.

  15. Lars meint:

    @Melani
    Habe ich nicht recht gehabt?
    Selbstkritik kennen die nicht.
    Dass den Katholischen in philologischer Ignoranz von oben herab beleidigend eine Bibelstelle um die Ohren gehauen wurde, wird nicht bedauert.

  16. Schandor meint:

    Die Sache wird nicht einfacher, wenn geistlose Trolle wie Lars die Sache mit intelligenzallergischen Anwürfen eskalieren, sie bleibt indes so ernst wie sie ist.
    Denn weder liegt hier philologische Ignoranz vor (ich kenne diese Bedeutung wohl, aber sie greift entschieden fehl), noch auch geht die Bibelstelle an „die Katholischen“ und schon gar nicht an Melani, und von „um die Ohren hauen“ kann insofern nicht die Rede sein, als hier keine Ohren im Spiel sind, sondern Augen, und nichts „gehauen“ wird, sondern geschrieben. Der Troll versucht nicht, mit Argumenten zu punkten, sondern mit geistloser und dummdreister Hetze, in der Hoffnung, das lesende Publikum werde seine Torheit teilen und die Hetze für Argumente nehmen. Auf dieses Niveau wird sie sich aber nicht begeben.

  17. Andrew meint:

    @Melani & Lars
    Any discussion with them leads astray.
    They are always right & have the final say.

  18. Roderich meint:

    @Rudolf Drabek,

    So, woher nimmt Herr Spaemann das Recht für sich in Anspruch zu entscheiden was richtig ist. Eine Anmaßung der Sonderklasse. Lebt er noch vor der Aufklärung?

    Sie sagen damit ja, Spaemann hatte nicht Recht. Also maßen Sie sich an, für sich in Anspruch zu nehmen zu wissen, was richtig ist. Eine Anmaßung der Sonderklasse. 😉 😉

    (Nebenbei gesagt: die „Aufklärung“ hat sich selber auch angemaßt zu wissen, was richtig ist. Nach Ihrer Logik lebte „die Aufklärung“ also noch „vor der Aufklärung“.)

    @Melani,

    Robert Spaemann, Athanasius Schneider … hat niemand zum Bevormunder unseres Heiligen Vaters bestellt.

    Heißt das, sachliche Kritik ist nicht mehr willkommen? Ist Kritik denn immer Bevormundung? (Kritisiert Du denn nicht auch Spaemann – und hat Dich etwa „jemand zur Bevormunderin“ von Spaemann bestellt?)

    Solche leeren Phrasen widerlegen sich also selbst. Bleiben wir bei der Sache selber und bei den Argumenten.

  19. Schandor meint:

    Ein solches Argument für denkende Köpfe könnte lauten:

    Gerade weil der Papst als gebildeter Mann genau weiß, dass der weitaus überwiegende Teil der Menschheit, der die Bibel liest, nichts von der verborgenen Bedeutung dieses Titels weiß, hätte er sich in Achtung vor den Worten dessen, von dem auch seine Erlösung abhängt, hüten müssen, sich einen Titel zuzulegen, dessen klangvoller Name viele allzu leicht in die Irre führen könnte, so dass sie ihn lästerlich bei diesem Namen nennen. Er hat es nun aber nicht getan. Bedenkt man nun noch, dass nicht einmal die Apostel sich solche Amtsgewalt anmaßten, wie der kolportierte Sukzessor auf dem Stuhl Petri (dessen wahre Natur Otto von Corvin so schonungslos offengelegt hat) dies tut, so wird man sich gegen dessen Amtspraxis nur umso vehementer verwahren, es sei denn, man sieht in ihm tatsächlich den Vicarius Filii Dei (auch so ein Titel, der nur dem Heiligen Geist gebührt).

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