Schreiner: Kommentar zum Galaterbrief

_images_product_medium_0310243726.jpgThomas Schreiner hat einen Kommentar zum Galaterbrief verfasst. Das Buch mit 423 Seiten ist in der Reihe Exegetical Commentary on the New Testament soeben bei Zondervan erschienen. Zum Kommentar heißt es:

Designed for the pastor and Bible teacher, this series brings together commentary features rarely gathered together in one volume. Written by notable evangelical scholars, each volume in the Zondervan Exegetical Commentary on the New Testament series treats the literary context and structure of the passage in the original Greek. The series consistently provides the main point, an exegetical outline, verse-by-verse commentary, and theology in application in each section of every commentary.

Critical scholarship informs each step but does not dominate the commentary, allowing readers to concentrate on the biblical author’s message as it unfolds. While primarily designed for those with a basic knowledge of biblical Greek, all who strive to understand and teach the New Testament will find these books beneficial. The ZECNT series covers the entire New Testament in twenty volumes; Clinton E. Arnold serves as general editor. In this volume, Thomas R. Schreiner offers pastors, students, and teachers a focused resource for reading Galatians. Through the use of graphic representations of translations, succinct summaries of main ideas, exegetical outlines and other features, Schreiner presents Paul’s Epistle to the Galatians with precision and accuracy. Because of this series’ focus on the textual structure of the scriptures, readers will better understand the literary elements of Galatians, comprehend the author’s revolutionary goals, and ultimately discover their vital claims upon the church today.

Hier die Einleitung zum Kommentar als PDF: 0310243726_samptxt.pdf.

Kommentare

  1. Neulich hatte ich bei einem anderen Blog-Post eine recht ausführliche Einschätzung zu Schreiners Kommentar geschrieben. Nun habe ich diesen Beitrag bemerkt. Ich poste meine Kritik hier nochmals, da sie thematisch so gut passt …
    (Da die Kommentare sonst wohl nicht angezeigt werden, habe ich meine Anmerkungen aufgeteilt.)

  2. I) GESAMTCHARAKTER
    Zuallererst: Wenn man den Kommentar als Ganzes liest, liest er sich als hätte sich jemand hingesetzt mit dem primären Ziel einen Kommentar zu schreiben – nicht den Gedankengang des Briefes als Ganzem zusammenzufassen, den der Autor durch mühevolle Kleinarbeit über Jahre ermittelt hat: Es wirkt als ob Schreiner einfach einen Vers nach dem anderen behandelt hat und parallel dazu den Kommentar schrieb, ohne groß vorauszuschauen, lediglich versuchend den jeweils vorliegenden Vers irgendwie abzuarbeiten. Ich finde der Kommentar evoziert daher den Eindruck einer exegetischen Hausarbeit, die versucht ein paar Verse in Isolation auszulegen ohne das Buchganze vor Augen zu haben …

  3. II) AUSGEWOGENHEIT DER THEMENAUSWAHL
    Ich denke aber, dass es nicht einmal einer besonders guten (nur langen) studentischen Arbeit entspricht: Schreiner kommentiert sehr willkürlich einen Vers nach dem anderen und scheint dabei sehr zufällig auszuwählen, welche Fragen er detaillierter bespricht und welche er schlichtweg ignoriert. Manchmal bespricht er fundamentale Probleme überhaupt nicht, manchmal gibt es riesige Exkurse zu Themen die, dem Argumentationsfluss des Textes selbst total fremd sind. Um auch mal ein Beispiel zu geben: Schaut man sich seine Anmerkungen zu 1,4 an und wie viel zu Gottes „call” schreibt, ist das erstaunlich. Es wird jedoch absurd, wenn man das in Verhältnis setzt zu dem was er zur apokalyptischen Lesart des Briefes nach Martyn und DeBoer in seiner Auslegung desselben Verses schreibt – nämlich praktisch nichts.

  4. III)DISKUSSION RELEVANTER FORSCHUNGSBEITRÄGE
    Ein anderer – mit diesem Aspekt der Auswahl verbundener – Punkt ist Schreiners Verwendung des Hilfsmittels der Fußnoten. Er bringt definitiv viele Fußnoten – aber auch hier zwängt sich der Eindruck einer – eher mittelmäßigen – Studentenarbeit auf, nicht der eines Fachmannes, der die Literatur wirklich kennt und gewichten kann: Sehr häufig tragen die bibliographischen Angaben in den Fußnoten überhaupt nichts zum Argument bei (oder sind sogar ziemlich unpassend, wenn man sie überprüft). Und obwohl Schreiner so viele Angaben macht übersieht er einiges sehr wichtiges Material. Um wieder auf 1:4 zu verweisen: Wenn man einen Kommentar schreibt, der den Anspruch erhebt „the latest and best scholarly studies and historical information that help to illuminate the meaning of the text” zu enthalten, sollte man deutschsprachige Forschung vielleicht nicht ignorieren.

  5. IV) FEHLER DURCH UNACHTSAMKEIT
    Zuguterletzt: Es gibt Fehler im Kommentarteil, die den Eindruck vermitteln, dass er nicht mit der angemessenen Sorgsamkeit geschrieben wurde. Das hat nichts mit der Kompetenz Schreiners an für sich zu tun, aber mit der Achtsamkeit, mit welcher der Kommentar geschrieben wurde. Wieder ein Beispiel: Schreiners Übersetzung von 1,10 (εἰ ἔτι ἀνθρώποις ἤρεσκον, Χριστοῦ δοῦλος οὐκ ἂν ἤμην) lautet: “For if I were still attempting to please people I would never have become a slave of Christ.” Auch wer des Englischen nicht gut mächtig ist, sollte merken, dsas da etwas nicht stimmt: Schreiner übersetzt den Satz als hätte er vermischten Zeitbezug, obwohl das Verb sowohl der Protasis als auch der Apodosis im Imperfekt steht (was den Satz aller Wahrscheinlichkeit zu einem Irrealis der Gegenwart macht. Vgl. Gal 3,21 oder John 15,22 wo eine Übersetzung im Sinne Schreiners plausibel ist, aber wo wir verschiedene Zeiten gebraucht haben für beide Teile). Es scheint nicht so, als ob Schreiner irgendwelche großartigen Einsichten gehabt hätte, die ihn bewusst zu dieser Übersetzung geführt hätten, nein, er spricht es mit keiner Silbe an!

    Ein anderes Beispiel für schlechte Exegese (im Anwendungsteil) ist Gal 3:28. Dort schreibt er “In saying that all are one in Christ, the central issue is who belongs to Abraham’s family.” (S. 261) Nun, man könnte positiv anmerken, dass er zumindest V. 29 nicht ignoriert (und hier auch mal vorausschaut 😉 ), aber meiner Ansicht nach ist dies ein total unsinniges Statement: Wie er selbst schreibt in seiner strukturierten Übersetzung (S. 254) ist V. 28 der “inference” von V. 27 (!). V. 28 gibt uns eine Innenansicht der Situation “in Christus”: Wie sieht es dort aus, was sehen wir, wenn wir in Christus eine andere Person betrachten? Antwort: Christus, mit dem wir bekleidet sind. (Zahn hat das sehr gut herausgearbeitet.) Ja, 28 ist vom Argumentationsfluss her nur eine Seitenbemerkung nicht das Ziel der Perikope, 29 ist die Klimax … aber aus demselben Grund wäre es eine Reduktion diesen Vers schlicht als eine Antwort auf die Frage “Wer gehört zur Familie Abrahams?” zu sehen.

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