Schule als Experimentierfeld

In einem Artikel auf FOCUS Online hat eine bayerische Grundschullehrerin offen aus ihrem Alltag erzählt. Das hat eine Flut an Reaktionen ausgelöst. Der Tenor: Die Politik investiert beschämend wenig in die Bildung – und legt ein zu großes Augenmerk auf „Gleichmacherei“ und „Kuschelpädagogik“. Einige Reaktionen von Eltern hat FOCUS online zusammengestellt. So heißt es dort:

Ich bin als Therapeut oft in den Schulen. Intelligente Kinder brauchen Futter, um nicht gelangweilt zu sein. Inklusion überfordert die Schwachen und bremst die Guten. Jetzt noch Migrantenkinder dazu zu geben, ist ein Attentat auf die Zukunft des Landes. Gut wären Alphabetisierungskurse und Deutschkurse in getrennten Klassen. Man muss bedenken, dass die asiatischen Kinder zu Hochleistern gedrillt werden, während unsere Kinder in gesellschaftlichen Experimenten aus ideologischen Gründen am Lernen eher gehindert werden. Wenn man es richtigmachen wollte, müsste man den zehnfachen finanziellen und organisatorischen Aufwand betreiben.

Diese Situation ist von der Politik so gewollt. Egal ob SPD, Grüne oder CDU/CSU: Die Schule ist seit Jahrzehnten zu einem Experimentierfeld für sogenannte Bildungspolitiker verkommen. Das Resultat kann man an den Hochschulen und an den Berufsschulen bewundern. Studenten, deren Hausarbeiten vor Fehlern wimmeln oder Lehrstellensuchende, die bei der Unterschrift drei Kreuze machen. Ausbildungsbetriebe und Universitäten schlagen seit Jahren Alarm über die Versäumnisse einer verfehlten Bildungspolitik, deren Ziel es war, jedem, aber wirklich jedem, ein Abitur zu ermöglichen.

Hier mehr: www.focus.de.

VD: MS

Kommentare

  1. Schandor meint:

    Die Kinder auf Verdummungs- und Verkonsumierungskurs, alles auf Innen umgestellt, die Sprache versaut, die Rechte der Schwachen, Schwarzen, Schwulen und Schwerenöter aufgerichtet, man darf aufseufzen: Endlich gleichberechtigt.

    Das Perverse ist jetzt normal, das Normale spießig, gestrig und eklig,
    die Täter sind Opfer, die Opfer selbst schuld. Ach Hegel, der Prophet, kann aufseufzen: endlich alles upside-down.

    Bitte, Herr Turner?

    „Wir glauben an Sex vor, während
    und nach der Ehe.
    Wir glauben, Sünde sei heilbar.
    Wir glauben, Ehebruch macht Spaß.
    Wir glauben, Homosexualität ist in Ordnung.
    Wir glauben, Tabus sind tabu.“
    Aha.

    Die Frau ist jetzt gleichberechtigt: Auch sie darf endlich bei bescheidenem Lohn im Schweiße ihres Angesichts ihren Lebensunterhalt verdienen, bis 20:00 Abends und später, im Supermarkt, ununterbrochen in Bewegung und ständig in Angst, den Job und damit die Grundlage für sich und ihre Kinder zu verlieren, die zwischenzeitlich in Kitas untergebracht sind, um für die neue Gesellschaftsform programmiert zu werden.
    Entkorkt als Epsilon-Minus die meisten, schon längst.
    Man darf aufseufzen: Huxley hat sich also doch nicht geirrt.

    Die Schüler schützen sich vor der Kuschelsozialisation der Macht. Sie transformieren ihre Ohnmacht in seelische Gefühlskälte oder Gleichgültigkeit, man kann ja ohnehin nichts machen.
    Macht kann aufatmen: Alles auf Kurs, alles gesteuert, alles unter Kontrolle.

    Bitte, Herr Tuner?
    „Wir glauben, der Mensch ist von Natur aus gut.
    Es ist nur sein Verhalten, was ihn scheitern lässt;
    Schuld daran trägt die Gesellschaft.
    Die Gesellschaft ist Schuld an den Bedingungen.
    Die Bedingungen sind schuld an der Gesellschaft.“
    Aha.

  2. Leider kann ich den Bericht der Lehrerin gut nachvollziehen. Unsere Tochter ist letztes Jahr eingeschult worden. Wir als Eltern haben den Eindruck, daß wenig gefordert wird, daß „jeder sein Tempo selbst bestimmen kann“, daß auf die sorgfältige Vermittlung von Fertigkeiten wie fehlerfreies lesen, schreiben und rechnen eher wenig Wert gelegt wird. Das Problem dabei ist, daß die Schule ja in gewisser Weise eine „totale Institution“ ist, wir als Eltern erhalten wenig Einblick in das tatsächliche Unterrichtsgeschehen und den Lernstand unseres Kindes. Nun wollen wir als Eltern aber auch nicht als Besserwisser und Kontrollfreaks ´rüberkommen und vorschnell Kritik üben…
    Unverständlich ist mir, wie es der (Kuschel-) Schulpolitik gelingt, den Leistungsdruck und die Herausforderungen auszublenden, die spätestens im Berufsleben auf viele zukommen und an deren Anspruch dann reihenweise gescheitert wird… Vielleicht hat es etws mit der Weltfremdheit von (Reform-) Pädagogik zu tun? 🙂
    Ich für meinen Teil werde jetzt erst mal die Klassenlehrerin meiner Tochter anschreiben und um einen Gesprächstermin bitten…

  3. Klar, wenn ich was zum Thema Bildung wissen will dann lese ich Focus!

  4. @Schandor: das ist ja furchtbar, dass die Rechte der Schwarzen aufgerichtet sind.

  5. Davids meint:

    Lieber Nik,
    „Klar, wenn ich was zum Thema Bildung wissen will dann lese ich Focus!was denn sonst“ – Was empfiehlst du stattdessen – den Spiegel?
    In diesem Focus-Artikel werden Eltern und ihre Erfahrungen aus erster Hand zitiert. Insofern stößt deine Polemik ins Leere. Ich bin Lehrer an einem Gymnasium und kann diese Entwicklung bestätigen.
    Stuttgarter Zeitung 6.3. 17 von Barbara Czimmer-Gauss: „Mehr Flüchtlingskinder in Schulen. Bildung. Die Zuweisung konzentriert sich auf immer weniger Schulen. Dort wachsen die Herausforderungen“. Erwähnt wird kurz der Philologenverband: „Beim Übergang in die Regelklassen seien ‚massive Probleme und Defizite zu verzeichnen‘“. Rektorin Ingrid Macher von der Rosensteinschule in S-Nord: „Die Regelklassen leiden, wenn Kinder kommen, die nichts oder zu wenig können“. Kultusministerium habe keine Zahlen. In Rosensteinschule 97 % der S mit Migrationshintergrund. Macher lobt ihre Erfolge. „Der Großteil“ der S habe die mittlere Reife bestanden. Allerdings: „Inzwischen müssen sich Lehrer und Mitarbeiter allerdings wieder verstärkt um das Sozialgefüge kümmern. Ingrid Macher will das nicht als Beschwerde verstanden wissen, sie sagt: ‚Wir schaffen das.‘ aber sie weist darauf hin, dass die kulturellen Unterschiede inzwischen immens seien, die große Zahl der Fl.kinder erschwere die Arbeit: ‚Wir haben bald in jeder Pause weinende, blutende Schüler zu versorgen‘, sagt I. M., ‚ die kommen aus einer Kultur, in der sie Schläge als einzige Art der Kommunikation kennengelernt haben.‘ man müsse in diesen Fällen auf die Vorbildwirkung setzen. ‚Ich bestelle aber auch die Eltern ein und erkläre ihnen, wie wir Erziehung verstehen und dass das funktioniert.‘ Bei Familien, die Schule nicht als Pflicht, sondern als Angebot verstehen, schreckt sie nicht davor zurück, ständige Fehltage beim Amt für öffentliche Ordnung anzuzeigen. Nach Auskunft des Amts liegt die Zahl der Ordnungswidrigkeitsverfahren – mit einem Ausreißer nach unten – in den letzten Jahren bei durchschnittlich 665.“

    Fazit: Der Artikel und die Schulleiterin reden die Probleme klein („Sozialgefüge kümmern“ – was heißt das denn im Klartext?), das Ministerium weiß wieder mal nichts. „Wir schaffen das“. Kein Wort dazu, dass viele Eltern gar nicht in die Sprechstunde kommen, kein Wort, dass man mit vielen, die kommen, infolge Sprachdefiziten gar nicht kommunizieren kann. Und wie sehr man die Sache im Griff hat, zeigen die offenbar alltäglichen blutigen Prügeleien in der Pause (die dürfte es ja gar nicht geben, wenn man alles im Griff hätte) und die Eltern, die ihre Kinder gar nicht in die Schule schicken. Die lassen sich von Ordnungswidrigkeitsverfahren und dort verhängten Strafgeldern sowieso nicht beeindrucken, weil sie gar kein Geld haben, diese Gelder zu bezahlen. Das Ganze erinnert an die Tagung des Beamtenbundes in Gmünd am 10.11.2015, als ein Redner auf die unpünktlich oder gar nicht zum Unterricht erscheinenden Schüler aus dem Flüchtlings-Milieu hingewiesen hat. Die damalige Noch-Nicht-LT-Präsidentin Aras fand diesen Hinweis offenbar völlig deplaziert, er löste bei ihr sichtbar Empörung und Atemnot aus.

    Und das ist der Anfang…

  6. PeterG meint:

    Aus der Sicht eines bayerischen Grundschullehrers (also einer der 7,2 % männlichen Grundschullehrer!):
    1. Der neue LehrplanPLUS stellt mit seinen kompetenzorientierten Zielen durch hohe Forderungen an emotionaler Beteiligung, Selbstreflexion und Inhalten eine Überforderung für Kinder und Lehrer dar.
    2. Durch die (ständige) Selbstreflexion und -beurteilung fehlt Zeit für die schlichte Vermittlung und Übung von Inhalten (früher sprach man von „Automatisierung“, z. B. beim Einmaleins).
    3. Ab der dritten Klasse beginnt der spürbare Leistungsdruck, wo Eltern um jeden halben Punkt bei Probearbeiten kämpfen und mündliche/praktische Noten stets infrage stellen, z. T. mit anwaltlicher Hilfe.
    4. Kinder fallen durch motorische Unruhe auf – sehr viel mehr Kinder als vor 20 Jahren.
    5. Kinder fallen durch feinmotorische Probleme auf – sehr viel mehr Kinder als vor 20 Jahren.
    6. Kinder fallen durch sprachliche und grammatikalische Probleme auf – sehr viel mehr Kinder als vor 20 Jahren.
    7. Kinder fallen durch Probleme bei der räumlichen Wahrnehmung auf – sehr viel mehr Kinder als vor 20 Jahren.
    8. Kinder fallen durch Probleme bei den mathematischen Grundfähigkeiten auf – sehr viel mehr Kinder als vor 20 Jahren.
    9. Kinder fallen durch Konzentrations-Probleme auf – sehr viel mehr Kinder als vor 20 Jahren.
    10. Kinder fallen durch einen hohen Medienkonsum auf – sehr viel mehr Kinder als vor 20 Jahren.
    11. Elterliche Erziehung ist durch einen großen Einsatz für die Kinder gekennzeichnet, d. h. die Eltern halten Probleme von den Kindern fern bzw. versuche die Probleme für die Kinder zu lösen.
    12. Kinder fallen dadurch auf, dass sie sich für eigene Belange nicht einsetzen, sondern auf ihre Eltern warten – sehr viel mehr Kinder als vor 20 Jahren.
    13. Ein kaum noch zu überschauende Anzahl an Nebentätigkeiten zum Unterrichten und Erziehen wird den Lehrern aufgebürdet – sehr viel mehr als vor 20 Jahren (gefühlte 50 % der Aufgaben sind zusätzliche).
    14. Grundschullehrer verdienen weniger als die Lehrer der weiterführenden Schulen. Zum Ausgleich geben sie 28 Stunden Unterricht (Lehrer der weiterführenden Schulen ca. 24).
    15. Männer werden in den Grundschulen aus Rücksicht auf die Frauenquote kaum noch in Schulleitungen befördert.
    16. Dadurch, dass jeder schreiben, lesen und rechnen kann, fühlt sich auch jeder befähigt, den Grundschullehrern zu erklären, was diese an ihrem Unterricht didaktisch-methodisch anders machen sollten.
    17. Sachaufwandsträger mit mehrern Schulen sparen v. a. an der Ausstattung der Grundschulen zugunsten der weiterführenden Schulen.

    Peter

    PS: Mail vom Schulamt – es werden Lehrer gesucht, die freiwillig ein bis drei Stunden Mehrarbeit leisten für den Rest des Schuljahres (aufgrund der fehlenden Lehrer). Ein Tag später eine Presseerklärung des Kultusministeriums – die Unterrichtsversorgung an den Grundschulen ist gesichert.

  7. Schandor meint:

    @nik

    Irionie, mein Schatz 😉
    (ja, manchmal – Internet – irgendwie schwer auszudrücken).

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