Schummeln bis zum Examen

Aus dem Internet kopierte Hausarbeiten gehören längst zum schulischen und studentischen Alltag. Leider auch bei Christen, sogar bei solchen, die sich auf einen geistlichen Dienst vorbereiten. Die Hochschulen drohen mit härteren Strafen. Experten mahnen: Nur Aufklärung hilft.

Um studentische Kavaliersdelikte, die man einer vom Bachelor-Master-Stress geplagten Jugend getrost verzeihen kann, handelt es sich dabei nach Ansicht der beiden Plagiatsgegner Weber-Wulff und Rieble nicht. „Wer einmal erfolgreich plagiiert, der hört nicht auf“, vermutet Rieble. „Es geht immer weiter: in den Doktorarbeiten, den späteren Publikationen der Unternehmensjuristen und dann womöglich in den Abrechnungen der Seniorpartner einer Anwaltskanzlei.“ Auch Weber-Wulff sieht angesichts der Plagiatspraxis des wissenschaftlichen Nachwuchses schwerwiegende Probleme: „Möchten Sie über eine Brücke fahren, deren Statiker seine Abschlussarbeit gekauft hat? Wollen Sie von einer Ärztin behandelt werden, deren Therapie auf gefälschten Daten basiert?“

Gute Vorbilder und Aufklärung seien das Einzige, was gegen die Flut der Plagiate wirke, sagt Weber-Wulff. „Man muss den Studenten gleich im ersten Semester erklären, wie korrektes Arbeiten aussieht.“ Wissenschaft sei eben ein mühsames Geschäft: „Alles lesen, was man zu einem Thema in die Finger bekommt, dann ordnen und strukturieren, raffen und strecken und dann in eigenen Worten und eigenen Ideen wiedergeben.“ Dabei die Quellen anzugeben sei selbstverständlich. „Denn wir sitzen wie Zwerge auf den Schultern von Riesen, um weiter in die Ferne blicken zu können.“ Dieses Zitat stammt nicht von ihr selbst, das räumt die Professorin freimütig ein. „Das hat Bernhard von Chartres gesagt“, liefert sie die Quellenangabe nach. „Im Jahr 1120.“

Hier mehr: www.faz.net.

Kommentare

  1. Schandor meint:

    Die Anforderungen an eine „wissenschaftliche“ Arbeit (grauenhafter Papierstil, Unpersönlichkeit [was die verstaubten Professorenhirne unter Seriosität verstehen], Langeweile udgl.) verhindern von vornherein, dass ein angehender Bachelor sich eigene Gedanken macht. Ach, man lese nur mal, was Schopi in seinen Parerga und Paralipomena über das Schreiben gesagt hat!
    Ich selbst käme nie auf die Idee, mir meinen eigenen Stil durch ein Plagiat zu verderben. Da fällt mir ein, was Gary North in seinem Vorwort zu Gentry/Bahnsens Anti-Dispensationalismus Buch gesagt hat:
    „Had he [Luther] confined his criticisms to a strictly academic defense of his 95 theses, he would not be remembered by anyone today except a handful of specialists in church history, who would probably be Roman Catholics. (Haveyou ever read the 95 theses? Yes, I mean even you seminary professors.) Had Luther persisted stubbornly in a purely academic strategy, he would eventually have been burned at the stake.“
    Ach, dürfte man auch heute noch so schreiben — es würde sich ein jeder schämen, von einem anderen abzuschreiben!
    (heute in einer etwas bissigen Stimmung 🙁

  2. Was meint Ihr zu Text 1 und Text2? Hat hier Rudolf von Alfred abgeschrieben, ohne die Quelle zu nennen? Rudolf war einer der bedeutendsten Theologen des 20. Jahrhunderts, Alfred einer der bedeutendsten Antichristen des 20. Jahrhunderts.

    Text 1 [1930, Der Mythus des 20. Jahrhunderts, Dr. Rosenberg]

    „Christlichen Legenden, die allen Ernstes noch heute den Europäern verkündet werden: „Jungfrauengeburt“, stoffliche“ Auferstehung“ Christi, „Himmel- und Höllenfahrt […]

    Noch immer aber haben es Millionen nicht begriffen, dass Kopernikus … die gesamte Höllenfahrts- und Auferstehungsmythologie restlos überwunden, ein für allemal erledigt hat.“

    Dr. Alfred Ernst Rosenberg (1930, 1941 Reichsminister Ostministerium, führender Ideologe der NSDAP, Der Mythus des 20. Jahrhunderts. Hoheneichen – Verlag München 34. Aufl. 1934, S. 132-133)

    Text 2 [1941, Neues Testament und Mythologie, Dr. Bultmann]

    „So kann sich das Weltbild ändern etwa infolge der kopernikanischen Entdeckung […] Welterfahrung und Weltbemächtigung sind in Wissenschaft und Technik so weit entwickelt, dass kein Mensch im Ernst am neutestamentlichen Weltbild festhalten kann und festhält. […]

    Erledigt sind damit die Geschichten von der Himmel- und Höllenfahrt Christi […] Die Wunder des Neuen Testaments sind damit als Wunder erledigt […]

    Neben dem historischen Ereignis des Kreuzes steht die Auferstehung, die kein geschichtliches Ereignis ist. … Neben der Behauptung der Präexistenz (Paulus, Johannes) steht ja die Legende von der Jungfrauengeburt (Matthäus, Lukas) … stehen die Legenden vom leeren Grab und von der Himmelfahrt.“

    Prof. Dr. Rudolf Bultmann (1941, Ev. Theologe, Neues Testament und Mythologie. Das Problem der Entmythologisierung der neutestamentlichen Verkündigung, München: Kaiser 3. Aufl. 1988, S. 14-16,53)

  3. Roderich meint:

    @Michael,
    das ist wohl im strengeren Sinne kein Plagiat. Die Wortwahl ist anders, und diese Gedanken waren per se nicht so waaaahnsinnig originell, als dass man nicht erwarten koennte, dass mehrere Menschen diese aeussern.

    @Schandor,
    es mag sein, dass die straffen Uni-Anforderungen eigene Kreativitaet erschweren, aber das koennen die jeweiligen Plagiatore noch lange nicht als Entschuldigung heranziehen.
    Abgesehen davon wird eine Betonung auf „Kreativitaet“ anstelle von Regeln wohl nicht zu viel fuehren. Wir brauchen beides. (Siehe Francis Schaeffer in “ Wie koennen wir denn leben?“ – Form und Freiheit sind beide wichtig, ohne Form verkommt die Freiheit bald in Chaos…. )

  4. Schandor meint:

    @Roderich
    da stimme ich freilich zu…

  5. Johannes Strehle meint:

    @ Michael und Roderich

    Die Parallelität markiert das Problem,
    dass nämlich einer der modernen Kirchen(stief)väter
    sich in puncto Bibelkritik zum Sprachrohr des Zeitgeistes macht.

    Bultmann, der vielleicht wirkungsvollste Propagandist des irrationalen Glaubens,
    des Glaubens an den Glauben (Schaeffer), war – im 20. Jahrhundert –
    in den Denkschemata und im naturwissenschaftlichen Weltbild des 19.Jahrhunderts
    befangen. Dazu gehörte eine naive Überheblichkeit,
    die durch Frömmigkeit noch gesteigert wurde.
    Es ist tragikomisch, wenn jemand mit diesen Denkvoraussetzungen
    die Bibel entmythologisiert.

    Wie sah denn das neutestamentliche Weltbild aus?
    „Die Erde hat, im Vergleich zur Entfernung der Fixsterne, keine nennenswerte Größe
    und muss als Punkt im mathematischen Sinn behandelt werden.“
    (Aus dem Almagest von Ptolemäus, 2. Jahrhundert vor Christus, zitiert nach C. S. Lewis)

Deine Meinung ist uns wichtig

*