„Seid fruchtbar und mehret euch!“

Die „Generation Maybe“ agiert mit einer bisher nicht da gewesenen Unentschlossenheit und beschäftigt sich vor allem mit sich selbst. Dabei sind viele Probleme lösbar – indem man sich einfach festlegt. Emil Rennert empfiehlt den Unentschlossenen Kinder.

Nicht nur deshalb ist auch das medial vermittelte Familienbild zu hinterfragen. In Westeuropa fehlen nicht nur die Kinder, sondern auch die positiven, kinderreichen Vorbilder in Politik und Gesellschaft. Während es in den USA kaum einen Spitzenpolitiker ohne Familie gibt, ist hierzulande das Festhalten an „konservativen“ und „veralteten“ Familienbildern in weiten Kreisen der intellektuellen Elite geradezu verpönt.

… Im Judentum etwa gelten Kinder als Segen, und gottesfürchtige Menschen legen demnach großen Wert darauf, eine möglichst große Kinderschar heranzuziehen.

Wenn ich mir hingegen so manche meiner kinderlosen Altersgenossen ansehe, möchte ich ihnen manchmal am liebsten empfehlen, das eine oder andere Mal doch einen Blick in die Thora zu riskieren. Denn viel eindringlicher als die grundlegende jüdische Mitzwa kann man das Gebot, Kinder zu bekommen, gar nicht formulieren: „Seid fruchtbar und mehret euch“ steht in Genesis geschrieben. Dieser Auftrag ist ein derart zentraler, dass er als wichtiger als manche andere Gebote erachtet wird. Auch in zeitgenössischen Diskussionen wird von mancher Seite im Verhinderungsfall eine Adoption angeraten.

Mehr: www.welt.de.

Kommentare

  1. flitzeflink meint:

    „… indem man sich einfach festlegt“ – gerade das ist doch eben nicht so einfach für diese Generation. Wie will man sich festlegen, wenn nichts mehr feststeht? Die Begründungen für das Kinderkriegen in dem Artikel erscheinen mir auch recht fadenscheinig: Sollen Kinder ernsthaft nur in die Welt gesetzt werden, weil es einem Abkömmling einer sich über Jahrtausende entwickelten Gattung selbstverständlich erscheint oder sich an religiöse, konservative Ideen erinnert, damit es Erben gibt und vielleicht irgendwann auch über den Tod hinaus noch an einen gedacht wird?

    Die Erfüllung dieses Gebotes (sofern es angesichts eines überbevölkerten Planeten noch erfüllt werden muss) gibt es eben nicht ohne die Hinwendung zum Geber dieser Weisung – alles andere bleibt oberflächlich und unglaubwürdig. Und gerade solche Oberflächlichkeit und Unglaubwürdigkeit hat meines Erachtens mit dazu beigetragen, dass diese Generation so ist wie sie ist.

    Kinder sind eines der allergrößten Geschenke, aber Kinder brauchen auch stabile Elternhäuser, in denen es nicht „egal“ ist, ob man verheiratet ist oder nicht, und Kinder brauchen eine Gesellschaft und Politik, die den Eltern bei der Kindererziehung größtmögliche Freiheit lässt.

    Ob es sinnvoll ist, einer Genration, die Mühe hat, mit sich selbst klar zu kommen, einfach pauschal zu Kindern zu raten nach dem Motto: Probierts doch mal! Also ich weiß nicht?

  2. Hmm, ich finde das eine gute Frage @flitzeflink. Die Schwierigkeit liegt wohl darin, dass eine „Generation Maybe“ so lange Mühe hat, sich zu entscheiden, bis die äußeren Umstände ihnen die Entscheidung abgenommen haben. Zum Beispiel die unerbittlich tickende „biologische Uhr“. Und dann kommt das große Jammern und Klagen. Dass das nicht die Lösung sein kann, sollte eigentlich klar sein.
    Auf der anderen Seite stimme ich aber auch zu, dass man es mit einem „versucht es doch einfach“ auch nicht zu einfach machen sollte. Das große Problem liegt in der Säkularisierung und damit Ideologisierung unserer Gesellschaft. Gerade gestern habe ich dazu auf Facebook zwei Abschnitte aus Günter Rohrmosers Buch „Der Ernstfall“ zitiert: „Mit der Zerstörung der christlichen Familie, mit dem Verlust der Bereitschaft und Fähigkeit von Eltern, ihre Kinder noch im Geist christlicher Sitten und Ordnungen zu erziehen, ist das Christentum in Europa in seine tiefste Krise geraten. Es gibt keine gesellschaftliche Institution, die an seine Stelle treten und einen Ersatz bilden könnte, wenn die elterliche Traditionsübermittlung ausfällt.“ (S. 357)
    und
    „Wie tritt man gegen ideologische Fiktionen an? Wir müssen hierzu die politische Realität dieses Jahrhunderts [Rohrmoser schrieb das 1994] zur Sprache bringen. Die Sprache unseres Jahrhunderts ist die, dass die beiden großen Versuche einer zwangsmäßigen Entchristlichung der Gesellschaft, sowohl im Kommunismus wie im Faschismus und Nationalsozialismus, nicht nur zur Barbarei geführt haben, sondern auch zu einem Zustand, in dem Verbrecher sich des Staates bemächtigen und seine modernsten Mittel anwenden, um bestimmte Kategorien der Gesellschaft auszurotten wie Ungeziefer. Niemand wagt heute, die Frage zu stellen, ob dieses Ergebnis nicht auch auf anderem als dem staatstotalitären Wege eintreten könnte. Das ist der reale Kern der Entchristlichung der heutigen Gesellschaft. Wenn ich es heute für sozial gerechtfertigt halte, ungeborenes Leben zu töten, warum dann morgen nicht auch altes und krankes Leben? Wenn der Sozialstaat ohnehin nicht mehr zu bezahlen ist und die Versorgung von Alten und Kranken aufgrund der unausgeglichenen Altersstruktur morgen zusätzliche Milliardensummen verschlingen wird, sollte dann nicht das Argument, man solle diese Menschen aus wohlerwogenen humanitären Gründen von ihren Leiden befreien, nicht auf Zustimmung stoßen? Wer gegen die Tötung ungeborenen Lebens kämpft, kämpft deshalb nicht nur für eine Kategorie von Menschen, sondern potentiell für alle.“ (S. 361)

    Das Problem liegt also darin begraben, dass die Entchristlichung, bzw. Säkularisierung immer zu einem Vakuum führt, der durch andere philosophische Ideologien / Utopien ausgefüllt wird. Die „Generation Maybe“ braucht Vorbilder auf der einen Seite, die ihnen zeigt, dass es tatsächlich ein Segen ist, eine große Familie zu haben, und ein solides Fundament des Lebens auf der anderen Seite, das vom jüdisch-christlichen Welt-, Menschen-, und Gottesbild ausgeht. Dies ist das einzige, in dem die gesamte Realität menschlichen Daseins tatsächlich Sinn macht und aufgeht.

  3. flitzeflink meint:

    @Jonas: Ja, besonders in dem Ruf nach Vorbildern stimme ich Dir zu! Immerhin hat ja der in sich so widersprüchliche Artikel von Rennert die entscheidenden Anstöße durch die Blick auf „religiöse“ Vorbilder bekommen. Das heißt für Christen, konsequent ihren Glauben zu leben. Aber solange „christliche“ Kirchen so destruktive Stellungnahmen wie das Familienpapier der EKD hervorbringen kann das christliche Spektrum einer verwirrten und orientierungslosen Generation auch keinen Halt bieten – von Einzelfällen abgesehen. Da heißt es dann für die christlichen Kirchen und Gemeinden erstmal den Balken im eigenen Augen zu entfernen. Es ist einfach nur traurig.

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