Sex in der Familie – fällt der letzte Schutzraum?

Die Forderung des Deutschen Ethikrates, das Verbot des Beischlafs zwischen Geschwistern aufzuheben, irritiert die gesunde Seele. Dominik Klenk kommentiert die jüngste Empfehlung:

Vordergründig geht es in dieser Debatte, wie so oft in den letzten Jahren, um die Entkriminalisierung intimer Beziehungen. Hintergründig wird damit das Gefüge von Ehe und Familie für beliebig erklärt und grundsätzlich in Frage gestellt. Die Familie als Schutzraum und sexuell jagdfreie Zone für Kinder und Jugendliche steht zur Disposition. Nein, wird der Ethikrat hier einwerfen, es gehe lediglich um den „einvernehmlichen Beischlaf“ unter volljährigen Geschwistern. Aber wie will man, wenn das Tabu erstmal fällt, zwischen sexuellem Übergriff in der Familie, Unzucht mit Abhängigen und einvernehmlicher Geschwisterliebe unterscheiden?

Der Einvernehmlichkeit wird entscheidendes Gewicht zugemessen. Warum nicht mit der eigenen Schwester in die Kiste springen, wenn beide ausdrücklich nüchtern, in der Sache einig und scharf aufeinander sind? Werden aber Einvernehmlichkeit und Freiwilligkeit zum gültigen Maßstab, dann wären nicht nur all jene jetzt schon auf der sicheren Seite, die eine rechtliche Anerkennung von polygamen Beziehungen fordern, sondern auch der Kannibale von Rotenburg, der im Einvernehmen mit seinem Opfer dieses erst tötete und dann verspeiste.

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Kommentare

  1. Schandor meint:

    Der Ethikrat ist sehr tolerant. Wie man, wenn das Tabu erstmal fällt, zwischen Übergriffen und Einvernehmen unterscheiden will? Ich glaube, das ist die kleinste Sorge des Ethikrats. Dem fällt bestimmt etwas ein, je nachdem, wo wir entwicklungsgeschichtlich stehen. Wenn dann das morbide Interesse an der Nekrophilie zum Thema wird, wird er auch da ein Einsehen haben. Denn eines ist klar: Grenzen kann der Ethikrat keine kennen, mal abgesehen von den Grenzen seiner Phantasie.

  2. Wie kann es eigentlich einen ETHIKrat geben, ohne einen DOGMATIKrat, der die Wirklichkeit (perspektivisch) erfasst und beschreibt, der das reaktive Handeln (Ethik) angemessen sei – und anhand der solche Empfehlungen prüfbar und ggf falsifizierbar wären? Handlung(sempfehlung)en ohne Wirklichkeit, rein soziologisch-„demokratistische“ Ethik, die der gefühlten Mehrheitsmeinung einen wissenschaftlich-technokratischen Anstrich verpasst. Es gibt keine Wahrheit mehr, aber „Priester“ hätten wir schon gerne, die uns in unserem Niedergang mit Weihwasser betröpfeln, das wir ihnen zuvor eingetrichtert haben.

  3. Schandor meint:

    @Jörg

    Prädikat: Gut gebrüllt, Löwe!

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