Spektakulärer Fund: Die Kirche von Laodizäa

Verschiedene Medien haben heute gemeldet, dass die »Siebte Kirche« (FAZ, 1. Februar 2011, Nr. 26, S. 29) in der Türkei gefunden wurde. Radio Vatikan teilt mit:

Archäologen haben im Südwesten der Türkei die sogenannte siebte Kirche von Asien aus der biblischen Offenbarung des Johannes entdeckt. Das teilte Kulturminister Ertugrul Günay laut türkischen Presseberichten am Montag beim Besuch der Grabungen mit. Die antike Stadt Laodizäa in der Landschaft Phrygien wird in der rätselhaften Apokalypse am Ende des Neuen Testamentes als Sitz der siebten christlichen Gemeinde erwähnt, die ein Sendschreiben Jesu erhält (Offb 3:14-22). Nach Angaben von Grabungsleiter Celal Simsek wurde die Kirche mit unterirdischen Radarmessungen geortet. Das Bauwerk sei im Wesentlichen im Originalzustand erhalten …

Nachtrag vom 02.02.2011: Bitte Kommentare lesen.

Kommentare

  1. Wow! Aber die Adressaten des letzten Sendschreibens, die Gemeindemitglieder von Laodizäa am Ende des ersten Jahrhunderts, verfügten vermutlich noch nicht über ein Sakralgebäude, oder irre ich mich da?

  2. Johannes Strehle meint:

    „… wurde die Kirche … geortet. Das Bauwerk sei im Wesentlichen im Originalzustand erhalten …“

    Frage an Radio Eriwan:
    Halten Sie die Nachricht für glaubhaft,
    dass außer der Kirche als Bauwerk auch Laodizäa-Christen geortet wurden,
    die im Wesentlichen im Originalzustand erhalten sind?

    Antwort von Radio Eriwan:
    Im Prinzip ja,
    denn das Gegenteil wäre ein Wunder,
    das sogar in der Kirche unmöglich ist.

  3. @LZ: Ich habe auch meine Zweifel an der Meldung und hoffe nicht, dass es hier um Touristen geht. 😉 Wahrscheinlich wird bald ein gestandener Althistoriker Stellung nehmen.

    Übrigens hier die Meldung aus einer englischsprachigen türkischen Tageszeitung:

    http://www.hurriyetdailynews.com/n.php?n=ancient-church-discovered-in-western-turkey-2011-01-31

    Liebe Grüße, Ron

  4. @Johannes: Auch wenn sich herausstellen sollte, dass es sich gar nicht um die Kirche von Laodizäa handelt, Laodizäa-Christen werden wohl zu finden sein.

    Liebe Grüße, Ron

  5. Christoph Heilig meint:

    Ich musste erstmal schmunzeln, als ich die Meldung gelesen habe.
    Aber dann las ich, dass das Gebäude nicht aus dem ersten Jahrhundert kommen soll, sondern aus dem vierten:

    „Şimşek said the church from the fourth century A.D. was found by underground radar search, a system they have tried this year for the first time.“

    Im strengen Sinn ließe sich das Gebäude also nur dann mit der neutestamentlichen Gemeinde verbinden, wenn man von einer ausgesprochenen Spätdatierung der Offenbarung ausgeht… 😉

    Wäre aber ein schöner Fund: Wäre dann ja wohl eine der fünf ältesten Kirchengebäude, oder? (http://en.wikipedia.org/wiki/Oldest_churches_in_the_world#Oldest_church_buildings)

  6. @Christoph: Ich habe es so verstanden, dass das Gebäude aus dem 4. Jh. stammt. Das muss nicht zwingend bedeuten, dass auch die Gemeinde in dieser Zeit entstand. Die kann ja durchaus älter sein. Aber ich vermute, der Minister hat sich sehr weit aus dem Fenster gewagt.
    Liebe Grüße, Ron

  7. Christoph Heilig meint:

    Ich hatte es auch nicht so gemeint, dass die Christen, die sich in diesem Haus versammelten nicht irgendwie auf die ursprüngliche NT-Gemeinde zurückgehen… das mag schon sein.

    Das Zitat, das in Deinem Blog-Beitrag stand sprach jedoch von der „sogenannte[n] siebte[n] Kirche von Asien aus der biblischen Offenbarung des Johannes“ usw. Das klang ganz so, als sei hier ein Gebäude aus dem ersten Jahrhundert gemeint, was dann meine Skepsis hervorrief.
    Auf jeden Fall interessant, wie die Darstellung von populärer Darstellung zur nächsten immer tendenziöser werden, bis es am Ende so klingt.

    Freue mich schon auf die ersten Fotos!

  8. Schandor meint:

    Das hat vielleicht damit zu tun, dass Stein und Mörtel den Begriff der „Kirche“ für sich beanspruchen. Und seien wir uns ehrlich: Der Begriff „Kirche“ ist (im deutschsprachigen Raum wenigstens, und wenn man Frank Viola glauben darf, dann auch in Amerika) wirklich nicht (mehr) angemessen zur Bezeichnung der ecclesia, schon allein wegen der Vielfalt der Konnotationen (Konfessionen!).
    Dass der archäologische Befund den biblischen Bericht zuweilen bestätigt, wird Verfechter der evidentialistischen Apologetik wahrscheinlich erfreuen.
    Hoffentlich tauchen auch noch ein paar alte Gesangsbücher und Kindertaufbecken auf 😉

  9. Alexander meint:

    Die Konfusion, die hier zeitweise vorhanden war, entstand durch den doppeldeutigen bzw. in den Presseverlautbarungen stellenweise schlicht falsch gebrauchten Begriff Kirche/church, im Deutschen = Gemeinde und/oder Gebäude. Wenn in der Presse steht: „die siebte Kirche aus der Offenbarung“ (o.ä.) sei entdeckt worden, dann ist das wohlwollend formuliert ein unglückliches Missverständnis, etwas weniger wohlwollend ist es Unsinn oder im schlimmsten Fall in Kauf genommene Verzerrung (zur Gewinnung zahlender Kundschaft, vulgo Touristen, insbesondere aus dem westlichen Ausland, v.a. USA).
    Das siebte Sendschreiben aus der Offb geht natürlich an die ekklesia im Sinne von Gemeinde. Im 1. Jh. bzw. zur Zeit der Abfassung der Offenbarung (jüngst von Witulski wieder spät in hadrianische Zeit, um 125, datiert – was ich nicht teile) hat es in Laodikeia mit Sicherheit kein Kirchengebäude gegeben. ekklesia im Sinne von ‚Kirchengebäude‘ taucht in den griechischen Texten auch erst etwa im späten 3. Jh. auf. Die ältesten archäologisch nachweisbaren christlichen Sakralräume innerhalb eines Gebäudekomplexes (nicht: allein stehende Kirche) sind die aus Dura-Europos in Syrien (um 235, Wiki-Link oben bei Christoph Heilig), die Datierung von Megiddo ist strittig (vielleicht erst spät um 300; die endgültige Grabungspublikation, die demnächst erscheint, wird für das späte 2. Jh. plädieren). Allein stehende Kirchen gibt es vermehrt dann erst im 4. Jh.
    In Laodikeia am Lykos wird schon lange sehr erfolgreich gegraben. Wie es dort aussieht, kann man bei Ben Witherington anschauen. Was man jetzt dort durch geomagnetische Messungen (also ohne dass man bislang einen Spaten in die Erde gestochen hat) gefunden hat, ist das Fundament eines Kirchengebäudes. Ob das wirklich aus dem 4. oder nicht doch aus dem 5. (oder gar 6.) Jh. stammt, wird man erst sagen können, nachdem das Gelände ausgegraben ist. Wenn das Gebäude aus dem 4. Jh. stammt, dann ist das ein spannender Fund – aber es gibt in Kleinasien so viele Überreste von Kirchen aus dem 4. Jh. (meistens Fundamente mit ein paar aufstrebenden Mauerresten), dass man sie kaum zählen kann. (Die Wiki-Liste ist da völlig unzulänglich – und zu Wiki müsste man überha…., ok, andere Diskussion.) Kleinasien war schon im späten 3. Jh. eine sehr stark christianisierte Region. Dass Laodikeia im 4. Jh. ein Bischofssitz war, wusste man auch schon aus anderen Quellen. Dementsprechend war dort eh‘ ein größeres Kirchengebäude zu erwarten.
    Die Taufbecken (@Schandor) in den Kirchen des 4. und 5. Jh.s haben überall etwa so ausgesehen wie das Baptisterium der Johannes-Basilika in Ephesos. Aber darin sind sicher auch Kinder getauft worden.
    Was hat das mit dem Laodikeia aus der Offb zu tun? Nun, wenn in der Offb (und in Kol !) eine Gemeinde in Laodikeia erwähnt wird, dann gehört die Gründung der Gemeinde sicher in NT-Zeit. Sie wird im 2. und 3. Jh. langsam gewachsen sein, ohne dass wir darüber irgendwelche Quellen haben, um dann im 4. Jh. in voller Blüte vom Licht der historischen und archäologischen Überlieferung erfasst zu werden. Dieses Bild ergibt sich für die meisten der im NT genannten Gemeinden. Nur über einige Orte wie bspw. Rom, Korinth, Antiocheia, oder das im NT nicht genannte Alexandria in Ägypten wissen wir für das 2. und 3. Jh. mehr. Mit dem neuen Kirchengebäude aus Laodikeia sollte man jedenfalls keine Die Bibel hat doch recht-Apologetik betreiben.
    Wenn der türkische Minister für (notabene) Kultur und Tourismus tatsächlich gesagt haben sollte, man habe „die siebte Kirche der Offenbarung entdeckt“, so hat er auf die zukünftigen Touristen geschielt. Laodikeia wird seit einigen Jahren als archäologischer Park ausgestaltet. Man will mehr Touristen von den Küsten weg ins Inland locken. Mit Pergamon (auch in Offb) und Aphrodisias ist das schon sehr gut gelungen.

  10. @Alexander: Na, das hilft doch schon sehr weiter. Vielen Dank!
    Liebe Grüße, Ron

  11. Egal in welcher Beziehung dieses Kirchengebäude zu der Kirche steht, die in der Offenbarung beschrieben wird, ein Besuch der Städte der Sendschreiben kann ich nur empfehlen. Mir bot sich vor ein paar Jahren die Gelegenheit, mit einer christlichen Reisegruppe diese Orte zu besuchen und ich freue mich gerade darüber dabeigewesen zu sein, wenn ich daran zurückdenke.
    Andererseits macht es mich auch nachdenklich: Was wurde aus diesem Land, aus dieser Kirche, wo das Evangelium so emporstrebte? Dann kam das Evangelium nach Deutschland und was ist heute noch davon übrig?

    Liebe Grüße,
    Andreas

  12. Johannes Strehle meint:

    Ich habe spaßeshalber auch noch bei Radio Vatikan nachgefragt:

    Frage an Radio Vatikan:
    Halten Sie die Nachricht für glaubhaft,
    dass außer der Kirche als Bauwerk auch Laodizäa-Christen „geortet wurden“,
    die „im Wesentlichen im Originalzustand erhalten“ sind?

    Antwort von Radio Vatikan:
    Im Prinzip ja,
    zu den Mysterien der Kirche gehört
    die nahezu unbegrenzte Haltbarkeit
    lauwarmen, frommen Fleisches.

  13. Jürgen meint:

    Jetzt meint man die Überreste der Gemeinde zu Laodizea gefunden zu haben. Schön, und weiter..?

  14. Roderich meint:

    Hier noch kurz der Bibeltext…

    Und dem Engel der Gemeinde in Laodizea schreibe: Das sagt, der Amen heisst, der treue und wahrhaftige Zeuge, der Anfang der Schoepfung Gottes:
    Ich kenne deine Werke, dass Du weder kalt noch warm bist. Ach, dass du kalt oder warm waerest!
    Weil du aber lau bist und weder warm noch kalt, werde ich dich ausspeien aus meinem Munde.
    Du sprichst: Ich bin reich und habe genug und brauche nichts! und weisst nicht, dass du elend und jaemmerlich bist, arm, blind und bloss.
    Ich rate dir, dass du Gold von mir kaufst, das im Feuer gelaeutert ist, damit du reich werdest, und weisse Kleider, damit du sie anziehst und die Schande deiner Bloesse nicht offenbar werde, und Augensalbe, deine Augen zu salben, damit du sehen moegest.
    Welche ich liebhabe, die weise ich zurecht und zuechtige ich. So sei nun eifrig und tue Busse!
    Siehe, ich stehe vor der Tuer und klopfe an. Wenn jemand meine Stimme hoeren wird und die Tuer auftun, zu dem werde ich hineingehen und das Abendmahl mit ihm halten und er mit mir.
    Wer ueberwindet, dem will ich geben, mit mir auf meinem Thron zu sitzen, wie auch ich ueberwunden habe und mich gesetzt habe mit meinem Vater auf seinen Thron.
    Wer Ohren hat, der hoere, was der Geist den Gemeinden sagt!

    @Johannes, es koennte ja auch sein, dass die Gemeinde von Laodizea Busse getan hat. Dafuer war das Sendschreiben ja gedacht.
    Aber ich weiss schon, dass Du das mehr als Scherz meinst, und mehr von dem „Gattungsbegriff“ der Laodizea-Christen schreibst, zu der wir ja – leider und gefaehrlicherweise – auch oft selber gehoeren; und nicht von dieser konkreten Kirche.

  15. Alexander meint:

    Richtig spannend würde es werden, wenn in der Kirche der in Kol 4,16 erwähnte Laodikeier-Brief des Paulus an irgendeiner Wand eingraviert worden wäre und man die Platte bei den Ausgrabungen fände. Das wäre ein Festschmaus für die Verfechter des offenen Kanons. (ironie-tag off)
    Wahrscheinlich wird man aber eher Inschriften-Platten finden, die ausschließlich den Altertumswissenschaftler interessieren, wie in der schon erwähnten Johannes-Basilika in Ephesus die (sekundär als Ambo verwendete) Platte mit dem Zollgesetz der Provinz Asia. In jedem Fall wird’s wiederverwendete Inschriftensteine geben! Dafür sind solche Kirchen aus dem 4. Jh. immer gut. Hach, allein die Vorfreude auf die zu erwartenden neuen Texte erzeugt lüsternes Funkeln in meinen Augen. (geek-modus off)

  16. Roderich meint:

    @Alexander,
    Das waere allerdings ueber die Massen interessant, wenn sich ein weiterer Brief des Paulus auffinden liesse.
    (Ich glaube persoenlich, das wird nicht passieren, da es in Offenbarung 22 heisst: wehe dem, der etwas hinzufuegt… und Johannes hatte ja unter der Leitung des Heiligen Geistes geschrieben; ich vermute, diese Aussage bezog sich nicht nur auf die Offenbarung selber, sondern auf die ganze Heilige Schrift.)

    Rein praktisch ist es eher unwahrscheinlich, dass ein Brief des Paulus in eine Kirchenwand eingemeisselt war, denn dann haette er schon vorher irgendwo Erwaehnung gefunden.

    (Die einzige Moeglichkeit fuer so etwas waere wohl, wenn man noch mal irgendwo bislang noch nicht entdeckte „Hoehlen“ wie in Qumran findet, wo sich ueber 2000 Jahre bestimmte Schriftrollen wegen des Klimas fast perfekt erhalten konnten, und wo aus irgend einem Grunde so ein Brief dann in Einmal-Ausfertigung erhalten geblieben ist).
    Aber ich denke ja wie gesagt, der Heilige Geist hatte bei der Kanonifizierung auch seine Hand im Spiel. (Das soll natuerlich kein blind verwendetes Argument sein).

  17. Franz.Emmerig@web.de meint:

    Den Brief des Paulus an die Gemeinde von Laodizea kann jeder bei Jakob Lorber nachlesen, der ist allerdings aus kirchlicher Sicht ziemlich kritisch, da stellt sich die Frage, wie man damit umgeht. Ich glaube es mal, dass das der echte Brief ist, denn die Lorber-Offenbarung überzeugt mich.

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  1. […] Februar hatte ich kurz auf den Fund der Kirche von Laodizäa hingewiesen. Der DLF hat heute in einem Beitrag ausführlich über den spektakulären Fund berichtet. Laodizäa […]

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