Sprach Jesus nie über Homosexualität?

Ich weiß nicht, wie oft ich in den letzten Monaten zu hören bekam: „Jesus selbst sprach nie über das Thema Homosexualität, also sollten wir nicht so tun, als ob ihn die ‚sexuelle Orientierung‘ eines Menschen interessiert hätte.“ Bei Jesus24 fand ich nun ein Video, indem Voddie Baucham kurz auf das Thema eingeht. Er sagt nicht alles, was man zu dem Thema sagen kann. Aber es ist immerhin ein Einstieg. Neugierige werden vielleicht hier oder hier fündig.

Kommentare

  1. Guten Abend
    Wissen Sie ob es Bücher von Paul Washer gibt die ins Deutsche übersetzt wurden ? Und wo wären diese zu kaufen ?

    Danke

  2. Schandor meint:

    @Boris

    Er hat drei Bücher geschrieben, wie es scheint. Auf deutsch gibt es die mW nicht.

  3. Theophil Isegrim meint:

    Ja, das ist ziemlich nervig. So weit ich weiß, hat Jesus beispielsweise nie etwas zu Vergewaltigungen von Frauen gesagt. Dann muß es wohl in Ordnung sein …

  4. Schlotti meint:

    Baucham macht meiner Meinung nach auf eine sehr wichtige Frage aufmerksam: Darf man Jesus gegen das übrige Neue Testament ausspielen? Es klingt ja fromm, wenn jemand sagt, er folge Jesus und seine Wort hätten vor allem anderen Geltung. Doch damit untergräbt man selbstverständlich die Autorität des ganzen Wortes Gottes. Nennt man im angelsächsischen Raum diese Position nicht „red letter Christians“?

    Mir ist vor einigen Jahren übrigens einmal eine sehr ähnliche Position in Bezug auf den Dienst der Frau in der Gemeinde begegnet. Dort sagte mir jemand wörtlich: „Ich folge Jesus nach, nicht Paulus.“ Ohne jetzt ein neues Fass aufzumachen, ist es doch erstaunlich, wie sich die Aussagen gleichen.

    Liebe Grüße
    Schlotti

  5. @Schlotti: Danke für Deine Anmerkung. Ich gebe Dir – wenig überraschend, Recht.

    Leider hat sich in der Hermeneutik eine vermeintliche Interpretation des lutherischen „Was Christum treibet“ eingeschlichen. Nehmen wir mal Siegfried Zimmer, der auf der Konferenz der Ev. Allianz in Deutschland derzeit einer der Referenten ist. Er spricht von verschiedenen Offenbarungsschichten oder Offenbarungsqualitäten innerhalb der Bibel. Die wichtigste Schicht finden wir in den Worten Jesu. Alles sei an der „Liebesethik“ Jesu zu messen (Schadet die Bibelwissenschaft dem Glauben?, 2012, S. 91):

    Biblische Texte, die etwas Anderes für richtig halten, als Jesus uns gelehrt hat, dürfen unser Gewissen nicht binden. Das Gottesverständnis Jesu, der Lebensstil Jesu und das Evangelium von Jesus Christus sind für uns der Maßstab, an dem wir alles Andere in der Bibel messen. Dann können wir nicht mehr alle Geschehnisse, die in biblischen Texten auf Gott zurückgeführt werden (…), auf Gott zurückführen. Was wir auf Gott zurückführen können und müssen, entscheidet sich an dem, wie Gott sich in Jesus offenbart hat.

    Nun könnte man meinen, dass die Lehre Jesu der Schrift entspricht oder z.B. das AT voraussetzt. Gerade das wird aber hinterfragt. Christus ist nicht der Schlüssel für eine christozentrische, sondern für eine kritische Interpretation der Schrift. Was also fromm klingt, führt zu einer durch und durch kritischen Bibellektüre. Die Bibel in diesem Sinne von der Liebe Jesu her zu lesen, ist sogar ein Akt des Gehorsams: „Deshalb dürfen wir nicht nur, sondern müssen wir die Bibel von Jesus Christus her auch kritisch lesen“ (S. 92).

    Jesus ist hier nicht mehr Mitte der Schrift in jenem Sinn, dass er uns die Augen für den tieferen Sinn der Schrift öffnet, sie uns also aufschließt (vgl. Lk 24,32). Jesus tritt hier als die Person auf, von der her wir die Schrift zu kritisieren haben.

    Wobei natürlich zu fragen ist, welche Worte tatsächlich Herrenworte sind. Bei Thomas Breuer gehen beispielsweise Jesu Sühnevorstellungen nicht auf Jesus selbst zurück, sondern sind von seinen Jüngern später zugeschrieben worden, um dem Tod ihres Rabbis einen Sinn zu schenken (siehe hier: URL: http://worthaus.org/mediathek/2-4-1/).

    Es liegt auf der Hand, dass diese Hermeneutik sehr subjektiv sein muss und der Ertrag den eigenen Erwartungshorizont widerspiegelt.

    Liebe Grüße, Ron

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