Sterben für Gott?

Der Beitrag »Sterben für Gott?« des ARD Magazins Panorama kann auf dieser Internetseite angesehen werden: daserste.ndr.de.

Nicht viel Neues unter der Sonne. Panorama scheint Frontal 21 stützen und einen Keil zwischen die Evangelikalen und die EKD treiben zu wollen. Schade, dass für eine Sendung, in der den Frommen verdeckte Missionsarbeit vorgeworfen wird, wieder einmal verdeckt recherchiert wurde. Das Gespräch mit offenem Visier würde vielmehr weiterhelfen als so eine getarnt vorbereitete Rhetorik.

Natürlich müssen sich auch Evangelikale kritisch mit ihren eigenen Kreisen auseinandersetzen. (Ich bin auch kein Freund von aufpeitschenden Jugendmissionskongressen.) Wer jedoch nun plant, sich auf »Jugend mit einer Mission« einzuschießen, sollte sich zunächst die erwähnten Videoproduktionen genauer anschauen. Ich vermute, dass hier Szenen bildgewaltig aus dem Zusammenhang gerissen wurden. Also an die Goldene Regel denken (vgl. Lk 6,31).

Kommentare

  1. Wie viele christliche Gruppierungen, scheint auch die JMEM sowohl eifernde wie auch moderate VertreterInnen in ihren Reihen zu haben. Verdächtig einseitig ausgerichtete Berichte, die nicht einmal Bezug auf „offizielle“ Darstellungen wie http://www.jmem.de/uns.htm nehmen wollen und auch die in der Organisation Verantwortlichen nicht befragen mag, tragen eher zur Polarisierung bei als zu einer produktiven und differenzierten Auseinandersetzung. Grundsätzlich diskutierbar ist ja schon, wie der Missionsauftrag Jesu heutzutage erfüllbar ist – dazu gibt es ja auch konfessionsübergreifend durchaus verschiedene Ansätze. Nach dem „pars pro toto“-Verfahren hier jedoch assoziative Verknüpfungen mit islamistischen Radikalisten herzustellen scheint mir die sachliche Inkompetenz der für den reißerischen Beitrag verantwortlichen Journalisten zu entlarven, denn hier wird in einer unverantwortlichen Weise über einen Kamm geschert: In das Ungesunde hinein reichende Radikalisierungen gibt es überall. Berechtigt ist die Reportage jedoch in dem Sinne, dass er verdeutlicht, dass auch wir eine Verantwortung für unsere „entschiedenen“ Gruppen haben, sie nicht aus dem Blick verlieren dürfen und sie durch Dialog und Vermittlung im demokratischen Konsens halten müssen. Gerade als Deutsche müssten wir begriffen haben, wie problematisch das Schwarz-/Weiß-Bild des Matrix/Missionsauftrags-Mashups ist…

  2. anakairos meint:

    Was mich mehr stört als die Kritik an JMEM (die mag hier vielleicht angebracht sein), ist die Pauschalisierung „SO arbeiten Evangelikale“. Nö, einige vielleicht, aber bestimmt nicht alle.
    Richtig ist, dass wir Evangelikale vielleicht kritischer mit den schwarzen Schafen unter uns umgehen müssten. Nur, wer schwarzes Schaf ist, bestimmt nicht Frontal oder Panorama, sondern immer noch die Bibel.

  3. Manchmal gehen Blogeinträge „verloren“ (eine Zensur findet nicht statt – es sei denn, man merkt es). So passiert unter http://panorama.blog.ndr.de (siehe Kommentar unten). Ich habe übrigens den Beitrag wieder gefunden.. Hier ist der „verlorene“ Eintrag:

    http://panorama.blog.ndr.de/2009/10/08/christliche-missionare-sterben-fur-gott/?cp=2
    46 Michael: Der Kommentar wartet auf Freischaltung.
    8. Oktober 2009 um 23:17 Uhr

    „Für Jesus ertragen wir alles.“
    (Fatima al-Mutairi , 2008, Gedicht einer Christin in Saudi-Arabien: Für Jesus ertragen wir alles. Monatsmagazin Open Doors 1/09)

    „Im August 2008 war die 28-jährige Fatima al-Mutairi [siehe oben] von ihrer Familie umgebracht worden, weil sie sich im Internet zum Glauben an Christus bekannt hatte. Ihr wurde die Zunge herausgeschnitten, bevor man sie bei lebendigem Leibe verbrannte. Es ist unklar, ob ihr Bruder die Tat ausführte oder ihr Vater, der der saudischen Religionspolizei angehört.
    Der Weltallianzkommission zufolge hatte die junge Frau ihren Glauben in einem Gedicht bekannt, das sie in einem Blog veröffentlichte. Sie überschrieb es mit der Zeile: „Um Christi willen ertragen wir alles.“
    Saudi-Arabien gilt als das strengste islamische Land. Der Islam ist Staatsreligion; ihm gehören 99 Prozent der rund 27 Millionen Einwohner an. Die wenigen Christen sind überwiegend Gastarbeiter. Der Religionswechsel von Muslimen wird mit der Todesstrafe bedroht. Ehemalige Muslime, die gleichwohl zum Christentum übergetreten sind, leben ihren Glauben meist im Geheimen.
    Jedes christliche Symbol, der Kirchenbau sowie die Ausübung des christlichen Glaubens sind verboten.“
    (idea, 29.01.2009, Saudi-Arabien: Ex-Muslime riskieren Freiheit und Leben, http://www.idea.de)

    „Iran: Christinnen sollen ihrem Glauben abschwören“
    „Maryam Rostampour und die 30-jährige Marzieh Amirizadeh bleiben bei Verhör standhaft: „Wir lieben Jesus“. Zwei iranische Christinnen, die seit fünf Monaten in Teheran in Haft sitzen, sind bei einem Verhör gedrängt worden, ihrem Glauben abzuschwören.
    Die 27-jährige Maryam Rostampour und die 30-jährige Marzieh Amirizadeh hätten sich jedoch weiter zu Jesus bekannt, berichtet das Hilfswerk Elam (Godalming/Südengland), das sich für Christen im Iran einsetzt. Nach seinen Angaben droht den Frauen eine Anklage wegen „Abfalls vom Islam“.
    Nach dem islamischen Religionsgesetz, der Scharia, kann der Religionswechsel von Muslimen mit dem Tode bestraft werden. Im Iran können Männer, die vom Islam abgefallen sind, hingerichtet und Frauen lebenslang inhaftiert sowie täglich ausgepeitscht werden.
    Bei dem Verhör am 9. August im Revolutionsgericht von Teheran wurden Rostampour und Amirizadeh laut Elam aufgefordert, dem christlichen Glauben mündlich und schriftlich abzuschwören. Sie hätten jedoch geantwortet: „Wir lieben Jesus. . Wir werden unseren Glauben nicht verleugnen.“ Die Frauen wurden daraufhin in das berüchtigte Evin-Gefängnis am Stadtrand von Teheran zurückgebracht, wo vor allem politische Gefangene eingesperrt sind. [.]
    Von den 68 Millionen Einwohnern des Iran sind 99 Prozent Muslime.“
    (Idea, 12. August 2009, Iran: Christinnen sollen ihrem Glauben abschwören, http://www.idea.de)

  4. Der erwähnte Beitrag wurde inzwischen von Panorama freigeschaltet. Zwar 1 Tag später als die 50 Beiträge nach mir, aber immerhin.

  5. Johannes meint:

    „Glückselig seid ihr, wenn sie euch schmähen und verfolgen und alles Böse lügnerisch gegen euch reden werden um meinetwillen. Freut euch und jubelt, denn euer Lohn ist groß in den Himmeln; denn ebenso haben sie die Propheten verfolgt, die vor euch waren.“
    Dieses Gebot scheint (wie leider viele Teile der Bergpredigt) aus den meisten Bibeln verschwunden zu sein…

    Zwar tun diese Beiträge genau das selbst, was sie anderen vorwerfen (verdeckt arbeiten, Dinge schwarz-weiß sehen) und sind damit auch keineswegs ernstzunehmen; trotzdem muss man auch mal sagen, dass die Art und Weise, Mission als Abenteuer-Reise zu verkaufen, den Auftrag unseres Herrn in den Dreck zieht. Das macht längst nicht nur JMEM so, aber bei ihnen ist es extrem.

    Wenn Abenteuer und Adrenalin-Kick nötig sind, um Christen zu Mission zu motivieren – wenn Jesu Auftrag dazu nicht reicht – dann läuft etwas so grundlegend falsch, dass wir das zuerst korrigieren müssen!

Trackbacks/ Pingbacks

  1. […] noch ein kleiner nachtrag. gefunden auf theoblog.de Benjamin BakisErstelle dein Profilbanner […]

  2. […] Als verzerrend und nicht der Wirklichkeit entsprechend hat das Missionswerk »Jugend mit einer Mission« die im ARD Magazin »Panorama« am 8. Oktober erhobenen Vorwürfe zurückgewiesen. In dem Beitrag »Sterben für Gott?« wurde das Missionswerk als »fundamentalistische« Organisation dargestellt, die junge Christen ermuntere, unter Todesgefahr zu missionieren (siehe hier). […]

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