Streit um christliche Kreuzestheologie

Der DLF hat einen Beitrag über die Sühneopfer-Diskussion in der EKD veröffentlicht. Zu Wort kommen unter anderem Burkhard Müller und Ulrich Eibach. Müller fordert den Abschied von der Kreuzestheologie und ist mit seinem Anliegen von N. Schneider unterstützt worden. Eibach verteidigt die Sühne als Herzstück des Glaubens.

Leider wird im gesamten Beitrag die biblische Sühnetheologie nicht zustimmend erklärt. Wer dazu Hintergrundinformationen sucht, wird in dem Artikel „Das Herz des Evangeliums“ fündig: HerzdesEvangeliums.pdf. Eibach hat seine Position dargestellt in: „‚Gestorben für unsere Sünden nach der Schrift‘“: Zur Diskussion um die Heilsbedeutung des Todes Jesu Christi“, Für uns gestorben: Sühne, Opfer, Stellvertretung, Neukirchener Verlag 2009, 155–190.

’Hier nun der Beitrag „Streit um christliche Kreuzestheologie: Der Tod Jesu als Sühneopfer?“ (wenn es auch schmerzt, in den Ostertagen so etwas zu hören):

Kommentare

  1. haben die Leute vielleicht eine andere Bibel als wir, oder gar ein paar störende Seiten rausgerissen? Das dürfte aber schwierig gewesen sein, denn Jesus‘ stellvertretende Sühne für uns finde ich überall drin, sowohl im NT als auch im AT.

    Kleines Beispiel.

    Wir lesen gerade den 1. Petrusbrief, 2. Kapitel. Da werden zu genau dem Thema zunächst Jesaia und der Psalmist zitiert („… der Stein, den die Bauleute verworfen haben und der zum Eckstein geworden ist, ein Stein des Anstoßes und ein Fels des Ärgernisses“.

    Petrus sagt dazu nur lapidar: „Sie stoßen sich an ihm, weil sie nicht an das Wort glauben, wozu sie auch bestimmt sind.“

    Und mit Paulus fällt mir dazu nur ein, daß es sich bei diesen Leuten wohl um „Gefäße der Unreinheit“ handeln muß (Röm 9,21), was für uns zwar kein Trost aber immerhin eine Erklärung ist.

    Kleine Anekdote am Rande: unsere Singapur-Chinesen im Büro haben sich kaputt gelacht, als ich versucht habe, ihnen die europäische Kultur und das warum und wieso des Nachttopfs zu erklären. Alle finden sie ausnahmslos ekelhaft, können sich nun aber besser vorstellen, was ein „Gefäß der Unreinheit“ ist.

  2. ernst meint:

    Einiges zum Thema gibt es auch bei:
    http://www.evangelisch.de/themen/religion/der-tod-christi-etwas-was-den-menschen-heil-bringt60707

    Hier gibt es auch Informationen über das neue Buch von Heinzpeter Hempelmann und Michael Herbst: „Vom gekreuzigten Gott reden“ .

  3. @Ernst: Die existentielle Interpretation, die Lauster da anbietet, ist, ich kann es nicht anders sagen, ein Armutszeugnis! Zitat:

    Bei Rudolf Bultmann heißt es dazu: „An das Kreuz Christi glauben, heißt nicht, auf einen mythischen Vorgang blicken, der sich außerhalb unser und unserer Welt vollzogen hat, auf ein objektiv anschaubares Ereignis, das Gott als uns zu Gute geschehen anrechnet; sondern an das Kreuz glauben, heißt, das Kreuz Christi als das eigene übernehmen, heißt, sich mit Christus kreuzigen lassen“.

    Das Wort Kreuz meint daher eine existentiale Haltung und eine Lebensdeutung, eine innere Gestimmtheit, die die dunkle, nachtvolle, Grauen erregende, Angst einflößende, unfassbare Seite der Welt und des Lebens nicht einfach wegredet, sondern durch sie hindurch den Ausblick auf eine andere Dimension des Lebens erfährt.

    Christus ist auferstanden, wahrlich außerhalb von mir auferstanden. Das ist mein Heil!

    Liebe Grüße, Ron

  4. genau, lieber Ron, und wenn ich den Artikel von Lauster lese, dann weiß ich schon nicht mal, was mit der Bultmannschen „existentialen Haltung“ gemeint sein könnte.

    Aus ganz praktischer Sicht sieht die Sache mit dem Kreuz wie folgt aus. Wenn die Vorhersage Jesu zu seiner Auferstehung stimmt – was eine absolute Ungeheuerlichkeit war, denn wer hat denn schon jemals eine drei Tage alte Leiche mit tiefen Einstichen am ganzen Körper wieder herumlaufen sehen – dann folgt daraus, daß auch alle seine anderen Vorhersagen stimmen, besonders die, die uns zum Heil gereichen.

    Und was bin ich froh, daß der Apostel Thomas diesbezüglich an Jesus selbst genaue experimentelle Nachforschungen angestellt hat (Joh 20,27) und daß der Apostel Lukas ausdrücklich aufgeschrieben hat, daß der wiederauferstandene Jesus Nahrung zu sich genommen hat (Luk 22,39 ff). Als Ingenieur und Jurist finde ich das alles sehr plastisch, realitätsnah und ausgesprochen überzeugend. Jesus ist kein Geist und erst recht keine wandelnde Leiche.

    ergo: Jesus lebt, er sitzt zur Rechten Gottes und wird zurückkommen, um am letzten Tag über die Welt zu richten. Und wir, die an ihn glauben und seinen Namen anrufen, haben darin die ersehnte und so nötige Errettung.

    Das ist die konkrete, gute Osternachricht für einfache Leute wie mich.

    Gruß´aus der Ferne!

  5. @Ron&Martin: Ihr müsst schon genau hinschauen; unter dem angegeben Pfad befindet sich der Artikel von Lauster (um den ging es mir garnicht vorrangig), aber auch der von W.Thiede (Erlangen) u.a. –

    @Martin: Jesus sagt ja schon zu Thomas:“Selig, die nicht sehen und doch glauben“, d.h. auch Kreuzigung und Auferstehung sind zuletzt eine Sache des Glaubens.
    Allerdings besteht die Einzigartigkeit des Christentums eben darin, dass Gott beansprucht, sich in Raum und Geschichte (und nicht nur durch irgendeine, nicht hinterfragbare ´Offenbarung´!) erkennen gegeben zu haben, was sogar bedeutet, dass er erlaubt, sein Handeln zum Gegenstand einer historischen Befragung zu machen!

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