Streit um Dietrich Bonhoeffer

Die Diskussion um Metaxas Bonhoeffer sind inzwischen auch beim NDR angekommen. Daniel Kaiser schreibt:

Der fromme Bonhoeffer – das geht manchen Experten zu weit. Sie werfen Metaxas vor, den Theologen gewissermaßen entführt und aus ihm einen evangelikalen Christen gemacht zu haben. Kein Wunder also, dass das Buch dem Ex-Präsidenten George W. Bush so gut gefallen habe, ätzen sie. Der Biograf Metaxas bleibt dabei: Das Bonhoeffer-Bild der vergangenen Jahre sei falsch. „Es ist doch so, dass viele Gelehrte ihn gekapert und aus ihm fälschlicherweise einen weltlichen Humanisten und theologischen Linken gemacht haben“, sagt Metaxas. „Bei meinen Recherchen war ich geschockt, als ich herausfand: Das Gegenteil ist der Fall.“

Er sei nicht überrascht, dass Bonhoeffer-Experten, die sich seit Jahrzehnten mit dem Thema befassen, einen Seiteneinsteiger wie ihn kritisierten. Er habe Bonhoeffer aber nicht in eine evangelikale Ecke stellen wollen, sondern „Bonhoeffer einfach zeigen, wie Bonhoeffer war“.

Mehr: www.ndr.de.

Kommentare

  1. Grundsätzlich teile ich Meinung von Kaiser (nachdem ich Metaxas Buch gründlich studiert habe), dass Bonhoeffer von Metaxas tatsächlich evangelikal vereinnahmt wurde. Siehe dazu auch meinen Beitrag: http://sola-scriptura.ch/?p=258
    Metaxas selber hat im Interview mit Bill Hybels anlässlich des Willow Creek Kongresses in Deutschland erwähnt (welches eigentlich ehrlich gesagt eher eine Buchwerbung war…), dass er gerade mal zwei Jahre geforscht habe, um sein 700 Seiten starkes Buch zu veröffentlichen (Zitat: „Ich bin ignorant hineingestolpert.“). Und dies, obwohl er zuvor noch nie etwas von Bonhoeffer gehört habe. Alleine die Aufarbeitung von Bonhoeffers Umfeld mit dem 2. WK hätte für ihn als Amerikaner ja schon eine ganze Weile in Anspruch genommen. Dass Bonhoeffer seine helle Freude an Bultmann’s frühen Aufsätzen hatte und der Name Bultmann nicht mal im Namensverzeichnis von Metaxas Buch erscheint, lässt bei mir Fragen aufkommen zur Gründlichkeit seiner Nachforschungen.
    Sicher wurde Bonhoeffer auch von liberalen Theologen vereinnahmt. Hier stellt sich das Problem, dass Bonhoeffers Werk durch seinen frühen und tragischen Tod unvollendet blieb und viele seiner Begriffe, wie die „Nichtreligiöse Interpretation“ zu wenig genau definiert wurden. So kann jede Seite die Begriffe nach Belieben füllen.
    Und natürlich merkt man auch, dass Metaxas ein Journalist und kein Theologe ist. Er beschreibt das soziale Umfeld von Bonhoeffer oft mit blumigen Worten und bleibt dann bei relevanten theologischen Fragen sehr vage und kurz. Und dass Hitler immer mit der Reitpeitsche im Stiefel rumgelaufen sein soll, ist wohl eher ein Mythos, der zu entmythologisieren wäre… 😉

  2. Ich bin der Meinung, dass Bonhoeffer in Deutschland immer viel zu schnell von Seiten der liberalen Theologie vereinnahmt wird. Und ja, Bonhoeffer begrüßte Bultmanns Aufsätze, aber nur weil deren Ziel war die Theologie wieder Sprachfähig zu machen in einer entkirchlichten Zeit. In „Wiederstand und Ergebung“ ist noch zu lesen: „Bultmanns Ansatz ist eben im Grunde doch liberal (d. h. das Evangelium verkürzend), während ich theologisch denken will.“ (in meiner Ausgabe auf Seite 149)

Deine Meinung ist uns wichtig

*