Studie: Was Meinungsmacher über Religion denken

Chefredakteure halten Ideologiekritik am Christentum für überholt. In einer Studie zum Thema „Religion bei Meinungsmachern“ kommen Wissenschaftler der Universität Münster zu dem Ergebnis, dass eine Renaissance der christlichen Religion durchaus erwartbar ist:

Führende deutsche Journalisten halten Ideologiekritik an den christlichen Kirchen laut einer neuen Studie mehrheitlich für überholt. „Die meisten Meinungsmacher sehen eine kulturelle Renaissance der christlichen Religion – in Abgrenzung zum Islam“, heißt es in der Untersuchung „Religion bei Meinungsmachern“ von Wissenschaftlern des Exzellenzclusters „Religion und Politik“ der Uni Münster. Die befragten Chefredakteure und Kommentatoren betrachten das Christentum, unabhängig von ihrer eigenen Religiosität, als legitime Kraft zur Sicherung der öffentlichen Moral und der gesellschaftlichen Integration. „Negative Bewertungen von Religion gelten dagegen der ‚Fremdreligion’ des Islams, der oft mit Gewalt in Verbindung gebracht wird.“ Alle Befragten sehen eine beträchtliche Zunahme der öffentlichen Sichtbarkeit von Religion.

Mehr: idw-online.de.

Kommentare

  1. Lukas meint:

    Der Hauptgrund, warum Kritik an den christlichen Kirchen als überholt gilt, ist doch der: Warum auf jemanden eintreten, der schon am Boden liegt? Allzuviel Meinungen, die kritisch aufgenommen werden könnten, gibt es ja innerhalb der Kirchen ohnehin nicht mehr.

    Wer sich übrigens über die zunehmend kritische Haltung ggü. dem Islam freut, sollte immer bedenken: Mit jedem Schritt gegen den Islam wird auch ein Schritt gegen die Religionsgfreiheit im Gesamten unternommen.

    Beispiel: Als die Salafisten begannen ihren Koran auszuteilen, wurde sofort öffentlich über „religionsfreie Zonen“ um Schulen etc. nachgedacht. Wer sich daran stört, dass Islamisten den Koran verteilen, wird sich über kurz oder lang auch daran stören, wenn Bibeln verteilt werden.

  2. Manfred meint:

    @lukas,
    Das ist EIN Negativ-Beispiel.
    Im allgemeinen glaube ich, dass die zunehmende ( von der Realität verursachte und berechtigte) Kritik am Islam zu einer teilweise pro-christlichen Rückbesinnung auf unsere angestammte Kultur führen wird. („ok, ich will definitiv kein Moslem sein – die benehmen sich ja grausig. Was bin ich dann eigentlich? Hmmm…. dann wohl (aus historischen Gründen) ein Christ. Ist ja ‚unsere‘ Kultur. Was lehrt noch mal genau das Christentum?

    Aber Genau da endet dann die Rueckbesinnng auf das lebendige Christentum, solange die ganzen Evangelikalen keine intellektuell fundierte und begruendete Version des Christentums anbieten können. Denn ein liberales Christentum ist nicht dauerhaft intellektuell befriedigend. (wer liberal ist, kann auch gleich ganz ohne Gott – das ist konsistenter und ehrlicher).

  3. markus meint:

    Kann mir vorstellen, dass dazu auch die sachlich-positiven Bezüge aus den philosophischen Debatten (Agamben, Habermas, Žižek, Bodiou etc.) rückfärben. Zumal sich der dawkinsche Atheismus intellektuell nicht gerade mit Ruhm bekleckert hat.

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