Theistische Evolution nach D. Alexander und BioLogos

Reinhard Junker hat eine kritische Analyse der theistische Evolution nach Denis Alexander und nach BioLogos publiziert. In der Einleitung heißt es:

In der akademischen Theologie gilt die Frage nach der Vereinbarkeit von Schöpfung und Evolution als geklärt. In Stellungnahmen der Großkirchen, in Schulbüchern und in Unterrichtsmaterial für Lehrer ist es Standard, dass eine Abstammung des Menschen aus dem Tierreich und eine allgemeine Evolution der Lebewesen den Inhalten des christlichen Glaubens nicht widersprächen. Dabei wird gewöhnlich aus seiner historisch-kritischen Perspektive argumentiert, die biblischen Schilderungen der Anfänge offenbarten ein veraltetes Weltbild, das man abstreifen müsse, um zu den eigentlichen theologischen Aussagen zu gelangen. Wer an der Historizität der biblischen Urgeschichte festhält, wurde früher als naiver Biblizist abgetan und in den letzten Jahren einer rauer werdenden Auseinandersetzung als Fundamentalist gebrandmarkt.

Nachdem es um das Thema „Schöpfung und Evolution“ aus theologischer Sicht eher ruhig geworden war, erschienen in den letzten Jahren vermehrt Bücher und Internetbeiträge zu dieser Frage, und zwar von konservativ gesonnenen Christen. Auch von evangelikalen Autoren wird dabei Evolution als mit der christlichen Schöpfungs- und Heilslehre vereinbar dargestellt und – angesichts der vermeintlichen Beweislast für Evolution – dafür geworben, dass Christen die Evolutionsanschauung mit der Abstammung des Menschen von tierischen Vorfahren akzeptieren sollten. Es gebe gute Möglichkeiten, die Bibel mit der Evolutionslehre zu versöhnen. Zwei dieser Entwürfe werden in diesem Artikel vorgestellt und kritisch untersucht.

Hier der vollständige Aufsatz: a12.pdf (siehe dazu auch: b47.pdf und a13.pdf).

Kommentare

  1. @Ron: Es ist zweimal der gleiche Artikel (Evolution – passend für Evangelikale?) verlinkt, aber nicht der hier zitierte: http://www.wort-und-wissen.de/artikel/a12/a12.pdf

    LG Theo

  2. Danke! Korrigiert.
    Liebe Grüße, Ron

  3. Und ich wollte noch sagen: Danke für die Artikel! Ich würde mich freuen, wenn hier noch häufiger auf aktuelle Publikationen von W&W verwiesen würde. Übrigends hat W&W erst vor kurzem ein archäologisches Buch über die alttestamentlichen Patriarchen und das frühe Israel angekündigt – das klingt doch recht spannend.
    Und wer Lust hat zu diskutieren: Auf der W&W-Facebook-Seite finden regelmäßig Diskussionen statt …

  4. Ich denke, die meisten Evangelikalen, die der Evolutionstheorie nachgeben sind sich der theologischen Tragweite, im Bezug auf die Heilsgeschichte, nicht bewusst.

  5. Roderich meint:

    Sehr erfreulich, dass Herr Junker hier deutlich auf den biblischen Befund hinweist und zeigt, dass die „Vereinbarkeit“ von Schöpfung und Evolution so nicht ohne weiteres haltbar ist.

    Ich finde, viele Christen geben den Gedanken der Schöpfung zu schnell auf. (Es lebt sich vielleicht bequemer, und mit weniger Angriffsfläche, wenn man Evolution in sein Konzept aufnimmt, wie es ja auch die kath. Kirche in weiten Teilen tut – mit Ausnahmen. Nur ist es aberwitzig, dass man bis Charles Darwin warten musste, um auf die Idee einer „Evolution“ zu kommen; Evolution bedeutet Höherentwicklung, während aus biblischer Sicht die Dinge eher bergab gehen (wenn Gott nicht eingreift und Erweckung schenkt etc.) – jedenfalls ist ein automatisches Höherentwickeln unmöglich und undenkbar. Denkbar wäre höchstens, dass Gott den Prozess dauerhaft „anschiebt“, aber das wäre eher unlogisch. Da ist es wahrscheinlicher, dass Gott die Dinge direkt geschaffen hat.

  6. Vielen Dank, Ron. Obwohl ich die Ansichten von Reinhard Junker nicht teilen kann, habe ich die Texte mit Gewinn gelesen.

    Da es sich um ein Thema handelt, das mich viel beschäftigt, hier einige Anmerkungen:

    Zunächst würde ich anmerken wollen, dass die Frage nach Natur und Genre eines Textes noch nicht notwendig historisch-kritisch ist. Beispielsweise kann in Bezug auf den ersten Schöpfungsbericht Gen 1 die Ansicht vertreten werden, dass es sich weniger um einen historisch-naturwissenschaftlichen Bericht als vielmehr um einen liturgischen Hymnus handelt, der den (sieben) Stufen einer Tempelweihe nachempfunden ist. Der Kosmos entspräche dann dem Tempel und der gottesebenbildliche Mensch wäre der Repräsentant Gottes im kosmischen Tempel. Man kann diese Sicht vertreten – auch ohne die Lehren von der Verbalinspiration und der Irrtumslosigkeit der Schrift abzulehnen! Junker trägt dieser Tatsache in der Einleitung ja auch Rechnung, wenn er sagt, dass „gewöhnlich [also keineswegs immer] aus einer historisch-kritischen Perspektive argumentiert“ wird.

    Und weiter: Selbst wenn man die Theorie vom so genannten Buch der Natur als zweiter Offenbarungsquelle ablehnt, kommt man meiner Meinung nach nicht umhin, sich einzugestehen, dass die Evolutionstheorie einiges an Fakten für sich hat (auch wenn es sicherlich in vielen Bereichen legitime Anfragen gibt, keine Frage). Vom hohen Alter der Erde ganz zu schweigen. Ich möchte hier jetzt aber nicht in biologische oder geologische Detaildiskussionen einsteigen. Es soll an dieser Stelle genügen, darauf hinzuweisen, dass neben der weltweiten wissenschaftlichen Crème de la Crème auch viele naturwissenschaftlich-kompetente und (mehr oder weniger) orthodoxe Christen der Meinung sind, dass man an der Evolutionstheorie und einem Milliarden Jahre alten All nicht vorbeikommt (z.B. Alister MacGrath, John Polkinghorne, Hans-Dieter Mutschler, Ernest Lucas et al.).

    Angesichts der exegetischen Auslegungsmöglichkeiten und der auch von christlicher Seite vertretenen Evolutionstheorie halte ich es in dieser Angelegenheit mit Thomas von Aquin: „Da die Heilige Schrift sich vielfältig auslegen lässt, soll niemand einer bestimmten Auslegung so fest anhängen, dass er, wenn mit einem sicheren Vernunftargument festgestellt wird, dass diese Auslegung falsch sei, es trotzdem wagt, sie zu vertreten. Dann sonst könnte es sein, dass die Heilige Schrift deswegen von den Ungläubigen verlacht und ihnen der Weg zum Glauben dadurch versperrt werde.“ Thomas stellt hier wohlgemerkt weder die Eindeutigkeit des Literalsinnes noch die Irrtumslosigkeit der Schrift in Frage, wohl aber die Irrtumslosigkeit menschlicher Auslegung. Selbst dann, wenn man die Vernunftargumente pro Makroevolution für nicht sicher hält, sollte man doch ihre Wahrscheinlichkeit zur Kenntnis nehmen. Allzu oft habe ich aber bei W&W den Eindruck, dass man – trotz aller beeindruckenden Gelehrsamkeit – in diese Richtung gar nicht offen ist. Dass das sicherlich auch für viele Befürworter der Evolutionstheorie gilt, die die Intelligent Design-Theorie vorschnell ablehnen, sei zugestanden.

    Kurzum: Meiner Meinung nach sollten wir als Christen uns vor den weltanschaulich-naturalistischen Versionen hüten, aber für die Möglichkeit einer sukzessiven Entwicklung des Lebens offen sein.

    So, das war mein Senf dazu …

  7. DAs möchte ich nun gern mal wissen: sind die „7 Tage“ biblisch? Und alle, die was anderes denken mal wieder… – nun ja: unbiblisch…liberal?
    (Man darf gespannt sein, wohin die Diskussion läuft.)

    Ich sage: die sog. ´Evolutionstheorie´ ist natürlich ein Modell! Und das, was manche (demgegenüber) als „biblischen Befund“ ausgeben, ist gleichfalls eine Interpretation.

    Heißt denn: „die Dinge direkt geschaffen“ , dass das innerhalb von 7 x 24 Stunden geschehen sei? (Dann möge man mal den Schöpfungstext genau lesen!)

    (Ansonsten: DANKE an Tim -Christian!)

  8. Schandor meint:

    @ernst

    Einen guten und mE ausgewogenen Überblick über die Anschauungsweisen hat Wayne Grudem in seiner Systematischen Theologie zusammengestellt.

    Dass das ungezählt oft widerlegte Paradigma der Deszendenztheorie nicht endlich ad acta gelegt wird, darf als trauriges Zeugnis der Menschheit gelten; Christen, die da mitmachen, dürfen sich als „aufgeklärt“, „weltmännisch“ und „akademisch auf der Höhe ihrer Zeit“ geben. Schaumermal, wie das in 100 Jahren aussieht.

  9. @ Tim-Christian: Gab es den ersten Menschen Adam? Gab es das Ereignis des Sündenfalls? Ist die Folge des Sündenfalls der geistliche und leibliche Tod? Wenn ja, dann ist die Deszendenztheorie mit der Bibel nicht vereinbar. Falls dies alles nur sinnbildlich verstanden werden muss, muss dann Jesu Heilstat nicht auch sinnbildlich verstanden werden? Lies mal Römer 5, 12 – 20, hier wird eine historische Parallele zwischen Adam und Christus aufgemacht. LG Theo

  10. Auch wenn es etwas off-topic geht:

    @theo: Hängt Historizität des Jesus von Nazareth von der Historizität eines „Adam von Eden“ ab? Ich denke nicht. Auch ohne einen zu 100% historischen Adam, ist das Leben, Leiden, Sterben und die Auferstehung von Jesus in voller Weise nachvollziehbar. Die allgemeine Unfähigkeit des Menschen ohne multiplen Beziehungsbruch (mit Gott, Mit-Mensch, Schöpfung, sich selbst) sein Leben zu gestalten ist auch ohne historischen Adam offensichtlich. Ebenso sollte die Kraft Jesu in uns sichtbar sein, ohne dass ich diese erst theologisch hinein interpretieren muss.

    Was ich meine, als Bild und Beispiel: Wilberforce‘ Anti-Sklaverei-Aktivität sind auch ohne historischen Ur-Sklaven glaubhaft, historisch und wirksam gewesen.

    Warum mehr in die Bibel hineinlesen, als da steht? Zumal das Wort „Adam“ im biblischen Text nicht primär (und schon gar nicht ausschließlich) als Eigenname verwendet wird. Die Bibel ist nun einmal kein Buch in der Tradition der Fakten- und Erklärbarkeitsobsession des 19. und 20. Jahrhunderts. (Mehr und mehr lesen sich diese übrigens seltsam antiquiert.) Warum sie dazu machen?

    Was dazu kommt: Selbst wenn es IMMER und PRIMÄR um die Historizität in allen Detailfragen gehen sollte, was gewinnen wir mit diesem Historizitätsstreit? Einen Saulus? Sicher nicht. Die Historizität Jesu war für Saulus selbstverständlich, hat aber sein Leben nicht verändert. Das war die konkrete Ansprache einer LEBENDIGEN Person. (Deren Historizität natürlich für Paulus nach wie vor selbstverständlich ist!)

  11. @Tim Christian,

    Ich finde es etwas problematisch, Gen 1 als Hymnus und damit poetischen Text einzuordnen, obwohl das konstitutive poetische Element des Semitischen, der Parallelismus membrorum, sehr selten gesäht ist (V. 27). Deshalb scheint mir eher der Wunsch und eine Hineinlesung moderner literarischer Konvention Vater jener Gattungsbestimmung zu sein als der Text in seinem ursprünglichen kulturellen Umfeld.

    Es gibt im Text selbst keine Hinweise, dass etwas anderes als normale Tage gemeint sind, und da eine Abweichung von der Normalbedeutung immer sprachlich markiert wird – sonst würde sie nicht verstanden, was einen Widerspruch zu den Annahmen menschlicher Kommunikation darstellen würde, die auf Verstehen ausgerichtet und dafür ausgestattet ist – liegt auch keine vor. Schließlich liegt keine unbedachte Äußerung zwischen 2 Bieren nach Mitternacht vor, sondern eine wohlüberlegte KOmposition.

    Eine andere Frage ist, ob eine weitere Untersuchung des kulturellen Umfeldes Beispiele dafür zutage fördert, dass eine bestimmte Gattung oder ein Stilmittel vorliegt, zu deren Präsuppositionen, dh stillschweigend geteilten und damit verstandenen Kommunikationsvoraussetzungen, gehörte, „Tag“ hier übertragen zu verstehen. Bisher gibt es dafür aber keine Hinweise.

    Wofür ich aber Hinweise sehe und dem irgendwann nachgehen will, ist, dass die Geschlechtsregister erstens nicht vollständig sein sondern eine Dynastie nachvollziehbar machen wollen und zweitens dass die Altersangaben darin möglicherweise so etwas wie Würdetitel darstellen. Für das erste muss man gar nicht den biblischen Korpus verlassen, man muss sich zB nur die Geschlechtsregister Jesu anschauen. Der zweite Gedanke kam mir angesichts der außerbiblischen Belege für Könige der Vorzeit mit noch viel höheren Lebensaltern, die zusätzlich noch einer gewissen Systematik folgen, und der Frage, wie sich die Altersbegrenzung in GEn 6 zu den Altersangaben in Gen 5 verhält. Und beide Gedanken wären wahrscheinlich nicht gekommen, wenn nicht die Mehrheitsmeinung der modernen Wissenschaft mich dazu gebracht hätte, die Texte und Sekundärtexte unter dieser Fragestellung nochmal und nochmal zu lesen – von daher kann in solchen Anfragen also auch ein positiver Stimulus liegen, der zu Wiederentdeckungen führen kann, die in der bisherigen Theologie oder Bibelwissenschaft ausgeblieben sind, weil sie durch andere Fragen fokussiert war.

    Das eigentliche Problem aus biblisch-theologischer Perspektive ist jedenfalls weniger die Altersfrage als -wie schon von Theo angedeutet – die Heilsgeschichte und das damit untrennbar verbundene Gottesbild: Ist ein Schöpfer und Erhalter im Sinne eines Makro-Evolutionslenkers mit dem biblischen Gott kompatibel?

  12. Wenn die Altersangaben als Würdetitel zu verstehen sind, würde dies nicht die gesamten Altersangaben im Pentateuch relativieren?
    Die hohen Altersangaben, könnte auch durch eine Veränderung der Umwelt, nach der Sintflut erklärt werden.

    Dennoch ist die Hauptproblematik der ganzen Diskussion, m.E. nicht die Frage der Altersangaben im allgemeinen (welche auch in der Naturwissenschaft nicht überzeugend belegt werden kann), sondern, dass die Gefahr des Abrücken von biblischen Aussagen, welche wichtige dogmatische Aussagen beinhalten, nicht aufgrund von innerbiblischen Argumenten, sondern von (auf anderen Vorentscheidungen basierenden) Denkmodelle. Somit ist die Diskussion eine Frage der Vorentscheidungen.

  13. @Markus

    Dazu, nichts in die Bibel hineinzulesen, dh das zu erheben, was tatsächlich dasteht, gehört aber auch, Adam als Eigenname da stehen zu lassen, wo er so gemeint ist. Das gilt schon für das AT – auch in einem deutschen Text würdest du dich dagegen wehren, für ein hinsichtlich des Sprachsystems mehrdeutiges Wort in einem konkreten Kontext eine andere als die kontextgemäße oder gar alle Bedeutungen einzusetzen – und noch vielmehr für das NT oder hier konkret Paulus, der eben tatsächlich die Person Adam meinte. Defakto machst du hier genau das, wovor du warnst, es zu tun.

    Die Frage ist: Wie hat zb Paulus es in dieser STelle gemeint. Wenn das erhoben ist, kann man sich zu dieser Aussage positionieren – entweder sich ihr utnerstellen oder an ihr Sachkritik üben – aber man sollte sie sich nicht zurechtbiegen, wie es häufig geschieht.

    Im übrigen geht es weniger um die Historizität als um die theologische Signifikanz von etwas und die Frage, ob eine Fiktion theologische Signifikanz haben kann. Was ist Sünde, was ist SÜndenfall bei einer allmählichen Entwicklung, woraus errettet dann Gott, und wozu errettet Gott, dh welche Substanz hat dann „Wiederherstellung“? Wenn die Menschen schon immer SÜnder – oder Sklaven – waren, wenn das zu ihrem Wesen gehört, dann wäre das Heil, die Heilung – oder die Befreiung – eine Utopie, weil sie keine geschichtliche Referenz hat. Wenn es keine geschichtlich substantierte Alternative gab, dann ist die Rede von SÜnde – oder Beziehungsbruch – sinnlos, denn um etwas zu brechen muss es erstmal da gewesen sein. Man kann jetzt natürlich sagen, dann schafft Gott eben etwas ganz neues. Aber für mich hörte sich das eher an wie einer der in der Moderne beliebten Versuche, sich von der Geschichte zu emanzipieren und ahistorisch einen neuen Menschen zu schaffen, die alle bisher gescheitert sind.

  14. @Johannes

    Das mit den Würdetiteln ist – um es nochmal klarzustellen – weniger als eine Theorie, es ist ein GEdanke, eine Arbeitshypothese, die einer späteren substantiierung oder falsifikation harrt. Es ist nichts, wovon ich sage oder so verstanden werden möchte, dass es so ist oder eine begründete Vermutung wäre.

    Es ginge dabei aber nicht um eine Relativierung von irgendetwas, sondern um die Frage, ob diese Angaben damals ein Stilmittel des übertragenen Sprachgebrauchs waren. Wenn das so wäre, dann müsste man diese Angaben allerdings „übertragen“, dh nicht als Lebenszeitangabe, verstehen, um sie „wörtlich“ zu verstehen, dh so wie sie gemeint waren.
    Ein möglicher Hinweis im Bibeltext selbst scheint mir Gen 6,3 zu sein, denn ich finde es vom Kontext 1-4 her viel natürlicher, diese Aussage auf die gesamte Zeit seit dem SÜndenfall zu beziehen, als auf eine Zeit nach einem zukünftigen Ereignis (Sinflut), das noch gar nicht thematisiert worden ist. Dann aber scheint GEn 6,3 in großer SPannung zu den sonstigen Altersangeben zu stehen, was man literarisch kaum erklären kann, wenn man keine aberwitzigen und ahistorischen literarkritischen Spekulationen annehmen will. Denn ein Autor oder Redakteur oder sonst etwas, was nicht einer stupiden copy-paste Machanik folgt, würde soetwas nicht machen. Also muss die Spannung eine scheinbare, aus unseren literarischen oder sonstigen KOnventionen erwachsende, sein und die Frage ist, worin sich die KOnventionen des Autors unterschieden.

  15. @Jörg: Viele Dinge die du aus meinem Statement heraus liest, meinte ich nicht.

    Zum Thema adam: Der Gebrauch des Wortes ist eben nicht zuerst „Eigenname“, das wird das Wort dann – abgeleitet von der allgemeinen Bedeutung. Wenn du im hebräischen statt Adam immer Paul liest, wird der Text sinnlos. Es geht doch auch weniger darum, ob es nun genau „Adam von Eden, Am Apfelbaum 4“ war, der gesündigt hat, sondern darum, DASS er gesündigt hat und welche FOLGEN das für alle „Adame“ nach ihm hatte. Auch Paulus spricht über die Folgen die diese eine Tat für ALLE hatte, ebenso, welche FOLGEN die Tat Jesu hatte. Das unser Glaube ohne den historischen Jesus auf wackligen Füssen stehen würde, ist natürlich klar. Ebenso aber auch, dass ohne einen auferstandener wirkmächtigen Jesus wohl geendet wäre, wie so viele „Eigengründungen“.

    Es geht mir also nicht darum, dass es KEINE geschichtliche bzw. historische Referenz geben würde. Sondern eben darum: das es eine historische REFERENZ gibt. Es gibt aber in der Bibel keinen Adam mit Geburtsdatum, Adresse und Sozialversicherungsnummer. Vielleicht sollten wir an der Stelle etwas johanninisch werden, der das hinzufügen nicht weniger schlimm findet, als das weglassen. 😉

    Ansonsten würde ich meinen, dass sich deine Argumentation auch schnell ins Gegenteil verkehren lässt: ohne echten Sündenfall, ist auch Erlsöung nicht echt. Ein scharfzüngiger Gesprächspartner könnte jetzt fragen, ob die Welt (oder auch nur ein Stück oder ein Mensch dieser Welt) seit Jesus im faktischem Sinne sündenfrei sei? 😉 Wenn man jetzt bei Adam quasi rein faktisch (und nicht auch theologisch) argumentiert, müsste man das ja nun auch tun. Das dürfte schwer werden. 😉

  16. @Markus
    Es gibt keinen abstrakten Gebrauch von Wörtern sondern nur den Gebrauch in konkreten Kontexten, und in einem konkreten Kontext, einer konkreten Stelle, kodiert ein Wort gewöhnlich 1 Bedeutung und nicht mehrere – es sei denn, es liegt ein Stilmittel der Ambiguität vor, was dann aber explizit markiert sein müsste und zu begründen wäre. Soll heißen: wo ‚dm im Hebräischen steht, bedeutet es gewöhnlich ENTWEDER „Mensch“ ODER es ist ein Eigenname. So funktioniert Sprache – und nicht als Gebrauchtwarenladen, aus dem man sich je nach Lust und Laune mal die eine, mal die andere oder sogar mehrere Bedeutungen für eine Wortform in einem Text aussuchen könnte. Und abgesehen davon hat Paulus nicht anthropos sondern Adam geschrieben – dh er bezog sich auf GEn 2-3 als Bericht über eine Einzelperson, nicht ein Bild für die gesamte Menschheit. Es gilt zuerst die Aussage des Textes zu erheben, wie man sich dann dazu verhält, ist davon zu unterscheiden. Paulus behandelt „Adam“ als die aus Gen 2-3 bekannte, als historische Person, als den ersten Menschen, der die erste Sünde beging, und infolge dessen trat der Tod auf. Dazu passt die Evolutionstheorie nicht. Nun kann man sagen, da hat Paulus sich eben geirrt, war Kind seiner Zeit und Kultur – aber mit welchem Grund kann man dann sagen, dass er – und die anderen Schreiber des NT – nicht auch bei den „heilsrelevanten“ Aussagen, bei der Interpretation von Jesu Tod und Auferstehung etwa, geirrt hat?

    Wie könnte man denn das „dass“ vom „wer“ trennen, wer ist das sprachliche SUbjekt deiner versuchten Differenzierung? Deine Aussage impliziert, dass es einen ersten Sünder gab – wo ist dann dein Problem oder Punkt? Ob man den jetzt Paul oder Adam nennt, ist doch irrelevant, und in jedem Fall verträgt es sich nicht mit Evolution – denn was wäre dann Sünde? Was ist mit den Vorläufern dieses Adams und ihren anderen Nachkommen? Du müsstest schlussfolgern, dass Sünde das Konstitutivum des Menschseins ist, dass Sünde das ist, was den Menschen von seinen evolutiven Vorläufern unterscheidet – was wäre dann Rettung bzw. Wiederherstellung?

    Ohne Sündenfall gibt es nichts, wovon erlöst werden könnte – denn Sünde gibt es nicht – und nichts, wohin erlöst werden könnte – das „Paradies“ bzw. ein analoger Zustand.

    Der scharfzüngige Gesprächspartner baut eine Strohmannargumentation auf, denn woraus ist die Annahme von Sündenfreiheit gerechtfertigt? Wie folgt aus dem behaupteten Erlösungshandeln Jesu die Sündenfreiheit der Welt? Man kann die Erlösungsvorstellung der Bibel nicht sachgerecht behandeln, wenn man die Eschatologie der Bibel ausblendet mit ihrem schon-noch nicht. Aber wahrscheinlich verstehe ich dich nciht richtig. Was wäre denn in deiner Argumentation, wenn ich antworte: Nein die Welt ist nicht sündenfrei. Wie würde der Strohmann weiterargumentieren?

    Ein anderer Strohmann ist „rein faktisch (und nicht auch theologisch)“. Ein Theologieanspruch muss sich aber an der Offenbarung Gottes messen lassen, die im diesem Fall die faktizität voraussetzt.

  17. @Schandor

    Mit solchen subtilen Unterstellungen sollten wir nicht arbeiten. Es ist meiner Meinung nach nicht angebracht, dass Befürworter der Evolutionstheorie (ET) alle Anfragen aus dem Kreationismus- und Intelligent Design-Bereich mit der Fundamentalismus-Keule abwehren. Genauso unangebracht ist es aber, wenn aus bibeltreuen Kreisen ständig der Vorwurf der Weltangepasstheit und der intellektuellen Prostitution kommt. Ja, es gibt im Kreationistischen und im ID-Lager tatsächlich einige Fundamentalisten (im negativen Sinn), und ja, es gibt im Bereich der christlichen ET-Befürworter solche, die sich um biblische und systematische Orthodoxie nicht scheren und um jeden Preis als ‚„aufgeklärt“, „weltmännisch” und “akademisch auf der Höhe ihrer Zeit”‘ gelten wollen. Aber um einer sachlichen Diskussion willen sollten sich die Christen auf beiden Seiten (!) sich so etwas nicht von Anfang an vorwerfen. Ich persönlich kenne viele Christen, die mit der ET keine Probleme haben, die aber keinesfalls als angepasst oder weltlich bezeichnet werden können, da sie in anderen Fragen konträr zum gesellschaftlichen oder theologischen Mainstream stehen, und zwar ohne sich dabei um ihren guten Ruf zu scheren.

    @Theo

    Der historische Adam muss nicht notwendig geleugnet werden. Denis Alexander vertritt ja durchaus auch die Auffassung, dass es sich bei den Stammeltern um (historisch existiert habende) neolithische Farmer gehandelt haben könnte. Auch Papst Pius XII., der der ET gegenüber durchaus offen war, schreibt in seiner Enzyklika »Humani generis«: „Wenn es sich aber um eine andere Hypothese handelt, den so genannten Polygenismus, lässt die Kirche nicht die gleiche Freiheit. Darum können Gläubige sich nicht der Meinung anschließen, nach der es entweder nach Adam hier auf Erden wirkliche Menschen gegeben habe, die nicht von ihm, als dem Stammvater aller auf natürliche Weise abstammen, oder dass Adam eine Menge von Stammvätern bezeichne, weil auf keine Weise klar wird, wie diese Ansicht in Übereinstimmung gebracht werden kann mit dem, was die Quellen der Offenbarung und die Akten des kirchlichen Lehramts über die Erbsünde sagen; diese geht hervor aus der wirklich begangenen Sünde Adams, die durch die Geburt auf alle überging und jedem einzelnen zu eigen ist.“ Ich persönlich tendiere allerdings eher zu der Sicht John Polkinghornes (http://www.youtube.com/watch?v=S4-tU4yZ_0Q).

    Was die Verbindung von Tod und Sündenfall anbelangt, so würde ich mich Medard Kehl anschließen wollen, der in seinem Buch »Und Gott sah, dass es gut war – Eine Theologie der Schöpfung« schreibt: „Wenn in Gen 2,17b der Tod als Folge der Sünde angedroht, wenn dies von Paulus in Röm 5,12-21 in seiner Rechtfertigungslehre aufgegriffen und auch von der Kirche mehrfach lehramtlich bestätigt wurde, so werden heute diese Aussagen nicht auf das rein biologische Sterben des Menschen bezogen; denn auch ohne den Sündenfall Adams würden die Menschen nicht endlos auf dieser Erde weiterleben. Der biblisch-kirchliche Schöpfungsglaube behauptet eben nicht irgendwelche außergewöhnlichen prähistorischen Phänomene (wie biologische Unsterblichkeit), die durch die Sünde verändert worden wären: ‚Nicht die natürliche Welt war [im Paradies] eine andere, sondern das Weltverhältnis des Menschen war ein anderes, nämlich ein von der Gnade erleuchtetes.‘ Daher kann man theologisch berechtigt der Überzeugung sein, dass nicht der biologische Tod generell als Ende des irdischen Lebensbogens eine Folge der Sünde sei, wohl aber eine bestimmte Gestalt des Todes; diese droht Gott dem Menschen, der – unversöhnt mit seiner Endlichkeit und Begrenztheit – das für ihn gute Gebot des Schöpfers übertritt, im Sinne einer Todesstrafe an (Gen 2,17).“

    Was die Adam/Christus-Analogie anbelangt, so würde ich Markus (s.o.) zustimmen: Die Historizität Jesu hängt in keinster Weise von der Historizität Adams ab. Die biblischen Texte, die die beiden bezeugen, sind in Natur und Genre zu verschieden. Wenn ich einen Text, in dem eine sprechende Schlange, ein Baum der Erkenntnis und ein Baum des Lebens vorkommen, allegorisch-sinnbildlich verstehe, folgt daraus ja nicht, dass ich z.B. die Dokumente des Historiker-Arztes Lukas automatisch auch so lese.

    @Jörg

    Ich habe jetzt leider nicht mehr die Zeit, ausführlich auf deine Anfrage einzugehen (später evtl. mehr). Die Liturgie-Hypothese kommt, meine ich, u.a. in John H. Waltons Buch »The Lost World of Genesis One: Ancient Cosmology and the Origins Debate« zur Sprache und wird, mehr oder weniger, auch von N.T. Wright vertreten.

    Was die Geschlechtsregister angeht, so wird die Theorie, dass sie gerafft und gewissermaßen bewusst unvollständig sind, ja auch von Gegnern der ET vertreten. U.a. räumen ja auch die ID-Vertreter Vern Poythress und C. John Collins in ihren Büchern »Redeeming Science: A God-Centered Approach« und »Science & Faith: Friends or Foes?« die Möglichkeit eines alten Universums bzw. einer alten Erde ein.

    Beste Grüße an alle – egal auf welcher Seite des „Zaunes“ sie runterkommen!

  18. @Jörg: „Es gibt keinen abstrakten Gebrauch von Wörtern sondern nur den Gebrauch in konkreten Kontexten, und in einem konkreten Kontext, einer konkreten Stelle, kodiert ein Wort gewöhnlich 1 Bedeutung und nicht mehrere …. So funktioniert Sprache…“

    Das ist nicht ernst gemeint, oder? Welches (Parallel-)Universum ist den derart eineindeutig? Gute Literatur und gute Tageszeitungen beweisen doch täglich das Gegenteil. Schlechte erst recht.

    Und dazu muss man nicht einmal Schulz von Thun im „Seid nett zu einander“-Grundkurs gelesen haben.

  19. @Jörg: Ich sprach nicht davon, dass die Welt nicht sündenfrei sei bzw. ohne konkreten Sündenfall. Ich bin aber der Meinung, dass die Diskussion eine fruchtlose ist. Ob nun der Sündenfall ein eineindeutiger terminierbarer Fakt ist oder eine eher abstrakte Lektion ist im Bezug auf die Evolutionstheorie doch nicht wirklich von Bedeutung. Flapsig formuliert: Spielt spielt es eine Rolle ob es in einem Garten einen Adam gegeben hat der eine Frucht gegessen hat oder ob auf den Bahamas ein Dierk Kirschen aß? Das ist doch im Bezug auf die Evolutionstheorie völlig egal?

    Tatsächlich problematisch finde ich die sich widersprechenden Grundlektionen: in der Bibel beendet die Sünde das Leben, sie bringt Tod hervor, Verfall, Zerbruch. In der Evolutionstheorie geht der Tod dem Menschen vorraus. Ohne Tod, Zerfall, Neid, Sieg des Stärkeren etc. gibt es keinen Menschen. Er ist ein Produkt der Macht und des Beziehungs-Todes und steht dem biblischen Menschen, als Produkt der Liebe und der Beziehungssehnsucht konträt gegenüber.

    Dieser ethisch-theologische Punkt wiegt doch viel schwerer?

  20. Reinhard meint:

    @Tim-Christian:

    Es freut mich, dass Du den Text mit Gewinn gelesen hast.

    Die Argumentation in meinem Text hängt wenig von der schwierigen Bestimmung der Textgattung von Genesis 1 ab.

    Ich stimme zu, dass manche evolutionstheoretische Hypothesen „einiges an Fakten für sich“ haben, erst recht die hohen Alter. Das räumt W+W unumwunden ein (schon oft). Wie die biblischen Texte zu verstehen sind, sollte aber erst mal unabhängig davon ermittelt werden. Natürlich darf man angesichts plausibel erscheinender Evolutionstheorien zurückfragen, ob die Texte richtig verstanden wurden, aber naturwissenschaftliche Theorien sollen nach meinem Dafürhalten nicht zu einem Auslegungsschlüssel werden. Ob Thomas von Aquin das hätte gelten lassen?

    Der Hinweis auf die „wissenschaftlichen Crème de la Crème“ tut eigentlich nichts zur Sache, es zählen immer nur die Argumente, wenn es um die Sache geht.

    @ernst:

    Zu Deiner Frage: „Heißt denn: ‚die Dinge direkt geschaffen‘, dass das innerhalb von 7 x 24 Stunden geschehen sei?“ – M. E. nein, das ist für die Argumentation in meinem Artikel auch nicht relevant.

    Nochmals @Tim-Christian:

    zur Argumentation von Medard Kehl habe ich einiges ausgeführt, vor allem in Abschnitt 3.5, auch in 2.5-2.7. Mich würde interessieren, wie Kehl begründet, dass nur „eine bestimmte Gestalt des Todes“ Folge der Sünde sei. Ich habe diese Auffassung verschiedentlich gehört, aber ihre Begründung ist mir unklar.

    @markus:

    Du fragst: „Hängt Historizität des Jesus von Nazareth von der Historizität eines ‚Adam von Eden‘ ab?“ – Nein, das nicht, aber das ist nicht der Punkt in Röm 5,12ff (und 1. Kor 15), sondern der heilsgeschichtliche Zusammenhang zwischen Adam und Jesus (wie im Text beschrieben). Man muss hier der Frage nachgehen: Wenn Adam nicht historisch gemeint ist bzw. es ihn nicht als ersten Menschen gab; was war dann die Geschichte der Menschheit? Wird diese Frage dann mit Evolution aus dem Tierreich beantwortet, fangen die Fragen und Probleme erst richtig an (die hier von den Diskutanten teilweise angesprochen wurden).

    Weiter: „Die allgemeine Unfähigkeit des Menschen ohne multiplen Beziehungsbruch (mit Gott, Mit-Mensch, Schöpfung, sich selbst) sein Leben zu gestalten ist auch ohne historischen Adam offensichtlich.“ Ja. Aber warum gibt es diesen Bruch? Wieder ist das Problem, dass diese Unfähigkeit in einer durch Evolution sich vollziehenden Schöpfung schöpfungsgemäß ist mit allen Folgen, die andere Diskutanten hier angesprochen haben.

  21. @Reinhard

    Zunächst: Danke für die direkte Beteiligung im Kommentarbereich!

    Zum Autoritätsargument: Natürlich ist es richtig, dass am Ende nur die Argumente zählen. Nun bin ich aber kein Naturwissenschaftler und somit gewissermaßen auf Vermittlung angewiesen. Ich kann mich zwar im Sinne eines Studium generale mit der Materie auseinandersetzen, habe aber weder die Möglichkeit, sämtliche Fachliteratur zu lesen, noch stehe ich selbst im Labor oder gehe auf Fossilien-Jagd.

    Vor diesem Hintergrund ist es mir dann zugegebenermaßen schon wichtig, zu sehen, dass die (Makro-)Evolutionstheorie von nahezu allen Naturwissenschaftlern an den Fakultäten großer Universitäten weltweit gelehrt und für erwiesen erachtet wird. Nun könnte es natürlich sein, dass es sich bei diesen Wissenschaftlern sämtlich um Neue Atheisten a la Dawkins oder Kutschera handelt, die mir meinen Gottes- und Schöpfungsglauben kaputt machen wollen – ist aber eher unwahrscheinlich. Wenn dann noch hinzukommt, dass eine große Anzahl christlicher Naturwissenschaftler und naturwissenschaftlich-gebildeter Theologen (auch im persönlichen Umfeld) mir versichern, dass es sich tatsächlich so verhält, dann bin ich zumindest geneigt ihnen diesbezüglich zu glauben. (Damit möchte ich wohlgemerkt nicht sagen, dass die Arbeit von W+W oder dem Discovery Institute überflüssig ist. Sicher können von dort Korrekturen, Impulse und Anfragen für und an die arrivierte Wissenschaft kommen.)

    Was Medard Kehl anbelangt, so argumentiert er u.a. innertextlich mit Gen 2,7 (und 3,19), dass auch der Mensch nicht ex nihilo als unsterbliches Geistwesen geschaffen ist, sondern eben von der Erde genommen ist, was eine potenzielle Vergänglichkeit impliziert.

    Ich würde noch folgendes hinzufügen wollen: Adam wird der unmittelbare (!) Tod verheißen, wenn er von der Frucht des Baumes isst (vgl. Gen 2,16). Er isst und stirbt nicht sofort – jedenfalls nicht physisch. Jesus ist die Auferstehung und das Leben (vgl. Joh 11,25); wer an ihn glaubt, stirbt nicht (vgl. Joh 11,26); wer ihn hat, hat das Leben (vgl. 1 Joh 5,12). Dennoch ist es möglich in Christus zu entschlafen, also physisch zu sterben (vgl. 1 Kor 15,18; 1 Thess 4,14). Ist es also möglich, biblisch begründet zu behaupten, dass durch die Sünde des Einen der geistliche Tod geherrscht hat, dass nun aber „die, welche die Fülle der Gnade und der Gabe der Gerechtigkeit empfangen, herrschen im Leben (!) durch den Einen, Jesus Christus“ (Röm 5,17b), dass wir, die wir in Adam geistlich tot sind, in Christus schon jetzt geistlich lebendig gemacht werden durch den Glauben? Es heißt ja: „Mit ihm [Christus] seid ihr begraben worden durch die Taufe; mit ihm seid (!) ihr auch auferstanden durch den Glauben aus der Kraft Gottes, der ihn auferweckt hat von den Toten“ (Kol 2,12). Und: „Gott, der reich ist an Barmherzigkeit, hat (!) in seiner großen Liebe, mit der er uns geliebt hat, auch uns, die wir tot waren in den Sünden, mit Christus lebendig gemacht“ (Eph 2,4). All dies natürlich immer unter der Voraussetzung, dass die geistliche Lebendigmachung der Vielen in Christus bei seiner Wiederkunft in der Auferstehung der Leiber gipfeln wird, wobei Christus als der Auferstandene der Erstgeborene von den Toten ist (vgl. Kol 1,18b). Diese Sicht würde auch der Tatsache Rechnung tragen, dass der Auferstehungsleib nach neutestamentlichem Verständnis etwas qualitativ Neues ist und eben nicht bloß die Wiederbelebung eines gestorbenen Körpers oder die Wiederherstellung eines paradiesischen Urzustandes der biologischen Unsterblichkeit: „So auch die Auferstehung der Toten. Es wird gesät verweslich und wird auferstehen unverweslich. Es wird gesät in Niedrigkeit und wird auferstehen in Herrlichkeit. Es wird gesät in Armseligkeit und wird auferstehen in Kraft“ (1 Kor 15,42f.).

    (Dass der Tod in Adam ein ganzheitlicher Tod ist, widerspricht dem an sich nicht – schließlich sind wir, die wir gewissermaßen vom Geschlechte Adams sind, dieser Sicht zufolge biologisch sterblich konzipjert. Der geistliche Tod kommt aber durch den Sündenfall hinzu.)

    LG

  22. Alexander meint:

    Bei der Gospel Coalition kommt es anscheinend demnächst in der Frage zum großen Showdown mit Mohler und Keller. Ein (meines Erachtens) kluger Kommentar von Carl Trueman dazu: http://www.reformation21.org/blog/2013/01/adam-and-evolution-less-import.php

  23. Reinhard meint:

    Nach einigen Tagen möchte ich mich doch noch einmal zu Wort melden.
    Zunächst möchte ich darauf hinweisen, dass ich in meinem Artikel mehrere Begründungen genannt habe, weshalb in Röm 5,12ff. und 1. Kor 15 die Gleichsetzung von Tod und geistlichem Tod nicht stimmig ist. Wenn ich nichts übersehen habe, gabs hier auf diese Argumente keine Einwände, sondern es wurden andere Aspekte ins Spiel gebracht, die jene Argumente aber m. E. nicht entkräften. So ist es schon richtig, dass im NT mit „Tod“ oft „geistlicher Tod“ gemeint ist. Das geht jeweils aus dem Kontext hervor; und im Kontext von Röm 5 passt es wie in meinem Artikel begründet nicht.

    Schauen wir die Sache von der Ausgangs-Fragestellung her an. Kann die Evolutionsanschauung mit den biblischen Aussagen über den Menschen als Geschöpf und Sünder und über Jesus Christus als Retter harmonisiert werden? (Egal, was dann die Alternative sein mag!)
    Die Problematik ist aus meiner Sicht die Folgende: Wenn Evolution, dann gabs den physischen Tod vor Adam, aber auch die Sünde, da Evolution eine Ableitung jeglichen Verhaltens aus dem Tierreich zwingend einschließt (Sünde ist zwar nicht mit entsprechendem Verhalten gleichsetzen, aber beides gehört dennoch zusammen, da das sündige Verhalten Ausdruck der Sünde als Getrenntsein von Gott ist). Dann aber ist unklar, worin die Übertretung des Gebots bestehen soll.
    Weiter: Was soll die Ankündigung des Todes bei Übertretung in diesem Fall bedeuten? Den physischen Tod gab es im evolutionären Rahmen ja schon (s. o.), der könnte nicht gemeint sein; die Warnung wäre sinnlos und der physische Tod tritt ja auch nicht sofort ein. Aber auch der geistliche Tod als Konsequenz des Ungehorsams passt im Evolutionsrahmen nicht. Denn wie soll man sich im evolutionären Szenario vorstellen, dass der Mensch ursprünglich einmal nicht geistlich tot war, dann aber (nur) geistlich starb? Und was soll „ursprünglich“ in diesem Szenario überhaupt bedeuten?
    Ich sehe durchaus gewisse Spannungen in den ersten drei Kapiteln der Bibel, aber mit Evolution passt das aus diesen kurz zusammengefassten Gründen gar nicht zusammen, was immer die Alternative ist. (Die Probleme einer Kurzzeitschöpfung sind mir sehr wohl bewusst und sie sind viel größer als mir lieb ist.)

    Ziemlich schlüssig finde ich: Der erste Mensch war zwar nicht unsterblich (soweit einverstanden mit der Begründung von Medard Kehl und anderen), er musste aber in der Gegenwart Gottes nicht sterben (so wie wir heute sterben müssen); ohne die Gegenwart Gottes trat dann der Tod zwangsläufig ein, sofort die Trennung vom Schöpfer und letztendlich als Konsequenz auch physisch. Das ist zeitlich getrennt (was die Chance der Umkehr ermöglicht; daher auch die Verhinderung des Zugang zum Baum des Lebens), aber nicht in der Sache. Das war jetzt sehr kurz, aber auch dazu habe ich Weiteres in meinem Artikel geschrieben.

  24. Lieber Markus,

    im Universum der empirisch beobachtbaren menschlichen Sprachen, zu dem – wenn du darauf achtest – auch deine Texte gehören, während sich deine Sprachreflexion durch das Wurmloch statistischer Randphänomene in ein Paralleluniversum verabschiedet hat. Als Sprachwissenschaftler weiß man nie, was man schütteln soll – sich oder sein Haupt – , wenn – mit Vorliebe – Theologen und theologisch Interessierte Sonderhermeneutiken meinen einführen zu müssen, dabei aber deren Anwendung auf die eigenen Sprachzeugnisse zu vergessen scheinen. Denn natürlich – und zurecht – gehst du davon aus, dass ich das, was du kommunizieren willst, durch die Form, in der du es kommunizierst, so verstehen kann, will und werde, wie du es verstanden haben willst. Das lehrt dich deine Erfahrung und bei einer anderen Erfahrung würdest du nicht mehr (so) kommunizieren.

    Natürlich ist es richtig und wichtig, nach den Gründen für Missverständnisse zu fragen – warum Du z.B. „gewöhnlich“ überlesen hast, und wie du auf die Charakterisierung als eineindeutig kommst (wenn dann wäre surjektiv richtiger, aber diese mathematische und von daher nicht für natürliche Sprachen entwickelte Begrifflichkeit diente wahrscheinlich weniger der Versachlichung, als der polemischen Zuspitzung).

    Aber die Tatsache, dass Missverständnisse auftreten können, kann nicht dahingehend verallgemeinert werden, dass Verstehen nicht möglich oder Missverständnis (oder Multi-verständnis) beabsichtigt oder auch nur der Normalfall wäre. Wären Missverständnisse mit deren Ursachen (wie z.B. nicht hinreichend aufgelöste Mehrdeutigkeit) der Normalfall oder auch nur statistisch signifikant, würden wir nicht (mehr so) sprachlich kommunizieren. Im Gegenteil ist es aber übereinzelsprachlich so – es gibt bislang keine Gegenbeispiele – dass die wesensmäßige Mehrdeutigkeit von sprachlichen Mitteln auf allen Ebenen im Sprachsystem (Abstraktion als Voraussetzung für Effizienz) bei der Sprachverwendung aufgelöst wird. Deshalb teilen alle Sprachgemeinschaften gewisse Annahmen und Inferenzstrategien zur Ermittlung des richtigen Verständnisses. Die grundlegendeste dieser Annahmen, die jeder von uns unbewusst bei jeder sprachlichen Partizipation macht, ist die, dass der Sprachproduzent seine Äußerung so kodiert (impliziert: kodieren kann), dass der Empfänger die Bedeutung und den Referenten jeder Konstituente im Kontext identifizieren kann. Falls dich das Ganze interessiert, kannst du es ausführlich nachlesen in Adrian Akmajian / Richard A. Demers u.a., Linguistics: An Introduction to Language and Communication, [1979], 6. Aufl.London: MIT, 2010, S. 373-388. Ich muss mich also wiederholen: Wenn kein klar markierter Sonderfall wie ein Stilmittel vorliegt, meint und referiert ein Wort an der konkreten Stelle im konkreten Kontext eindeutig, wozu gehört, dass aus dem typischerweise breiteren Bedeutungsspektrum des Wortes 1 Bedeutung vorliegt – entweder die prototypische, die Standardbedeutung, oder bei markierter kontextueller Unangemessenheit die kontextuell passende der anderen Bedeutungen. Es ist also unsachgemäß, mehrere Bedeutungen eines Wortes anzunehmen ohne triftige Gründe, die aus dem konkreten Text und seinen konkreten Kontexten anzuführen wären. Ein anderer Fall ist, wenn entweder der Text oder die sprachlichen, gedanklichen usw. Kontexte unvollständig sind, d.h. eine Disambiguierung aus epistemologischen Gründen nicht hinreichend möglich ist – aber auch das wäre zu begründen.

    Je unvollständiger bzw. verkürzter, spontaner und diskursiver, desto höher ist das Missverständnispotential von Äußerungen/Texten. Das ist die Substanz und der Hintergrund von von Thun. Er behandelt also klar umrissende Sonderfälle, die noch dazu nicht zur Semantik, sondern zur Pragmatik gehören, (zum Unterschied siehe obiges Buch) d.h. es geht nicht um den Inhalt, sondern um das, was durch die Äußerung bezweckt wird bzw werden soll. Mal abgesehen davon, dass von Thun nur eine Auswahl möglicher Textfunktionen miteinabzieht, gilt aber auch hier, dass Missverständnisse hinsichtlich der Textfunktion nicht dahingehend verallgemeinert werden dürfen, dass auch der Autor seinem Text mehr als eine Funktion verpassen wollte (auch bei umfangreichen und damit von von Thun nicht behandelten Texten, bei denen verschiedene Teile unterschiedliche Teile sich in der Funktion unterscheiden können, überwiegt gewöhnlich eine konkrete Funktion). Dagegen spricht schon allein die Tatsache, dass die Textfunktion nicht von der Lautgestalt des Textes getrennt werden kann, in der bestimmte Formulierungen usw. auf die konkret gemeinte Textfunktion hindeuten. Von von Thun kann man lernen, welche bevorzugte Quellen für Missverständnis es gibt, um durch entsprechende Redundanz der Markierungen des Intendierten gegenzusteuern. Die Behauptung aber, jede Nachricht hätte 4 Seiten/Funktionen/… ist Blödsinn – sie hat Potential zu 4 (und mehr) Seiten/Funktionen, das jedoch in der konkreten Situation auf 1 konkrete Funktion hin durch entsprechende grammatische und semantisch-kommunikative Mittel hin eingelöst und spezifiziert wird.

    Man kann ethisch-theologisches nun mal nicht von dogmatisch-theologischem trennen, da das, was ge- oder verboten ist, immer eine Reaktion auf die angenommene Verfasstheit der Wirklichkeit ist oder eine darauf bezogene Aktion. Darin stimme ich mit Schwöbels, „Doing Systematic Theology“ überein. Ich stimme dir also zu, dass das, was du ethisch-theologischer Punkt nennst, schwerer wiegt, aber eben aufgrund des Widerspruchs zum christlich-biblischen Wirklichkeitsverständnisses und nicht zu trennen von der Adam und Sündenfallfragestellung – nicht weil es für den Bezug zur Evolutionstheorie wichtig wäre, sondern weil es für die theologische Fragestellung wichtig ist. Abgesehen davon aber ging es mir auch gar nicht um Theologie, sondern um den sachgemäßen Umgang mit den biblischen Texten, den ich von einigen Beiträgen hier verletzt sehe. Dass meine Eingaben dazu sofort ins theologische Kreuzfeuer genommen wurden, könntest du als Indiz dafür werten, dass diese Texte – und damit die Topoi Adam und Sündenfall als ihre Inhalte – eben doch nicht egal oder untergeordnet sind bezügliches diese Themas.

    @Tim-Christian
    Danke für deine Ausführungen, aus denen ( + Reinhards) ich jetzt die Auslegung verstanden habe, dass der Mensch nicht an sich unsterblich geschaffen worden war – denn unsterblich ist nur Gott (1Ti 6,16). Also eine neue Perspektive gewonnen für die Auslegung von 1Mose und meinen theologischen Begriff vom Menschen.

    Allerdings erscheint es mir immer noch zweifelhaft, dass das der Text (die Textwelt) von 1Mose an sich schon hergibt, oder anders gesagt: der Text enthält keinen Hinweis, dass der Mensch auch ohne Sündenfall den körperlichen Tod erlitten hätte.
    1Mose 3,19 ist ein Fluchkontext – der entsprechend auch nicht ohne Berücksichtigung des Sündenfalls mit z.B. 1Mose 2 verbunden werden darf -, und das „Breittreten“ des Zurückkehrens zum (Staub des) Erdbodens – der bzgl der Schlange übrigens eine Metapher für Erniedrigung ist – passt besser zur Interpretation, das hier etwas Neues, eben ein Element des Fluches, beschrieben wird, als die Binsenweisheit „Du wirst für deinen Lebensunterhalt kämpfen müssen SOLANGE DU LEBST“. Wenn die Sterblichkeit vorauszusetzen wäre, dann wäre diese Temporalangabe nicht erklärungsbedürftig – sie wird aber ausführlich erklärt. Das Verständnis des körperlichen Todes als neu und als Fluch erhöht auch die Kohärenz von 1Mose 5 im Kontext, da die Häufung der Thematik des körperlichen Todes im anderen Fall lediglich eine Selbstverständlichkeit darstellen würde, während sie so eine literarische Veranschaulichung und Erfüllung von 1Mose 2,17 ist. Schließlich scheint 1Mose 6,3 das Sterblichwerden des Menschen nach dem Sündenfall zu verorten.
    Von potentieller Vergänglichkeit zu reden, war zwar für mich jetzt ein Augenöffner hinsichtlich einer gesamtbiblischtheologischen Einordnung, erscheint mir aber auch problematisch – denn genausogut könnte man auch von potentieller Sündhaftigkeit und von potentieller geistlicher Vergänglichkeit (d.h. bezüglich des geistlichen Todes) reden – denn es ist ja derselbe Mensch vor und nach dem Sündenfall geschildert. Wenn man aber nicht sagen will oder kann, dass der Mensch angesichts seines diesbezüglichen Potentials sowieso geistlich gestorben wäre, dann gilt dasselbe für den körperlichen Tod, oder? Der kategoriale Unterschied zwischen Potential und Verwirklichung muss also beachtet werden.

    Abschließend zu 1Mose 2,17: Die Temporalangabe wird zwar in vielen Übersetzungen unter Zuhilfenahme von „Tag“ übersetzt, das ist aber nicht korrekt: zwar steht das hebräische Wort für Tag auch im Urtext, aber als Teil einer temporalen Konjunktion (z.B. auch 2,4), in welcher es seine ursprüngliche Bedeutung verloren hat. Aber sie ist wohl tatsächlich temporal, denn konsekutive Bedeutung ist für sie wohl nicht belegt – auch wenn Eva dasselbe Verhältnis in 3,3 als konsekutives bezeichnet, was als kontextuelles Argument für eine abgeschwächte temporale Verwendung an dieser Stelle herangezogen werden könnte. Unabhängig davon aber muss bei „sterben“ ja nicht der Endpunkt, sondern kann auch der Prozess oder der verursachende Anfangspunkt im Blick sein – manche Gifte führen ja auch unwiederruflich, aber über einen längeren Zeitraum zum Tod.

    Der tautologische Infinitiv (DES TODES/STERBEND sterben) drückt wohl (yoo-ki kim, The function of the tautological infinitive in classical biblical Hebrew, Harvard Semitic Studies 60, Winona Lake: Eisenbrauns, 2009) die Verbindlichkeit Jahwes zur Faktizität der Proposition aus, d.h. soviel wie „Du wirst tatsächlich/garantiert sterben – obwohl es jenseits deiner Vorstellungskraft ist/dir fraglich erscheint/die Gegenargumente von Wissen und Erfahrung überwiegen). Interesant ist auch, dass die Schlange in 3,4 die Negation – entgegen der üblichen Gepflogenheit – vor den Infinitiv setzt, sodass möglicherweise wie Konnotation vorliegt wie „es ist überhaupt nicht sicher (= mich überzeugen eher die Gegenargumente), dass dieses Tun zum Tod führt“.

    Zu Röm 5: so wichtig eine gesamtbiblischtheologische Synthese ist, muss sie am Ende von Einzelexegesen stehen, bei denen die Aussagen von (vermeintlichen) Parallelstellen nicht vorausgesetzt oder hineingelesen werden dürfen. Die Thematisierung von geistlichem Tod an anderen Stellen ist an sich kein Argument für Röm 5. Nichteinmal wenn später in Römer klar von geistlichem Tod die Rede wäre, dürfte das nach vorne projiziert werden, denn erstens ist die Leserichtung zu beachten und zweitens ist die Standardbedeutung eben körperlicher Tod – d.h. falls und sobald eine andere Bedeutung (wie geistlicher Tod) vorläge, wäre dies klar markiert. Außerdem: wäre bei geistlichem Tod in Röm nicht mit Formulierungen wie in Eph 2 zu rechnen, d.h. „tot sein“? Es heißt aber, dass sie starben – d.h. erst leben, dann tot. Würdest du also sagen, dass auch nach „Adams“ geistlichem Tod jeder Mensch zunächst geistlich lebendig ist und dann irgendwann stirbt? Und was wäre „Adams“ Beitrag dann dazu?

  25. Reinhard meint:

    Hallo Jörg, danke für diese Gedanken; ich kann allem zustimmen und finde Deine Überlegungen hilfreich. Nur eine Sache ist mir nicht ganz klar bzw. vielleicht bin ich missverstanden worden, nämlich die Sache mit dem potentiell sterblich / sündig werden. Ich verstehe den Text so, dass Adam nicht hätte sterben müssen. Das war durch die Gegenwart Gottes (offenbar vermittelt durch den Baum des Lebens) garantiert. Deswegen stimme ich Deinem Satz zu: „der Text enthält keinen Hinweis, dass der Mensch auch ohne Sündenfall den körperlichen Tod erlitten hätte.“ Ganz parallel mit „potentieller Sündhaftigkeit“ sehe ich das nicht, denn eine vergleichbare Garantie wie beim Nicht-Sterben-Müssen gab es nicht.

  26. Lieber Reinhard,
    es waren nicht deine Ausführungen, die mich dazu brachten, potentielle Sündhaftigkeit als ein mögliches Argument in die Argumentation einzuführen.

    Ich hatte Kehl (und bzw. vermittel durch die entsprechenden Mitdiskutanten hier) so verstanden, dass die potentielle Sterblichkeit ein Argument für die Interperation von Sündenfall und „Tod“ in 1Mose 2ff im Sinne von geistlicher Tod ist, da schließlich der Mensch sowieso (körplich) gestorben wäre. Meine Anfrage an diese Argumentation war, ob sie nicht Potentialität und Faktualität unzulässig vermischt und deshalb – ihrer eigenen Logik folgend – ebenso die Sünde und den geistlichen Tod nicht auf den Sündenfall sondern auf das Wesen des Menschen (und damit unvermeidlich) zurückführen müsste – und sich somit letztlich auch selbst widerspricht.

    Es ging mir also nicht um die Vergleichbarkeit dieser Potentiale des Menschen an sich, sondern nur um die – wie mir scheint – Vergleichbarkeit hinsichtlich dieser Kehlschen Argumentation, sofern ich sie nicht verzerrt und unrichtig wahrgenommen habe.

  27. Mal als Frage an die Runde: Würdet ihr tatsächlich sagen, dass das Evangelium mit dem Glauben an einen historischen, direkt erschaffenen Adam steht und fällt (wie es beispielsweise dieser Blog-Beitrag nahelegt: http://www.desiringgod.org/blog/posts/why-the-good-news-turns-bad-without-adam)?

    Was, wenn jemand Adam für eine mythologische Figur hält (Polkinghorne) oder an einen historischen, aber durch Evolution entstandene Adam glaubt (Lennox, Alexander) und gleichzeitig z.B. mit dem New Hampshire Bekenntnis (1833) bekennt: “We believe that man was created in holiness, under the law of his Maker; but by voluntary transgression fell from that holy and happy state; in consequence of which all mankind are now sinners, not by constraint, but choice; being by nature utterly void of that holiness required by the law of God, positively inclined to evil; and therefore under just condemnation to eternal ruin, without defense or excuse.”

    Wenn so jemand dann noch in allen anderen Punkten biblisch-orthodox wäre, würdet ihr Gemeindezucht üben? Das soll keine Fangfrage sein, es interessiert mich wirklich. Schließlich heißt es ja auch im Theologischen Grundlagendokument von E21: „Der Tod ist kein göttliches Instrument zur Schaffung des Menschen, sondern Folge des Sündenfalls.“ Was, wenn man sich nicht durchringen kann, das zu glauben? Wären Leute wie John Lennox oder Alister MacGrath im E21-Leitungskreis willkommen?

  28. Hallo Tim-Christian,

    zunächst möchte ich eine oben gemachte Aussage von mir korrigieren: Nein, die Historizität von Jesus hängt natürlich nicht von der Historizität von Adam ab. Was ich eigentlich sagen wollte, ist dies: Lässt man den historischen Adam weg, hat man einen Stein aus dem Gebäude der biblischen Soteriologie herausgebrochen. Jesu Heilstat setzt notwendigerweise den Sündenfall voraus. Natürlich ist ein rechtmäßiger Glaube an das Evangelium zunächst einmal unabhängig von der Ursprungsvorstellung (solange sie theistisch ist). Für die Erkenntnis, dass Jesus für meine Sünden gestorben ist und ich aus Glauben gerechtfertigt bin, brauche ich keinen Adam. Allerdings gibt es in der Bibel den heilsgeschichtlichen Zusammenhang. Die theistische Evolutionslehre zerstört diesen.

    „Was, wenn man sich nicht durchringen kann, das zu glauben?“ Da du offenbar sehr von der Evolutionstheorie überzeugt bist, empfehle ich dir ein fachwissenschaftliches Buch, das es wirklich in sich hat:

    Michael Brandt: Wie alt ist die Menschheit? Demographie und Steinwerkzeuge mit überraschenden Befunden, Hänssler-Verlag.

    Der Autor evaluiert zu diesem Thema die gesamte Forschungsliteratur und kommt zu dem Schluss, dass die Menschheitsgeschichte nur einige Tausende Jahre gedauert haben muss. Das Buch ist leicht zu lesen, die Argumentation sehr gut nachvollziehbar. Die Evolutionstheorie steht vor gewaltigen (!) Problemen, denen sich viele Naturwissenschaftler entweder nicht bewusst sind, es nicht wahrhaben wollen, oder es ignorieren.

  29. Hi Theo,

    danke für den Tipp, aber mir ging’s diesmal mehr um die pastorale Frage: Wie sollen Deiner/Eurer Meinung nach bibeltreue Gemeinden, Bünde und/oder Netzwerke mit Leuten umgehen, die den Ansatz der theistischen Evolution für richtig halten?

    LG

  30. Hallo Tim-Christian,

    ich würde keine Gemeindezucht üben. Allerdings sollte meiner Meinung nach theistische Evolution nicht auf der Kanzel gelehrt werden. Ich wünsche mir, dass in der Lehre von einem historischen Adam und Sündenfall ausgegangen wird. In meiner Gemeinde gibt es in der Ursprungsfrage auch unterschiedliche Positionen. Was Bünde bzw. Netzwerke angeht, so würde ich ersteinmal jeden Vertreter einer theistischen Evolution willkommen heißen.

  31. Charles E. Miller, Jr. BA,MA meint:

    a@Junge Menschen
    ich bin nicht sicher, was ich von Gottes Schoepfung halte. Ich glaube, dass Jahweh alles geschaffen hat, aber wie er das tat, bin ich nicht sicher. Ich glaube dies: Gott hat das Universum oder Universen entweder durch die Evolutionstheorie oder seine direkte Schoepfung ohne Evolution. Beides ist moeglich. Haben Sie je von C.S. Lewis gehoert. Er unterstuetzte das Kozept der Theistischen Entwicklungstheorie. Wenn ich das Erste Buch Mose lese, sehe ich die Moeglichkeit von Evolution. Auf Hebraeisch bedeutet das Wort „Yom“ Tag auf Deutsch. Die Ewigkeit und die Zeit sind nicht dasselbe Dasein (2 Petrus 3: 8-9). Ich hoffe, Sie werden jene Schriften lesen. Spricht das Erste Buch Mose ueber menschliche Zeit, wenn es das Wort „Yom“ benutzt, oder meint der Autor des Buches „Yom“ in Bezug auf Gottes Zeit. Denken Sie daran! Wenn Sie meine Gedanken wiedersehen wollen, lassen Sie mich wissen. Alter Mann

  32. Charles E. Miller, Jr. BA,MA meint:

    @Theo

    lesen Sie oben meinen Kommentar, wenn das Sie interessiert. Ich bin Methodist, und man hoert beide Theorien in Bezug auf die Schoepfung. Jesus segne Sie.

Ihre Meinung ist uns wichtig

*