Töchter einer Revolution

Die aktuelle Geschlechtedebatte dreht sich vor allem darum, wie Frauen möglichst zackig in den Arbeitsmark integriert werden können. Von einem selbstbestimmten, freien Leben ist nicht die Rede. Antonia Baum, die 2011 ihren ersten Roman Vollkommen leblos, allenfalls tot bei Hoffmann und Campe publizierte, deckt auf, dass es nicht um das Wohl der Frau, sondern um ihre Arbeitskraft, geht.

Ich wünschte, mein Mann wäre so reich, dass ich nicht arbeiten müsste und zu Hause bleiben könnte, wo ich, in ganz langsamer Arbeit, Bücher schreiben würde, von denen ich nicht leben kann. Denn wie viel plausibler ist es, sich in die Abhängigkeit desjenigen Mannes zu begeben, den man liebt und dem man bis auf weiteres vertraut, als in die Abhängigkeit eines viel größeren Mannes, eines unendlich hungrigen Monster-Mann-Betriebes zu begeben, der subjektlos und also nicht zur Verantwortung zu ziehen ist und der bereit ist, mich, das heißt meine Arbeitskraft, bis zum letzten bisschen auszusaugen und zu verkaufen und in den zweiwöchigen Erholungsurlaub zu schicken, um mich dann: weiter auszusaugen.

Wie viel leichtsinniger, lebensgefährlicher, ja kopfverdrehter ist es, den eigenen Kopf an eine fremde Firma zu verkaufen, die ihn, über kurz oder lang, zu einem passenden Firmenwürfel deformiert, als einfach zu Hause zu bleiben. Es wäre so schön, würden die feministischen Schwestern und die über ihre Würfel-Förmigkeit erbitterten einem diesen Wunsch nicht zum Vorwurf machen. Zu Hause könnte ich (Akademikerin, gebärfähig, kinderlos) mir auch vorstellen, Kinder zu bekommen, die ich mit viel Liebe zu Akademikern erziehen würde. Denn wie viel leichtsinniger, lebensgefährlicher, ja kopfverdrehter wäre es, würde ich, wie es weithin für richtig gehalten wird, meinen Kopf an eine Firma verkaufen UND ein Kind bekommen? Das arme Kind! Von einer gestressten Würfel-Mutter und dem dazugehörigen Würfel-Vater unausgesetzt wegrationalisiert zu werden, möchte ich ihm nicht zumuten.

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Kommentare

  1. re: Toechter einer Revolution
    Endlich sagt das mal jemand so laut, dass es moeglichst viele andere hoeren und lesen koennen. Liebe Frauen, lasst Euch doch nicht laenger so fuer blöd verkaufen. Ich, typische 68erIn, bin diesem “in der Wirtschaft Karriere machen” Denken eigentlich nie aufgesessen. Dafuer habe ich nach Hippie-dasein und jahrelangem Reisen 6 Kinder auf einem Bio-Bauernhof großgezogen und hab 20 Jahre “nur daheim bei meinen Kindern” die beste Zeit meines Lebens verbracht. Auch habe ich meinen Kindern und anderen mitgegeben, dass es fuer eine Frau kaum was Erfuellerendes geben kann, wie ihre besten Jahre daheim bei den Kindern zu verbringen. Als die Juengste 10 Jahre alt war, bin ich als Selbständige teilzeitlich in meinen Beruf als Kunsttherapeutin zurückgekehrt. Seit ich pensioniert bin, studiere ich noch einmal und schreibe gerade an meinem Doktorat. Selbstbestimmtes Leben, Leben als Gesamtkunstwerk – Nur Mut! Es geht!

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