Über den „Unsozialismus“ beim SPIEGEL

Bettina Röhl gewährt in ihrem Artikel „Die Zwei-Klassen-Gesellschaft beim ‚Spiegel‘“ einen Blick hinter die Kulissen des einflussreichen Unternehmens und berücksichtigt dabei nicht nur die aktuellen Querelen.

Das ideell hoffnungslos überfrachtete sozialistisch-genossenschaftliche Modell von den Arbeitnehmern, die im Betrieb die Macht übernehmen, ist im „Spiegel“ exemplarisch gescheitert. Die internen Grabenkämpfe paralysierten die Mitarbeiter-KG regelmäßig.

Von Anfang an war es dem erlauchten Kreis der „Spiegel“-Redakteure, die sich ganz unsozialistisch für die eigentlichen Gewinnproduzenten hielten, ein Dorn im Auge, dass die „Putzfrauen“ neben ihrem üppigen Gehalt am Jahresende ebenfalls Kasse aufgrund auch ihrer Gewinnbeteiligung machten. Viel besser wäre es doch, gar kein eigenes Putzpersonal einzustellen und eine Reinigungsfirma zu engagieren.

Die Herrenreiter-Tendenzen in der Redaktion standen stets im krassen Widerspruch zu der weiterhin verfolgten Linie „Im Zweifel linksaußen“. Links schreiben, rechts leben ist kein unbekanntes Phänomen.

Tatsächlich wurden die Redakteure schnell zu saturierten Kapitalisten, die ihre Pfründe unter keinen Umständen und zu keinem Zeitpunkt mit irgendjemand wieder teilen wollten. Und da ist man schnell bei dem aktuellen Geschehen im Spiegel.

Eigentlich könnte die Mitarbeiter-KG selbstherrlich durchregieren. Doch dazu ist sie aufgrund innerer Befindlichkeit offenkundig nicht in der Lage, obwohl sie in einer sehr komfortablen Lage ist. Denn sie ist nicht nur Mehrheitsgesellschafterin, sondern führt auch das Tagesgeschäft. Stattdessen hält sie sich anlehnend an Gruner+Jahr fest und freut sich, wenn die entmachtete Erbengemeinschaft nach Rudolf Augstein mit ihrem 24-Prozent-Anteil noch da ist.

Außerdem hat das sozialistische Experiment einen Schönheitsfehler. Statt etwa neue Abteilungen für TV oder online im Zuge einer allgemeinen Expansion aufzumachen und die Mitarbeiter der neuen Dienstleistungen ganz selbstverständlich in den Kreis der Kommanditisten aufzunehmen, gründete der „Spiegel“, durchaus marktüblich, für Sonderaufgaben gesonderte Tochterfirmen – zum Beispiel Spiegel TV oder Spiegel online. Deren Mitarbeiter schaffen für das marktübliche Lohnniveau ihrer Branchen, sehen am Jahresende aber keinen Kapitalistenertrag auf ihrem Konto.

Hier mehr: wiwo.de.

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