Unendlicher Spaß: Infinite Jest

200907310753.jpg Vor einem Jahr nahm sich David Foster Wallace, einer der wichtigsten Vertreter der postmodernen Literatur, das Leben (vgl. hier). Sechs Jahre lang hat Ulrich Blumenbach an der Übersetzung von Wallaces »Opus magnum« mit 1646 Seiten gearbeitet. Es handelt sich um das bisher größte Übersetzungsprojekt des Kiepenheuer & Witsch Verlages.

1996 erschien Infinite Jest in den USA und machte David Foster Wallace über Nacht zum Superstar der Literaturszene. Nicht allein der schiere Umfang, sondern vor allem die sprachliche Kreativität, die ungeheure Themenvielfalt, die treffsichere Gesellschaftskritik, scharfe Analyse sowie der Humor machen den Roman zum Meilenstein der amerikanischen Literatur. Unendlicher Spaß: Infinite Jest ist nicht einfach zu lesen, aber Pflichtlektüre für Leute, die die Zeitgeistkultur (z.B. hybride Identitäten) besser verstehen wollen.

Das Buch, das ab dem 24. August ausgeliefert wird, kann schon jetzt bestellt werden.

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Kommentare

  1. Alexander meint:

    Einen 1648 Seiten starken Wälzer ganz nonchalant zur Pflichtlektüre zu erklären – na, Du machst mir Spaß! 😉

  2. Ein Mammutwerk eines begabten Selbstmörders als Pflichtlektüre zu proklamieren finde ich schon zweifelhaft. Wenn der ein oder andere Christ diese Zeit in Bibelstudium investieren würde, wäre ungleich mehr gewonnen..

  3. Hallo Peter,
    wieso ist das zweifelhaft? Sollte man dann neben der Bibel nichts mehr lesen? Das fände ich dann wieder zweifelhaft? Viele Grüße, Johannes

  4. Alexander meint:

    Erstens geht es Ron sicher nicht um ein entweder – oder! Man ist als Christ doch zu beidem verpflichtet: Lektüre von Bibel *und* außerbiblischer Literatur, sonst erstarren wir im frommen Ghetto. In Apg 17,28-31 finden sich auf engstem Raum Zitate aus oder Anspielungen auf mindestens drei verschiedene pagane Autoren!
    Zweitens finde ich es offen gestanden ärgerlich, jemanden allein deswegen zu diffamieren, weil er Suizid begangen hat. Das m.E. tiefgründigste deutschsprachige Kirchenlied des 20. Jh.s stammt von einem Selbstmörder: „Die Nacht ist vorgedrungen“, von Jochen Klepper. Ebenso ist sein Roman „Der Vater“ ein (leider zunehmend der Vergessenheit anheimfallendes) Literaturdenkmal des 20. Jh.s.

  5. Ich diffamiere keinen wegen seinem Suizid und es kann durchaus hilfreich sein säkulare Literatur zu lesen. Aber ich wage zu behaupten dass sehr, sehr viele (bibeltreue, bekennende und wiedergeborene) Christen die Bibel nicht gut genug kennen und viele diese sogar nicht mal ducrh gelesen haben. Da wäre es wirklich nicht sinnvoll einen soclehn Wälzer zu lesen.

  6. Johannes meint:

    Lieber Peter, mehr Bibelkenntnis würde uns sicher allen gut anstehen, aber ich glaube kaum, dass das Buch von Wallace (allein schon, weil es offenbar nicht leicht verständlich ist – und mich schreckt bereits der Umfang ab 😉 da der Bibel große Konkurrenz machen wird. Viele Grüße, Johannes

  7. @Peter: Ich lege das Buch nur denen nahe, die das Phänomen „postmoderne Idendität“ besser verstehen wollen. Es handelt sich keinesfalls um Erbauungsliteratur, sondern um harte Kost, die dabei hilft, dass Denken des Zeitalters besser zu durchschauen. Das zu wollen, kann durchaus ein Liebesdienst sein.

    Ansonsten schließe ich mich ganz Johannes und Alexander an und klage wie Du darüber, dass wir die Bibel leider zu wenig lesen. 😉

    Liebe Grüße, Ron

  8. Freu mich schon seit Wochen auf das Buch. Wird allerdings schon ein ganz schöner Brocken – weniger des Umfangs wegen, sondern orthographischer Natur wegen.

    Was post/moderne Literatur fast durchweg angeht: Wenn man etwas zartbesaitet ist, wären etliche der großen Autoren der letzten Jahre eine Zumutung, da sie eben viele Lebensbereiche sehr explizit und eindeutig schildern. Man nehme z.B. Littell, Danielewski, Boyle, aber selbst Franzen etc.

    Das Uwe Tellkamp so ein geniales Werk hingelegt hat ohne (für den ein oder anderen) „anrüchige“ Passagen, ist da fast schon Besonders.

    Ob man allerdings Kultur besser versteht durch die aktuelle Literatur, würde ich bezweifeln. Selbst Wallace‘ „Unendlicher Spass“ wird vielleicht von 100 000 gekauft, und im besten Fall von 10 000 gelesen. „Kulturprägend“ ist eine Eigenschaft, die man fast immer nur im Rückblick bescheinigen kann. Wie heisst es so schön: Kultur wird nicht durch das bestimmt, was gelesen wird, sonder durch das, was nicht mehr gelesen werden muss.

    Danke für den Verweis auf dieses gigantische Buch – so hoffe ich zumindest. 😉

  9. Lieber Markus,
    danke für den Hinweis darauf, dass das Buch für zarte Seelen nicht unbedingt geeignet ist. So ist es! Ich glaube, dass Buch ist zudem leserfeindlich.

    Wallace scahfft nicht nur Kultur, sonder spiegelt auch die Kultur des Unendliches Spaßes.

    Sehr sehr schön: „Kultur wird nicht durch das bestimmt, was gelesen wird, sonder durch das, was nicht mehr gelesen werden muss.“

    Liebe Grüße, Ron

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  1. […] hat mich freundlicherweise auf einen aspekte-Beitrag zum Buch Unendlicher Spaß aufmerksam gemacht, der Auszüge des einzigen deutschen Fernsehinterviews mit D.F. Wallace […]

  2. […] mit dem erfolgreichen amerikanischen Schriftsteller Jeffrey Eugenides getroffen und über Infinite Jest (dt. Unendlicher Spaß) gesprochen. Sehr lesenswert: […]

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