Kinder brauchen Vater und Mutter

Familienexperten in Deutschland sehen sich durch eine neue US-Studie in ihren Bedenken gegen eine außerfamiliäre Betreuung von Kleinkindern bestätigt. Forscher haben durch Untersuchungen zeigen können, dass die Hirnentwicklung des Kindes durch intensive mütterliche Zuwendung in den ersten Lebensjahren gestärkt wird.

Keinen signifikanten Einfluss haben dagegen Faktoren wie das Alter oder die soziale Stellung der Eltern. Über ihre Erkenntnisse berichteten Wissenschaftler der Washington Universität in St. Louis (Bundesstaat Missouri) um die Psychiatrie-Professorin Joan Luby in der Fachzeitschrift der Nationalen Akademie der Wissenschaften. Hartmut Steeb (Stuttgart), Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz – sie befasst sich intensiv mit Fragen der Familie – fordert angesichts der Studie ein Umdenken in der Politik. Sie wirbt seit Jahren für eine Betreuung von unter Dreijährigen in Krippen, damit mehr Mütter einer Erwerbstätigkeit nachgehen können. Steeb gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea: „Jetzt ist die Politik gefragt, ob die Ideologie wichtiger ist oder die Vernunft und ob das Wohl des Kindes oder das Wohl der Wirtschaft Vorrang hat.“

Mehr: www.idea.de.

Kommentare

  1. wie so oft wenn in medien wissenschaftliche artikel zitiert werden, lohnt es sich mal den originalartikel anzuschauen.
    hier ein link zu dem abstract der studie. dort kann man sich auch die gesamte studie als pdf runterladen.
    http://www.pnas.org/content/early/2012/01/24/1118003109
    in der studie wurde kein einziges mal außerfamiliäre betreuung im kleinkinalter als indikator erhoben, der mit in die studie eingeflossen ist. vielmehr wurde die „mütterliche hinwendung“ erhoben, anhand von bestimmten tests denen die kinder und ihre mütter unterzogen wurden. es kann also gut sein dass es in dieser studie kinder gab die außerfamiliäre betreuung bekommen haben, deren mütter gut in dem test auf „Mütterliche hinwendung“ abschnitten. die kinder wurden außerdem auch nicht im kleinkindalter untersucht.
    die studie ist auf jeden fall interessant. zur diskussion in der thematik „außerfamiliäre betreuung im kleinkindalter“ oder „frühkindliche fremdbetreuung“, wie auch immer man das nennen mag, ist sie meiner meinung nach nicht brauchbar. es gibt genug studien und untersuchung zu dem thema, in denen auch die richtigen indikatoren gewählt wurden. ich denke da kommen beide seiten, gegner und befürworter des ausbau von kitas, auf ihre kosten. nur sollte man dann auch diese studien nennen wenn man wissenschaftlich argumentieren will. diese studie heranzunehmen und damit ein argument gegen den ausbau von krippen zu formulieren ist meiner meinung nach reine ideologie.

  2. @nik: Danke für den Hinweis auf die Originalstudie! Der Blick in die Qullen lohnt sich. Das sehe ich auch so und habe es diesmal nicht berücksichtigt.
    Es heißt im Aufsatz (p. 4):

    Importantly, although 96.7% of caregivers in this study
    sample were mothers, we expect that this effect pertains to the primary caregiver (the provider of nurturance) whether it be mother, father, grandparent, or other.

    Es heißt später auch:

    We believe these findings have potentially profound public health implications and suggest that greater public health emphasis on early parenting could be a very fruitful social investment.

    Insofern stimme ich Dir zu: Obwohl von den 92 untersuchten Kindern 89 von ihrer biologischen Mutter erzogen wurden, sagt die Studie nichts über die Frage „außerfamiliäre Betreuung versus biologische Eltern“ aus. Gezeigt wird lediglich, dass ein Zusammenhang besteht zwischen der Qualität der frühkindlichen mütterlichen Fürsorge und dem Volumen des Hypothalamus.

    Die Autoren drücken ihre Erwartung aus, dass die Ergebnisse auch auf andere Fürsorger übertragen werden können (Väter, Großeltern etc.). Noch irreführender ist meine Überschrift, da die dort signalisierte Spannung überhaupt nicht erörtert wird.

    Unabhängig davon spricht natürlich sehr viel dafür, dass Kinder bei ihren biologischen Eltern in der Regel die besten Fürsorge erfahren und die Bindungsqualität dort erheblich besser ist als in öffentlichen Einrichtungen. Die Studie kann sogar in diese Richtung gedeutet werden. Sie ist aber kein Beleg dafür.

    Liebe Grüße, Ron

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