Vom Umgang mit den Mitteldingen

Wie gehen wir mit den Themen um, zu denen es durchaus unter Christen unterschiedliche Auffassungen geben darf? Thomas Jeising hat freundlicherweise den Aufsatz „Worüber die Meinungen geteilt sein können“ von D.A. Carson übersetzt (aus: Themelios 40.3 (2015): S. 383–388). Carson schließt seine Überlegungen zum Umgang mit den adiaphora (dt. Mitteldinge) so ab:

Ein großer Teil dieser Diskussion könnte auch als Test konstruiert werden, was Christen gerade noch erlaubt ist zu tun, oder etwas zynischer formuliert, womit sie noch bei Gott durchkommen können.

Eigentlich ist kein Punkt der Diskussion tatsächlich so gemeint (siehe besonders Punkt 4). Aber das menschliche Herz ist derart verdreht, dass es überraschend wäre, wenn niemand es sich so hindrehte.

Ernsthafte Christen werden jedoch eine Reihe anderer Fragen stellen: Was wird Gott Ehre geben? Was dient meiner Heiligung? Welches Verhalten wird mich dazu befähigen, das Evangelium auf den Leuchter zu stellen? Was bedeutet es, mein Kreuz auf mich zu nehmen und Jesus zu folgen? Was trägt dazu bei, mich für den neuen Himmel und die neue Erde vorzubereiten? Was trägt zu fruchtbarer Evangelisation bei? Was führt zu einem Über­strömen in Liebe, Glaube, Freude und Frieden? Welche Überzeugungen und welches Ver­halten schubst mich zurück zum Kreuz und vorwärts dazu, Gott mit Herz, Seele, Den­ken und Kräften zu lieben und meinen Nächsten wie mich selbst? Und nochmal: Was ehrt Gott?

Nehmen wir an, ein Christ ver­sucht zu entscheiden, ob er einen Film ansehen soll, der nicht nur keine Jugend­freigabe hat, sondern auch noch den gut bezeugten Ruf von spöttischer An­stößigkeit. Es wäre eine gute Übung, anhand der Linien dieses Artikels zu entscheiden, ob es eine nicht bestreitbare Notwendigkeit christlicher Moral darstellt, ihn zu verbannen oder ihn zu den adiaphora zu zählen. Man könnte zum Beispiel anerkennen, dass manche mit einem wirklich „schwachen“ Gewissen den Film nicht anschauen sollten. Andere mit einem „starken“ Gewissen sollten ihn nicht ansehen, weil das Auswirkungen auf das Gewissen der Schwachen hätte. So könnte man mit den verschiedenen Punkten weiter verfahren.

Aber Christen werden sich noch weitere Fragen stellen wollen: Wird das Anschauen des Films einen negativen Effekt auf meinen Wunsch nach Reinheit haben? Wird er meine Phantasie mit Bildern anfüllen, die ich nicht behalten will, aber nicht wieder loswerde? Gäbe es andere Dinge, die ich besser tun sollte? Würde ich Jesus dazu einladen, mich zu begleiten, wenn ich könnte? Gibt es irgendeine Möglichkeit, dass das Anschauen dieses Films Gott ehren könnte?

Hier der vollständige Aufsatz: bibelbund.de.

Kommentare

  1. Ich finde sowas gerade mal für junge Christen angebracht. Wenn sich gereifte Christen echt noch mit solchen Fragen herumschlagen müssen, hätte ich doch die arge Vermutung, dass sie in einer Religiosität stecken geblieben sind und nicht zu einer lebendigen Gemeinschaft mit Gott durchgedrungen sind. Wer in einer echten, interessierten Liebesgemeinschaft mit Jemanden, insbesondere mit Gott, lebt, wird schon von sich aus solche Dinge meiden, die auch Gott nicht gefallen würden. Dazu bedarf es dann keiner umständlichen Prüfungen mehr, das weiß man dann aus dem Herzen.

  2. Confessor Reformatus meint:

    @ Charly Ich verstehe deinen Kommentar. obwohl ich D.A. CARSON sehr schätze. Ein Lutheraner beispielsweise würde gerade zu den Mitteldingen etwas ganz anderes schreiben, und Carson „Gesetzlichkeit“ vorwerfen. Da würde sich die Kluft zwischen Reformierten und Lutheranern sehr deutlich zeigen.

  3. Bieri Werner meint:

    Ganz einfach: Ist es gut für mich, Porno anzuschauen? Kann das meinem Herrn gefallen? Beides sicher nicht! Warum dann mit dem Feuer spielen? Wozu sind denn Versuchungen nützlich?
    Werner

  4. Wie jetzt Bieri? Muss man dich erst auffordern keine Pornos zu schauen?

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