Von Allah zu Jesus

Immer mehr Iraner konvertieren trotz Repressalien zum Christentum. Die WIENER ZEITUNG hat über die wachsende iranische Christenheit in Österreich berichtet:

Fast 50 Leute von jung bis alt haben sich an diesem Sonntagnachmittag in einem Wiener Kellergewölbe zusammengefunden. Es ist bedächtige Stille in dem dicht gefüllten Raum eingekehrt. Der Blick der Leute ist geschlossen nach vorne gerichtet, direkt auf ein großes Holzkreuz. Ein Lied wird angestimmt und die Menge singt mit – in Farsi, der persischen Sprache. Die Leute feiern den sonntäglichen Gottesdienst einer Gemeinde, die fast 100 Leuten hauptsächlich iranischer und vereinzelt auch afghanischer Herkunft eine spirituelle Heimat bietet. Insgesamt gibt es allein in Wien fünf iranische Christengemeinden, dessen Mitglieder zum erheblichen Teil vom Islam zum Christentum konvertiert sind.

Mehr: www.wienerzeitung.at.

Kommentare

  1. Cristian Lang meint:

    Und immer mehr Menschen in D konvertieren von Christentum zum Islam. Plurale Welt halt, Vielheit der vielen Wahrheiten in der Einheit der gesamten Wirklichkeit

  2. Roderich meint:

    @Cristian,
    aus einer deskriptiven Tatsache kann man noch keine Aussage über die Wahrheit ableiten.
    Aus „plurale Welt“ kann man also noch nicht schließen, dass es „plurale Wahrheiten“ gibt.

  3. Cristian Lang meint:

    Ich glaube, dass war ein Missverständnis auf der Begriffsebene. Damit ist gemeint, dass sehr wohl jeder Mensch eine eigene Wahrheit hat, die aber nicht unbedingt mit der Wirklichkeit übereinstimmen muss.
    Sind wir uns einig?

  4. Cristian Lang meint:

    Das hat auch damit zu tun, dass es die zwei Wahrheiten gibt:
    die relative Wahrheit und die absolute Wahrheit:
    Dazu siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Dharma#Zwei_Wahrheiten

  5. Roderich meint:

    @ Cristian,
    nun ja – wenn der einzelne „Wahrheit“ hat, ist sie halt wahr. Dinge können (objektiv) wahr oder falsch sein.
    „Seine eigene Wahrheit“ ist ja schon ein Widerspruch in sich.
    Ich zitiere aus dem von Ihnen / Dir angegebenen Link (Duzen wäre mir übrigens lieber, aber wir können auch bei dem „Sie“ bleiben).

    Mit der Abwandlung der Verfahrensweise in bezug auf die Zwei Wahrheiten verfolgte Nagarjuna vor dem Hintergrund der zu seiner Zeit geführten Diskussionen über den Realitätsstatus der dharmas das Ziel, ausdrücklich darauf hinzuweisen, dass sich letztendliche Wahrheit nur in der Leerheit zeigt, jedoch nicht verbal beschrieben werden kann, da jede Aussageweise eine bedingte Wahrheit zum Ausdruck bringt, die als solche keine absolute Gültigkeit besitzt.

    Ich würde sagen, das übertreibt die Relativität von Aussagen.
    Ich denke, es gibt einen gewissen „subjektiven Faktor“, der alleine schon in der Sprache bedingt ist, aber grundsätzlich glaube ich: sowohl unsere Sprache, als auch unser Denken, ist in der Lage, absolute Wahrheiten zu erfassen und zu kommunizieren.
    (Sonst wäre übrigens alle Kommunikation sinnlos). Gott hat den Menschen mit Verstand geschaffen, um dem Menschen die Möglichkeit zu geben, mit Gott und mit Mitmenschen zu kommunizieren. Wäre Wahrheit komplett relativ, so wäre gar keine Kommunikation möglich.
    Unter der Annahme „es gibt einen persönlichen Gott“ macht die These, dass wir Wahrheit erfassen und kommunizieren können, durchaus Sinn. Denn Gott muss doch ein Interesse daran haben, dass wir nach Wahrheit streben und sie finden können. (Letztlich ist Jesus Christus die Wahrheit).

    Soviel dazu. (Muss mich für die nächsten Tage leider ausklinken).

  6. Cristian Lang meint:

    „Ich würde sagen“ ist eine Mutmaßung, eine Aussage, die Glauben ausdrückt.
    Das ändert ja nichts an der Tatsache, dass jede Aussage tatsächlich nur bedingt und beschränkt ist.
    Auch die Aussage „Letztlich ist Jesus Christus die Wahrheit“ unterliegt dem gleichen Dilemma: sie ist relativ.
    Und da ist der Widerspruch, in deinem Absatz selbst:
    „Ich denke, es gibt einen gewissen “subjektiven Faktor”, der alleine schon in der Sprache bedingt ist, aber grundsätzlich glaube ich: sowohl unsere Sprache, als auch unser Denken, ist in der Lage, absolute Wahrheiten zu erfassen und zu kommunizieren.“
    Sprache ist immer subjektiv, aber sie kann nur dazu verwendet werden, um den Weg zu öffnen, durch Erfahrung das erfahren zu können, was jenseits von Sprache ist (also übersubjektiv, nicht objektiv, da alles außen Objektive insoweit subjektiv ist, da es vergeht). Das Übersubjektive ist nicht eine Aussage, sondern eine lebendige Erfahrung.
    Die Aussage „Letztlich ist Jesus Christus die Wahrheit“ ist aber eine Aussage, also relativ.

  7. Cristian Lang meint:

    Übrigens kann die Relativität von Aussagen gar nicht übertrieben werden, denn entweder sind sie relativ oder sie sind es nicht.
    Ein bisschen schwanger geht ja auch nicht.

  8. Cristian Lang meint:

    Wenn also Glaube subjektiv ist, übrigens auch relativ, geht es darum, zu erfahren, was jenseits von Glauben und Aussagen ist, auch jenseits von Aussagen wie „Jesus Christus ist die Wahrheit“.

  9. Cristian Lang meint:

    Also mit dem bisschen schwanger sein ist es wie mit dem Subjektiven, Vergänglichem, Relativem der Sprache: Wenn Sprache also relativ ist, kann durch sie eben nicht Wahrheit erfasst werden, Wahrheit liegt dann eben jenseits von Sprache.
    Da ist aber kein Widerspruch dazu, dass durch Sprache eben kommuniziert werden kann: Es kann aber keine lebendige Erfahrung des Göttlichen jenseits der Sprache vermittelt werden, nur der Hinweis darauf, dass diese Erfahrung dann selbst gemacht werden kann – auch wenn sie jenseits von Sprache ist.
    Alles klar?

  10. Cristian Lang meint:

    Dass eine Aussage wie „Jesus Christus ist die Wahrheit“ nur vorläufig ist, wird klar, wenn man einsieht, dass es auch Gegenaussagen geben kann.
    „Buddha ist die Wahrheit“ wäre eine solche (auf der ich nicht bestehe, denn sie ist auch nicht endgültig wahr, ebenso wenig wie bei Jesus).
    Es gibt für relative Aussagen, Glauben (also der relativen Wahrheit laut Nagarjuna) keine Garantie – sie können sich ändern.
    Es gibt keine Garantie, dass du in 20 Jahren noch Christ bist – selbst wenn du es noch so sehr glaubst und dich daran klammerst – denn „Christ sein“ ist, wie ich es verstanden habe, bei dir auf dem Fundament aufgebaut, „Jesus Christus ist die Wahrheit“ – eine relative Aussage, die sich mitten in dir in eine andere (nicht unbedingt gegenteilige) umwandeln kann.
    Dies gilt für alle relativen Aussagen:
    Es gibt keine Garantie für ein jüngstes Gericht, oder für Reinkarnation (wobei auch aus meiner Sicht beides Sinn macht: Nach dem Tod gibt es sehr wohl die Möglichkeit einer Abrechnung, die aber nicht in etwas Ewiges münden kann, weil Phänomenales wie eine Auferstehung des Fleisches nicht ewig sein kann – wie bei den Aussagen oder Glauben).
    Daher gibt es auch keinerlei Garantie, dass du in 20 Jahren noch Christ bist (zumindest nicht in der Form wie gerade jetzt – ich sehe mich durchaus auch als Christ, aber formal würde ich schon eher sagen, dass ich Buddhist bin, da ich klar buddhistischen Lehrern folge, und nicht äußeren christlichen Lehren – Meister Eckhart als große Ausnahme, denn seine Lehren sind innere christliche Lehren, die mit den inneren buddhistischen Lehren 100 % deckungsgleich sind, aber dies wird oft von Buddhisten bemerkt, aber von Christen selten).
    Dies oben gesagte gilt genauso für mich: Wenn sich mein Vertrauen auf Aussagen, auf Glauben stützt, gibt es keinerlei Garantie dafür, dass ich in 20 Jahren noch meinem Wurzellehrer folge. Wenn aber mein Vertrauen auf einer lebendigen Erfahrung des Göttlichen jenseits von Aussagen oder Glauben basiert, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich meinem Lehrer weiter folge, sehr sehr hoch.

    Wer das Absolute (die endgültige Wahrheit also, frei nach Nagarjuna) erlebt, der ist jenseits von Aussagen und nicht mehr im Risiko, seine Meinung zu ändern.
    Wer sich aber Glauben stützt (im Sinne von sich klammern an Aussagen oder Dogmen), der ist wie eine Kerze im Wind.

  11. Roderich meint:

    Wenn alle Sprache relativ wäre, wäre auch Deine Aussage „alles ist relativ“ wiederum nur relativ, und widerlegt sich damit selber.
    Stimmt – „ein bischen relativ“ ist unglücklich formuliert – es gibt aber objektive und subjektive Komponenten in der Sprache. Man muss eben genauer untersuchen, was an Sprache relativ und was objektiv ist.
    Klar gibt es „empirisch gesehen“ keine Garantie, dass ich in 20 Jahren noch Christ bin – viele wenden sich erwiesenermaßen vom Glauben ab; das hat aber nichts mit Relativität von Sprache zu tun, das gilt genauso, wenn Sprache objektiv ist. Denn ich könnte mich menschlich gesprochen davon abwenden, zu glauben, dass Christus Gottes Sohn ist, und Zoroastrer oder Hinduist werden. Dann bleibt der Inhalt objektiv, nur ich halte eben einen anderen (objektiv kommunizierten) Inhalt für wahr.

    Dies oben gesagte gilt genauso für mich: Wenn sich mein Vertrauen auf Aussagen, auf Glauben stützt, gibt es keinerlei Garantie dafür, dass ich in 20 Jahren noch meinem Wurzellehrer folge. Wenn aber mein Vertrauen auf einer lebendigen Erfahrung des Göttlichen jenseits von Aussagen oder Glauben basiert, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich meinem Lehrer weiter folge, sehr sehr hoch.

    Das ist unrichtig gefolgert.
    Klar, wenn sich mein Glaube aus verstehbare Inhalte stützt, gibt es „keine Garantie“, aber nicht wegen der verstehbaren Inhalte, sondern weil ich andere Überzeugungen erhalten kann.
    Wenn ich aber auf ein sogenanntes „Erlebnis des Absoluten“ meinen Glauben gründe, dann gibt es sowieso keinen klar umreißbaren „Glauben“ – dann ist das Sprechen von „den Glauben ändern“ sowieso in sich sinnlos.
    Denn um eine Änderung nachvollziehen zu können (von Zustand A zu Zustand B), müßte man beide Zustände erst in Begriffe fassen können. Um eine rationale Beschreibung des Glaubens wird man also nicht umhinkönnen.
    Abgesehen davon hast Du keine Garantie, dass die Ursache Deiner „Erfahrung“ beim nächsten Mal die gleiche Ursache ist (es könnte im „Zustand A“ ein Dämon, im „Zustand B“ hingegen ein Engel sein, oder ein anderes Wesen, oder Einbildung). Du hast auch gar kein Kriterium, um beurteilen zu können, ob der Glaube gleichgeblieben ist.
    Die Bibel spricht dem verstsandesmäßig verstehbaren Glauben daher eine wichtige Rolle zu, z.B. heißt es in Hosea: „Mein Volk geht zugrunde aus Mangel an Erkenntnis“.
    Man kommt eben nicht umhin – will man konsistent denken und glauben und leben, muss es um eine Verbindung zwischen Verstand, Erfahrung und sprachlicher Kommunizierbarkeit gehen.
    Ein „Klammern an Dogmen“ impliziert übrigens, dass man es nicht richtig glaubt, und der Begriff ist daher schon negativ konnotiert – das ist keine zutreffende Beschreibung des christlichen Glaubens. Denke an die Zeit Jesu oder des Paulus: beide lehrten und predigten (das waren objektive Inhalte), und sie taten auch bestimmte Wunder. Diese Wunder – als Erfahrungen mit Gott – waren für die Zuhörer eine gewisse Bestätigung, dass diese rationalen Inhalte von Gott kamen.
    Also – rationaler Glaube und Erlebnisse mit Gott müssen sich gar nicht ausschließen; vielmehr gehören beide zusammen.
    Meiner Meinung nach gehört zu einem gesunden Glaubensleben, dass man die „Ratio“ von der Bibel informieren läßt, also die rationalen Glaubensinhalte aus der Bibel bezieht – gleichzeitig kann man durchaus auch „das Absolute“ erfahren. Naht euch zu Gott, so naht sich Gott zu euch.
    OK, nochmals – sorry, bin jetzt weg und am Do. abend wieder da. Mangelnde Antworten von mir ab jetzt heißt also nicht mangelndes Interesse.

  12. Cristian Lang meint:

    Super – wir sind einer Meinung in der Hinsicht, dass wir den Verstand mit benutzen können. Ich sagte ja nie, dass der Verstand an sich unnütz ist oder schlecht – er ist nur ein vorläufiges Mittel, um zu analysieren, welche rationale Sichtweise (derer gibt es nicht nur eine) mit der Wirklichkeit am ehesten übereinstimmt.
    Ein Überprüfen der verschiedenen Sichtweisen, Philosophien und Religionen ist daher – auch mit dem Verstand – eine Aufgabe, die tatsächlich weiter bringen kann, welchen Erfahrungen man sich dann hingibt bzw. um einschätzen zu können, welche Erfahrungen nun tatsächlich relativ sind oder darüber hinaus wahrhaftig Erfahrung der wahren Natur („Gott“).
    Die Überprüfung war bei mir sehr profund: Christlicher Hintergrund (anders also als bei Herrn Martin Martin Kampius Buch – Ich war Buddhist, ist es bei mir umgekehrt: Ich war Christ), vor allem musikalisch (evangelisch vom Vater aus, orthodox von der Mutter), mit Beten, Bibel, Kirche und Chor.
    Dann mit 13 der Entschluss: Ich lasse mich nicht zur Konfirmation zwingen.
    Da merkte ich, dass ich wirklich überprüfen muss, und nicht einfach übernehmen.
    Ich hatte dann mit 17 ersten oberflächlichen Kontakt mit buddhistischen Lehren, schwankte aber noch und erst mit 21 traf ich dann meinen Lehrer (nachdem ich einige Bücher gelesen hatte usw.).
    Ich habe keine so präzise Kategorisierung und Analyse aller möglichen menschlichen Sichtweise (einschließlich der christlichen) gefunden wie in den buddhistischen Lehren – vor allem in der Nyingma-Schule des tibetischen Buddhismus (zu der der Dalai Lama nicht gehört). Analytisch-rational mit einer Stärke und Klarheit, die ich vorher stark vermisst habe (und die es in allen abrahamischen Religionen nicht gibt, auch der Hinduismus kommt nicht ganz heran).
    Eine derart präzise Analyse der Sichtweisen, der Wirklichkeit, die aber dann direkt überführt wurde in die Konsequenz authentischer spiritueller Praxis (wie ich öfter schon sagte: http://de.wikipedia.org/wiki/Dzogchen, dessen Hauptschrift vielleicht das http://en.wikipedia.org/wiki/Kunjed_Gyalpo_Tantra ist und dessen höchstes mögliche spirituelle Resultat für einen Menschen der http://en.wikipedia.org/wiki/Rainbow_body ist).
    Es gibt also, so sehe ich das auch, keinen Grund, den Verstand zu diffamieren (der Grund, weswegen die Menschen hätten erkennen können, dass sich Osho geirrt hat und wohl kein wahrer Meister wahr).
    Dies führte aber zu einem neuen Interesse an christlichen Autoren, vor allem natürlich an Meister Eckhart, der in gewisser Weise nichts anderes ist als christliches Dzogchen. (Es ist lustig, wenn jemand behauptet, ich würde Eckhart nicht verstehen).

  13. Cristian Lang meint:

    PS:
    Stimmt, wenn die Erfahrung des Absoluten jenseits des Glaubens gemacht wird, kann sich auch kein Glauben mehr ändern, da muss ich dir zustimmen.
    Da wird dann auch jeder Glaube obsolet, und das ist auch das wahre Ziel vom Ganzen.

  14. Dann is ja alles klar 🙂

  15. @Christian Lang

    Also ich finde es super, die „Konfirmation“ zu unterlassen, wenn sie auf keinerlei Überzeugung diesbezüglich trifft …
    Es ist mutig, sich gegen familiäre Traditionen zu stellen und gemäß eigener Überzeugungen (bzw. bei Unsicherheit keine Sicherheit vorzugaukeln) zu handeln.
    (Das sagt aber noch nichts darüber aus, ob man auf dem „richtigen Pferd reitet“.)

    Falls noch nicht „alles klar sein sollte“:
    Warum deine Einwürfe nicht am konkreten Beispiel darstellen?

    Was meint dein:
    „jede Aussage tatsächlich nur bedingt und beschränkt“ (wie sind hier Kategorien wie objektiv, subjektiv, absolut, relativ, bedingt und beschränkt einzuordnen) in Anwendung auf:

    1. „Da sprach Gott: „Es werde Licht!“ und es ward Licht.“ (1. Mose 1, 3)

    2. „Jesus antwortete ihm: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich.“ (Johannes 14, 6)

    3. „und in keinem andern ist Rettung (oder: das Heil) zu finden; denn es ist auch kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, in dem (oder: durch den) wir gerettet werden sollen.“ (Apostelgeschichte 4, 12)

  16. Cristian Lang meint:

    Also Lutz, lies doch mal bitte all meine Kommentare gut durch, dann weißt du genau, was ich über die Verabsolutierung von (jeglichen, auch biblischen Aussagen) gesagt habe.
    Ich weiß, mir ist klar, dass ich hier mit ganz hartgesottenen Bibel-Christen spreche, aber darunter scheint es solche und solche zu geben – Ruderich ist da wesentlich aufmerksamer gewesen und ist schon weiter, um nicht so plump einfach die bekanntesten Zitate zu bringen (ich kenne sie, aber kennst du dich gut aus mit all dem, worüber ich schrieb?)
    Setzen, 6.

  17. Cristian Lang meint:

    Lieber Lutz, Milder gesagt:
    Ich schrieb schon lange, dass es andere Menschen vor und nach Jesus Christus gab, die wiederauferstanden sind – dies ist sogar durch Zeugen belegt, bis mindestens 1998.
    Falls du Englisch kannst, siehe dies:
    http://en.wikipedia.org/wiki/Rainbow_body
    Oder auf Deutsch: http://de.wikipedia.org/wiki/Dzogchen
    Daraus: „Als höchstes Resultat der Verwirklichung der Lehren des Dzogchen gilt der sogenannte Regenbogenkörper, bei dem nach der Überlieferung ein verstorbener Dzogchen-Meister seinen Körper über einen Zeitraum von einer Woche in Lichterscheinungen als die Essenz der Elemente seines Körpers auflöst. Üblicherweise bleiben dabei nur Haare und Nägel als Überbleibsel zurück. Verschiedene Meister verschiedener Traditionen sollen diese Art der Verwirklichung über Jahrhunderte hinweg bis in das 20. Jahrhundert hinein demonstriert haben. Darunter war zum Beispiel auch der bekannte Bön-Meister Shardza Tashi Gyaltsen, der den Regenbogenkörper um das Jahr 1930 realisiert haben soll und der Nyingma-Lama Khenpo Achung (* 1918) der bei seinem Tod im Jahr 1998 die gleiche Art der Verwirklichung zeigte.

    Zur Verwirklichung von Dzogchen ist eine Einführung in das ursprüngliche Gewahrsein des Geistes durch einen verwirklichten Dzogchen-Meister notwendig.“

    Damit sei gesagt, dass der Regenbogenkörper (= die Auferstehung und auch Unsterblichkeit) KEINERLEI Primat einer bestimmten Religion ist, dies sei hier nur noch mal deutlich herausgestellt.
    Ich habe das mal den Zeugen Jehovas erzählt, die haben sehr dumm aus der Wäsche geguckt…

    Und ein Hinweis: Der Regenbogenkörper (= Auferstehung) ist nicht eine billige Nachahmung und Nachmache der christlichen Version, diese spirituelle Verwirklichung des Göttlichen war schon in vorchristlicher Zeit bekannt (und in Tibet kam das Christentum erst im 20. Jhdt. peripher an).

  18. Cristian Lang meint:

    Und ganz konkret:

    1. Nein, Jesus ist nicht der Einzige, durch den Erlösung möglich ist. (ist doch die logische Konsequenz aus dem, was ich schrieb).
    2. Dass Licht wurde, ist tatsächlich aus einem Wunsch entstanden, da muss ich auch dem erstem Buch Mose Recht geben. Buddha hat das genauso gesagt, nur 500 Jahre vor Christus. (Und in Indien kannten sie damals die Monotheismen nicht, auch nicht das AT). – Aus dem Wunsch heraus, dem Wunsch der wahren Natur des Geistes, des Individuums und der Phänomene, entstand tatsächlich erst Licht, dann Materie (durch Klang) und dann die belebte Welt – ist aber alter Kaffee, lange vor der christlichen Tradition bekannt gewesen.
    3. Die Apostelgeschichte ist der Beginn der eigentlichen Lüge, denn ab da beginnt die Macht derer, die interpretieren – eben mit den Aposteln selbst. Dies geschah aber auch mit Buddhas Nachfolgern, nur nicht ganz in dem Maße wie bei Jesus.

  19. Also Cristian (habe jetzt auch gemerkt, dass du kein „h“ im Namen hast),
    mich interessiert eigentlich nur, was du zu „meinen“ drei Punkten bemerkst.
    Dabei ging es mir um ganz konkret vorgelegte Aussagen, die einen konkreten Inhalt vermitteln. Es geht um nichts anderes als um eine adäquate Beschreibung dessen, was zu lesen ist. Es geht nicht um Interpretation, es geht nicht um Schlussfolgerungen … – es geht um das Erfassen einer simplen Aussage ..,

    Dann ordne ich mal nach meinen Punkten:

    1.“Dass „Licht wurde“ ist aus einem Wunsch entstanden.“
    Grundlage war die Aussage von 1. Mose 1, 3.
    Hast du die Anwendungsaufgabe vergesse? – oder warum taucht hier „Wunsch“ als Kategorie auf?

    2. „Jesus ist nicht der Einzige“ – hier habe ich dich nicht nach deiner Erfahrung, nach deiner sonst was … gefragt … – es ging um die vorgelegte Aussage.
    Was sagt die Aussage bei meinem 2. (in der Bibel an der genannten Stelle). Wie willst du hier sauber vorgehen (was subjektiv, was objektiv, …) um zu verstehen, was eine Aussage aussagt? Was du sagst, ist nicht sprachlich sauber gemessen an der Aussage!

    3. „Die Apostelgeschichte ist der Beginn der Lüge, denn ab da beginnt die Macht der Interpretation“ (sinngemäß)
    – auch hier, das entspringt nicht der Aussage, auf die du anwenden solltest ….

    Zieh dich nicht darauf zurück, was du irgendwie anonym abstrakt vorher formulierst – wende konkret an, wenn du so „felsenfest“ überzeugt bist!
    Ich sehe keine konkrete Anwendung, die bei dem Aussagensatz verbleibt.
    Es wäre konsequenter aus deiner Sicht zu sagen, die „Bibel lügt“, weil X und Y da noch zu bedenken wären, die dann die Autorität eines Paulus oder …. übertreffen (beweisen kann ich das zwar dann auch nicht …)…
    „Felsenfest überzeugt“ sieht in meinem Umfeld jedenfalls irgendwie anders aus.

    Vielleicht denkst du ja doch einmal über darüber ganz konkret nacht.

  20. Cristian Lang meint:

    Alles klar, dann muss ich es schon so formulieren, wie du es konsequenterweise einforderst:
    In diesen Punkten lügt die Bibel eben (es spricht halt nicht mit den Tatsachen überein).

    Die Aussagen sind halt falsch, gerade weil sie absolutierend sind.
    Und „nachtdenken“ kann ich nicht, nur nachdenken. Hoffentlich bleibe ich dabei helle und es wird nicht Nacht.

    Bist du damit zufriedener?

    Andererseits aber erfordert gerade das Denken über den Ursprung mehr, als nur rationales Rekonstruieren von Aussagen im Sinne universitär-akademischer Arbeit.
    Das Göttliche, die Vollkommenheit der Existenz, ist jenseits der Ratio…

  21. Cristian Lang meint:

    Anders gesagt: Ich habe nichts gegen die Bibel in der letzten Essenz, aber relative Aussagen messe man am Leben, nicht umgekehrt. Dies zum Thema der Anwendung.

    @Roderich.
    Sorry, dass ich mal „Ruderich“ geschrieben habe. War ein Versehen.

  22. Cristian Lang meint:

    Oder: (frei zitiert)
    1. „Gott sprach: Es werde Licht, und es ward Licht.“
    Das entspricht dann den Tatsachen überein, wenn Gott als der innere Schöpfer der äußeren Phänomene gesehen wird, nicht als äußerlich unabhängig existierender Schöpfer. Dann gilt die Aussage auch für alle, aber sie sie ist nicht objektiv, da sie auch nur von innen Subjekte geschaffen hat – es hat also nie eine Trennung von Subjekt und Objekt stattgefunden. Dies wäre eine non-duale Auslegung der Aussage. Es ist viel zu einfach zu sagen, „falsch“ oder „richtig“ – insbesondere bei dieser Aussage. Was die meisten hier nicht wissen: In Wirklichkeit gibt es weder ein Subjekt, noch ein Objekt. Es gibt nur die Untrennbarkeit. (daher sind Aussagen wie objektiv und subjektiv letztlich redundant; Aussagen aber sind immer relativ, selbst die Aussage, dass sie relativ sind: das liegt daran, das ihr Hintergrund jenseits eines Dualismus von „relativ oder absolut“ ist.)
    2. „Ich bin die Wahrheit und das Leben – niemand kommt zum Vater außer durch mich“
    Das ist so einfach falsch. Siehe nochmal: http://en.wikipedia.org/wiki/Rainbow_body. Die kannten Jesus nicht, auch weil es den http://en.wikipedia.org/wiki/Rainbow_body schon vor Jesus Christus gab (historisch gesehen).
    3. „Unter keinem anderen ist Rettung (Heil) zu finden…“
    Dafür gilt das Gleiche: Die Tatsachen sprechen dagegen. Also ist die Aussage einfach FALSCH.

    Daher habe ich ja schlussgefolgert, dass sich Menschen Jahrtausende belügen lassen, egal ob ihre Autoritäten Menschen sind oder Bücher.
    Bücher sind ok, und auch aus Lügen können Wahrheiten extrahiert werden. Aber es fordert MEHR und noch BESSERE Prüfung.

  23. Cristian Lang meint:

    Dies ist auch eine Bemerkung, die mir Roderich richtigerweise angebracht hatte:
    Wie kann eine Aussage wie „Alle Aussagen sind relativ“ auch nur relativ sein?

    Da liegt das Geheimnis, ich kann es aber noch mal lüften (nur auf der Ebene der Aussagen! Erleben müssen wir es selbst!):
    Dass selbst die Aussage „Alle Aussagen sind relativ“ relativ ist, liegt daran, dass der Hintergrund (die Natur des Geistes), auf welchem sie sich abspielt, jenseits aller dualistischen Kategorien ist, auch jenseits von „relativ“ und „absolut“, die ihrerseits nur dualistische Kategorien sind. DIESER Hintergrund ist „Gott“, das, wonach alle hier so dürsten.

  24. Cristian Lang meint:

    Lutz, für dich hätte ich auch vier Zitate. Mal sehen ob du uneingeschränkt dazu „Richtig“ oder „Falsch“ (bzw. „Wahrheit“ oder „Lüge“) sagen kannst, was du ja so platt von mir gefordert hast.

    Da du so gerne liest, und von mir eingefordert hast, mich mit den drei wohl wichtigsten Zitaten eines evangelikalen oder evangelischen Christen auseinanderzusetzen, gebe ich dir auch vier Kernaussagen, zu denen du dann sagen sollst, ob sie „Lüge“ oder „Wahrheit“ sind.
    Dazu solltest du aber die ganze Seite lesen (ich glaube, das ist für dich eh kein Problem, da du glaube ich wesentlich geübter im Lesen bist als ich):
    Die Vier Siegel: http://www.tibet.de/tib/tibu/1996/tibu36/36siegel.html

  25. Cristian Lang meint:

    Lutz, hier die vier Siegel:
    Sind sie falsch oder richtig, wahr oder gelogen? (Was ich soll, kannst du auch sollen – also einfach vier Zitate, Aussagen, klar als wahr oder unwahr beurteilen).

    „Das erste Siegel – Alle zusammengesetzten Dinge sind unbeständig

    Jedes Phänomen, an das wir denken, ist zusammengesetzt und daher ein Fall der Unbeständigkeit. Gewisse Aspekte der Vergänglichkeit, wie den Wandel des Wetters, können wir einfach akzeptieren, aber es gibt ein paar offensichtliche Dinge, die wir nicht akzeptieren. Beispielsweise unser Körper ist sichtbar vergänglich und wird jeden Tag älter, und dennoch ist das etwas, was wir nicht akzeptieren wollen. Gewisse beliebte Zeitschriften, die auf Jugend und Schönheit ausgerichtet sind, nutzen dieses Verhalten aus. Bezüglich Sicht, Meditation und Handlung haben deren Leser vielleicht eine Sicht, dass sie glauben, nicht zu altern oder dem Prozess des Alterns irgendwie entkommen können. Sie denken über diese Sicht von Beständigkeit nach und ihre daraus resultierende Handlung ist, in Fitness-Zentren zu gehen, sich plastischer Chirurgie zu unterziehen und allem anderen lästigen Kram unterziehen.
    Erleuchtete Wesen würden denken, dass dies lächerlich ist und auf einer falschen Sicht basiert. Hinsichtlich der unterschiedlichen Aspekte von Vergänglichkeit, Älter werden und Sterben, dem Wandel des Wetters usw. haben Buddhisten eine einzige Bezeichnung dafür, nämlich das erste Siegel: Phänomene sind vergänglich, weil sie zusammengesetzt sind. Alles, was zusammengefügt ist, wird früher oder später auseinander gehen.
    Wenn wir „zusammengesetzt“ sagen, dann schließt das die Dimensionen von Raum und Zeit mit ein. Die Zeit ist zusammengesetzt und daher unbeständig: ohne Vergangenheit und Zukunft gibt es nichts anderes als die Gegenwart. Wenn der gegenwärtige Moment beständig wäre, gäbe es keine Zukunft, weil die Gegenwart immer da wäre. Jede Handlung, die man macht – sagen wir, das Pflanzen einer Blume oder das Singen eines Liedes – hat einen Anfang, eine Mitte und ein Ende. Wenn im Falle eines Liedes, der Anfang, die Mitte oder das Ende fehlen würden, gäbe es nicht so etwas wie das Singen eines Liedes. Das bedeutet, das Singen eines Liedes ist zusammengesetzt.
    „Na und?“ fragen wir. „Was schert uns das? Was soll das Getue? Es gibt einen Anfang, eine Mitte und ein Ende – na und?“ Es ist nicht so, dass sich Buddhisten wirklich über Anfang, Mitte und Ende sorgen; das ist nicht das Problem. Das Problem ist, wenn es Zusammengesetztes und Vergänglichkeit gibt, wie dies in zeitweiligen und materiellen Dingen gibt, es Unsicherheit und Leid gibt.
    Manche Leute glauben, dass Buddhisten pessimistisch sind, weil sie immer über Tod, Vergänglichkeit und Altern reden. Aber das ist nicht notwendigerweise wahr. Vergänglichkeit ist eine Erlösung! Ich habe heute keinen BMW und der Vergänglichkeit dieser Tatsache habe ich möglicherweise morgen einen. Ohne Vergänglichkeit hänge ich im Nicht-Besitzen eines BMWs fest und ich kann nie einen haben. Ich fühle mich heute ziemlich niedergedrückt und dank der Vergänglichkeit fühle ich mich morgen vielleicht großartig. Unbeständigkeit ist nicht notwendigerweise eine schlechte Nachricht; es hängt von der Art des Verständnisses ab. Selbst wenn der BMW heute von Vandalen beschädigt wird oder unser bester Freund uns niedermacht, dann wird man sich, wenn man eine Sicht der Vergänglichkeit hat, nicht sorgen.
    Täuschungen entstehen, weil wir nicht begreifen, dass alle zusammengesetzten Dinge vergänglich sind. Aber wenn wir diese Wahrheit realisieren, tief drinnen und nicht nur intellektuell, dann ist das genau das, was wir Befreiung nennen: erlöst aus diesem eindimensionalen, kleingeistigen Glauben an Beständigkeit. Alles, ob man es mag oder nicht – selbst der Pfad, der kostbare buddhistische Pfad – ist zusammengesetzt. Er hat einen Anfang, er hat eine Mitte und er hat ein Ende.
    Wenn man versteht, dass „alle zusammengesetzten Dinge vergänglich sind“, dann ist man vorbereitet, die Erfahrung des Verlusts zu akzeptieren. Weil alles unbeständig ist, wird dies erwartet.

    Das zweite Siegel – Alle Emotionen sind leidvoll

    Das tibetische Wort für Emotion ist in diesem Zusammenhang „zagche“, was „verunreinigt“ oder „befleckt“ bedeutet, in Sinne von durchdrungen von Verwirrung oder Dualität.
    Bestimmte Emotionen, wie Aggressionen oder Eifersucht, erkennen wir natürlicherweise als Qual. Aber was ist mit Liebe und Anhaftung, Freundlichkeit und Hingabe, die netten, leichten und lieblichen Emotionen? Wir bedenken sie nicht als leidvoll; nichts desto trotz beinhalten sie Dualität und das bedeutet, dass sie am Ende eine Quelle des Leidens sind.
    Der dualistische Geist beinhaltet jeden Gedanken, den wir haben. Wieso ist dies leidvoll? Weil es missverstanden wird. Jeder dualistische Geist ist ein missverständlicher Geist, ein Geist, der nicht die Natur der Dinge versteht. Wie können wir nun Dualität verstehen? Es ist ein Subjekt und Objekt: uns selbst auf der einen Seite und unsere Erfahrung auf der anderen. Diese Art der dualistischen Wahrnehmung ist falsch, wie wir im Fall von unterschiedlichen Personen sehen, nehmen diese dasselbe Objekt auf verschiedene Arten wahr. Ein Mann glaubt, eine bestimmte Frau ist schön und das ist seine Wahrheit. Aber wenn dies eine Art absolute, unabhängige Art von Wahrheit wäre, dann würde jeder andere sie ebenfalls als schön ansehen. Klarerweise ist das keine Wahrheit, die unabhängig von irgendetwas anderem ist. Es hängt von unserem Geist ab; es ist unsere eigene Projektion.
    Der dualistische Geist schafft viele Erwartungen – eine Menge Hoffnung, eine Menge Furcht. Solange es einen dualistischen Geist gibt, gibt es Hoffung und Furcht. Hoffnung ist perfekte, systematische Qual. Wir tendieren dahin zu glauben, dass Hoffnung nicht leidvoll ist, aber eigentlich ist es eine große Qual. Was die Qual der Furcht angeht, gibt es nichts zu erklären.
    Der Buddha sagte: „Versteht Leiden.“ Das ist die erste Edle Wahrheit. Viele von uns verstehen Leiden fälschlich als Erfreuen – das Erfreulich, dass wir jetzt haben, ist eigentlich die Ursache für das Leiden, das wir früher oder später erfahren. Ein weiterer buddhistischer Weg des Erklärens ist, wenn eine große Qual kleiner wird, dass wir dies Erfreuen nennen. Das nennen wir dann Glück.
    Weiters haben Emotionen keine inhärente wahrhafte Existenz. Wenn durstige Leute eine Wasserspiegelung sehen, dann haben sie ein Gefühl von Befreiung: „Großartig, da gibt’s Wasser!“ Aber wenn sie näher kommen, löst sich die Fata Morgana auf. Das ist ein wichtiger Aspekt bei Emotionen: Emotion ist etwas, das keine unabhängige Existenz hat.
    Daher fassen Buddhisten alle Emotionen als qualvoll zusammen. Weil sie vergänglich und dualistisch sind, sind sie unsicher und immer von Hoffnungen und Ängsten begleitet. Aber letztendlich haben sie keine und hatten keine inhärent existierende Natur, daher sind sie nicht besonders viel wert. Alles, was wir durch unsere Emotionen schaffen, ist am Ende sinnlos und leidvoll. Daher praktizieren Buddhisten Shamatha- und Vipassana-Meditation – dies hilft, die Fesseln, die unsere Emotionen über uns haben, zu lösen und die Zwangsvorstellungen, die wir wegen ihnen haben.

    Frage: Ist Mitgefühl eine Emotion?
    Antwort: Leute wie wir haben ein dualistisches Mitgefühl, wohingegen das Mitgefühl der Buddhas kein Subjekt und Objekt benötigt. Aus der Sicht eines Buddhas benötigt Mitgefühl kein Subjekt und Objekt. Dies wird „Mahakaruna“ – großes Mitgefühl – genannt.
    Frage: Ich kann es schwer akzeptieren, dass alle Emotionen Leid sind.
    Antwort: Okay, wenn du eine etwas philosophische Ausführung willst, kannst du das Wort „Emotion“ wegnehmen und einfach sagen, „alles, was dualistisch ist, ist Qual“. Aber ich verwende gerne das Wort „Emotion“, weil es provoziert uns.
    Frage: Ist Leiden/Qual nicht auch vergänglich?
    Antwort: Ja! Wenn du das weißt, dann ist alles in Ordnung. Weil wir das nicht wissen, versuchen wir mit vielen nutzlosem Kram unsere Probleme zu lösen. Und das ist das zweite große Problem, das wir haben – unsere Probleme zu lösen versuchen.

    Das dritte Siegel – Alle Phänomene sind leer; sie sind ohne inhärente Existenz

    Wenn wir „alles“ sagen, dann bedeutet dies wirklich alles, einschließlich dem Buddha, der Erleuchtung, dem Pfad usw. Buddhisten definieren ein Phänomen als etwas mit Merkmalen und als ein Objekt, das von einem Subjekt ersonnen wurde. Daran festzuhalten, dass ein Objekt etwas Äußeres ist, ist Unwissenheit und daher hindert uns daran, das Wahre von diesem Objekt zu sehen.
    Das Wahre eines Phänomens wird Shunyata – Leerheit – genannt, was impliziert, dass ein Phänomen keine wahrhaftig existierende Essenz oder Natur hat. Wenn eine verblendete Person oder ein Subjekt etwas sieht, wird dieses Objekt als etwas wirklich Existierendes interpretiert. Wie man sehen kann, die Existenz, die man durch das Subjekt unterstellt wird, ist eine falsche Annahme. Solch eine Annahme basiert auf verschiedenen Bedingungen, die dazuführen, dass ein Objekt als wahrhaft erscheint. Allerdings existiert das Objekt nicht wirklich so. Es ist, als ob wir eine Fata Morgana sehen: da gibt es kein wirklich existierendes Objekt dort, obwohl es so danach aussieht. Mit der Leerheit meint der Buddha, dass Dinge nicht wahrhaft existieren, wie wir fälschlicherweise glauben, dass sie es tun. Und sie sind wirklich leer von dieser falschen, hinzugefügten Existenz.
    Weil sie daran glauben, dass ihre verwirrten Projektionen wirklich sind, leiden die fühlenden Wesen. Es war daher ein Heilmittel dafür, dass der Buddha den Dharma lehrte. Einfach gesagt, wenn wir über Leerheit reden, meinen wir, dass die Art, wie die Dinge erscheinen, nicht die Art ist, wie sie wirklich existieren. Wie ich schon früher sagte, als wir über Emotionen gesprochen haben, sieht man eine Fata Morgana und denkt, dass dies etwas Reales wäre, aber wenn man dann näher kommt, löst sich die Fata Morgana auf, egal wie wirklich sie anfangs erschien.
    Leerheit kann sich manchmal auf den Dharmakaya beziehen und in einem anderen Zusammenhang könnten wir sagen, dass der Dharmakaya beständig, unwandelbar, alles durchdringend ist, und all die schönen, poetischen Worte verwenden. Dies sind die mystischen Ausdrücke, die zum Pfad gehören, aber im Moment befinden wir uns noch im Erdgeschoß und versuchen ein intellektuelles Verständnis zu erlangen. Auf dem Pfad porträtieren wir vielleicht Buddha Vajradhara als Symbol für den Dharmakaya oder der Leerheit, aber aus akademischer Sicht ist selbst das Zeichnen des Dharmakayas ein Fehler. Der Buddha lehrte drei unterschiedliche Annäherungen zu drei verschiedenen Gelegenheiten. Diese sind als die „Drei Drehungen des Rades“ bekannt, aber sie können in einer einzigen Aussage zusammengefasst werden: „Geist; es gibt keinen Geist; Geist ist Leuchtkraft.“
    Die erste – „Geist“ – bezieht sich auf die erste Garnitur von Belehrungen und zeigt, dass der Buddha lehrte, dass es einen „Geist“ gibt. Dies geschah, um die nihilistische Sicht aufzulösen, dass es keinen Himmel, keine Hölle, keine Ursache und kein Ergebnis gäbe. Als dann der Buddha sagte, „es gibt keinen Geist“, meinte er, dass Geist einfach ein Konzept ist, und dass es nicht so ein Ding wie einen wahrhaft existierenden Geist gibt. Schließlich sagte er, „Geist ist Leuchtkraft“. Dabei bezog er sich auf die Buddha-Natur die unverschleiert oder uranfänglich existierende Weisheit.
    Der große Kommentator Nagarjuna sagte, der Zweck der ersten Drehung war, um sich von Unheilsamen zu reinigen. Woher kommt das Unheilsame? Es kommt daher, weil man entweder Eternalist oder Nihilist ist. Um nun den unheilsamen Taten und Gedanken ein Ende zu bereiten, gab der Buddha seine erste Belehrung. Die zweite Drehung des Dharma-Rades, als der Buddha über Leerheit sprach, geschah, um das Haften an einem „wahrhaft existierenden Selbst“ und an „wahrhaft existierenden Phänomenen“ aufzulösen. Schließlich wurden die Belehrungen der dritten Drehung gegeben, um alle Sichtweisen – selbst die eines Nicht-Ich – aufzulösen. Die drei Garnituren der Belehrungen des Buddhas versuchten nicht etwas Neues einzuführen; ihr Zweck war einfach darin, die Verwirrung zu beseitigen.
    Als Buddhisten praktizieren wir Mitgefühl, aber wenn es uns an Verständnis des dritten Siegels mangelt – dass alle Phänomene leer sind – geht unser Mitgefühl nach hinten los. Wenn man am Ziel des Mitgefühls anhaftet, während man versucht, ein Problem zu lösen, bemerkt man möglicherweise nicht, dass die Idee der Lösung gänzlich auf der eigenen persönlichen Auslegung basiert. Und vielleicht endet man als Opfer von Hoffnung und Furcht und hat schließlich Unannehmlichkeiten. Man fängt mit „ein guter Mahayana-Praktizierender“ an und ein- oder zweimal versucht man fühlenden Wesen zu helfen. Aber wenn man kein Verständnis vom dritten Siegel hat, wird man müde und gibt auf, fühlenden Wesen zu helfen.
    Es gibt noch ein weiteres Problem, das aus dem fehlenden Verständnis von Leerheit entsteht. Dies tritt mit ziemlich oberflächlichen und sogar mit abgestumpften Buddhisten auf. In buddhistischen Kreisen, wenn man Leerheit nicht akzeptiert, ist man nicht cool. Man gibt also vor, dass man Leerheit versteht und gibt vor, dass man darauf meditiert. Aber wenn man Leerheit nicht wirklich versteht, dann stellt sich eine schlechte Nebenwirkung ein. Man sagt vielleicht: „Oh, alles ist Leerheit. Ich kann machen, was mir beliebt.“ Dann ignorieren und verletzen die Details von Karma, die Verantwortung für unsere Handlung. Wir werden „geschmacklos“ und wir entmutigen andere beim Geschäft. S.H. der Dalai Lama spricht oft von diesem Verfall durch das fehlende Verständnis von Leerheit. Ein korrektes Verständnis der Leerheit führt dahin, dass wir sehen, womit die Dinge wirklich verbunden sind und wie wir für unsere Welt verantwortlich sind. Man kann Millionen von Seiten über dieses Thema lesen. Nagarjuna allein schrieb fünf verschiedene Kommentare, die sich hauptsächlich dem widmeten und dann gibt es noch die Kommentare seiner Nachfolger. Es gibt endlose Belehrungen um diese Sicht zu begründen. In den Mahayana-Tempeln oder Klöstern singen die Leute die Prajnaparamita Herz-Sutra – dies ist ebenfalls eine Belehrung zum dritten Siegel.
    Philosophien oder Religionen sagen vielleicht: „Dinge sind Illusion, die Welt ist Maya, Illusion.“ Aber da gibt es immer ein oder zwei Begriffe, die weggelassen werden, die als wahrhaft existent angesehen werden: Gott, kosmische Energie, was auch immer. Im Buddhismus ist dies nicht der Fall. Alles in Samsara und Nirvana – vom Kopf Buddhas angefangen bis zu einem Stück Brot – ist alles Leerheit. Es gibt nichts, das nicht in dieser letztendlichen Sicht enthalten wäre.

    Frage: Wenn wir selbst dualistisch sind, können wir dann jemals Leerheit verstehen, die doch jenseits von Beschreibung ist?

    Buddhisten sind sehr schlau. Da hast du recht. Man kann niemals über die absolute Leerheit sprechen, aber man kann über eine „Vorstellung“ von Leerheit sprechen – etwas, dass man überprüfen kann und worüber man nachdenken kann, sodass am Ende die wirkliche Leerheit erlangt. Man sagt vielleicht: „Also das ist zu einfach. Das ist Käse.“ Aber dazu sagen Buddhisten: „Zu schlecht, so funktioniert’s nun mal.“ Wenn man auf jemanden trifft, den man niemals zuvor gesehen hat, kann ich ihn dir beschreiben oder dir ein Foto von ihm zeigen. Und durch die Hilfe dieses Fotos kann man sich dann aufmachen und die wirkliche Person finden. Letztendlich gesprochen ist der Pfad irrational, aber relativ gesprochen, ist er sehr rational, weil er die relativen Bezüge unserer Welt benutzt. Wenn ich über Leerheit spreche, hat alles, was ich sage mit diesem „Bildnis“ von Leerheit zu tun. Ich kann dir keine wirkliche Leerheit zeigen, aber ich kann dir erzählen, warum Dinge nicht inhärent existieren.
    Im Buddhismus gibt es so viele Abbildungen, dass man möglicherweise denkt, dass dies das Objekt der Meditation wäre oder ein Objekt der Anbetung. Aber aus unseren Belehrungen heraus versteht man, dass dies alles nicht-existent ist?
    Wenn man in einen Tempel geht, sieht man viele schöne Statuen, Farben und Symbole. Diese sind für den Pfad wichtig. Dies bezieht sich alles darauf, was wir „Darstellungs-Weisheit“, als „Abbild-Leerheit“ nennen. Während wir dem Pfad folgen und uns auf seine Methoden stützen, ist es sehr wichtig zu wissen, dass der Pfad selbst letztendlich eine Illusion ist. Eigentlich können wir dies nur dann richtig schätzen.

    Das vierte Siegel – Nirvana ist jenseits der Extreme

    Da ich nun Leerheit erklärt habe, finde ich, dass das vierte Siegel „Nirvana ist jenseits von Extremen“, ebenfalls abgehandelt wurde. Aber in aller Kürze, das letzte Siegel ist ebenfalls etwas einigartig Buddhistisches. In vielen Philosophien oder Religionen ist das finale Ziel etwas, dass man erhält und behält. Das letzte Ziel ist das einzige Ding, das wirklich existiert. Aber Nirvana ist nicht hervorgebracht, daher ist das nicht etwas, das man bekommen kann. Dies bezieht sich auf „jenseits der Extreme“.
    Wir glauben manchmal, dass wir irgendwo hingehen können, wo wir ein besseres Sofa oder ein besseres Duschset, ein besseres Abwassersystem, ein Nirvana, wo man keine Fernbedienung braucht, wo alles sofort vorhanden ist, wenn man es nur denkt. Aber ich sagte früher, es ist nicht, dass wir etwas neues hinzufügen, das vorher nicht bestanden hat. Nirvana ist erlangt, wenn alles entfernt wurde, was künstlich und verschleiernd war.
    Es macht nichts aus, ob man ein Mönch oder eine Nonne ist, dies sich dem weltlichen Leben entsagt haben oder ob man ein Yogi ist, der die tiefgründigen tantrischen Methoden praktiziert. Wenn man versucht, Anhaftung an die eigenen Erfahrungen aufzugeben oder zu verwandeln, versteht man die vier Siegel nicht. Man endet darin, die Inhalte des Geistes als Manifestationen etwas bösen, teuflischen oder schlechten anzusehen. Wenn man das macht, ist man weit von der Wahrheit entfernt. Und der ganze Kern des Buddhismus liegt darin, dass man die Wahrheit versteht. Wenn es eine wahre Beständigkeit in den zusammengesetzten Phänomenen gäbe; wenn es wahre Freuden in den Emotionen gäbe, hätte der Buddha dazu bemerkt, in dem er gesagt hätte: „Bitte haltet sie fest und bewahr diese.“ Aber dank seines großen Mitgefühls, tat er dies nicht, da er für uns wollte, dass wir erkennen, was wahr ist, was wirklich ist.
    Wenn man ein klares Verständnis von diesen vier Siegeln als die Basis der eigenen Praxis hat, wird man zufrieden sein, egal was mit einem geschieht. So lange man diese vier als Sicht hat, kann nichts schief gehen. Wer immer diese vier im Herzen oder in der Hand hält und sie kontempliert, ist ein Buddhist. Es ist dann nicht notwendig, dass eine Person einen als Buddhist bezeichnet. Er oder sie durch diese Definition ein Nachfolger des Buddha.“

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