Wachs: „Im Netz fliegen die Steine einfach viel zu schnell“

Beschimpft, beleidigt, tyrannisiert: Jedes dritte Kind wurde schon im Internet gemobbt. Nun alarmiert eine Studie: Die Betroffenen haben auch ein höheres Risiko, Opfer von sexuellen Übergriffen zu werden. Alexandra Zykunov berichtet für DIE WELT über die beunruhigende Studie des Erziehungswissenschaftlers Sebastian Wachs zum zum „Cybermobbing“:

„Diese Kinder suchen dann Zuneigung und Anerkennung und scheinen anfälliger für Annäherungsversuche von Erwachsenen zu sein“, erklärt er. „Das machen sich Cybergroomer zunutze.“ Anzügliche Nachrichten von Fremden sind die Folge. Es trifft meist Mädchen im Alter zwischen zwölf und 16 Jahren. „Wir stehen noch ganz am Anfang bei der Erforschung des Phänomens“, sagt Wachs. Dabei trifft es mehr Jugendliche, als man denkt. „In unserer Studie haben wir festgestellt, dass jedes fünfte Kind schon mal im Internet sexuell belästigt wurde. Jedes 15. Kind erfährt dieses Leiden regelmäßig.“ Das bedeutet, dass hierzulande in jeder Schulklasse ein bis zwei Opfer von Cybergrooming sitzen. „Die Täter fangen meist harmlos an. Er fragt, wie dein Tag war, ob es wieder Stress mit den Mitschülern gab, und täuscht vor, dass er an dir und deinem Leben interessiert ist und du dich ihm anvertrauen kannst“, erklärt Wachs.

Mehr in dem Artikel „Geh doch sterben, du scheiß Opfer“: www.welt.de.

Kommentare

  1. Ein persönliches Wort: Leider fliegen die verbalen Steine im Netz auch unter Christen viel zu schnell. Es ist erschreckend, wie oft Foreneinträge weit entfernt von höflich sind (so ist wohl die Liebe nach 1Kor 13), wie geseufzt wird (gegen Jakobus 5,9), wie schlecht geredet wird (gegen Jakobus 4,11), wie man diffamiert (gegen Psalm 15,1-3) und das alles im Namen der (reformierten) „Wahrheit“. Selten wird vorab mit dem Betroffenen geredet, noch seltener sich für das schlechte Schreiben entschuldigt. Während in der Gemeinde gegen Leiter keine Anklage außer aufgrund von zwei oder drei Zeugen angenommen werden darf (1Timotheus 5,19), darf im Netz jeder gegen jeden hetzen und Halbwahrheiten verbreiten. Als Opfer weiß ich, wovon ich schreibe. Es ist so einfach, aus einer Internetseite einen Auszug zu posten und mit einer manipulativen Frage zu verbinden, um den Autor in ein schlechtes Licht zu rücken. Es ist so viel schwerer, ihn vorher anzurufen, ihn nach seiner aktuellen (!) Meinung zu fragen und ihn in Liebe für die eigene Position zu gewinnen. Ist es nicht so: Fehlverhalten ist entweder eine Sache für vier Augen (Matthäus 18,15-17) oder fällt unter ertragen… alles andere ist von Übel. Als nichtreformierter Christ wünschte ich mir hier mehr Augenmaß und mehr Liebe von meinem reformierten Glaubensgeschwistern. Man muss niemanden verachten, nur weil er nicht auf TULIP steht.

  2. @Jürgen: Da stimme ich Dir zu! Ergänzen muss ich aber: Nicht nur Reformierte können gnadenlos (!) Steine werfe, das können andere auch ganz gut. 😉

    Liebe Grüße, Ron

  3. @Jürgen Fischer

    Naja, ich persönlich kenne es gerade anders herum als Beobachter, als …
    Mir ist gar nicht bekannt, dass im Namen „reformierter“ Wahrheit „schlecht“ geredet, diffamiert, nicht mit Betroffenen geredet, sich für schlechte Schreiben nicht entschuldigt wird.

    An der Stelle würde mich schon interessieren, wo dir oder Anderen so etwas „Extremes“ im Namen der „reformierten“ Wahrheit passiert ist.

    Wundert mich, dass diese Anschuldigung durchaus ohne alle Beweismittel so einfach durchgeht???

    Nichtsdestotrotz liebe Grüße Lutz

    PS: Damit will ich nicht sagen, das „reformierte“ Wahrheit ein Garant für „sündlose“ Verhaltensweisen sei. Jeder „Reformierte“ würde hier schon energisch widersprechen.

  4. @Jürgen Fischer

    Notwendiger Nachtrag:

    O. k. es tut mir leid, ich hätte eher auf Idee kommen sollen, die Webseite in Verknüpfung mit deinem Namen hier aufzurufen …

    Es steht aber nach wie vor meine einfache Frage: Wie kommst du zu deinem „vernichtenden Urteil“ gegenüber „reformierten“ Geschwistern? – würde mich echt interessieren …

    Auf dieser Webseite steht:

    http://www.frogwords.de/credo

    Zitat: „Vorbemerkung 1: Ich sehe es als ein großes Vorrecht an, erst ca. 10 Jahre nach meiner Bekehrung auf die unterschiedlichen theologischen Systeme gestoßen zu sein, die man unter den Schlagworten „Calvinismus“ und „Arminianismus“ zusammenfasst. Ich durfte die Bibel über 10 Mal durchlesen und mir jahrelang eigene Gedanken machen, ohne dass mein Denken (zu sehr) von Systemen geprägt wurde.

    Vorbemerkung 2: Ich danke meinen reformierten Lehrern am Martin-Bucer-Seminar, dass sie mich als Schüler ertragen haben und mich „zwangen“, gute reformierte Theologie von Calvin bis Grudem zu lesen. Auch wenn ich mich selbst eher mit dem Gedankengut eines Arminius anfreunden kann, liebe ich meine reformierten Bekannten und Freunde, bete für sie (und zwar nicht, dass sie ihre theologische Position aufgeben, sondern , dass sie das Reich Gottes an dem Punkt bauen, wo sie stehen) und danke Gott, dass sie mir in vielen, vielen Punkten ein leuchtendes Vorbild sind.

    Vorbemerkung 3: Ich wollte nie in Lehrstreitigkeiten hinein gezogen werden und will es immer noch nicht. Niemand mache mich bitte zum Aushängeschild für irgendeinen “-Ismus“ und ich werde mir das Recht vorbehalten, nur die E-Mails zu beantworten, die ich beantworten will bzw. gehässige E-Mails mit Namensnennung auf meiner Facebook-Seite zu posten.“

  5. Schandor meint:

    @Jürgen Fischer

    Ich wollte mich da nicht einmischen (ja, ich weiß, ich bin ein fürchterlicher Querulant, aber ich habe nun mal nix außer Theoblog … ), aber lass mich Dir bitte Eines sagen.

    Wen der reformierte Gedanke (das „TULIP“, wie Du es nennst) bis ins Herz hinein getroffen hat (bei mir die Lektüre von Loraine Boettner: The Reformed Doctrine of Predestination), der weiß wenigsten zwei Dinge ganz genau:

    1) Stolz über eine eigene Erkenntnis ist so ziemlich das Allerletzte, was einen da noch treibten kann, ja, treiben darf!
    2) Hätte Gott selbst (!) nicht mein Herz überwunden, ich selbst hätte als glühender „Arminianer“ dazu nie, nie, nie gefunden.
    Darum heißt es auch von Herzen: soli deo gloria. Ich weiß genau, wovon ich schreibe, denn eines kenne ich genau: was es heißt, glühendster Arminianer zu sein.

    (Das ist keine Kritik, sondern einfach eine Art von Bekenntnis)

    Sieh das also bitte auf keinen Fall als Kritik oder Herablassung an. Ich glaube aber, Dich verstehen zu können. Es ist und bleibt ein Kampf, dieser Weg von „A“ nach „R“. Oder nach „C“. (*kicher* – da könnte man fast noch „SPROUL“ anfügen …)
    Gehe doch diesen Weg. Du wirst Blessuren erleiden, es aber nicht bereuen.

    LGS

  6. „Leider fliegen die verbalen Steine im Netz auch unter Christen viel zu schnell.“ Dasselbe habe ich auch sofort gedacht, auch aus eigener Erfahrung.

    Ich will das also einfach mal festhalten und allgemein bestätigen. Zu den theologischen Differenzen denke ich, dass wir uns gegenseitig viel zu schnell in Schubladen legen und die jeweiligen Fraktionen oft selbst gar nicht wissen, was sie ihrem Schlagwort-Bekenntnis entsprechend eigentlich zu glauben meinen. In anderen Fällen reden sie einfach aneinander vorbei.

    Und dann bin ich noch der Meinung, theologische Differenzen über das Internet auszutragen hat seine Grenzen. Dann lieber die persönliche Auseinandersetzung mit dem Thema vor Ort in der Gemeinde, auf einer Konferenz oder mit Hilfe von Büchern und längeren Beiträgen.

  7. @Rami:

    Und dann bin ich noch der Meinung, theologische Differenzen über das Internet auszutragen hat seine Grenzen. Dann lieber die persönliche Auseinandersetzung mit dem Thema vor Ort in der Gemeinde, auf einer Konferenz oder mit Hilfe von Büchern und längeren Beiträgen.

    Stimme zu. Mein Motto diesbezüglich seit 6 Jahren:

    „Right now, and for the foreseeable future, the blogosphere is the friend of Information but the enemy of thought.“ (Alan Jocobs)

    Liebe Grüße, Ron

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