Wahre Prophetie ist christozentrisch

Manfred Dreytza schreibt in „Prophet gegen Prophet: Zu Dtn. 18 und anderen Texten“ (Herbert Klement (Hg.), Theologische Wahrheit und die Postmoderne, 2000, S. 188–207, hier S. 205):

Alle wahre Prophetie – auch die alttestamentliche – ist ihrem Wesen nach Christologie und lebt von Jesus Christus selbst als Ermöglichungsgrund, als Inhalt und Ziel. Das ist nicht vordergründig zu verstehen, als müsse jede Weissagung eine formale Aussage über den Messias enthalten, sondern material. „Mose hat von mir geschrieben“ (Joh 5,46). Auf unser Thema angewandt heißt das: Unwahrer Prophetie fehlt das Christuszeugnis. Sie maßt es sich nur an: „Siehe, hier ist der Christus! oder da!“ (Mt 24,23).

Kommentare

  1. Schandor meint:

    Interessant!

    Wahr also nicht iSv „stimmig“, mit den Tatsachen übereinstimmend, sondern hier als „rechtmäßig“ … wenn ich’s richtig verstanden hab. Nicht dass das eine das andere ausschlösse, geht es hier offenbar um Priorität.

  2. @Schandor: JA, überstimmend mit den Tatsachen (also Erfüllung) gehört natürlich auch zum Kriterium für wahre Prophetie (vgl. Dt 18,22; Jer 28,9).
    Liebe Grüße, Ron

  3. Das ist doch einfach nur (fromm-evangelikal-reformierter) Theologen-Sprech, für den nur die Zustimmung empfinden (im Unterschied zum Konzept des „Verstehens“), die irgendwie derselben Meinung sind. Und weil es sich so fromm anfühlt, stört es auch den bibeltreuen Autor und Leser nicht, ein weiteres Prophetiekriterium zur Schrift hinzuzufügen und dieselbe durch das Postulat einer über oder unter dem Literalsinn liegenden Material-Ebene in ihren Aussagen zu degradieren. Was das Zitat als Unterscheidung von Formal und Material-Ebene (die bei jedem Text natürlich zu unterscheiden, aber nicht zu trennen sind, und noch um die Referentebene zu ergänzen) einführt ist nichts anderes als eine Hilfshypothese zur SElbstimmunisierung des eigenen Theologomenon gegen Prophetentexte, die keinerlei „formalen“ Messiasbezüge enthalten. Es ist völliger Unsinn, dass etwas „Inhalt“ eines (Propheten)TEXTES sein soll, ohne dass dieser Inhalt sich auf der FORMALEN Textebene so eindeutig widerspiegelt, dass dies in der Kommunikation, für die dieser Text verfasst wurde, erschlossen werden kann und wird. Entsprechend führt das Zitat bei der Anwendung seines Theologomenons die Formalebene auch wieder ein – denn ein rein formales, nur materiales „Christuszeugnis“ wäre kein brauchbares Kriterium zur Unterscheidung der Geister und schon vom Begriff selbst an sich ein Selbstwiderspruch, da in diesem Begriff sowohl Inhalt (Christus) als auch Form (Zeugnis) gegeben sind. Um jene Wieder-Einführung durch die Hintertür zu verdunkeln wird natürlich ein „passender“ Bibelvers eingeworfen – dass dieser Bibelvers keine Prophetie wiedergibt, wohl aber in Jesu Mund Prophetie ist, deren Unwahrheit sich aber gerade nicht an mangelnder Materialität, sondern – klassisch nach 5. Mose – an mangelnder Wirklichkeitskongruenz erweisen soll, wird übersehen – vermutlich, weil Theologomenon und dieser Vers in keinem exegetischen Verhältnis zueinander stehen, sondern in einem reinen (assoziativen) Beleg(versuchs)verhältnis. Aber selbst wenn der Vers ein metalinguistisches Kriterium, dh zur Beurteilung von Texten/Aussagen, konstituieren würde, wäre damit nichts für das Theologomenon gewonnen, da sich damit eine materiale Messianität formal nicht-messianischer Prophetie natürlich nicht begründen lässt, sondern im Gegenteil: es stellt sich selbst unter ein Verdikt, möglicherweise selbst eine Anwendung jenes Verses zu sein, dh, zu behaupten „Hier in dieser Prophetie ist Jesus“, ohne es belegen zu können und gegen den Wortlaut der Schrift.

    Ja, Moses hat über Jesus geschrieben, aber eben nicht nur. Und dasselbe gilt für den Rest des AT, denn Jesus hat den Seinen (Lukas 24) nicht die ganze Schrift erklärt, sondern nur einen Teil als es darum ging, was über ihn handelte (27.44, mit der inhaltlichen Spezifizierung 45-47). Die – etwas ungelenk ausgeführten – philosophischen Purzelbäume sind folglich unnötig.

    Wer meint, in den Rest Christus auch hineinlesen zu können, sollte bei seinem weiteren (nach Begründung suchenden) Theologisieren auf interne Konsistenz und Konsequenz achten und sich selbst nicht von dem aussparen, was er auf den Gegner anwendet. Man kann nicht dem einen Theologomenon (postmoderne Predigt? Charismatische Prophetie?) Unwahrheit vorwerfen aufgrund eines Kriteriums, das auf das eigene Theologomenon a priori nicht angewendet werden soll. Bzw. man kann natürlich schon, aber wird dann die Antwort erhalten: Zeige mir dein rein materiales Christuszeugnis in Apg 11:28 oder 2Kö 8:1, dann zeige ich dir meins. Vielleich sogar aus meinem formalen. Materiales ohne formales Christuszeugnis ist tot – frei nach Jakobus.

    Wenn man für die gegenwärtige Prophetie (Predigt, Charismatik) die Christozentrik als zentrales Kriterium etablieren will, dürfte der Ansatzpunkt beim Heiligen Geist als dem, der als zentrale Aufgabe und Intention die Vergegenwärtigung Christi hat (frei nach Packer), vielversprechender sein. Wenn also auch Christusfreie Prophetie in der Schrift vorkommt, auch – wenn auch marginal – im NT, so sollte das doch nur entsprechenden (wenig) Raum einnehmen und trotzdem – etwa in der Predigt – normalerweise um eine christozentrische, dh das Christliche Leben betreffende, treffende, auf seinen Gegenstand, Grund, Quelle, Ziel ausrichtende, Anwendung ergänzt sein. Weil nur ein solches heutiges Predigt/Prophetie-Werk die Handschrift des Heiligen Geistes trägt und seiner Stoßrichtung folgt.

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