Warum musste Jesus sterben?

Holger hat einen empfehlenswerten Beitrag über die Sühnetheologie verfasst:

Hier hat offensichtlich ein klassischer Paradigmenwechsel stattgefunden. Es wäre ehrlich, wenn Plasger, Bohl und andere zugeben würden, dass die ernsthaften Theologen der Vergangenheit wie Calvin und Bullinger in der Zürcher Übereinkunft (1541) noch ganz anders formulieren konnten: „Er [Christus] ist zu betrachten als ein Sühnopfer, durch welches Gott versöhnt ist mit der Welt.“ Und niemand anders als Karl Barth wusste noch zu sagen:

„Jesus hat den Zorn Gottes ein Leben lang getragen. Mensch-sein heißt vor Gott so dran sein, diesen Zorn verdient zu haben. In dieser Einheit von Gott und Mensch kann es nicht anders sein als dass der Mensch dieser Verdammte und Geschlagene ist… Dazu ist Gottes Sohn Mensch geworden, dass in ihm der Mensch unter Gottes Zorn sichtbar wird… Mensch sein heißt vor Gott so dran sein, wie Jesus dran ist: Träger des Zornes Gottes zu sein. Das gehört uns, das Ende am Galgen! Aber das ist nicht das Letzte: nicht der Aufruhr des Menschen und nicht der Zorn Gottes. Sondern das tiefste Geheimnis ist dies, dass Gott selber in dem Menschen Jesu dem nicht ausweicht, an die Stelle des sündige Menschen zu treten und das zu sein…, was dieser ist, ein Empörer, und das Leid eines solchen zu leiden. Die totale Schuld und die totale Sühne selber zu sein! Das ist es, was Gott in Jesus Christus getan hat.“ (Dogmatik im Grundriß)

Auch die evangelischen Gesangbücher sollten dann besser entschlackt werden, wo es wie in EG 342 („Es ist das Heil uns kommen her“) immer noch heißt: „Doch mußt das Gesetz erfüllet sein, / sonst wärn wir all verdorben. / Drum schickt Gott seinen Sohn herein, / der selber Mensch ist worden; / das ganze Gesetz hat er erfüllt, / damit seins Vaters Zorn gestillt, / der über uns ging allen.“

Heute scheint ein neues Dogma zu herrschen: Bleib mir bloß fern mit dem Zorn Gottes, der gestillt werden müsste! Eine Dogmatik wie die von Eduard Böhl könnte solch ein Denken korrigieren. Der Wiener Professor formulierte Ende des 19. Jahrhunderts noch eindeutig: „So hat denn Jesus zunächst die ganze Zeit seines Lebens auf Erden den gesamten vom Gesetz geforderten Gehorsam Gott dargebracht und zugleich dabei den Zorn Gottes wider die Sünde und alle aus derselben hervorgehenden Strafen getragen.“ Oder: „Hier [auf Golgatha] erreichte der Gehorsam Christi den Gipfelpunkt. Auch hier gab er dem Vater sein Recht, auch hier ertrug er willig den Zorn Gottes wider das Fleisch und die Sünde.“ Christus „erfuhr bis zum äußersten den Zorn Gottes, und der Verdammten schreckliches Los ward seines“. „Und in Gottes Augen… ist auch kein Fluch, kein Verdammungsurteil und kein Zorn mehr vorhanden denen gegenüber, welche er gerecht gesprochen um Christi willen.“

Nach langer Fahrt auf der richtigen Strecke wird dann doch die falsche Ausfahrt genommen, eine Ausfahrt, die schon F. Sozzini, später J. McLeod Campbell, H. Bushnell, A. Ritschl, C.H. Dodd, V. Taylor, W. Wink und nun S. Chalke, A. Mann, C. Pinnock und B. McLaren genommen haben. Danach hat das Kreuz zuerst und in erster Linie eine Auswirkung auf uns Menschen. Die objektive Basis geht verloren. Bei mehrglauben.de klingt das dann so:

„Es ist also nicht Gott, der dem Menschen feindlich gegenüber steht, sondern der Mensch, der sich gegen Gott und seine guten Gebote, die Leben erst ermöglichen, wendet. Immer dort, wo der Mensch dem Menschen zum Wolf wird, zeigt sich, dass Menschen nichts so sehr brauchen wie Versöhnung. Immer da, wo der Mensch dem Menschen ins Gesicht schlägt, trifft er auch den Schöpfer. Aus dieser feindlichen Haltung heraus muss der Mensch versöhnt werden. In Christus begegnet er dem Menschen und dem Gott, der selbst den Schlag entgegennimmt – und die Verurteilung des Schlägers.“

Hier mehr: lahayne.lt.

Kommentare

  1. Servus Ron,
    du hattest vor ein paar Tagen ein Buch von Bernd Janowski beworben (?). Darin geht der Autor einen anderen Weg.
    – Gott überwindet seinen Zorn über die Sünde und lernt dazu (Sintflut Geschichte)
    – Jesus als Sühnopfer in dem Sinn, das er den Tempel als Begegnungsstätte von Gott und Mensch ablöst.
    – Strafe ist als „Rückführung der Tatfolge auf den Täter“ zu verstehen. Der Täter wird mit den Folgen seiner Tat konfrontiert. Tun-Ergehen-Zusammenhang.
    Das zeichnet zusammen ein anderes Bild…

    Janowski hat viel über das Thema Sühne geschrieben (was ich sicher nicht alles gelesen habe), aber es scheint doch, dass die Gleichung „Gottes Zorn über die Sünde wird durch Jesu Tod am Kreuz gestillt“ alles andere als eindeutig, unumstritten oder unproblematisch ist. Karl Barth hin oder her.

    Mich würde einmal interessieren, was du zu den Anmerkungen jüdischer Theologen sagst:
    – Laut AT soll niemand für die Sünde eines anderen sterben
    – Opfer sind für die Vergebung von Sünden nicht zwingend notwendig (sonst wäre das Volk im Exil arm dran gewesen).

    Gruß

  2. Ach ja, wichtig wäre noch:
    – Laut jüdischem/AT Verständnis wird der Zorn Gottes durch Umkehr (Buße) und Sündenbekenntnis gestillt.
    – Menschenopfer waren im AT verboten

    Warum sollte Gott nun doch ein „Menschenopfer“ (so formulieren ja einige Kritiker spitz) verlangen?

  3. @Ben:

    a) Nach dem Gesetz gibt es keine Vergebung ohne Opfer (vgl. Heb 9).
    b) Diese unselige Rede vom Menschenopfer, dass Gott ja verboten hat, verschleiert nur das Problem. Wer sagt denn, dass Gott ein Menschenofper braucht oder verlangt? So etwas sagen vielleicht H.-P. Jörns oder N. Schneider, um die Weichen zu stellen.

    Liebe Grüße, Ron

  4. @Ron: Hebr 9 sagt, keine Vergebung ohne Blutvergießen. Im Kontext will der Autor sagen, dass im jüdischen Opfersystem Blut nicht wegzudenken ist. Es geht nicht um Vergebung im allgemeinen Sinn, meiner Meinung nach.

    Wie könnte Jesus sonst Sünden vergeben haben? (z.B. Mk 2)

  5. (komisch…mein aller erster Kommentar ist wohl flöten gegangen, also nocheinmal)

    Servus Ron,

    ein spannendes Thema…Du hattest vor ein paar Tagen ja den neuen Schinken von Bernd Janowski vorgestellt. Er hat (so ich ihn richtig verstehe) eine etwas andere Herangehensweise.

    – Der Zorn Gottes über die Gewalt der Menschen wird bei ihm bereits im AT überwunden (Sintflutgeschichte), indem Gott dazulernt und sich verändert. Dazu brauchte Gott aber kein Opfer.
    – Im Gegensatz zum Heidentum ist der Zorn Gottes Ausdruck seines Mitgefühls und seines Mitleids. Gott ist im AT also nicht gefühllos. Hier ist der Zorn aber kein Bedürfnis in Gott, sondern ein auf die Heilung der Welt gerichtetes in der Welt involviert sein…(Woher kommt nun aber die Idee, dass Gott es nötig hat, seinem Zorn „Luft zu machen“/ihn zu stillen? Ist das nicht ein seltsames „Bedürfnis“ innerhalb eines Gottes, der sonst mit sich selbst zufrieden ist?)
    – Strafe ist im AT kein zugeordnetes Unheil, sondern eine Tatfolge, die Gott aktiv auf den Täter zurückbringt. Gott konfrontiert den Täter mit seiner Tat. Hier ist zumindest Raum dafür, dass Strafe ein Ziel hat.
    – Das Sühnopfer Jesu wird als Ablösung des Tempelkultes verstanden. Jetzt findet die Begegnung von Gott und Mensch durch Jesus statt. Bei Janowski scheint mir außerdem Sühne eher mit kultischer Reinheit zusammenzuhängen, weniger mit Sündenvergebung (da gibt es meines Wissens nach im Judentum eine Überschneidung, allerdings auch deutliche Unterschiede).

    Karl Barth hin oder her, das sind schon wesentliche Anfragen an die angesprochene Sühnetheologie.

    Wie ist es außerdem mit den Anfragen jüdischer Theologen:
    – kein Mensch darf für die Sünde eines anderen sterben
    – für die Sündenvergebung sind Opfer nicht zwingend nötig (schließlich wären die Juden im Exil sonst arm dran gewesen)

  6. Mein aller erster Kommentar hat nicht funktioniert, daher noch ein Versuch:

    Du hattest vor ein paar Tagen ja den neuen Schinken von Bernd Janowski vorgestellt. Er hat (so ich ihn richtig verstehe) eine etwas andere Herangehensweise.

    – Der Zorn Gottes über die Gewalt der Menschen wird bei ihm bereits im AT überwunden (Sintflutgeschichte), indem Gott dazulernt und sich verändert. Dazu brauchte Gott aber kein Opfer.
    – Im Gegensatz zum Heidentum ist der Zorn Gottes Ausdruck seines Mitgefühls und seines Mitleids. Gott ist im AT also nicht gefühllos. Hier ist der Zorn aber kein Bedürfnis in Gott, sondern ein auf die Heilung der Welt gerichtetes in der Welt involviert sein…(Woher kommt nun aber die Idee, dass Gott es nötig hat, seinem Zorn „Luft zu machen“/ihn zu stillen? Ist das nicht ein seltsames „Bedürfnis“ innerhalb eines Gottes, der sonst mit sich selbst zufrieden ist?)
    – Strafe ist im AT kein zugeordnetes Unheil, sondern eine Tatfolge, die Gott aktiv auf den Täter zurückbringt. Gott konfrontiert den Täter mit seiner Tat. Hier ist zumindest Raum dafür, dass Strafe ein Ziel hat.
    – Das Sühnopfer Jesu wird als Ablösung des Tempelkultes verstanden. Jetzt findet die Begegnung von Gott und Mensch durch Jesus statt. Bei Janowski scheint mir außerdem Sühne eher mit kultischer Reinheit zusammenzuhängen, weniger mit Sündenvergebung (da gibt es meines Wissens nach im Judentum eine Überschneidung, allerdings auch deutliche Unterschiede).

  7. @ Ben: Hebr 9 sagt, dass es Sühne braucht und Gott Sühnemittel eingesetzt hat.

    Deine Frage bzgl. Mk 2 verstehe ich nicht ganz. Möglicherweise geht es darum, dass Jesus einfach vergeben hat und keine Sühne forderte. Aber genau das ist ja seine Sendung und Zeichen des Neuen Bundes, denn er selbst ist das einmaliger Opfer, das alle Vergehen sühnt. Wir hatten diese Diskussion schon mal im Blick auf Lk 15. Da verstehe ich das eher: Hat nicht der Vater seinem Sohn einfach vergeben? Hat er. Aber weder Mk 2 noch Lk 15 suspendieren die rechtlichen Fragen bzw. die Sühnung von Schuld.

    Liebe Grüße, Ron

  8. Sehr schön finde ich in diesem Zusammenhang die Stelle aus Ex 34:7 (etwas aus dem Zusammenhang gerissen):
    „… und vergibt Missetat, Übertretung und Sünde, aber ungestraft lässt er niemand ..“
    Das ist ja erstmal ein Widerspruch. Wie kann Gott etwas vergeben und gleichzeitig bestrafen? Indem jemand anderes die Strafe auf sich nimmt, damit uns vergeben werden kann.

  9. @Ben: Ich habe das Buch von Janowski in einer Rezension empfohlen, aber eben nicht uneingeschränkt empfohlen. Bei der Frage der Sühne kann ich ihm nicht folgen, obwohl ich es begrüße, dass Christus für ihn „der Sühneort“ ist (nach J. wird die kutlische Sühnung des ATs von Paulus aufgenommen und transformiert). Aber das ist letztlich wieder ein anderes Thema.

    Ich kann mit dem „Gott hat das Bedürfnis, seinem Zorn Luft zu machen“ oder „Gott verändert sich u. lernt dazu“ überhaupt nichts anfangen. „Zorn als Ausdruck von Mitleid“ ist ebenfalls eine merkwürdige Konstruktion (das Gottes Zorn zur Umkehr treiben will, kann ich dagegen nachvollziehen). Was ist das denn für eine Form des Mitleids, das mit dem Schwert zu töten androht oder tötet (vgl. z.B. Ex 22,22-24)?

    Gottes Zorn verstehe ich als heilige Antwort auf das Böse. Gott ist heilig und gut. Da alles, was Gott tut, in Übereinstimmung mit seinem Wesen geschieht, sollte es kaum überraschen, dass er das Böse haßt und straft. Er kann als gerechter Gott nicht einfach ein Auge zudrücken. Der von Dir angesprochene Tat-Ergehen-Zusammenhang gehört auch dazu. Durchbrochen wird dieser durch Sühne und Vergebung und im eigentlichen und vollkommenen Sinn durch Christus. Aber eben nicht etwa so, dass Recht einfach aufgehoben würde, sondern, indem Christus die Strafe, die wir verdienen, trägt.

    Alles Gute für das neue Jahr, Ron

  10. Hallo Ron,
    vielen Dank für deinen informativen und stets interessanten Blog! Ich wünsche dir und deiner Familie alles Gute und vor allem Gottes spürbaren und erlebbaren Segen für das Jahr 2014!
    Grüße aus der Lutherstadt Coburg
    Peter

  11. @Ron: dir ebenfalls alles Gute für 2014 und Gottes Segen!

    Ich weiß nicht, ob ich im Zusammenhang zu LK 15 schon einmal das Argument angeführt hatte, aber für mich ist das Entscheidende, dass eine Strafe im Sinne eines neu hinzugefügten Übels mehr Unheil entsteht. (was Mk 2 angeht, hast du genau das getroffen, was ich meinte. Deine Antwort kann ich nachvollziehen.) Das Gerechtigkeit zu nennen ist aus meiner Sicht pragmatisch (weil es vielleicht menschlich keine bessere Lösung gibt) aber es ist sicher nicht ideal.

    Aus meiner Sicht gibt es mit dem Motiv der Neuschöpfung eine bessere „Gerechtigkeit“, die nämlich nicht zerstört, sondern heilt. Ich meine, Janowski hätte das auch gestreift (in einem anderen Buch): Im jüdischen Verständnis kann Gott Sünde nicht „einfach so vergeben“. Aber aus einem anderen Grund, wie du ihn angedeutet hast. Lässt Gott Sünde unbeachtet, dann setzt er den Menschen hilflos den Folgen seines Tuns aus. Gott muss in den Tun-ergehen-zusammenhang eingreifen, aber eben zur Heilung.

    Es geht im Grunde um den Unterschied von strafender und wiederherstellender Gerechtigkeit. Was denkst du dazu?

    Gruß

  12. Nun, Gott schafft Heil, indem er seinen Sohn, der sündlos ist, straft. Darum geht es mir.

    Liebe Grüße, Ron

  13. „Eine Lüge, die nicht mit einer Wahrheit anfängt, wird nicht geglaubt.“

    (Alte jüdische Weisheit)

    Die erste Wahrheit ist, dass diese Welt und ihre Bewohner durch den Gott Jahwe erschaffen wurden. Die erste Lüge ist, dass diese „Schöpfung durch das Wort“ die physische Welt und den biologischen Menschen betrifft. Davon steht nichts in der Genesis. Die Lüge ist nur eine Fehlinterpretation der Priester, die die kleine Geschichte von Adam und Eva im Paradies, mit der alles begann, gegenständlich-naiv als zwei nackte Menschen in einem Obstgarten darstellen. Um bei denen, die die „Geistlichen“ noch nicht als Geisteskranke identifizieren konnten, glaubhafter zu erscheinen, werden der ersten Lüge weitere Lügen hinzugefügt, die weniger gegenständlich, aber dafür umso naiver sind: http://de.wikipedia.org/wiki/Erbsünde

    Es lügen alle Juden, die die Erbsünde leugnen, es lügen alle Katholiken, die sich mit der Taufe von der Erbsünde erlöst glauben, und es lügen alle Moslems, die sich schon seit der „Vertreibung aus dem Paradies“ von der Erbsünde entschuldigt glauben. Die Wahrheit über die Erbsünde ist, dass wir alle in der Erbsünde existieren und dass aus ihr immer weitere Lügen entstehen, bis sich das ganze Lügengebäude am Ende selbst ad absurdum führt und damit auch die Religion verschwindet. Die ursprünglichen Verfasser der originalen Heiligen Schrift (die Bibel nur bis Genesis_11,9) kannten die wahre Bedeutung der Erbsünde, die in Genesis_3,1-24 mit den vor 3000 Jahren zur Verfügung stehenden sprachlichen Mitteln wissenschaftlich exakt umschrieben ist. Weil aber noch niemand wusste, wie die Erbsünde zu überwinden ist, aus der tatsächlich alle Zivilisationsprobleme – oder, wenn man so will, alle bösen Taten – entstehen, musste diese „Mutter aller Zivilisationsprobleme“ aus dem Begriffsvermögen des arbeitenden Volkes aktiv ausgeblendet werden, damit „diese Welt“ überhaupt entstehen konnte. Das – und nichts anderes – war (und ist noch) die eigentliche Aufgabe aller jüdischen, katholischen und islamischen Priester, auch wenn sie schon lange nicht mehr wissen, was sie tun. Die katholischen und islamischen Priester wussten es nie, und die jüdischen Oberpriester kannten die wahre Bedeutung der Erbsünde etwa bis zum 6. vorchristlichen Jahrhundert. Ansonsten ist es egal, welchen Unsinn die Priester predigen; Hauptsache, die wahre Bedeutung der Erbsünde bleibt dadurch im Verborgenen:

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2013/11/einfuhrung-in-die-wahrheit.html

  14. Hallo,

    der letzte Beitrag in dieser Runde (von Stefan Wehmeier) scheint mir der richtige Augenblick dafür, hinzuzuspringen:

    Die Ausdrücke „Adam und Eva“ stehen tatsächlich nicht für Ebenbilder des Affen, sondern für zwei von drei Geschlechtern, die infolge einer „Schlachtung“ des Adam die Möglichkeit erhalten, einander gegenüber zu treten. Dabei handelt es sich also eher um die zwei grundsätzlichen Erscheinungsweisen von „Energie“, welche dereinst noch Allmacht hieß.

    Die einstigen Autoren – Moses oder wer auch immer – hielten nicht für nötig, mehr als nur zwei „Agregatszustände“ von einander zu unterscheiden, denn nach deren Ansicht war Allmacht entweder „fest“ oder „flüchtig“. Die Flüchtigkeit äußert sich aber auschließlich als Bewegung, welche ein Synonym der „Geste“ ist, und diese widerum ein naher Verwandter des Ausdruckes „Geist“.

    In der Genesis ist also nicht von Figuren wie etwa „Popey & Olivia“ die Rede, sondern von dem Verlöbnis zwischen Leib und Geist, welches überhaupt die allerstärkste und auch eine völlig legitime Form von Liebe ist. Der geschlachtete Adam – also jener, der seiner „besseren Hälfte“ gegenübertreten kann – mimt unterdessen den „Mahnen“ (das Erinnerungsvermögen), denn von daher kommen die Ausdrücke „Mann“, Mannen und Männin.

    Eva – das „Weib“ – steht also ganz zweifellos für das „Gewebe“, denn auch dieses geht mit „Weib“, weben und Wabe auf eine gemeinsame Lautwurzel zurück. Indes spielt auch keine Rolle, ob der Text auf Deutsch, Griechisch oder Hebräisch gelesen wird, denn derartige Etymologien sind quasi in jeder Sprache so ziemlich „logisch“ und geradezu dieselben.

    Weithin bekannt ist nun, dass sich Adam schließlich weigert, Evas Taten zu verantworten, nachdem sich dieselbe am Baum der Erkenntnis vergriffen hatte. Von einem Augenblick auf den anderen stellt er sie plötzlich hin, wie jemanden, mit dem er nichts zu schaffen hat. Wohlgemerkt mit „Fleisch und Bein von seinem Fleisch und Bein“ will er kaum bis gar nichts zu schaffen haben, wobei dem ultimativen „Trauzeugen“ (Gott) freilich sofort der Kamm schwillt, denn in der Tat ist das der Widerspruch schlecht hin: Adam bricht sein ursprüngliches Versprechen, beziehungsweise, „Gelöbnis“ und Ver-löbnis.

    Das heißt, er denunziert leibliches Fleisch, welches ich jetzt nur deshalb näher bestimme (nähere Bestimmung „leiblich“), weil dasselbe Wort ursprünglich nicht vom „Fleiß“ unterschieden war. Fleiß ist wie „Energie“ die Fähigkeit, Arbeit zu verrichten, also ein Adam verliehenes Erbe seines Schöpfers.

    Gott wußte weit verauszusehen, deshalb prophezeiht der dem Geschlechterpaar üble Zeiten, denn wenn nicht richtig oder rechtgesprochen wird, dann wird die Welt zumindest in den Augen der „Rechtsverdreher“ eine ungerechte und dementsprechend feindselige, widerspenstige und schmerzhafte Welt.

    Es würde fortan der eine den anderen beschuldigen (also unrecht sprechen), und zwar bloß aus lauter Angst davor, die Strafe dafür ansonsten selbst in Empfang nehemen zu müssen. Diese Strafe nämlich, ist letztlich genau jene, die dem Paar Adam und Eva agedroht worden war, für den Fall, dass sie von den verbotenen Früchten zehren würden, also der Tod. Aus Angst vor dem Gerechten und seiner ebenso hilfreichen wie gerechten Strafe, beschuldigen sich Menschen gegenseitig, und haben deshalb nur in diesem Sinne „Schuld“, also nicht wirklich!!!

    Adam mußte seine Verurteilung zum Tode trotz aller Flucht und Ausflüchte antreten, kehrt aber wider und zwar (auch / unter anderem) in der Gestalt Christi, der ja auch unter zahlreichen „Theologen“ als ein Widergänger Adams gesehen wird. Diesmal jedoch ist er schon klüger, denn durch Strafe „gestrafft“, weshalb er sich den dummen Umweg von dereinst gleich von Anfang an schenkt. Es stand außerdem noch die Frage im Raum, wie der Mensch von seiner (Erb-) Schuld freikommen könne, und Jesus sagte darauf (quasi):

    Indem ihr nicht länger die Strafe des Gerechten fürchtet und euch nicht länger nur gegenseitig beschuldigt, denn vor Gott ist keiner von euch ein Schuldiger – alle Schuld lastet auf meinen Schultern, denn ICH bin der NACHFOLGER.

    Folglich ist sonnenklar, weshalb Christus ans Kreuz mußte. Es mußte „vor Zeugen“ demonstriert werden, dass der Mensch seine schlimmste Angst überwinden kann, also keineswegs gezwungen ist, seinesgleichen zu beschuldigen.

    Dabei darf ja auch folgendes nicht aus den Augen verloren werden:

    Weder Pontius noch Pilatus wollten den „armen Irren“ hinrichten – Christus hätte nichts wie nur einen Piep in Sachen „Verleumdung“ von sich zu geben brauchen um vom Kreuz wieder los zu sein. Dazu schwieg er aber, denn andernfalls hätte er ja die Juden falscher Rechtsprechung beschuldigt und die „Demonstratio“ versaut.

    Ebenso aufschlußreich (im Zusammenhang mit der Vorgeschichte): Während des letzten Abendmahles gibt er völlig freizügig bekannt, für wenn und was er sich verantwortlich zeichnet, nämlich für das, was der Leib tut – „Brot und Wein“ – er gesteht endlich, dass sein Weib tatsächlich SEINES ist. „Mein sagen“ meint dasselbe wie „minnen“ und dies widerum ist ein Synonym für „freien“. Christus steht also zu seinem ehemals gegebenen Wort, Gelöbnis und Versprechen, woraufhin der Antwortet: Okay, Leute – das ist derjenige, der mein ganzes Erbe antreten wird, denn Er ist in mir und Ich in Ihm.

    Das alles erklärt hinreichend, wie nur ein einziges „Menschenopfer“ dazu taugen konnte, alle Menschen von Schuld (-gefühlen) zu befreien: Sie waren alle schon vorher frei von Schuld – jedenfalls vor Gott, denn gerade um das verirrte Schaf sorgt er sich noch mit am allermeisten.

    Liebe Grüße, Alexander

  15. Überhaupt erscheint mir der Beitrag Stefan Wehmeiers geradezu wie ein Wunder, denn die Sache / Sage so derart gut auf den Punkt gebracht, las ich dieselbe noch nirgends:

    Etwas mißverständlich ist allenfalls die Formulierung: „Die erste Lüge ist, … / Die Lüge ist nur eine Fehlinterpretation …“. (Das könnte manchen Leser etwas stutzen lassen …).

    Er meint nicht, dass dieselbe Lüge zum Inhalt falscher Interpretation wurde, sondern, dass Lüge und falsche Interpretation ein und dasselbe sind.

    Wiederum dasselbe ist die Erbsünde des Menschen, denn wie Adam und / oder Eva zu sprechen, vererbt sich an die „Kinder“, und zwar genau solange, bis irgendein Widergänger Adams (Evas Samen / Urenkel) sich erhebt und dem Verrat am Wort, also der Lüge, wie vom Vater prophezeiht den Kopf zertritt …

    Die entscheidenende Ergänzung jedoch (interpretiert):

    … die Pharisäer, welche das Wort falsch Auslegen, die werden IHN unterdessen in die Seite stechen …

    was Christus aber nicht weiter juckt, denn danach und genau dadurch fällt alles väterliche Erbe an IHN, samt allem Gericht! Erst durch die Bereitschaft, alle gerechte Strafe anzunehmen, wird der ursprüngliche Verrat am Wort, Vater oder Logos revidiert.

    Und was war der Verrat:

    Der Verrat war, anzunehmen, dass des Gerechten Strafe nicht gerecht oder gut sein könnte – womöglich sogar „ungerecht“, also tatsächlich ein Widerspruch in sich, und deshalb geflohen (verflucht) werden müsse.

    Adam floh unter die Büsche, doch als der HErr ihn nichtsdestotrotz auffand und zur Rede stellte … wen hat er da bei der Hand? Ist das nicht doch diejenige, mit welcher er (angeblich) kaum was zu schaffen haben wollte?

    Seine verleugnete (gehaßte) Geliebte? Warum hält er so fest an ihr – warum nennt er das, was er tut, nicht genau so, wie es heißt?

    Dass wie nach Wehmeiers Ausführung das Wort und Evangelium trotzalledem nichts wie nur das Wort ist – trotz allem „Fleisch und Bein“ – würde ich aber sofort unterschreiben. Pharisäer und Römer haben demnach lediglich ein „Gelöbnis“ verspottet, verfolgt, gefoltert und ans Kreuz geschlagen. Und auch nur ein solches ist auch wieder auferstanden – bereits am dritten Tage nach seiner Hinrichtung.

    „Wie liest du?“, fragte ER den Pharisäer.

    Liebe Grüße, Alexander

  16. Es geht also keineswegs um ein „Menschopfer“ im Sinne von Vergeltung, geschweige denn um die Widergutmachung aller bis dato begangenen „Missetaten“ (Morde).

    Außerdem paßt nicht gut zusammen, dass der König des versprochenen Königreiches vom König oder sich selbst verlangt, Buße zu tun für frühere Missetaten. Der Allwissende muß nichts dazu lernen, aber sehr wohl muß noch der Mensch vieles dazulernen, und nur insofern war noch eine „alte Rechnung offen“.

    Der entscheidende Punkt ist, dass das vermeintliche „Opfer“ mit dem HErrn identifiziert wird, und beide mit dem Logos identifiziert werden. Erst so kann die Hinrichtung als ein Lehrstück für den Menschen verstanden werden, das folgende zwei Aussagen macht:

    1. Selbst der Mörder, der Betrüger und die „Schlange“ sind lediglich Werkzeuge herrschaftlichen Willens – zugleich auch das Feuer in welchem der „Golem“ gebrannt werden muß. (Die Katharsis gehört noch mit zur Erschaffung des Menschen, denn der sechste Tag ist noch nicht vorüber). „Anschuldigungen“ treffen also allein den HErrn und auch nur Er kann sie unbeschwert tragen (denn auch entschuldigen i. S. v. begründen)

    2. Des Todes stirbt der Mensch erst seit dem er lügt, denn die Wahrheit ist, dass der Tod (alt-agypt.: Thot) schon nahezu wortwörtlich „Theos“ bezeichnet und daher auch nicht gefürchtet oder geflohen werden braucht, also keinen Grund zur „Erstarrung“ (sterben kommt v. gr.: stara-bein = erstarren) darstellt. Nur der Irregeführte erstarrt vor dem HErrn, denn die fortwährende „Läuterung“ ist des Menschen „Evolution“ (religiös heißt das „Erziehung“ / Zucht) und nur von Vorteil.

    Kurz: Der Tod ist die Tat selbst – das ergibt sich schon aus beider Etymologie.

    Dass das Volk (Gefolge) vom HErrn „ausgewählt“, also selektiert wird, ist ja schon biblisch belegt. Für das Verb „stara-bein“ habe ich leider keinen Beleg, aber die Wortwendung „des Todes sterben“ ergibt ja keinen Sinn, wenn man nicht auch einer anderen Sache sterben könnte. Folglich kann diese alte „Drohung“ nur jenen Vorgang beschreiben, der dann auch tatsächlich eingetreten ist, nämlich Adams Verstockung vor dem Angesicht des HErrn. Schließlich paßt ja auch nicht, dass der HErr leere Versprechungen macht – etwa die Androhung von Konsequenzen, die dann doch nicht eintreten.

    Der Vorsichtige soll das meinetwegen nur als „These“ hinnehmen. Sie wird allerdings auch noch durch das „Faktum“ gestützt, dass Adam ja in der Tat in Verlegenheit um die Worte einer Antwort geriet, also plötzlich genau jenes nicht mehr kann, wozu er geschaffen worden ist: Allem Teuren einen Namen geben, also Antworten.

    Diese „Scham“ ist ganz unmittelbar nach dem Verzehr der verbotenen Frucht eingetreten. Nichts sonst ist eingetreten, also ist nur das „des Todes sterben“!

    Christus mußte folglich nur beweisen, dass die Angst vor Strafe überwunden werden kann (in dem er sie selbst vollends freiwillig entgegennimmt) und das diese Strafe gerecht ist, nämlich die Strafe des Gerechten.

    Der Mensch wird dadurch nicht vernichtet, sondern verbessert (= erzogen / erschaffen / entwickelt). Vernichtet werden dabei nur gewisse „Fehler“, und Adams Sturz war auch keineswegs zu vermeiden, denn um auch ein HErr über die Schlange (= Slang) zu werden, mußte er ganz unbedingt auch dieser vorstellig werden. Wir erinnern uns: Nur diejenigen Dinge (Tiere = Teure / Seltenes), welche Adam vor Augen geführt werden, erhalten einen Namen, und erst mit dem Namen sind sie „begriffen“.

    Aber auch noch eine andere Nebensächlichkeit unterscheidet den Sohn Gottes von anderen „Opfern“: Das göttliche Opfer war ein geständiges – es hat seinen Fehler erkannt und ganz freizügig benannt. Jedoch nicht um vom Kreuz wieder loszukommen, sondern um die Strafe (er-) tragen zu können. Nur der Irre kann sie nicht ertragen, und deshalb verrät auch nur der Irre seinesgleichen: Gott und seine Nächsten.

    Der Gläubige hat daher auch kein „Theodizeeproblem“, denn die Schöpfung ist quasi ein „Brennofen für Steinzeug“ und somit die allerbeste Erfindung seit es Stein gibt (jetzt hätte ich schon fast „Schokolade“ gesagt).

    Das Unrecht besteht allein darin, dass der Mensch darüber falsch urteilt (spricht), aber auch dieses Unrecht (falsche Rechtsprechung) wird noch weggebrannt. Das ist die „Läuterung“ – erst die Läuterung macht „Leute“, und deshalb erklärte Christus seinen Jüngern, dass der Blinde nicht wegen seiner Sünden blind ist, sondern um einer Läuterung willen.

    Natürliche Selektion ist also dasselbe wie himmlische Selektion, und das Himmel- oder Königreich entdeckst du entweder auf Erden oder niemals und nirgendwo! Es braucht dazu nichts weiter wie nur des Geistes ganze Gegenwärtigkeit.

    Es fehlt ja auch der Amöbe nicht etwa deshalb an IQ, Augen oder Gliedmaßen, weil sie gesündigt hätte, sondern allein insofern, als du nicht einsiehst, mitsamt Augen und Gliedmaßen ein Teil der Welt und der Amöbe zu sein. Die Amöbe hat also sehr wohl Augen, nur du SIEHST (es) nicht! Und sehen tust du es nur deshalb nicht, weil du vom Baum der Erkenntnis gegessen hast.

    Grüße, Alexander

  17. Alexander meint:

    Wer hätte gedacht, dass es heute noch echte Gnostiker gibt.

  18. Roderich meint:

    @Alexander Leibitz,

    Dabei handelt es sich also eher um die zwei grundsätzlichen Erscheinungsweisen von “Energie”, welche dereinst noch Allmacht hieß.

    Danke, dass Du Deine Sicht jetzt endlich mal so deutlich darlegst. Das ist natürlich klar häretisch. Aber wir haben ja Religionsfreiheit… es ist nur eben nicht das Christentum. Das ist Dir sicher bewusst, auch wenn Du es bei dem anderen posting zunächst mal nicht so expliziert hast.

    Natürlich ist Dein Verfahren äußerst subjektiv.
    Die Bibel (z.B. Luther 1984) ist ja in den 70er/80er Jahren auf’s Neue aus dem Griechischen übersetzt worden. Was bis dahin die deutsche Sprachentwicklung so durchgemacht hat, ist ja absolut irrelevant. Seit 1984 ist sie kaum verändert – daher bleibt die Luther-84er zuverlässig, man kann vertrauen, dass die Deutungen dem Alltagsdeutsch entsprechen.
    Es kommt vielmehr auf die griechische/hebräische Sprache damals an. Das, was die Ausdrücke in der Alltagssprache damals bedeuteten (davon haben wir ja gesonderte Zeugnisse), bedeutete damals auch der Text, und auch heute noch. Denn wir wissen aus verschiedensten anderen Schriften, dass die Bibel in der damaligen Alltagssprache geschrieben ist. Andere Schriften verwenden die gleichen Begriffe, und aus dem Kontext ist zu ersehen, dass sie wörtlich gemeint gewesen sind.

    Diese Sprachspielchen sind also absolut irrelevant.

    Die sprachlichen Veränderungen müsste man in Dokumenten aus der gleichen historischen Zeit ja nachvollziehen können – sie dürfen sich nicht nur in der Fantasie eines A.L. finden.

    Es würde jedes objektive Kriterium fehlen, wonach man prüfen kann, ob Deine Deutung stimmt. Du schmeisst regelmässig eine Ableitung von Begriffen in den Raum, bei denen wohl von 20 Linguisten 21 Meinungen herauskämen.
    Eva – das “Weib” – “Gewebe” – weben – Wabe… wer sagt, dass die Reihe vollständig ist?
    Aus gleicher Lautwurzel ergibt sich doch auch noch nicht, dass das „Weib“ nun plötzlich eine webende Gewebe-Wabe ist, sondern gleiche Lautwurzel muss den Inhalt gar nicht betreffen.

    Bei Deiner Deutungsweise könnte man Sprache gar nicht mehr als Kommunikationsmedium verwenden. Zwei Leute könnten sich niemals sicher sein, ob man das gleiche unter dem gleichen Begriff versteht.

    Somit enthöhlst Du die biblischen Aussagen aller Bedeutung, indem Du nämlich jeden Begriff anders füllst. Da es für Deine Vorgehensweise keine klaren Kriterien gibt, bleibt es rein „dezisionistisch“ /willkürlich; aber vermutlich hat diese „willkürliche“ Deutung doch eine gewisse „Methode“, die dahintersteht, also in dem Fall offenbar – wie der „andere Alexander“ sagte: eine Art „neue Gnosis“??

    (Au weia, da hast Du Dir aber „geistlich“ etwas eingefangen… wo/wie holt man sich denn so etwas? (Da würde mich neugierdehalber interessieren, ob Du Deine „Religio“ auch irgendwie „spirituell“ praktizierst?))

    Letztlich liest Du also – wenn es in Deinen Ausführungen überhaupt eine Konsistenz gibt – eine neue Weltanschauung in die biblischen Worte hinein. Die Konsistenz liegt dann nicht an der Linguistik, sondern an dem, was Dir als Weltsicht im Kopf herumschwebt.

    Du predigst dann mit den „Vokabeln“ der Bibel, aber eine andere message!

    Übrigens begehst Du einen performativen Widerspruch, indem Du nämlich ansonsten sehr wohl kommunizierst, und – zum Teil, nämlich selektiv – dann doch davon ausgehst, als sei unsere Deutsche Sprache ein objektives Sprachmedium.
    (Speziell im Alltag – wenn Du im Aldi einkaufen gehst). Nur bei der Bibel kann man offenbar kein Wort so stehen lassen, sondern muss jedes Wort davon umdeuten… das wäre doch seltsam.

    Es wäre also besser, wenn Du Deine grundsätzliche Herangehensweise mal reflektieren würdest, und versuchst, sie – als Prinzipien – darzulegen. Dann kann man sich darüber unterhalten, ob man zustimmt.

    Ansonsten stiften solche postings ja nur Verwirrung.

    Nur noch eine Frage: wie müsste denn etwas geschrieben sein, damit Du es so annehmen kannst, wie es dasteht?
    (Was könnte Gott tun, oder freundlich-penetrante Mitmenschen wie ich, um Dich zu überzeugen, dass die Bibel doch genau so zu lesen ist, wie es dem heutigen deutschen Sprachgebrauch entspricht? Man kann dann immer noch sagen: „Näh, dem will ich nicht gehorchen“, oder „nöh, das will ich nicht glauben“. Aber der erste Schritt zu einer Ehrlichkeit sich selbst gegenüber – und anderen gegenüber – ist ein realistisches Sprachverständnis. Denn sonst müsste man wirklich „alle Hoffnung fahren lassen…“ :-))
    Nichts für ungut.
    Ich hoffe und bete, dass Du Deine Sprachbegabungen mal später irgendwann für Gott einsetzen kannst.

  19. ..uups .. mein vorheriger Kommentar ist irgendwie untergegangen… also, ich meinte: ich habe einige Bücher von Don Richardson gelesen, und war verblüfft und bewegt, wie eingängig das den Kulturen in Indonesien ( u.a. Kannibalen ) dort war, dass der Schöpfergott zornig ist ( in vielen anderen sogenannt primitiven Kulturen wissen sie das auch noch ) und wie überglücklich sie waren, als die Missionare ( Don Richardson, Stan Dale, usw ) nachdem sie Sprache und indigene Kultur erfasst hatten, und ihnen die Befreiung durch Jesus Christus verständlich machen konnten… und wie sie sich freuen über die Bibel in ihrer eigenen Sprache…
    Faszinierend, dass in unserer sogenannt fortschrittlichen aufgeklärten Kultur die Ehrfurcht immer mehr abnimmt, und man Gott zum Handlanger des Menschen machen will .. siehe auch Emergen Church und die Charismatiker…

    Gott MUSS dem Sünder feindlich gegenüber stehen, steht doch die Sünde zwischen beiden, und ER ist gerecht. Und was für eine größere Liebe gibt es, als dem „Feind“ die Möglichkeit zu schenken, durch Seinen Sohn von der Sünde befreit zu werden, die Sünde zukünftig zu lassen in der Kraft Christi und durch den Heiligen Geist Gott dienen zu dürfen und den Menschen.

    Was mehrglauben.de schreibt, ist falsch und irreführend, m.E.

  20. Roderich schrieb – Zitat:
    Danke, dass Du Deine Sicht jetzt endlich mal so deutlich darlegst. Das ist
    natürlich klar häretisch. Aber wir haben ja Religionsfreiheit… es ist nur eben
    nicht das Christentum. Das ist Dir sicher bewusst, auch wenn Du es bei dem
    anderen posting zunächst mal nicht so expliziert hast.

    Natürlich ist Dein Verfahren äußerst subjektiv. Zitatende

    Im Gegensatz zum hiesigen Poste, bin ich unter „Eifer braucht Vernunft“ sogar noch wesentlich deutlicher geworden, denn Aussagen der Form „A = A“ treffen das Evangelium oder „Christentum“ noch wesentlich besser, als selbige Aussage zu leugnen oder unter Häersie einzuordnen. Ich kann nichts dafür, dass du gleich umso weniger verstehst, je präziser man etwas erklärt.

    Subjektiv oder häretisch ist vielmehr die Aussage der Form „A = B“ oder „Energie = die Fähigkeit, Arbeit zu verrichten“ – letzteres ist aber lediglich deiner geliebten „Alltagssprache“ entnommen.

    Ebenso verpeilt wie „A = Nicht-A“ ist dann auch die Aussage: „Die Fähigkeit, Arbeit zu verrichten = Nicht-Allmacht (= Ohnmacht)“, was deinem Dialekt offenbar viel mehr entsprochen hätte.

    Kriegst du denn wenigsten noch die Aussage auf die Reihe, dass Alle Macht der Welt oder des Alls die Allmacht des Allmächtigen ist, oder scheint dir das genauso unlogisch?

    Der Alltag wird bald sein, dass du auch noch die Unterschiede zwischen Mann und Frau leugnen und die Liaison zweier Männer eine „Ehe“ nennen darfst. Judith Butler und die Dudenredaktion unterstützen dich dabei mit vereinten Kräften. Wenn du in diesem Alltag bleiben oder noch tiefer einsteigen willst, dann darfst du aber nicht zugleich raus und in den Himmel wollen, denn das wäre ein Widerspruch.

    Entweder rein oder raus (bzw. draussen-bleiben)!

    Der heilige Bund (zwischen Adam u. Wort) ist dereinst verletzt und dann erneuert worden (Moses schied dann aus), und von mir kannst du nicht verlangen, dass ich antsatt jener Lehre der Lehre des Roderich folge, denn erhlich gesagt scheinst du mir nicht mehr ganz koscher. Ich hab jetzt schon verstanden, dass du keinesfalls umkehren, sondern in Sachen Gelöbnis viel lieber den alten Stiefel beibehalten willst – Hauptsache die Kassiererin bei Aldi (dein Himmelreich?) versteht dich noch.

    Zitat:
    Nur noch eine Frage: wie müsste denn etwas geschrieben sein, damit Du es so
    annehmen kannst, wie es dasteht? (Was könnte Gott tun, oder freundlich-
    penetrante Mitmenschen wie ich, um Dich zu überzeugen, dass die Bibel doch
    genau so zu lesen ist, wie es dem heutigen deutschen Sprachgebrauch entspricht?
    Zitatende.

    Genau so, wie es da steht müßte es geschrieben sein, denn ich bin ja für die konsequente „Wörtlichnahme“ des Wortes „A“, während du dasselbe Wort lieber idiomatisch deutest, also erst dann A denkst, wenn B, C oder D geschrieben steht – je nach gerade aktueller Definition aus dem Hause „Universitas“ oder Duden.

    Deine Lehrer kommen von der Universität („das Unspaltbare ist Spaltmaterial“) – ehemals die „Pharisäer“ – und mein Lehrer ist das HErrenwort alias Logos oder HErr.

    Du betest zu deiner Vorstellung von „Gott“, welche in dieser Form nur in deinem Kopf existiert, und ich bete zum Allmächtigen, welcher ein ganz offensichtlicher Teil unserer Wirklichkeit ist. Deshalb fehlt dir ja auch der (Gottes-) Beweis und mir nicht.

    Liebe Grüße, Alexander

  21. Christian meint:

    Versöhnung des zornigen Gottes mit den Menschen anstatt Versöhnung des gegen Gott wütenden und sündigen Menschen mit Gott? Das ist nicht biblisch! Sondern schlicht falsch:

    – Denn wenn *wir* mit Gott versöhnt worden sind durch den Tod seines Sohnes, als *wir* noch Feinde waren, um wie viel mehr werden wir selig werden durch sein Leben, nachdem *wir* nun versöhnt sind. (Röm 5,10)

    – Aber das alles von Gott, der *uns* mit sich selber versöhnt hat durch Christus und uns das Amt gegeben, das die Versöhnung predigt. Denn Gott war in Christus und versöhnte *die Welt* mit sich selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung. (2. Kor 5,18f.)

    – Denn es hat Gott wohlgefallen, dass in ihm alle Fülle wohnen sollte
    und er durch ihn *alles* mit sich versöhnte, es sei auf Erden oder im Himmel, indem er Frieden machte durch sein Blut am Kreuz. Auch *euch*, die *ihr* einst fremd und feindlich gesinnt wart in bösen Werken, hat er nun versöhnt durch den Tod seines sterblichen Leibes […] (Kol 1,19-22)

    *Wir*, die Menschen, die Sünder sind Objekt der Versöhnung. Wie unsinnig wäre es doch, wenn Gott das Objekt seiner eigenen Versöhnung, seines eigenen Heilshandelns wäre!? Die Formulierung von Calvin und Bullinger ist einfach widerbiblisch. Barth hingegen schreibt in der Dogmatik im Grundriß etwas ganz anderes als was Du bei ihm zu lesen meinst. Barth beschreibt, wenn er vom Zorn Gottes schreibt, nicht den Grund für das Sühnopfer, sondern den *Grund* für den Glauben an das Sühnopfer Jesu als die Versöhnung des Menschen mit Gott! In Christus wird der Zorn Gottes offenbart, dass, wer auf ihn schaut, seine Sünde beweinen muss und seine Hoffnung nur noch auf das Sühnopfer Christi setzen kann, das *ihn* mit Gott versöhnt, weil er sonst nichts tun kann (Joh 15,5). Der Mensch beweint seine Sünde, nicht Gottes Zorn! Er beweint seine Sünde auch nicht deshalb, weil Gott ihm zürnt, sondern weil die Sünde als Feindschaft gegen Gott etwas aus sich heraus beweinenswertes ist und er seine Sünde angesichts der Gnade und des Heils in Christus überhaupt erst erkennt. Unsere Feindschaft gegen Gott wird aufgedeckt und Gottes Gerechtigkeit wird offenbart. Das ist das Evangelium.

  22. @Christian: Gott ist nicht zornig auf sich selbst, sondern bewahrt uns durch das Blut (Leben) seines Sohnes vor seinem Zorn (Rom 5). Die Gerechtigkeit, nach der Gott verlangt, schafft er durch seinen Sohn. Gott wütet nicht gegen den Sünder, aber er zürnt ihm. Gottes Zorn hat nichts mit Wut oder Willkür zu tun. Das Urteil, Luther habe Anselm abgelehnt, geht, soweit ich weiß, auf Aulen zurück (s. S. 517–518). Ich halte das für eine Fehleinschätzung. Der Gedanke der Satisfaktion (und nicht nur das Wort) ist bei Luther zu finden. Ich habe jetzt nicht die Zeit, die Stellen zu suchen. Es wird zutreffen, dass Luther Aspekte der Versöhnungslehre Anselms nicht übernehmen konnte. Gleiches würde ich auch für mich in Anspruch nehmen. Die Konzentration auf die forensischen Vorgänge führt allzu schnell zur Ausblendung anderer Fassetten, beispielsweise der Liebe.

    Herzliche Grüße, Ron

  23. Roderich meint:

    @Alexander,
    offenbar bist Du nicht an wirklichem Dialog interessiert.
    Du höhlst die Bedeutung des Christentums aus, indem Du die Begriffe nach eigenem Belieben neu füllst.
    Du nimmst die Bibel ja nicht wörlich – behauptest es aber stramm. Das, was Du betreibst, kommt einem Täuschungsmanöver gleich.
    Man könnte sich schon mit Dir unterhalten – das fiele aber unter „Interreligiöser Dialog“. (Nur weigerst Du Dich auch, Deine (Inspirations-)Quellen und Deine Methode erst mal explizit darzustellen und sie dann auch zur Diskussion zu stellen. Da setzt bei Dir ein Diskussions- oder Reflexionsstopp ein).
    Ich nehme mal an, dass Du eine Art „Gnosis“ vertrittst, aber leichter, als wenn wir raten müssten, wäre es, wenn Du es selber explizierst.

  24. Hi Roderich,

    ich kann dir beim allerbesten Willen und in genau jener Sache nicht mehr weiterhelfen, wenn du die gegebenen und sogar extrem präzisen Erklärungen zum Wesen „wahrer Aussage“, einfach als NICHT gegeben abtust.

    Sie stehen für jedermann im Thread „Eifer braucht Vernunft“, und du versuchst nun schon zum fünften Male einzufordern, was dort schon längstens geliefert ist.

    Bezahlst du denn auch deine „Telefonrechnungen“ immer genau so oft, wie behauptet wird, dass sich noch nicht bezahlt sind (obwohl du schon gezahlt hast)?

    Warum kommst du denn der geforderten Beweisführung nicht nach? Verifiziere bitte deine Wortdefinitionen oder wenigsten die Definitionen der ein oder anderen Universität oder der „Enzyclopädia Britannica“.

    Zwischen Zweifel und Gewissheit bezüglich eigentlichen Inhaltes solcher Nomen wie „Gnosis“ mußt du dich schon mal entscheiden.

    Was soll denn „so eine Art Gnosis“ sein. Das ist entweder Erkenntnis, wodurch sie ganz automatisch und sehr sehr eng mit dem „Baum der Erkenntnis“ korrespondiert, oder sie unterliegt deiner Deutungsmethode, welche dann aber ein „je nach dem“ (je nach Kontext) einräumt, also recht beliebig ist. Erst das ist eine „Aushöhlung“, die du dann aber gerne mir unterschieben willst.

    Solange nicht verifiziert ist, wofür dieses oder jenes Wort steht, ist auch kein Glaube oder Gelöbnis da, denn dass „glauben“ bloß „vermuten“ heißt, ist ja erst mal nichts wie nur die bloße (unbegründete, nicht verifizierte) Annahme oder Behauptung.

    An einem Dialog oder gegenseitigem Verständnis ist genau derjenige nicht interessiert, der dem Anderen nicht offenlegen will, wie oder welche Inhalte er den Vokabeln eines gemeinsamen Wortschatzes unterstellt. Nachwievor bist du es, der das für sich im Geheimen behält, denn ich kann noch immer nicht Gedankenlesen.

    Ich kann hören, bzw. lesen, was du sagst, aber nicht erraten, was du dem Gesagten unterstellst – auch dann nicht, wenn du die Vorstellung oder Unterstellung mit Worten zu umschreiben versuchst, denn dann ist es immernoch nur das gesagte, aber nicht Inhalt deines Kopfes.

    Es geht also kein Weg daran vorbei:

    Verifiziere bitte, dass „A“ oder „Jesus“ einem „Blablabla“ oder deiner Vorstellung davon gleichgesetzt werden darf. Mach mir bitte nur ein einziges Mal diese Rechnung auf – tu‘ uns den Gefallen, und komm mir bitte nicht erst nochmal und nochmal mit Gegenfragen, denn entweder du kannst oder du kannst nicht. Fragen habe ich genug – gib also nur einmal eine VERIFIZIERTE Antwort anstelle von Fragwürdigkeiten oder Gegenfragen.

    Wenn du dich nicht zu sagen getraust, dass alle Aussagen der Form „A = B“ Falschaussagen sind, dann fliehst du, was Christus ganz freiwillig hingenommen hat.

    Verflucht noch mal! Was ist den so schwer an der Gleichung „5 = 11“? Schaffst du nicht, die allereinfachsten Vergleiche anzustellen? Ist da ein Unterschied zu „A = B“ oder „A = Umschreibung nach Belieben“?

    Ja oder Nein?

    Entweder Christus hat dich oder die „Britannica“ hat dich – nur das mußt du auseinanderhalten können, willst es aber nicht tun.

    Liebe Grüße, Alexander

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