Warum Mutter Staat uns die Luft zum Atmen nimmt

„Zettel“ bloggt anonym über alles, was Aufklärung verdient: vom Dosenöffner bis zum Islam. Kürzlich hat er Cora Stephan erklärt, weshalb er ein Bürgerrechtsliberaler ist. Ein Interview über Medien, Liberalismus und einen fürsorglichen, immer mehr ideologisch gefärbten Staat:

Ich bin vor allem ein Bürgerrechtsliberaler. Im 19. Jahrhundert stand man als Liberaler vor allem gegen den Polizeistaat und trat für größere Befugnisse der Parlamente ein. Es war der strenge, der oft autoritäre „Vater Staat“, gegen den man bürgerliche Freiheiten zu erkämpfen und zu sichern trachtete. Heute aber werden unsere Freiheiten durch „Mutter Staat“ bedroht – durch den fürsorglichen, den auch immer mehr ideologisch gefärbten Staat, der in alle Lebensbereiche hineinregieren will. Der uns Bürger vielleicht nicht mehr als Untertanen sieht, aber als Unbeholfene. Denen also geholfen werden muss; von der Wiege bis zur Bahre und in allen Bereichen ihres Denkens, Wertens und Verhaltens.

Dazu wurden zwei Instrumente geschaffen, gewissermaßen Passepartouts: Schutz der Umwelt und Förderung der Gesundheit. Was immer jemand in seinem persönlichen Bereich tut – es wird sich meist irgendwie auf die Umwelt und/oder seine Gesundheit beziehungsweise die anderer auswirken. Also kann man stets dort ansetzen; mit Verboten wie beim Rauchen über die Steuerpolitik wie bei der Ökosteuer und der EEG-Umlage. Vor allem aber mit „Erziehung“. Jetzt sollen ja die Dicken erzogen werden. Die Herrschenden sind heute nicht mehr die Unternehmer oder die „Reichen“; sie haben wenig zu melden. Beherrscht wird unsere Gesellschaft immer mehr von der Schicht der Ideologen, der Berater, der Multiplikatoren, Helfer und Erzieher.

Mehr: www.welt.de.

Kommentare

  1. Schandor meint:

    „Jetzt sollen ja die Dicken erzogen werden.“

     

    Naja klar: Meistens sind sie arbeitslos und damit für den Staat nutzlos. Und dennoch verbrauchen sie große Ernährungsressourcen, nicht wahr? Nichts arbeiten und viel essen  — das schreit förmlich nach Umerziehung (gibt’s eigentlich schon Lager dafür?) 

  2. Johannes Strehle meint:

    Na endlich!

    Ich habe schon hin und wieder in einem Leserbrief darauf aufmerksam gemacht, wenn ein Kommentator wieder einmal von „Vater Staat“ schrieb, dass „Mutter Staatin“ den Vater längst abgelöst hat. Wir leben in einem Matriarchat in einer feminisierten Gesellschaft mit einer feminisierten Mentalität. In der Gesellschaft wird die Mutter in eine Nebenrolle gedrängt. Im Staat herrscht sie als Übermutter.
    Warum wohl die Verfechter einer „geschlechtergerechten“ Sprache und die Feministen und die Gleichstellungsbeauftragtinnen sich an „Vater Staat“ noch nicht gestört haben?

  3. Schandor meint:

    Ein gewisser Thomas Hobbes hat vor langer Zeit mal ein Buch mit dem Titel „Leviathan“ geschrieben. Es wird Zeit, es wieder zu lesen, denke ich.

    (Geht ab nach ZVAB und sucht)

  4. Vor allem Zettels Kritik am deutschen „Qualitätsjournalismus“ – widerlich, diese eitle Selbstbetitulierung – ist lesenswert. Die dt. Journalisten meinen scheinbar ernsthaft Ausgewogenheit und Objektivität gepachtet zu haben. Diese verlogene Arroganz stinkt!

  5. @RaSchu: Ich hörte kürzlich im Radio einen Journalisten, der ab und an für die insolvente Frankfurter Rundschau geschrieben hat. Fazit: Eigentlich brauchen wir d FR nicht mehr, denn die Autoren, die die Anliegen der 68er verfechten, sitzen heute bereits in den gut bürgerlich-konservativen Redaktionen.

     

    Liebe Grüße, Ron
     
  6. Roderich meint:

    die Autoren, die die Anliegen der 68er verfechten, sitzen heute bereits in den gut bürgerlich-konservativen Redaktionen.

    Krasse Aussage ! Nun, zum Glück sind die „gut bürgerlichen“ Zeitungen noch nicht die Vorreiter der Anliegen der 68er, jedoch stehen sie diesen Anliegen passiv-neutral-wohlwollend gegenüber, mit einigen Ausnahmen. (Eine passive Haltung ist aber kein Gegengewicht).

  7. @Ron: Ja, traurig diese Entwicklung. Ich lese u.a. regelmäßig die Tagesschau im Internet. Die dt. Berichterstattung über die US-Wahlen bildete ja geradezu ein Paradebeispiel für solche linken Tendenzen. Zettels Bemerkungen hierzu an anderer Stelle, sind äußerst treffend. Auch z.B. die im Interview benannte Vermischung von Berichterstattung und Meinung ist regelmäßig zu beobachten.

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