Was entvölkert unsere Kirchen?

Franz Overbeck (1837–1905):

„Nichts entvölkert unsere Kirchen so sehr, als dass man es in ihrem Gottesdienst so viel mit den persönlichen Ansichten ihrer Prediger zu tun hat.“

Hier noch einmal der Verweis auf das Essay „Gnadenlose Neuzeit“ von Norbert Bolz, aus dem ich das Zitat habe.

Kommentare

  1. „Ich darf wohl sagen, daß mich das Christentum mein Leben gekostet hat. Sofern ich, wiewohl ich es nie besaß und nur durch ‚Mißverständnis‘ Theologe wurde, mein Leben gebraucht habe, um es ganz loszuwerden.“

    Das legt Joachim Kahl Franz Overbeck in den Mund.

  2. Schandor meint:

    Und wenn Du heute in einer Freikirche typisch reformatorisches Gedankengut einbringst, SIND das für die Leute da „persönliche Ansichten“.

    Daher schweigt man besser. Wegbleiben ist keine Option. Sonst entvölkert man die Kirche, indem sie einen los wird.

  3. @Schandor: Gut gebrüllt, Löwe! 😉

    Liebe Grüße, Ron

  4. In den evangelischen Landeskirchen muss man nichts entvölkert, sie sind schon lange Zeit entvölkert!

  5. Oh Schandor – wie recht du hast!
    Zwei kleine Beispiele aus meiner ehemaligen (!) Gemeinde des BefG:

    Wir haben einen Flohmarkt veranstaltet, wo ich einen Büchertisch mit Traktaten und Bibeln hatte. Einer Frau aus der Gemeinde hatte ich eine Bibel als Geschenk angeboten, das sie ablehnte: „Ich habe noch die Bibel meiner Großmutter – und ich lese ja so gut wie nie.“ Ich wies auf die Sinnhaftigkeit einer regelmäßigen Bibellektüre hin, was sie ablehnte, da das nur meine persönlichen Ansichten zu diesem Thema wären.

    In einer Bibelstunde behauptete ich, dass wir nur in Jesus das Heil haben und in keinem anderen die Rettung finden. Der Gemeindeälteste meinte, dass man das so nicht sagen könnte und es sowieso nur meine persönlichen Ansichten wären.

    Da es noch mehr solcher Vorfälle gab, ist diese Gemeinde seit ein paar Jahren eben meine ehemalige Gemeinde 🙂

  6. @PeterG: Danke. Um den Gedanken noch weiter zuzuspitzen: Ich erhielt heute von einem Verlag eine Bestsellerliste für 2016. Die drei meist verkauften Bücher stammen von einer Frau, die ihre persönlichen Eindrücke und Idee verbreitet und dabei den Anspruch erhebt, es sei Jesus Christus, der direkt durch sie spreche.

    Kurz: Wer biblische Inhalte weitergibt, verbreitet persönliche Ansichten. Wer persönliche Ansichten im Namen Jesu verbreitet, ist willkommen und landet Bestseller.

    Unsere Zeiten erinnern mich an das Buch Richter.

    Liebe Grüße, Ron

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