Weg mit der Moral

Frau Rohde empört sich darüber, dass Ärzte aus moralischen Gründen eine Spätabtreibung verweigern. Recht und Würde von ungeborenen Kindern kommen in ihrem Forderungskatalog nicht vor. Dafür klagt sie »im Sinne der Gleichbehandlung« mit den Mitteln des positiven Rechts den Zugang zu den Spätabtreibungen in allen Regionen ein:

Die Politik müsste dafür sorgen, dass im Sinne der Gleichbehandlung Frauen in allen Regionen Zugang zu diesen Eingriffen haben. Zum Beispiel, indem nur wenige hochqualifizierte Zentren diese spezielle Diagnostik durchführen dürfen, die dann auch offiziell zuständig sind für die Indikationen und die Abbrüche. Das setzt voraus, dass diese Zentren neutral geführt werden. Die Kollegen dort dürfen als Maßstab nur die körperliche und seelische Gesundheit der Frau sehen, so wie es das Gesetz verlangt, und nicht eine Weltanschauung.

Also ob die Entscheidung, Würde und Recht der Ungeborenen anzutasten, weltanschaulich neutral sei! Solche Entscheidungen sind nur im Lichte von auf Selbstverwirklichung abzielenden Lebensentwürfen versteh- und durchschaubar.

Irreführend ist außerdem der Hinweis am Ende des Interviews, im Judentum genieße das menschliche Leben erst nach der Geburt Schutz. Der Gelehrte Moses Maimonides (1135–1204 n.Chr.) vertrat zwar die Ansicht, dass ein Kind vor der Geburt keine lebendige Seele sei, aber in Anlehnung an den Talmud gesteht man im Judentum größtenteils einem Fötus ab dem 41. Tag menschliche Schutzbedürftigkeit zu. Gemäß der Mischnah, also der mündlichen Überlieferung, ist Abtreibung im Judentum nur dann erlaubt, wenn Gefahr für das Leben der Mutter besteht.

Die Diskussionen darüber, ob es erlaubt sei, ernsthaft behinderte Kinder abzutreiben, sind sehr modern und werden unter dem Einfluss liberaler Weltanschauungen (!) geführt, was auch die derzeit eher »lockere« Abtreibungspraxis in Israel erklärt.

In der jüdischen Orthodoxie wird von einigen Gelehrten eine Abtreibung in bestimmten Fällen erlaubt, während andere sie sogar grundsätzlich verbieten. Das Chefrabbinat in Jerusalem hat am 24. Dezember 2007 in einer Entscheidung festgestellt, dass Abtreibung eine »schwere Sünde« sei und dass die gegenwärtige Abtreibungspraxis sogar die Ankunft des Messias verzögere. Das Rabbinat gab auch bekannt, dass man ein Komitee einrichten werde, dass sich bemühen soll, die Zahl der Abtreibungen in Israel zu reduzieren (vgl. hier).

Die Heilige Schrift unterscheidet weder im Alten noch im Neuen Testament in der Terminologie zwischen einem Embryo und einem Kind nach der Geburt. In der Bibel geht es zudem nicht nur um die Regelung ethischer Fragen, es wird wie selbstverständlich berichtet, dass Kinder im Mutterleib eine Beziehung zur Gott und ihren Eltern haben können (vgl. z.B. Ri 13,5–7; Ps 139,13–16; Lk 1,15; 1,41.44).

Hier das vollständige Interview mit der Psychiaterin Anke Rohde: www.spiegel.de.

Kommentare

  1. Es ist schon erschreckend, wie selbstverständlich für Abtreibung geworben wird – und parallel Eltern, die ihre geborenen Kinder töten, an den Pranger gestellt werden.
    Das ist Doppelmoral in unserer Gesellschaft.

    Eine entsprechende Beleuchtung gibt es hier:
    http://juliehamburg.wordpress.com/2009/06/23/das-weltgericht/

    Segen!
    Dirk

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