Wenn die Freude nicht mehr da ist

201207071035.jpgManche Christen empfinden ihr Glaubensleben als anstrengend und freudlos. Die Ursachen dafür können verschieden sein. Einige glauben überhaupt nicht, dass Christusnachfolge mit Freude verbunden sein kann, andere werden von Zweifeln geplagt oder haben aufgrund zermürbender Erfahrungen ihre Freude verloren.

Was kann ich tun, wenn ich diese Freude im Glauben nicht habe? Mit dem Herzen eines Pastors und radikaler Leidenschaft für die Verherrlichung von Jesus Christus hat John Piper ein sehr persönliches Buch über dieses Thema verfasst.

Piper schreibt in Wenn die Freude nicht mehr da ist (CLV, 2006, S. 11–12):

Als ich sah, dass Gott dann am meisten in uns verherrlicht ist, wenn wir zutiefst zufrieden sind in ihm, wurde ich von der unbiblischen Sklaverei der Furcht befreit, dass es unrecht sei, der Freude nachzugehen. Was mir einst als eine unvermeidliche, aber mangelhafte Suche nach der Befriedigung meiner Seele erschien, war jetzt nicht nur erlaubt, sondern gefordert. Es ging um die Ehre Gottes. Das war fast zu gut, um wahr zu sein – dass meine Suche nach Freude und meine Pflicht, Gott zu verherrlichen, nicht miteinander im Konflikt standen. Sie waren sogar eins. Der Freude an Gott nachzugehen, war ein Weg, Gott zu ehren, um den man nicht verhandeln konnte. Er war unabdingbar. Das war eine befreiende Entdeckung. Sie hat die Kräfte meines Geistes und meines Herzens dazu befreit, mit ganzer Kraft der Freude der Seele nachzugehen, die Gott für mich in Jesus ist. Aber gleichzeitig mit der Befreiung kam auch die Niederschmetterung. Ich war dazu befreit, meiner vollsten Freude an Gott nachzugehen, ohne Schuldgefühle zu haben. Mir wurde sogar geboten, dies zu tun. Gleichgültigkeit im Hinblick auf das Streben nach Freude an Gott wäre Gleichgültigkeit im Hinblick auf die Ehre Gottes, und das ist Sünde. Daher hat meine Suche eine Ernsthaftigkeit angenommen, von der ich mir niemals erträumt hätte, dass sie Teil meines Strebens nach Freude sein würde. Und gleich im Anschluss daran kam die Erkenntnis, dass die in mir wohnende Sünde meiner vollen Zufriedenheit in Gott im Wege steht. Sie wendet sich gegen mein Streben nach Gott und verdreht es. Sie wendet sich dagegen, indem sie andere Dinge als mehr wünschenswert als Gott erscheinen lässt. Und sie verdreht es, indem sie mich denken lässt, dass ich der Freude an Gott nachgehe, obwohl ich in Wirklichkeit in seine Gaben verliebt bin.

Das Buch kann hier erworben werden. Die PDF-Datei mit den Druckfahnen wird vom Verlag freundlicherweise gratis zur Verfügung gestellt: german_when_i_dont_desire_god.pdf.

Kommentare

  1. Sylvia meint:

    Ich möchte gern hier mein Lieblingsvers hinzufügen:

    „Sei allerzeit fröhlich, betet ohne Unterlass, seid dankbar in allen Dingen!
    Denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus an euch.“ 1. Thessalonicher 5,16

    Wenn man über dieses Wort nachdenkt und es in seinem eignen Leben umsetzt, schenkt Gotte jeder Menge Freude und man fängt auch an vielen an zu wachsen.
    Gott schenkt uns oft Dinge, die nicht so sind wie wir uns sie gewünscht haben, aber wenn man sie mit Dankbarkeit dennoch annehmt, füllt Gott das Herz mit Freunde und schenkt noch mehr dazu. Oft sind diese Dinge viel besser als was wir sie erbetet haben.
    Leider ist es bei vielen Christen so, dass sie an Gott Erwartungen stellen, die nicht erfüllt werden und dann werden sie frustiert. Aber sie sehen in diesem Augenblick nicht, dass nicht alle Dinge uns zum Guten dienen und Gott uns auch vor vielen schützen will. Aber das erkennen viele Christen nicht und werden undankbar, frustriert und bleiben in ihrem Glaubensleben stehen, und das frustriert noch mehr!!! Daher:

    „Sei allerzeit fröhlich, betet ohne Unterlass, seid dankbar in allen Dingen!
    Denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus an euch.“ 1. Thessalonicher 5,16

  2. Schandor meint:

    @Sylvia

    Der Vers ist kein Garant für Fröhlichkeit. Absolut nicht. Zu manchen Zeiten bleibt die Freude einfach aus. Das ist einfach so. Schwärmerisch zu sein, hilft da freilich, denn da ist man relativ schnell befriedigt, aber wer keine schwärmerischen Veranlagungen hat, tut sich da schwer.

    Und abermals sage ich Dir: Der Vers ist kein Garant für Fröhlichkeit! Ich praktiziere dies seit langem, daher weiß ich, dass Deine Analyse nicht auf alle Menschen zutrifft.

    lgs.

  3. Sylvia meint:

    @Lieber Shandor

    Das Leben ist ein Spaziergang und das weiß jeder! Daher muss man manche Dinge im Leben annehmen wie sie sind und trotzdem Dankbarkeit sein und das kann man auch lernen!!!!!!
    Und aus eigener Erfahrung kann ich dir sagen, das geht!!!
    Das Wort Gottes „Bibel“ ist ein lebendiges Wort und da stehen keine leeren Floskeln (und auch dieses Wort hat mehr Bedeutung als du es jetzt siehst!) Man muss auch lernen zu Lächeln auch wenn es einem nicht zu mute ist!!
    Und Lobpreis hilft sehr dabei. Gott sieht unsere Traurigkeit und wenn man in dieser Situation trotzdem ein Lobgesang anstimmen kann, erlebt man, wie Gott das Herz mit Freude füllt.
    Es liegt immer an uns selbst, ob man in dieser Frustration bleiben will oder daraus will. Ich fühle mich nicht darin wohl, also musste ich lernen es zu überwinden und habe Wunder erlebt. Der Teufel versucht uns gerade in diesen Situation noch mehr Zweifel einzuflüstern und uns von Gott wegzuführen. Die beste Abwehr ist, sich dagegen zu wehren und das erreicht man, wenn man trotz dieser Tiefe Gott anfängt zu loben und preisen!!!
    Das zitierte Wort ist lebendig und wer es annehmen will, der wird es auch erleben. Ich bin lieber fröhlich als frustriert und mich von diesem weiter in die Tiefe mitreißen zu lassen.
    Ich bin keine Träumerin, aber ich weiß, was Gott bewirken kann.
    Und dieser Vers half mir auch dabei 🙂 Er hängt an meinem Schreibtisch und ich lese ihn jeden Tag 🙂
    Ich bin ein fröhlicher Mensch und bin dankbar für alles, was Gott in meinem Leben getan hat (auch für alle Tiefen) und dankbar, auch wenn alles um mich herum zusammenbricht und mein Herz nur noch streiten will. Aber Gott ist da und er ist der Größte und bei ihm ist alles möglich. Daher kann ich fröhlich und dankbar sein, „weil nach jeden Regen, lässt er die Sonne wieder scheinen!“ und allein bei diesem Gedanken, kann ich laut Lobpreislieder singen 🙂
    Ich weiß, der Herr nimmt und der Herr gibt!

    Aber das alles liegt immer an uns selbst, wie wir die Dinge nehmen wollen. Gott lässt uns die Freiheit 🙂

    Willst du lieber frustriert sein (alles in Frage stellen ) oder willst du ein Leben in Fröhlichkeit? 🙂

    LG, Sylvia

  4. Sylvia meint:

    P.S. Meine „Kein Spaziergang“ Sorry!

  5. @Sylvia,

    es geht nicht darum, dass die Bibel „Floskeln“ enthalten würde …

    Kennst du dieses: „Weint mit den Weinenden“? Sicher.
    Ein fröhliches Grinsen zur Zeit und Unzeit, meint Gottes Wort sicher nicht.
    Sagt Gottes Wortes nicht auch, dass Weinen seine Zeit hat? Ja.
    Bspw. bin ich aktuell mit einem tragischen Todesfall (Mann, 41 Jahre) konfrontiert … soll ich der Witwe in eigener christlicher Fröhlichkeit grinsend „mein Beileid“ bekunden und so authentischer Zeuge eines fröhlichen Christseins sein? Es besteht kein Anlass, dass dieser Mann Erbe einer fröhlichen Hoffnung war … Selbst wenn es diese Hoffnung gäbe, geht es um mich oder um den Anderen?
    Wie fröhlich war eigentlich Christus selbst als Er auf Erden war? Immer fröhlich?

    Das Leben ist nicht eindimensional – nicht einmal wenn es um Fröhlichkeit geht. Christen sind mitunter hin – und hergerissen.

    Gruß Lutz

    PS: Nach wie vor finde ich es milde gesagt befremdend, wenn grinsende Christen über den Lohn der Sünde (den Tod) referieren. Ob Piper darein fällt, weiß ich freilich nicht. So genau kenne ich ihn nicht …
    Eigentlich möchte ich nicht annehmen, dass er in solchen Situationen seine Fröhlichkeit zur Schau stellt. Ich vermute auch ein Piper weiß was es heißt, mit den Weinenden zu weinen …

  6. Leider ist fehlende Freude nicht nur eine Frage der gerade erfahrenen Not. Vielmehr ist es auch bei Christen, die ein relativ „glattes“ Leben führen, eine dramatische Realität. Die Frage ist daher nicht nur, wie wir mit den Nöten in unserem Leben umgehen, sondern wie wir unser Glaubensleben über die Jahre hinweg aktiv und lebendig halten. Gerade wenn keine oder nur wenige Tiefen in unserem Leben vorkommen und auch keine besonderen Höhen erkennbar sind, kann das Leben als Christ nach 40 Jahren oder mehr sehr fade und trocken werden. Ich muss das leider selber erleben, wie Geschwister die mir vor vielen Jahren große Vorbilder waren, nun geistlich „am Tropf hängen“. Es ist erschreckend, wenn auch nach 30-40 Jahren Glaubensleben das Bekehrungszeugnis als Beispiel für ein „Erlebnis mit Gott“ gebracht wird. Aber auch jüngere Geschwister verlieren mit der Zeit die Freude und empfinden den Glauben mehr als erdrückende Last als als freimachende Botschaft. Sie suchen dann andere Gemeinden, wo sie vermeintlich einen neuen Glaubens-Kick bekommen.
    Aber liegt es daran, dass weniger aus der Gnade gelebt wird und doch wiedermehr aus eigener Kraft ein Leben der Heiligung gesucht wird?
    Ich bin daher dankbar für Impulse, das eigene Glaubensleben zu überprüfen und die Quelle der Freude wieder neu zu suchen. Unser Herr Jesus Christus selber.

  7. Sylvia meint:

    @Lutz,
    dass das Leben kein Spaziergang ist, habe ich schon erwähnt. Und nicht immer scheint die Sonne!
    Es gibt die Zeit der Trauer und es gibt die Zeit der Freunde! Das Zitat was du bringst ist gut, aber bitter den ganzen Inhalt mitzitierten :-)
    „Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Weinenden.“ Römer 12.15

    Die Situation, die du hier mit der Witwe beschreibst, ist natürlich nicht einfach. Aber ich kann als Christ diese Frau trösten, für sie beten und ihr helfen, diese schwere Zeit durchzustehen. Ich selbst habe schon viele meiner Lieben gehen lassen müssen, und ich weiß, ich werde sie bei unserem Herrn wiedersehen (das ist eine wunderbare Hoffnung, die wir als Christen haben und diese kann ich weitergeben!). Diese Menschen hinterlassen eine große Lücke in unserem Leben. Trotzdem geht unser Leben weiter. Es braucht eine Zeit, um das anzunehmen und das Leben neu (ohne sie) zu gestalten. Aber auch diese Zeit muss vergehen. Im Alten Testament hat man den Trauerenden 40 Tage geben, um trauern zu dürfen. Danach sollte die Trauer abgelegt werden.

    Was ich hier bei uns in Deutschland beobachte, ist, dass man mittlerweile auf einem sehr hohen Niveau angefangen hat rumzujammern und sich viele in ihrer „Traurigkeit“ lieber wiegen als die Dinge, die sie hier haben, dankend annehmen und Freunde zu empfinden! Diese Traurigkeit bzw. Frustration (wie auch immer man das nennen möchte) ist ansteckend, sogar Christen lassen sich davon ziemlich stark mitreißen! Und das soll nicht sein!
    Für mich ist das eine erschreckende Entwicklung!

    Sogar Paulus hat das schon zur seiner Zeit beobachtet und hat die Christen aufgefordert mit folgenden Worten:

    „Freuet euch in dem Herrn allewege, und aber abermals sage ich: Freuet euch!
    Eure Güte lasst kund sein allen Menschen! Der Herr ist nahe!…..“(Philipper 4, 4-7.bitte weiterlesen!)

    Ich möchte an diese Stelle auch ein Buch von Kay Warren (die Frau von Rick Warren) empfehlen „Choose Joy; Because Happiness isn´t enough!“
    Sie selbst ist schon zwei Mal an Krebs erkrankt und ist geheilt geworden. Sie beschreibt in diesem Buch wie man Freude lernen kann! Leider ist das Buch noch nicht in Deutsch erhältlich.

    Freude kommt von unserem Inneren und diese strahlt Fröhlichkeit aus. Wenn ich aber nur negative Gedanken pflege und keine Freude zulasse, dann kann man auch keine Fröhlichkeit ausstrahlen. Ich muss mein Herz also für Freude erst einmal öffnen!!!

    Wir Christen haben viel Grund zur Freude. Wir haben einen Erlöser, der uns bedingungslos liebt, für unsere Schuld am Kreuz sein Leben gab und damit für uns den Weg in die Ewigkeit geebnet hat. Ist das nicht genug sich zu freuen? Trotz des Leid, den wir hier auf Erden erleben/miterleben müssen?

    Unsere Hoffnung ist Jesus Christus!!!

    Gesegneten Sonntag
    Sylvia

  8. Roderich meint:

    Wenn man selber die Freude Gottes erfahren darf, ist das eine Gnade. Denn es ist Gnade, wenn man Jesus nachfolgen darf, und wenn Gott es einem schenkt, Dinge, die die Freude töten (v.a. Sünde) zu meiden.

    Ich würde sagen, 90% der „mangelnden Freude“ ist auf unsere mangelnde Nachfolge zurückzuführen. Mal ganz plump und hart gesagt: sicher 90% derer in Evangelikalen Gemeinden (natürlich auch in Landeskirchen) folgen Jesus nicht richtig nach. (Das sage ich, obwohl ich mich oft genug zu den 90% zählen muss; also auch ganz klar in Selbstkritik. Trotzdem kann ich diese Tatsache nicht leugnen).

    Es wäre falsch, nun das, was diese 90% erleben (meine willkürliche Zahl) zur Norm zu machen und zu sagen: „man kann nicht regelmäßig Freude erleben“. Sondern da müssen wir uns an die Bibel halten, und dem Wort Gottes (auch des Paulus hier) Glauben schenken – wir müssen eher uns in Frage stellen als die Bibel.

    Meine These: da, wo Jesus wirklich der HERR ist (nicht nur der ERLÖSER), da ist – im Normalfall – die Freude vorherrschend. (Daraus soll man keine Verurteilung derer ableiten, die das nicht erleben, sondern eine Ermutigung, mit dem Herrn Jesus ganze Sache zu machen).

    Was ist nun mit den 10%?

    Erst mal ganz abgesehen mal vom Thema „Depressionen“, die sich hier in Europa ja immer mehr häufen, und für die man vielleicht auch nichts kann:

    Es gibt auch für „psychisch gesunde Menschen“ Fälle, wo man „berechtigterweise“ keine Freude hat. 2. Kor 1, 3-11: Paulus spricht von Trübsal. Aber auch die Trübsal hat ihren Zweck. „Wie die Leiden Christi reichlich über uns kommen“ (Leiden ist – in dem Moment – keine Freude) „so werden wir auch reichlich getröstet durch Christus“. (2. Kor 1,5).
    [Die meisten haben dieses Problem übrigens gar nicht, weil eher unsere eigengemachten Leiden über uns kommen als die „Leiden Christi“. Leiden Christi sind eher: „Verfolgt werden, weil wir zur Wahrheit stehen“ etc.]
    „Haben wir aber Trübsal, so geschieht es euch zu Trost und Heil“. Die Trübsal „nach Gottes Willen“, also das „Leiden Christi“ hat also einen Zweck.

    2. Kor. 1,8: „Denn wir wollen euch, liebe Brüder, nicht verschweigen die Bedrängnis, die uns in der Provinz Asien widerfahren ist, wo wir über die Maßen beschwert waren und über unsere Kraft, so daß wir auch am Leben verzagten und es bei uns selbst für beschlossen hielten, wir müßten sterben.“ Das klingt nach Depression. „Das geschah aber, damit wir unser Vertrauen nicht auf uns selbst setzten, sondern auf Gott, der die Toten auferweckt“.
    Also, das „DARF“ im Leben eines Christen durchaus vorkommen. Man sollte aber am Glauben deshalb nicht verzagen. Vielmehr: „Alle Dinge dienen zum Besten“.

    2. Kor. 7,10: „Denn die Traurigkeit nach Gottes Willen wirkt zur Seligkeit eine Reue, die niemanden reut; die Traurigkeit der Welt aber wirkt den Tod“. – Oft MUSS Gott uns „traurig machen“, um uns damit in die Reue (zum Buße tun) zu bringen. KURZFRISTIGES LEID dient also einem Zweck, nämlich der LANGFRISTIGEN FREUDE.
    Wenn wir auf dem Irrweg sind, also andere Dinge als Gott haben als den allmächtigen Gott, dann MUSS Gott doch, wenn er uns liebt, uns den inneren Frieden, die Freude, nehmen.
    Vergleiche das Motto dieses Blogs.

    „Unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in Dir, Gott“.

    Dieses Ruhen in Gott, dieser Friede, geht aber einher mit „Freude“. Denn beide sind gleichermaßen Früchte des Geistes. Man kann nicht „Ruhe in Gott“ (Frieden) haben und keine Freude haben. Und andersherum.

    Gal 5,22: „Die Frucht aber des Geistes ist Liebe, FREUDE, FRIEDE, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Keuschheit“.

    Also: wo der Heilige Geist ist, da ist – im Normalfall – auch Freude und Frieden.

    Dem widerspricht auch nicht Römer 5,3ff:

    „Wir rühmen uns der Bedrängnisse, weil wir wissen, daß Bedrängnis Geduld bringt, Geduld aber Bewährung, Bewährung aber Hoffnung, Hoffnung aber läßt nicht zuschanden werden; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsre Herzen durch den heiligen Geist, der uns gegeben ist“.

    Bedrängnisse sind – wenn man sie hat – auch keine Freude im oberflächlichen Sinne. Aber sie können – wenn unsere Haltung richtig ist – zu einer tieferliegenden Freude führen.

    Rein materialistisch betrachtet ist „Freude“ eine Funktion von Hormonen.

    Auch Gefühle wie Aggressivität, Wut, Freude oder Trauer stehen in Zusammenhang mit den Tätigkeiten der Hormone. Die Hormone, die von den endokrinen Drüsen produziert werden, beeinflussen Körperorgane oder andere Hormondrüsen in ihrer Funktion.

    http://www.koerper.com/Physiologie/Hormonsystem/Hormone.html
    Dem würde ein Christ natürlich zustimmen, aber die Hormone sind natürlich nur die vordergründige „Ursache“ der Freude. Die Frage ist, was die Hormone „aktiviert“, was also die tieferliegende Ursache der Ausschüttung der „Freudehormone“ ist.

    Manche Menschen (auch viele Christen) haben eben so eine rein materialistische Interpretation. Sie suchen „Freude“ und überlegen ( bewußt oder unbewußt): wie kann ich diese bestimmten Stoffe im Hirn zur Ausschüttung bewegen? Daher suchen sie durch Anwendung materialistischer Mittel nach mehr Freude. (Sex, Geld, Ansehen, Sicherheit, Unterhaltung etc.) Das alles mag ja sogar kurzfristig Einfluß auf hormonelle Ausschüttungen im Gehirn haben.
    Dann jagen sie aber mehr nach der Wirkung als nach der richtigen Ursache.

    Freude ist aus biblischer Sicht aber eben mehr als ein chemischer Prozess im Hirn (Ausschüttung von bestimmten Stoffen). Echte Freude ist Resultat eines Prozesses im HERZEN. Dann, wenn keine falschen Götzen mehr im Herzen sind, kann Gott die Freude geben. So verstehe ich auch John Piper: Wir haben die meiste Freude, wenn wir am meisten an Gott erfeut sind. Und Gott wird am meisten verherrlicht, wenn wir am meisten an IHM uns erfreuen – statt an materiellen Dingen.
    Das entscheidende für das Erlangen echter Freude ist also etwas, was unsichtbar geschieht, also eine Bekehrung, oder eine neue Erfüllung mit dem Heiligen Geist, Vergebung von Sünden, Befreiung von Bindungen und dämonischen Mächten durch das Blut Jesu Christi, Befreiung vom Fluch, etc. – was aber dann auch Auswirkungen im Materiellen hat. Die Freude an Gott führt natürlich – als Auswirkung – auch zu jenen „materiellen Ausschüttungen im Gehirn von bestimmten Stoffen“.

    Vielleicht betrifft dies auch die obige Diskussion:
    – Die einen ärgern sich, dass manche Christen einer oberflächlichen Freude das Wort reden, und das Leiden etc. leugnen. (Manche Christen haben in dem Sinne auch eher eine materialistische Sicht von „Freude“ – sie hängen mehr an den (sich natürlich im Hirn, also im Materiellen ereignenden) Symptomen, z.B. der Ausschüttung bestimmter Botenstoffe im Hirn). Wahre Freude von Gott – die Gott ja auch gerne geben will – gibt es aber auch und gerade trotz des Leides, oder gar wegen des (früheren) Leidens, durch das man nun geläutert ist. (Hebr. 12,11: „Jede Züchtigung aber, wenn sie da ist, scheint uns nicht Freude, sondern Leid zu sein; danach aber bringt sie als Frucht denen, die dadurch geübt sind, Frieden und Gerechtigkeit“.). Ohne Züchtigung also KEINE echte Freude. Christen, die viel von Freude reden, die aber verleugnen, dass es im Plan Gottes so etwas wie „Züchtigung“ gibt, die reden nicht von der tieferen biblischen Freude. (So verstehe ich den Einwand von Lutz).

    – Die anderen ärgern sich, dass manche Christen eine Miesepeterei zur Norm erheben wollen. Denn manche wollen selber nicht ihren Teil tun, um ihre Beziehung zu Gott zu bereinigen. (So verstehe ich Sylvia, und würde mich dem anschließen – nochmals, ich glaube, 90% der Fälle, wo Christen über mangelnde Freude klagen, mich oft eingeschlossen, hat mit mangelnder Nachfolge Jesu zu tun – und dass wir noch andere Götter im Herzen haben als den Einzigen und Wahren Gott.)

    Übrigens sollte man bei dieser Diskussion sehr sensibel vorgehen, denn: Depressionen sind heute eine weitverbreitete Sache. Wenn jemand davon erfasst ist, kann er den Aufruf zur Freude auch leicht mißverstehen als „Knüppel“ oder als „Anforderung“, die dann zur Last wird. – Vielmehr sollte klar sein: Gott macht uns die Nachfolge als ein Privileg zum Angebot, und macht uns die Freude zum Angebot. Wer sie noch gar nicht erfährt, dem will Gott gerne helfen. Über kurz oder lang.

    Gesegneten Sonntag.

  9. Schandor meint:

    @Roderich

    Deine Kommentare, die man besser Analysen nennen müsste, die werde ich dermaleinst noch zu einem „Kompendium des Christentums“ oder als „Handreichung für Fußvolk-Christen“ zusammenfügen und herausgeben 😉

    LSG

  10. Roderich meint:

    @Schandor, sorry, ja, war zu lang, hast ja recht 🙂
    Offenbar hat dies ja dann wenigstens zu etwas FREUDE beigetragen 🙂 🙂

  11. Schandor meint:

    @Roderich

    Doch, ich denke schon! Heute hab ich wieder in Iwands „Um den rechten Glauben“ gelesen – das hat mir Freude bereitet, als ich u. a. folgendes gefunden habe:

    „Luther sagt damit, daß der Mensch, der Gottes Gebot nicht erfüllt, sich immer in dem Glauben befinden muß, daß er es erfüllen kann, und weiter, daß da, wo es zur Erkenntnis des Unvermögens kommt, Gott nahe ist. Diese Selbsterkenntnis und die Erlösung fallen zusammen.“

    Und:

    Die Erlösung durch Jesus Christus erlöst nicht einen sich danach sehnenden, danach verlangenden Menschen, sondern solches Verlangen ist bereits Erlösung.“

    Und:

    „Das Verlangen und seine Erhörung sind ein einheitlich von Gott gewirktes Geschehen …“

    Und:

    „Es scheint mir hier einer der tiefsinnigsten Punkte der lutherischen Lehre zu liegen, daß der gefangene, unfreie Mnesch diese seine Gefangenschaft erst voll begreift, wenn die ersten Fesseln fallen.“

    Und:

    „Gott erbarmt sich des Sünders, nicht des sich seiner Sünde schämenden Gerechten.“

    (Aus: Die grundlegende Bedeutung der Lehre vom unfreien Willen für den Glauben.)

    All dies leuchtet mir sowas von ein und ist gleichzeitig erhellende Offenbarung. Kann man, wenn man das nicht versteht, überhaupt verstehen, was Erlösung wirklich bedeutet? Luther würde diese Frage mit einem kräftigen „Nimmer!“ beantworten.

    Gott sei gepriesen – ich bin erlöst! – Wenn das mal kein Grund für FREUDE ist!

  12. Roderich meint:

    Hallo Schandor,
    Zustimmung zu allen Aussagen von Luther. (Ich sehe bislang noch keinen Gegensatz zu meinen Aussagen weiter oben).

    Die Frage ist dann, wie sich unsere Erkenntnis dieser herrlichen Erlösung in Form unserer Dankbarkeit Gott gegenüber äußert.

    Aus dem kleinen Katechismus von Luther:

    Das erste Gebot
    Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst nicht andere Götter haben neben mir.
    Was ist das?
    Wir sollen Gott über alle Dinge fürchten, lieben und vertrauen.

    etc.

    [Nach den 10 Geboten:]

    Was sagt nun Gott von diesen Geboten allen?
    Er sagt so:
    Ich der Herr, dein Gott, bin ein eiferndern Gott,
    der an denen, die mich hassen,
    die Sünde der Väter heimsucht bis zu den Kindern
    im dritten und vierten Glied,
    aber denen, die mich lieben und meine Gebote halten, tue ich wohl bis ins tausendste Glied.

    Was ist das?
    Gott droht zu strafen alle, die diese Gebote übertreten, darum sollen wir uns fürchten vor seinem Zorn und nicht gegen seine Gebote handeln.
    Er verheißt aber Gnade und alles Gute allen, die diese Gebote halten,
    darum sollen wir ihn auch lieben und vertrauen und GERNE TUN NACH SEINEN GEBOTEN.

Deine Meinung ist uns wichtig

*