Wenn Männer keine Freunde finden

NewImageMänner tun sich viel schwerer als Frauen, was Freundschaften anbetrifft. Byron Forrest Yawn, der ein christliches Buch über Männer geschrieben hast, nennt einige vorgeschobene Gründe:

Männer weichen dem Ausgesetzt-Sein durch Freundschaften aus, indem sie sich hinter verschiedenen – und recht vorhersehbaren – Fassaden verstecken. Sie versuchen, ihre Persönlichkeit auf diese Weise anderen gegenüber als real darzustellen. Das sind die Maßnahmen, mit denen sie die Menschen auf Armlänge entfernt halten. Das ist das Komische. Alles ist ein Spaß und jeder Spaß ist eine Ablenkung. Hier finden wir eine Missgestalt vor. Der Typ, der nie erwachsen wurde und sich hinter seinen Versäumnissen versteckt. Da ist der Geschäftsmann. Er ist zu beschäftigt, um sich für irgendjemanden zu interessieren. Er zieht sein Ding durch, während alle anderen nutzlose Zeitgenossen sind. Da ist der stille Mann. Er mag es nicht, sich zu öffnen. Da ist der Männer-Mann. Anderen Männern gegenüber durchschaubar zu sein, sieht er als Schwäche an. Da ist der Superheld. Er hat anscheinend gar keine Probleme. Er bezieht sich auf den verbreiteten Spruch: Wenn du dich versteckst, dann bitte hinter etwas, das größer ist als deine Probleme. Hey, Alter! Wir sehen dich!

Jetzt bist du wahrscheinlich überzeugt. Du sagst zu dir selbst: „Ich brauche Freunde. Ich geh dann mal los. Ich setze das auf meine Agenda. Welche Schritte muss ich unternehmen? Wo ist das passende Buch dafür?“ Okay Kumpel, hier ist der Deal. Wenn du erst ein Buch lesen musst oder die Anleitung für zwölf Schritte brauchst, wie man Freunde gewinnt, dann hast du ein viel ernsteres Problem. Denn Freundschaften zu schließen, sind so ungefähr das Natürlichste, zu dem wir als Menschen fähig sind.

Andere unter euch denken vielleicht, sie wären gute Freunde und hätten echte Freundschaften. Du triffst dich jede Woche mit
deinen Kumpeln. Sie wissen Bescheid über dein Leben. Du redest ganz offen mit ihnen. Aber warst du überhaupt ein Freund für sie? Wart ihr wirklich ehrlich untereinander oder habt ihr einander nur ertragen? Hast du etwas im Leben deines Bruders entdeckt und ihn damit laufen lassen? Gibt es da blinde Flecken, die er nicht erkennt, weil du ihn nie darauf hingewiesen hast? Nach Jahren des Redens: Hast du nur um den heißen Brei geredet in Bezug auf ihre Seelen oder bist du tiefer gegangen? Warum hast du nichts gesagt? „Ich will niemanden verletzen.“ Aber das ist nicht das Bild von biblischer Liebe. Biblische Liebe ist beides: einmischend und empfindsam. „Es geht mich nichts an.“ Natürlich hat keiner von uns die Aufgabe des Heiligen Geistes und viele Dinge sind wirklich nicht unsere Sache, aber wir sind dazu aufgerufen, Werkzeuge bei der Veränderung im Leben anderer zu sein. Die Menschenfurcht hält unsere Liebe und Anteilnahme auf eine ungesunde Distanz. Männer leiden jahrzehntelang an blinden Flecken, weil ihre Freunde zu liebenswürdig sind, um sie aufzudecken. Letzten Endes geht ja alles ,gut‘.

Das frisch auf den Markt gekommene Buch kann beim 3L Verlag bestellt werden: www.3lverlag.de.

– – –

Nachtrag vom 12.12.2016: Bei Abschreiben sind mir einige Fehler unterlaufen, die ich inzwischen (hoffentlich) korrigiert habe. Hier außerdem das Inhaltsverzeichnis und das Vorwort von John MacArthur: Inhaltsverzeichnis.pdf.

Kommentare

  1. David Schaebs meint:

    Lieber Ron Kubsch, Sie verweisen in Ihrem Blog häufig auf Bücher aus dem Amerikanischen. Vielen Dank dafür, ich habe schon manche Anregung daraus ziehen können! Da Sie, wie mir scheint, gelegentlich Kontakt zu entsprechenden Verlagen (und Übersetzern?) haben, hier eine Anmerkung zu dieser Übersetzung. Bei Ihnen bin ich damit an der falschen Adresse, aber möglicherweise kennen Sie auch die richtigen Adressaten dieser Kritik und können solche Rückmeldungen einfließen lassen:
    Die Sprache ist grauenvoll. War das Google?
    Einige Auffälligkeiten, die mir exemplarisch scheinen: Typische Satzkonstruktionen sowie der Stil der direkten Anrede (zudem noch gramm. unvollständig wirkender Satz „Jetzt bist du wahrscheinlich überzeugt.“ – besserer Stil im Deutschen wäre es, ein Objekt als präpositionale Ergänzung hinzuzufügen: von etwas überzeugt sein) und verknappte Formulierungen („Ok Kumpel, hier ist der Deal.“) wurden ebenso wie die dahinter stehende „amerikanische“ Denkweise („Ich setze das auf meine Agenda. Welche Schritte muss ich unternehmen? Wo ist das passende Buch dafür?“) 1:1 ins Deutsche übertragen (auch ohne Beachtung gramm. Kongruenz: „Denn Freundschaften zu schließen, sind so ungefähr das Natürlichste, zu dem wir als Menschen fähig sind.“). Hinzu kommen teilweise bis zur Unkenntlichkeit entstellte Formulierungen („Du triffst dich jede Woche mit Rechenschaft.“). Gängige amerikanisch-evangelikale Begrifflichkeit wird zudem oft einfach übernommen, anstatt sie ans Deutsche bzw. hier übliche Auffassungen oder Termini anzupassen. Das ist kaum lesbar.
    Ärgerlicherweise findet sich dieser mehr als schlampige Stil bei vielen aus dem Amerikanischen ins Deutsche übertragenen Büchern. Liegt es an mangelnder Sorgfalt oder Sprachgefühl bei den Übersetzern? Derart miserabel übersetzte Werke könnte ich jedenfalls niemandem aus meinem Bekanntenkreis guten Gewissens empfehlen. Ich kaufe solche Bücher mittlerweile selbst dann nicht mehr, wenn mich das Thema eigentlich interessiert. Schade.

    Davon abgesehen: Sicher ein interessantes und auch in Gemeinden vernachlässigtes Thema (Stichwort „Männerarbeit“), auch wenn zumindest in diesem kurzen Auszug nicht deutlich wird, dass „Männer-Freundschaften“ eben auch ganz anders geartet sind bzw. sein können als „Frauen-Freundschaften“. Zudem sind manche Phänomene doch eher amerikanisch, ich könnte mir vorstellen (das ist jetzt nur eine Hypothese), dass bei uns noch ganz andere „Männertypen“ oder „Männerprobleme“ dominant sind als die hier aufgezählten.

  2. Danke für den Hinweis. Ich leite die Anmerkungen an den Verlag weiter.
    Liebe Grüße, Ron

  3. @David Schaebs: Beim Abschreiben sind mir einige Fehler unterlaufen. Zu den Fehlern gehört auch der im Kommentar zitierte Satz: „Du triffst dich jede Woche mit Rechenschaft.“. Es muss heißen: „Du triffst dich jede Woche mit deinen Kumpeln.“ Kurz: Einige Reklamationen habe ich zu verantworten! Nochmals danke für die Hinweise!

    Liebe Grüße, Ron

  4. David Schaebs meint:

    Danke für den Hinweis, das kann natürlich passieren. Ich dachte, es hätte sich um eine direkte Übernahme aus einem digitalen Vorabdruck / Leseauszug vom Verlag gehandelt (also Copy & Paste). Ich möchte niemandem Unrecht tun. Bei der generellen stilistischen Kritik bleibe ich aber. Vielen Dank, wenn Sie das weiterleiten. Ein grundlegendes Problem ist sicher der cultural gap, d.h., dass wir in Dtl. anders denken und Sachverhalte sprachlich anders verhandeln und darstellen. Allerdings werden wohl in Dtl. im christlichen Markt viele Themen gar nicht durch Publikationen abgedeckt, sei es, weil kompetente Autoren fehlen, sei es, weil es eben schon Literatur dazu aus den USA gibt, sei es, weil der Markt selbst zu klein ist und sich manches nicht rechnet.
    Jedenfalls gereicht uns die doch sehr spürbar kulturell eingefärbte Literatur nicht immer zum Besten und lässt oft Klarheit vermissen bzw. ist eben nur eingeschränkt übertragbar und daher auch nur sehr eingeschränkt hilfreich, wie ich meine.
    Manche Werke, etwa das Tim-Keller-Buch, das Sie jüngst im Blog empfohlen haben, sind sicher nicht zu ersetzen.
    Wird in den Verlagen über so etwas nachgedacht und auch abgewogen, ob es nicht manchmal sinnvoller wäre, statt vieler Übersetzungen wenige eigenständige Bücher zu publizieren?
    Liebe Grüße,
    David Schaebs

  5. Ja, darüber wird m.W. nachgedacht. Aber es gibt eben nicht nur den cultural gap, sondern auch inhaltliche Lücken im deutschsprachigen Europa. Da ziehe ich dann doch ein mäßig übersetztes Buch einem stilistisch hervorstechenden Buch vor, insofern letzteres inhaltlich schwach ist. Aber das Ihr Anliegen ist berechtigt und ich stimme in die Klage ein.

    Liebe Grüße, Ron

  6. Alexander meint:

    Lieber David Schaebs,
    Sie sprechen mir aus der Seele!
    Die Ursachen des Problems sind allerdings vielfältig und gar nicht so leicht zu beheben. Ich will stichpunktartig einige nennen:

    Die fromme christliche Szene ist in Deutschland viel kleiner als im englischsprachigen Raum, vor allem freikirchlich geprägt und (und dies ist m.E. das Entscheidende) weniger bildungsnah. Daraus resultiert letztlich auch ein Mangel an Sprachfertigkeit. Ich sage dies wohlgemerkt nicht herablassend. Ich bin selbst kein Vielleser, 95% der gehobenen Literatur, die in unseren Regalen steht, hat meine Frau ins Haus gebracht. Wahrscheinlich sogar mehr. Wenn literarisch gebildete Christen fehlen, fehlen natürlich auch literarisch gebildete Übersetzer (natürlich ebenso auch sprachbegabte und produktive christliche Autoren).
    Verlage wie 3L sind klein und professionelle Übersetzungen sind teuer. Entsprechend werden oftmals Freiwillige genommen, welche nicht als Übersetzer geschult wurden – und vielfach leider auch keine Naturtalente sind. Aber anders wären die Projekte eben nicht zu finanzieren.
    Und hier setzt nun das Dilemma ein: Der ‚christliche Büchermarkt‘ bringt zwar auch im englischen Bereich zu 99,99% grässlichen Schrott hervor. Aber der verbleibende Rest an guten Büchern ist immer noch enorm groß (vor allem im Vergleich zum deutschen Markt, der eher 99 Komma Periode 9 % Unfug hervorbringt). Nun hat man die Wahl: Entweder dieser Bestand an guter Literatur bleibt den deutschen Christen weiterhin zum großen Teil verschlossen. Oder man produziert, sagen wir mal: ‚finanzierbare‘ Übersetzungen. Was macht man nun? Besser mäßige (oder manchmal eben auch schlechte Übersetzungen) als gar keine. Im Moment sehe ich ehrlich gesagt keine andere Möglichkeit. Auch wenn sich mir selbst oft genug die Zehnägel kräuseln.

  7. Ich bin zunächst einmal nur dankbar, dass überhaupt noch gute Bücher übersetzt werden. Was nützt mir ein „Meisterwerk“ von Sprachfertigkeit, wenn der Inhalt so viel Nährwert wie ein Taschentuch hat. Die meisten christlichen Bücher, die so gelesen werden, sind einfach schlecht (Inhalt).
    Da bin ich wirklich froh, dass es so Verlage wie 3L gibt. Mag sein, dass die Buchgestaltung und die Sprachfertigkeit nicht jedem passen. Aber mir geht es um das, was dort vermittelt wird – nicht um die Verpackung.
    Gerade lese ich ein sehr gutes Buch. Ich habe schon einige Rechtschreibfehler gefunden (Heroldverlag). Man könnte sich jetzt aufregen und das Ding weglegen. Aber ich profitiere so sehr von dem Inhalt, dass mir die Fehler einfach egal sind.

    Wenn man Verlage wie 3L etc. mehr unterstützte, bin ich fest davon überzeugt, dass solche „Probleme“ auch aus der Welt geschafft würden.

  8. David Schaebs meint:

    Lieber Alexander, lieber Armin,
    vielen Dank für die Anmerkungen und weiteren Einblicke. Ich lese zwar viel, habe ein entsprechendes Studium und bin daher wohl sensibler als andere, was das Thema anbetrifft. Mir geht es aber weniger um literarische Brillanz, sondern gedankliche Klarheit, die sich in sprachlicher Stringenz und Einfachheit ausdrückt. Gut lutherisch sozusagen.
    Die Diskussion dreht sich ja mittlerweile um drei Themen:
    1. die inhaltliche Differenz zwischen USA und D, die es wohl nötig macht, englischsprachige Werke zu übersetzen.
    2. die kulturelle Lücke, die es eben schwierig macht, bei solchen Werken die Situation einfach zu übertragen. Das macht durchaus einen beträchtlichen Teil der sprachlichen Stolpersteine aus, etwa, siehe einige Bsp. ganz oben in meinem ersten Kommentar, im Satzbau, in der Terminologie, in der Art, Gedanken einzuleiten, zu formulieren und Schlüsse zu ziehen, in der Kohärenz, in der Anrede…
    3. handwerkliche Fehler der Übersetzungen, die tatsächlich v.a. an sprachlich-literarischem Feingefühl, Bildung und sicher auch Zeitdruck liegen.

    Die Erklärungen von Alexander sind hilfreich. Ich kenne mich in der Verlagsszene nicht aus. Ron Kubsch ging ja auch in diese Richtung: Aber was wird getan, um begabte christliche Autoren zu entdecken und zu fördern? Vielleicht wäre hier wirklich mehr möglich, wenn man Klasse statt Maße als Maßstab nehmen würde (ist jetzt nur eine naive Vermutung).

    @Armin: Ich kenne den Verlag 3L nicht näher und wollte dessen Arbeit, die sehr wertvoll ist und bestimmt mit viel Idealismus und Glaubensmut betrieben wird, nicht angreifen oder schmälern, bestimmt nicht! Ich habe mehrere Bücher aus diesem Haus und zumindest bei einem weiteren ist mir die Übersetzung aber auch aufgefallen.
    Ich sehe aber, dass es sehr wohl gute Bücher und gute Übersetzungen gibt, als ad-hoch-Beispiele mögen die Übersetzungen der Bücher von C.S. Lewis oder von John Lennox dienen. Das Ausspielen von sprachlicher (und damit gedanklicher!) Korrektheit und Verständlichkeit gegen „Inhalt“ finde ich merkwürdig. Klares, geistliches Denken sollte sich doch in klarer Sprache ausdrücken können (s.o.: Luther), oder nicht? Mir geht es auch um den Inhalt, deswegen beschwere ich mich ja… Aber klar, aus dem Buch von Byron Forrest Yawn über Männerfreundschaften, um das es geht, lässt sich sicher geistlicher Gewinn ziehen und vieles lernen. Das bezweifele ich nicht. Aber wenn ich mich durchquälen muss und länger brauche, als gewöhnlich, weil es eben nicht „fließt“ und ich immer wieder stolpere, zurücklesen muss bzw. (weit häufiger) mich über Redundanz und inhaltliche Wiederholungen mit jeweils anderen Worten ärgere, verzichte ich mittlerweile.
    Viele Grüße,
    David

  9. @David Schaebs und Alexander sie jammern doch auf einem sehr hohen Niveau. Es ist noch gar nicht so lange her das es in einigen Teilen Deutschlands(DDR) sehr wenig christliche Literatur gab. Daher bin ich sehr dankbar über jedes gute christliche Buch das verlegt wird. Die meisten christlichen Verlage sind mit Sicherheit sehr dankbar über jede Hilfe die man ihnen anbietet, sie können sich ja an statt zu jammern dort mit einbringen.

  10. David Schaebs meint:

    @ Joschie: Das Bessere ist der Feind des Guten. Ich stamme aus der ehemaligen DDR. Dort gab es in Gestalt bspw. von Theo Lehmann im christlichen Bereich durchaus sprachlich Gekonntes.
    Das ist jedenfalls kein Argument für schlampige Sprache in der Gegenwart als Folge einer partiellen „Amerikanisierung“ des Literaturangebots und in Folge auch der Gemeinden, denn dadurch wird das geistliche Vokabular und der „Pegel“ in unseren Gemeinden bestimmt (und dahinter verbirgt sich manchmal sogar geistliche Schaumschlägerei). Ich wünschte mir da mehr Bewusstsein und womöglich mehr deutschsprachige Produktionen auf entsprechendem Niveau zu entsprechenden Themen.
    Trotzdem: Auch ich bin dankbar für jedes geistliche Buch – und jeden, der es kauft und liest und damit die notwendige Arbeit der Verlage stützt. Wie man sich „dort mit einbringen“ kann, war mir bisher nicht klar.

  11. @David
    Vielleicht liegt es bei mir ja auch daran, dass ich aufgrund meiner Bildung und Herkunft einfach nicht so viel wert auf die Dinge lege, die Ihnen wichtig sind. Eventuell habe ich es einfach leichter, da mir so etwas oft überhaupt nicht auffällt, da mir das „Feingefühl“ dafür fehlt.

    Trotzdem glaube ich, dass wir in Zukunft froh sein können, für jedes gehaltvolle Buch, das übersetzt wird. Wo bekommen wir denn noch gute geistliche Nahrung her? Klar, es gibt sie noch, aber es wird immer seltener. Ich kenne so viele Christen, die lesen maximal noch Sarah Young. Geschweige denn die Bibel. Ich weiß nicht, ob wir uns auf Dauer den Luxus erlauben können, zu viel Geld in top ausgefeilte Literatur zu investieren. Ich denke eher, man sollte genau abwägen.
    Abgesehen davon, geht es den meisten in meinem Umfeld ähnlich wie mir – die merken so was einfach nicht. Da ist es mir lieber es werden mehr gute Bücher übersetzt und veröffentlicht, als nur ein paar wenige, dafür aber extrem teuer in der Produktion.

  12. @David
    Ihr Argument mit Luther verstehe ich und teile ich auch. Können Sie vielleicht mal ein konkretes Beispiel nennen wo das Ihrer Ansicht nach nicht der Fall ist?
    Mir geht es auch in keinster Weise darum sprachliche Klarheit gegen „Inhalt“ auszuspielen! Da kann ich nicht ganz folgen, wo ich das vertrete!?
    Lasse mich da aber gerne korrigieren.

    Aber was ist denn genau „sprachliche (und damit gedankliche!) Korrektheit und Verständlichkeit“? Das finde ich mittlerweile recht schwierig. Das hängt meiner Meinung nach stark davon ab, in welchen Kreisen man sich so bewegt.
    Für konkrete Beispiele wäre ich da dankbar, auch wenn ich denke zu wissen was Sie meinen. Vielleicht hilft mir das, Sie besser zu verstehen.

  13. David Schaebs meint:

    @Armin: Vielleicht haben Sie Recht, was die Lesegewohnheiten von Christen anbetrifft, ich kann das nicht genau einschätzen. Das wird je nach Gemeindeform auch unterschiedlich sein.
    Zu der Frage, in der es um „Sprache vs. Inhalt“ ging: Sie schrieben: „Was nützt mir ein „Meisterwerk“ von Sprachfertigkeit, wenn der Inhalt so viel Nährwert wie ein Taschentuch hat. … Mag sein, dass die Buchgestaltung und die Sprachfertigkeit nicht jedem passen. Aber mir geht es um das, was dort vermittelt wird – nicht um die Verpackung.“ – Darauf hatte ich mich, etwas zuspitzend, bezogen. Ich glaube, dass das Problem (s. o. mein 2. Kommentar), in 3 Dingen besteht. Ich gehe das jetzt nicht nochmal durch. Alle 3 Aspekte kulminieren aber dann in sprachlich mäßiger Darstellung.
    Ich möchte nicht auf „Bildungshuberei“ abzielen, dazu gibt es auch gar keinen Grund, sondern auf 1. gute, zutreffende Sprache und 2. gedankliche Klarheit und wirklich Zutreffendes und Hilfreiches. Damit ist doch auch denjenigen gedient, die das Einfache, aber Klare und Direkte schätzen. Ich will, um damit auch ihre letzte Frage zu beantworten, das noch mal an dem Beispiel des Buches von Byron Forrest Yawn „Wann ist ein Mann ein wahrer Mann?“ deutlich machen und wiederhole dabei tw. die Bsp. von oben aus meinem ersten Kommentar. Ich beziehe mich dabei auf meine drei Aspekte (s.o.):
    1. Zu den inhaltlichen Unterschieden und Defiziten im deutschsprachigen Raum gibt es naturgemäß keine Beispiele.
    2. Zu der eingeschränkt möglichen Übertragbarkeit und der starken kulturellen Überprägung gibt es allein in diesem kurzen Auszug mehrere Beispiele:
    Die im Buchauszug durchgängige direkte Anrede „(Jetzt denkst du bestimmt…“) ist bei uns eher unüblich und „kumpelhaft“ – in diesem Tonfall ist das Buch auch gehalten, was für die US-Situation passen mag, bei uns aber doch wohl eher als anbiedernd empfunden würde (Hey, Alter! Wir sehen dich!“) Gut, das kommt wohl tatsächlich auf das jeweilige Umfeld an. Aber selbst im populär-säkularen Sachbuch- und Lebensratgebermarkt ist das unüblich in D.
    Das Buch ist auf US-amerikanisches Denken abgestimmt – oder denkt der „typisch deutsche Mann“ so zu dem Thema: „Ok Kumpel, hier ist der Deal. … Ich setze das auf meine Agenda. Welche Schritte muss ich unternehmen? Wo ist das passende Buch dafür?“? – Ich bin mir nicht sicher … Diese Ärmel-hochkrempel-zeig-mir-in-fünf-Schritten-wie-es-geht-und-ich-mach-es-yes-man-Mentalität finde ich sehr amerikanisch im Sinne von pragmatisch und machbarkeitsorientiert. Die meisten Männer, die ich kenne, ticken nicht so.
    Zudem geht der Autor von den soziologischen Gegebenheiten und „Männlichkeitstypen“ in der amerikan. Gemeindelandschaft aus. Dies dürfte bei uns deutlich anders sein. Das rührt allein schon daher, dass bei uns der ganze Helden-, Militär- und Männlichkeitsdiskurs, der in den USA (man achte nur allein auf die Felder, denen Beispiele in populären Büchern entlehnt sind!) zentral ist, im Prinzip fehlt. Ich sehe dafür bei uns noch viel stärker das Problem einer männlichen Verunsicherung durch den viel stärkeren und aggressiveren Feminismus bzw. Feminisierung (man beachte nur die Schulerziehung mit ihrer Bevorzugung von eher weiblichen „soft skills“ vs. das amerikan., mehr kompetitive, Sport und Leistung schätzende System); den Rückzug der Männer aus Verantwortung; Wehleidigkeit und Isolierung / Abdriften in Subkulturen (Sport, PC-Games, Internet etc.). In unseren Gemeinden muss man nur mal auf die Sprache achten, sowohl in Liedern als auch generell. Welcher Mann fühlt sich durch eine weichgespülte, feminisierte Sprache des Gefühls- und Beziehungsorientierten angesprochen? Bzw. was wird dabei dann nicht angesprochen und bleibt somit für Männer auf der Strecke, weil unausgesprochen? Das sind jetzt nur einige spontane Eindrücke.
    Zur Frage nach dem Zusammenhang von Sprache und Inhalt:
    Was will der Autor mit folgenden Sätzen sagen? „Natürlich hat keiner von uns die Aufgabe des Heiligen Geistes und viele Dinge sind wirklich nicht unsere Sache, aber wir sind dazu aufgerufen, Werkzeuge bei der Veränderung im Leben anderer zu sein. Die Menschenfurcht hält unsere Liebe und Anteilnahme auf eine ungesunde Distanz.“
    Meint er: „Zu Recht maßen wir uns nicht an, die Rolle des HG zu übernehmen, doch wir sollten bereit sein, uns von Gott zur Veränderung des Lebens unserer Brüder gebrauchen zu lassen. Menschenfurcht hindert uns daran.“? Aber bis zu welchem Maß sollen wir uns konkret gebrauchen lassen? Wie weit genau sollen wir gehen? Wobei genau „Werkzeug“ sein? – Das ist an so einem kurzen Auszug natürlich schwierig, aber dieser letztlich recht vage und schwammige, sich in Andeutungen ergehende Stil fällt mir eben immer wieder auf.
    3. Die rein sprachlichen (grammatischen, stilistischen) Mängel. Das ist immer dann markant, wenn man den Originalwortlaut geradezu „hören“ kann, also Wortstellung, Satzbau oder Formulierungen nicht angepasst werden.
    „Der Typ, der nie erwachsen wurde und sich hinter seinen Versäumnissen versteckt. Da ist der Geschäftsmann.“ – Das sind im Deutschen einfach stilistisch schlechte Sätze.
    „Denn Freundschaften zu schließen, sind so ungefähr das Natürlichste, zu dem wir als Menschen fähig sind.“ – Es muss heißen: „… ist so ungefähr…“ So würde man im Deutschen aber nicht reden („so ungefähr das Natürlichste“), sondern man sagt eher: „ist so ziemlich …“ bzw. lässt diese Floskel ganz weg. Außerdem kann man sich fragen, ob die Aussage des Satzes überhaupt stimmt, aber das steht auf einem anderen Blatt.
    Die Folge ist, dass unser Denken und Reden über geistliche Dinge mit geformt wird durch eine Sprache und eine Begriffswelt, die nicht genuin die unsere ist. Die Amerikanisierung der deutschen Evangelikalen – das wäre doch mal ein Thema für eine Promotion (@Ron Kubsch;). Bin ich da zu kritisch?
    Vielleicht gibt es ja sogar einen Zusammenhang zwischen der Lesefaulheit unter evangelikalen Christen und der Flut an mittelmäßiger Literatur?
    Wie schon mehrfach gesagt: Das Buch ist sicher trotzdem geistlich sehr wertvoll, darum ging es mir nicht. Zudem hatte sich ein Teil meiner heftigen Kritik auf die von Ron bereits verbesserten Passagen bezogen.
    Hilft das ein wenig?
    Viele Grüße,
    David

  14. Alexander meint:

    @David: Weitgehende Zustimmung. Ich will nur ergänzen, dass doch auch insgesamt ein gewisser Sprachverfall zu verzeichnen ist. Ich habe seit Jahren keine Seminararbeit mehr korrigiert, die sprachlich und grammatisch einwandfrei war.
    @Joschie: Hier jammert niemand, wirklich nicht. Ich habe ja oben konzediert, dass angesichts der Gesamtsituation eine mäßige Übersetzung immer noch besser ist als gar keine. Und auch ein schnoddriges „Dann macht’s doch selber besser“ hinzuschleudern, verfehlt das Ziel. Ich zumindest habe einen Beruf, der mich voll auslastet (dazu kommt die Familie). Aber dennoch möchte ich sagen dürfen, dass die Übersetzung von „Trellis and the Vine“ („Das Spalier und der Weinstock“), die kürzlich bei Betanien erschienen ist, tja, in der Tat eben auch nur mäßig ist – und damit eben leider den Blick auf den exzellenten Inhalt des Buches zu verstellen droht. Letzteres ist das Entscheidende.

  15. Ok, jetzt kann ich das besser nachvollziehen. Dankeschön.

Trackbacks/ Pingbacks

  1. […] Buchtipp: WENN MÄNNER KEINE FREUNDE FINDEN […]

Ihre Meinung ist uns wichtig

*