Wer sind die wahren Fundis?

Die Katholische Akademie in Bayern (München) veranstaltet am 15. September 2011 eine »Nacht der Philosophie« zum Thema: Wer sind die wahren Fundis? Prof. Gerhard Schurz von der Heinrich Heine Universität in Düsseldorf wird als humanistischer Aufklärer und Vertreter einer verallgemeinerten Evolutionstheorie die religionskritische Position vertreten. Prof. Daniel von Wachter, im Jahr 2010 Referent während der Apologetik-Studienwoche in Berlin, verteidigt ein vernünftiges Christentum. Von Wachter:

Es gibt starke Indizien für die Existenz Gottes. Deshalb ist der Theismus vernünftiger als der Atheismus. Nicht die sich als ›Aufklärung‹ bezeichnende Bewegung, sondern das Christentum hat die Vernunft gefördert. Die Behauptung vieler Säkularsten, das Christentum sei an den meisten Kriegen schuld und fördere die Unvernunft, ist falsch. Die größten Feinde der Religions- und Meinungsfreiheit in Europa sind heute Säkularsten. Der einzige Weg zur Religions- und Meinungsfreiheit ist die Achtung des Wertes und der Rechte der Andersdenkenden.

Hier die Einladung zur Veranstaltung: JA_Philosophie.pdf.

Kommentare

  1. Sebastian Heck meint:

    Gibt es „starke Indizien für die Existenz Gottes“, die den „Theismus vernünftiger“ machen als den Atheismus? Oder gibt es keine Indizien für die Nichtexistenz Gottes, was den Atheismus die einzig mögliche Erklärung aller Dinge macht?

  2. Wenn ein akademischer Vertreter des Christentums davon spricht, dass es für die Existenz Gottes ’starke Indizien‘ gebe, muss man misstrauisch werden. Daraus spricht ein starker Zweifel. Wie will jemand, dessen Zweifel ihm vorauseilt, von Natur aus Ungläubige Menschen von seiner Botschaft überzeugen? Dem Atheisten scheint seine Position ohnehin die einzig denkbare zu sein. Wenn jetzt noch einer kommt, und ihm sagt, der Theismus sei ‚vernünftiger‘, ist der Eintopf fertig: Da bliebe ich mit größerer Überzeugung Atheist.

  3. Johannes G. meint:

    Wenn ein akademischer Vertreter des Christentums davon spricht, dass es für die Existenz Gottes ‘starke Indizien’ gebe, muss man misstrauisch werden. Daraus spricht ein starker Zweifel.

    Dem Gedankengang kann ich jetzt nicht ganz folgen…

    @Ron

    Danke für den Hinweis 🙂 Falls bis dahin der Umzug über die Bühne ist, werde ich mir das anschauen.

  4. Schandor meint:

    @Jo

    Naja, ich hab’s so verstanden, als müsse man von einem „akademischen Vertreter des Christentums“ erwarten dürfen, dass er nicht nur von starken Indizien spricht, sondern für den Glauben kämpft? (Ist nur eine Vermutung). Mir kommt die Bemerkung auch irgendwie lose oder vage vor. Wenn wir ganz cartesianisch vom Ego ausgehen und von daher versuchen, Gott in unserem Koordinatensystem zu finden, dann mag es durchaus Indizien geben, aber als Person wird man ihn ja wohl kaum finden. Ganz anders z. B. bei Anselm: Der setzt die Existenz Gottes geradezu voraus, bevor er sich anschickt, ihn auch — fides quaerens intellectum — für das Denken zu finden.
    Einige heutige „akademische Vertreter des Christentums“ klingen so, als hätten sie großes Verständnis für den Atheismus und versuchten, ihn mit Samthandschuhen von der Unvernünftigkeit seiner Position zu überzeugen (was nachgerade kabarettistische Züge trägt, so lächerlich ist das).
    Aber unter Akademikern führt man ja schließlich einen gepflegteren, völlig unpolemischen Ton. Ich glaube, ich verstehe jetzt, weshalb Kierkegaard so ungeheuer polemisch in Richtung „Objektivität“ gestoßen hat 😉

  5. Johannes G. meint:

    @Schandor,

    Ganz anders z. B. bei Anselm: Der setzt die Existenz Gottes geradezu voraus, bevor er sich anschickt, ihn auch — fides quaerens intellectum — für das Denken zu finden.

    Genau genommen setzt er nicht dessen Existenz, sondern die Möglichkeit seiner Existenz voraus 😉 Das interessante an Anselms, Gödels und Plantingas Argument ist, dass derjenige, der die Existenz Gottes als Wesen mit allumfassender maximaler Exzellenz prinzipiell für möglich hält zu dem Schluss geführt wird, dass Gott notwendigerweise existiert. D.h. in diesem Fall wird es schwierig, Agnostiker zu bleiben… 😉

    Wer natürlich das Konzept der „perfect being theology“ grundsätzlich für inkonsistent hält, für den hat Anselms Argument wenig Zugkraft.

    Liebe Grüße
    Jo

  6. Schandor meint:

    @Jo

    Naja, ich hab das halt daraus geschlossen, was ich unlängst gelesen hab:

    „Anselms Gottesbeweis setzt bekanntlich mit einem Gebet ein. Dieses Gebet enthält bereits den entscheidenden Schlüssel für das Verständnis seines Beweises und widerlegt im Grunde seine ‚Beweis‘-Intention. Es eröffnet das 2. Kapitel seines ‚Proslogion‘ und lautet in seinen wesentlichen Sätzen: ‚So gib mir nun, Herr, der du dem Glauben auch die Einsicht verleihst, gib mir … die Erkenntnis …, dass du bist, wie wir glauben, und dass du das bist, was wir glauben. Wir glauben aber von dir, dass über dich hinaus Größeres nicht gedacht werden kann.‘ (Thielicke, Glauben und Denken, J.C.B Mohr 1988, S. 77).

    Aber was Du da von der „perfect being theology“ schreibst, ist genau das, was ich an diesem Ansatz eines Gottesbeweises nie verstanden habe. Spaemann findet den Beweis überzeugend (in seinem Gottesbeweisbüchlein erwähnt er das), Schopenhauer hat die Lächerlichkeit dieses Ansatzes damit aufgewiesen, dass „Existenz“ (oder hier besser: Sein, viell. Aseität) kein Wesensmerkmal eines Dinges (ich glaub, er hat Ding gesagt) darstellt.
    Für mich hat Anselms Argument wenig Zugkraft, aber ich glaube, ich könnte auf rationalistischem Wege kaum erklären, weshalb ich einfach weiß, dass es Gott gibt.

    Anselms Beweis ist für sich genommen eine Denküberlegung, die vom eigenen Denken ausgeht. Was aber, wenn wir Gott erkennen müssen, weil er sich in erster Linie (!) nicht unbezeugt gelassen hat und wir erst in 2. Linie ihn durch nachdenken erkennen müssen? Dann hätte das, was wir durch die Sinne in uns aufnehmen, jedenfalls den Primat.
    Dass übrigens Gödel auch so argumentiert hat, wusste ich nicht (Bin ja nur Laie 🙂 )

    Ich hab übrigens längere Zeit versucht, Agnostiker zu sein und zu bleiben; mir ist’s auch nicht gelungen 😉

    Liebe Grüße
    Schandor

  7. Roderich meint:

    @Mario und Schandor
    D.von Wachter argumentiert aehnlich wie Richard Swinburne zunaechst mal rein logisch, dass die Indizien FUER die Existenz Gottes weit staerker sind als die Indizien, die GEGEN die Existenz Gottes zu sprechen scheinen. Wenn man wissenschaftlich argumentiert, muss man auf der Indizienebene bleiben und kann nicht sagen: „Ich bin mir aber 100% sicher. Basta.“.
    Nachdem rein rational auf der „Indizienebene“ geklaert ist, dass die Wahrscheinlichkeit fuer die Existenz Gottes groesser ist als die Wahrscheinlichkeit gegen die Existenz Gottes, kann man danach – falls sich der Gespraechspartner noch dafuer interessiert – sein persoenliches Zeugnis geben, warum fuer einen selbst (auf Basis der eigenen Erfahrungen) die Wahrscheinlichkeit der Existenz Gottes, der Wahrheit der Bibel etc. naeher an die 100% geht.

    Also: nur nicht nervoes werden. D.v. Wachter geht mit Sicherheit davon aus, dass der christl. Glaube 100% wahr ist. Aber man muss die Regeln der Diskussion beachten. Man kann nun mal nur mit Indizien argumentieren.

    Wer noch Zweifel hat: auf Youtube gibt es einen Vortrag von D.v. Wachter, in dem er seine Methode des „Argumentierens mit Indizien“ vorfuehrt.

  8. Schandor meint:

    @Roderich

    Wenn „wissenschaftlich argumentieren“ tatsächlich hieße, auf der Indizienebene bleiben zu müssen, kann es kein Wissen geben, sondern nur Approximation. Hier versteht man Kierkegaards Ärger wirklich!
    Ich glaube, es war Schopernhauer, der einmal gesagt hat, die Wissenschaft habe sich um die Existenz Gottes keinen Kopf zu machen, da er nie ihr Thema sein kann. Wenn er recht hätte, müssten die Wissenschaftler (deiner Definition zufolge) Beifall klatschen und nicht so tun, als gehe sie die Existenz Gottes überhaupt was an.
    Es geht auch gar nicht darum, dass jemand sagt, was er glaubt, sondern eben um Indizien — oder eben um Beweise. Fideisten und Präsuppusitionalisten jedenfalls würden schon das Prinzip bestreiten, das Du aufstellst. Erstere würden sagen, die Existenz Gottes habe nicht mit Wissenschaft zu tun, zweitere würden sagen, axiomatisch sei allein die Heilige Schrift.
    Nur die (evidentialistischen) „Wissenschaftler“ (Apologeten) teilen Deine Prämissen, denn wenn wir uns dem Rationalismus zukehren, so ist es um die sogenannten „Indizien“ gar schlecht bestellt…
    Aber noch einmal:
    Ich persönlich halte die Frage um die Existenz Gottes für kein epistemologisches Problem, sondern für ein ethisches. Evidentialistische Wissenschaftler gehen davon aus, dass Christ und Nichtchrist eine gemeinsame Basis haben, auf der sie argumentieren können. (Ein vielschichtiges Problem. Was hat z. B. Vorrang: Empirie oder Ratio?).

  9. Johannes G. meint:

    @Roderich

    gut gesprochen, äh geschrieben 😉 Kommst du dieses Jahr auch wieder nach Marburg? Würde mich freuen, dich dort wieder zu treffen 🙂

    …zweitere würden sagen, axiomatisch sei allein die Heilige Schrift.

    Das reicht ja schon, um für die Nützlichkeit von Indizien zu argumentieren. In Römer 1, 19ff wird klar bestätigt, dass der Mensch durch Beobachtung / Indzien prinzipiell erkennen kann, dass ein Gott ist. Damit wird noch niemand Christ, aber Indizien können eben nachweislich förderlich für die christliche Gotteserkenntnis sein 🙂

    Liebe Grüße
    Jo

  10. Roderich meint:

    @Jo – ja, das waere super, sich in Marburg mal wieder zu sehen. Mal schauen.

    @Schandor – das stimmt, der strikte „presuppositionalism“ wuerde nicht mit Indizien arbeiten. (Van Til etc.). Auch wenn der Presuppositionalism in seinem eigenen Gebiet sehr stark ist (es ist naemlich ueberzeugend, bei den Grundannahmen anzusetzen, d.h. mit den Denkvoraussetzungen, z.B. warum kann man unterstellen, dass unsere Vernunft ueberhaupt vernuenftig ist?), so sollte man doch die Indizienargumente deshalb nicht weglassen.

    Thomas Schirrmacher schreibt ja auch in der Ethik, dass Van Til und andere „strikte“ Presuppositionalists uebertreiben.

    Etwa gibt es gute „Indizienargumente“, z.B. das Design in der Natur, Schoenheit in der Natur, die Existenz von Ordnung im Universum, die Existenz von Naturgesetzen oder moralischen Gesetzen, eine irreduzible Komplexitaet, die fuer die Existenz Gottes sprechen; oder man kann mit Indizien fuer die Auferstehung Christi argumentieren (z.B. warum waren die Juenger nach der Kreuzigung erst so desolat, und spaeter haben fast alle Juenger mit ihrem Leben bezahlt fuer die Ueberzeugung, dass Jesus auferstanden ist – das ist ein gutes Indiz, dass die Auferstehung wirklich geschehen ist, denn fuer eine „Vision“ oder ein „Wunschbild“ wuerde man kaum sterben).

    Also, warum nicht beides?

    Man kann also durchaus auch auf „Plausibilitaeten“ (Indizienargumente) verweisen.

    Daniel von Wachter argumentiert uebrigens mit ziemlicher Sicherheit nicht NUR mit Indizien, sondern hinterfragt AUCH die philosophischen Grundannahmen der Gegner selbst, bzw. deckt Inkonsistenzen in den philosophischen Grundannahmen von nichtchristlichen Philosophien auf. Lies doch mal die Schriften auf von-wachter.de.

    Viele Gruesse
    Roderich

  11. Schandor meint:

    @Roderich

    Mir fällt dazu der Film „Contact“ ein. Wenn Du ihn gesehen hast, erinnerst Du Dich bestimmt daran, dass es den Wissenschaftlern (seltsamerweise!) nicht gelingen will, die (dreidimensionale) Botschaft zu entschlüsseln. Sie versuchen unzählige Iterationen und Permutationen, aber die Teile wollen nicht zueinander passen. Erst als Haddon Arroway erklärt, dass man die Teile wie einen Würfel, also dreidimensional verstehen muss, löst sich das Rätsel.
    Genau so ist es mit den Gottesbeweisen — sie können Gott nicht beweisen, da Gott so nicht bewiesen werden kann. Jeder, der es dennoch tut, macht sich höchst lächerlich, ob nun mit oder ohne „Indizien“ (was für lächerliche Methoden; sie sollten wahrlich als Pudendum gelten — und tun das auch in den Augen der Atheisten).
    Nein, Gott muss man „dreidimensional“ beweisen: Durch die Tat nämlich. Wie die Jünger sich für ein (angebliches) Märchen (die Auferstehung) geradezu schlagen und töten ließen — *das* waren Beweise für Gott, denn die gebildeteren unter den Atheisten müssen hier zustimmen: Verrückt waren die Jünger nicht. Sie glaubten an das, was sie verkündeten. Sie müssen es also erlebt haben — oder allesamt einer Einbildung zum Opfer gefallen sein, was angesichts der großen Vielzahl der Jünger doch kaum anzunehmen ist.

  12. Roderich meint:

    @Schandor,
    in dem Masse, wie ein Atheist Gruende anfuehren kann, die (als Teil-Indizien) gegen die Existenz Gottes zu sprechen scheinen, in dem Masse wird es Sinn machen, als Christ Gegengruende anzufuehren, die fuer die Existenz Gottes sprechen. Einen 100% Beweis gibt es natuerlich nicht, das sagt auch D.V. Wachter in „Die Kausalitaet der Welt“ – ich empfehle Dir sehr, diese Habil Schrift mal herunterzuladen von von-wachter.de

    Zu dem anderen: klar, Menschen wollen etwas „erfahren“. Daher ist wohl das beste, wenn man selber versucht, im Heiligen Geist zu leben, dann werden Menschen Christus an Dir erkennen. „Christus in euch“, heisst es ja im Kolosserbrief, und „Brief Christi“ (in einem der Korintherbriefe, glaube ich).

  13. Roderich meint:

    @Schandor,
    noch etwas: im Alltag geht jeder, auch der „Presuppositionalist“, davon aus, dass es Beruehrungspunkte zwischen Verstand des Christen und des Nichtchristen gibt.

    Angenommen, Du gehst in den Supermarkt, um an der Wursttheke etwas zu bestellen. Du sagst ohne weitere Umschweife: „Bitte 150 g Mettwurst“, und Du wirst nicht erst bestaetigen, dass es zwischen Deiner Vernunft und der Vernunft des Metzgers einen Beruehrungspunkt gibt.

    Du wirst also nicht erst fragen: „Entschuldigung, Herr Metzger, sind Sie Christ?“ – „Nein, wieso?“. „Hmm, dann muss ich erst fragen: Glauben Sie, dass es (intersubjektive) Objektivitaet und Wahrheit gibt? Glauben Sie, dass man als Mensch diese Wahrheit wenigstens zum Teil erkennen kann? Und glauben Sie, dass zwei Menschen diese Wahrheit wenigstens teilweise kommunizieren koennen?“
    Der Metzger: „Huh?“
    Du: „Hm, dann muss ich erst mal auf meine Bestellung verzichten“.

    Kommt der naechste Kunde und bestellt locker mal 200 gr Salami. Der Metzger tut so, als existiere Vernunft und Objektivitaet und als koenne er kommunizieren, und packt dem Kunden tatsaechlich die Salami ein. Verwundert und zweifelnd stellst Du Dich wieder in die Reihe und bestellst dann doch Deine 150 gr Mettwurst.
    Denn offenbar setzen viele Menschen genau diese Dinge unbewusst voraus: Existenz von Wahrheit, Objektivitaet, Kommunizierbarkeit etc.

    Es mag ja sein, dass dies eine Anleihe beim Christentum ist – van Til wuerde vermutlich sagen, Nichtchristen sind Parasiten, die bei der christlichen Weltanschauung eine Anleihe machen und die christlichen Grundannahmen voraussetzen bzw. sie gebrauchen, ohne sie begruenden zu koennen.

  14. Schandor meint:

    @Roderich

    Ich kann verstehen, dass Dich das etwas aufbringt (deine zweite Bemerkung klingt mir jedenfalls ein wenig danach). Was Du da in Deiner zweiten Bemerkung sagst, ist aber trivial (im philosophischen Sinn), und kaum jemand wird es bestreiten. Es zeigt mir aber, dass Du mich nicht verstanden haben kannst, denn gerade darum ist es mir nicht gegangen. Ich bin kein „Van-Tillian“. War er wirklich Präsuppositionalist? Soweit ich weiß, hat er an die göttliche Widersprüchlichkeit geglaubt…

    Nun, ich sehe: Das führt zu nichts. Ich kann Dir nur eines sagen: Wer die Apologetik als intellektuellen Teilaspekt und verkappten Versuch, den anderen auf die Wahrheit hinzuweisen missbraucht, hat im Grunde nicht verstanden, dass das Problem kein epistemologisches Problem ist, sondern ein zutiefst ethisches. Auf dieser Basis kann es zwar intellektuellen Austausch geben; Funken springt keiner über, weil auf der Gegenseite — sit venia verbo — nichts Brennbares da ist. Ich hab es unzählige Male erlebt (obgleich: Was ich erlebt oder nicht erlebt habe, tut wahrlich wenig zur Sache).

    Als überzeugter Determinist interessiert mich die Schrift von Dr. Wachter schon….

    Also liebe Grüße, mein Freund 🙂

    Die Schrift von Dr. Wachter hab ich leider nicht gefunden.

  15. Roderich meint:

    @Schandor,
    OK, sorry, wenn ich Dich missverstanden habe. Ich meinte nur, dass es einen Bezugspunkt zwischen Vernunft des Christen und des Nichtchristen geben muss. Das hattest Du oben nur den „Evidentialisten“ zugeschrieben.

    Aber es ist schon klar, das muss man auch philosophisch belegen, nicht mit Verweis auf Wursttheken im Supermarkt.

    Das mit dem ethischen Problem ist sicher ein Punkt. Aber es ist eben nicht NUR ein ethisches Problem. William Lane Craig schreibt, dass er durchaus Leute auch ins Koenigreich Gottes hinein-argumentiert hat. Wenn Leute ueberzeugend dargelegt bekommen, dass die Argumente fuer Gottes Existenz stark sind, dann entscheiden sie sich viel eher fuer Gott.

    Es kann sein, dass man sich als Atheist aus ethischen Gruenden (banales Beispiel: man will nicht auf Sex vor der Ehe verzichten) Gruende sucht, die gegen Gottes Existenz sprechen. Das laeuft aber z.T. unbewusst ab. Man baut sich dann z.T. eine Mauer, und verbaut sich (und wenn man seine Denkerzeugnisse publiziert) evtl. auch anderen den Weg zu Gott. Aber wenn diese Mauer durch gute Gegenargumente zerschlagen wird, kann das evtl. wieder den Weg freimachen, doch wieder zu Gott zu kommen. Man erhaelt dabei eine neue Chance.

    Als „lebendiger Christ“ zu leben ist dabei auch nur ein weiteres „Gegenargument“. Es zeigt einem Atheisten evtl., dass der Christ etwas hat, was einem selber fehlt. Die „Lebensveraenderung“ ist auch ein Argument, aber ist evtl. viel ueberzeugender als ein intellektuelles Argument.

    Wie dem auch sei: Wenn sich solche Meinungen bzw. Argumente gegen Gott dann kulturell und durch Medien verfestigen, z.B. bestimmte Argumente gegen Gottes Existenz in einer Kultur etabliert sind (in Schulen, Universitaeten etc immer widerholt werden), und solche Argumente koennen auch philosophische Gedankengebaeude sein, dann kann sich eine ganze Kultur den Weg zu Jesus Christus versperren. Das ist sicher heute z.T. bei uns in BRD bzw. der westlichen Welt der Fall.
    Aus dieser selbstgemachten Ideologiefalle kommen wir in BRD auch nicht mehr heraus. Aber mit Gegenargumenten kann man z.T. doch etwas erreichen. Man kann einzelnen, die unbewusst oder bewusst diese Argumenten gegen Gottes Existenz, d.h. diese „Mauer“, uebernommen haben und in ihrem Denken aufgerichtet haben, dabei helfen, diese Mauer zu zerstoeren.
    Und man muss beten, dass (wie es in der Einleitung zu „Philosophical Foundations for a Christian Worldview“ von Craig / Moreland heisst), ein intellektuelles Klima der Plausibilitaet fuer das Evangelium geschaffen wird. Wenn das Evangelium eine intellektuell plausible Alternative ist, dann werden viel mehr Menschen es annehmen.

    (Das „ethische“ und das „intellektuelle“ Problem stehen ja in einem Wechselverhaeltnis. Je besser und ueberzeugender oder gar zwingender die Argumente fuer die Existenz Gottes, desto weniger ethische „Leistung“ ist noetig, um doch noch zu Gott zu kommen). Man sollte noch hinzufuegen, dass es sowieso immer GNADE ist, wenn ein Mensch die Wahrheit des Evangeliums erkennt. Das geht nur durch den Heiligen Geist.

    Nun gut, ein sehr weites Feld.

    Hier ist jedenfalls das Buch von Prof. Daniel von Wachter: „Kausale Struktur der Welt“ (es ist die Vorabversion):
    http://epub.ub.uni-muenchen.de/1975/1/wachter_2007-ursachen.pdf

    Die Endversion gibt es, glaube ich, nur als Buch zu kaufen im Alber Verlag. Siehe ganz oben bei:
    http://www.von-wachter.de/#Publications

  16. Schandor meint:

    @Roderich

    Danke für die Aufklärung! Nun verstehe auch ich Deine Position besser — und meine, dass wir einander wirklich einfach ein wenig missverstanden haben. Nun gut, ist schließlich kein Problem für uns 🙂

    Ich sehe es so.
    Grundsätzlich gilt für mich, sobald ich selbst denken kann, das, was die Bibel konstatiert. Und sie sagt, der Mensch sei von Grund auf böse (also gegen Gott eingestellt) und hält die Wahrheit (und damit auch die rechte Erkenntnis Gottes) durch seine Ungerechtigkeit (ethisch!) nieder. Da gibt es freilich Stufen. Davon aber ist auszugehen, da die Bibel für mich die Letztbegründung ist (diese Sichtweise, die etwa Gordon H. Clark vertritt, leuchtet mir einfach am besten ein oder mit D. v. Wachter gesprochen: überzeugt mich).

    Wenn Gott einen Menschen zum Heil erwählt hat, kommt in dessen Leben der Zeitpunkt, an dem er sich der Wahrheit annähert. Er wird — wie man manchmal sagt — „offen“. Offen heißt dabei für mich: Er sperrt sich nicht grundsätzlich, wird sozusagen „weich“ für das, was er finden soll. Dass dabei die Apologetik (egal welcher Coleur) ihre Rolle spielen mag, schließe ich nicht aus (Du sagst ja, Craig habe schon Menschen ins Reich „hineinargumentiert“). Aber — und hier verweise ich entschieden auf die Lektionen Greg Bahnsens — die Apologetik fungiert nicht in erster Linie als „Bekehrungsinstanz“, sondern der Aufruf zur Umkehr. Auf bucer.de findet sich ein ausgezeichnetes Dokument von Prof. Krabbendam, ein absolutes must-read für jeden Apologeten.

    Danke auch für den Link; habe die Schrift schon angelesen. Bin schon sehr gespannt.
    Auf S. 18 finde ich folgende Aussage:

    „Von jemandem zu sagen, er glaube (nehme an, sei überzeugt, …), daß es einen Gott gebe, heißt zu sagen, daß er es für wahrscheinlicher hält, daß es einen Gott gibt, als daß es keinen Gott gibt, oder daß die Stärke seiner Überzeugung, daß es einen Gott gibt größer als 0,5 ist.“

    Wenn ich so etwas lese, dann verstehe ich den Spott Kierkegaards. Und da bin ich auch ganz auf seiner Seite. Wenn ich mich existenziell dafür entscheide, zu glauben, dann hat das wenig mit einer Wahrscheinlichkeit zu tun. DAS ist für mich das Lächerliche. Menschen sind für diese „Wahrscheinlichkeit“ schließlich in den Tod gegangen!

    Nun, ich muss jetzt weiterlesen 🙂

    Liebe Grüße
    S.

  17. Roderich meint:

    @Schandor,
    Die obige Aussage im Buch von D. v. Wachter ist eine moegliche, korrekte Beschreibung des Glaubens, sie beschreibt mehr den „rationalen“ Aspekt des Glaubens.
    Natuerlich ist der Glaube mehr. Sonst wuerde man, wenn man nur noch 49% ueberzeugt ist, wieder sagen: ich lehne den Glauben an Gott komplett ab etc.
    Das Zitat verfolgt eine gewisse Linie der Argumentation, auf die man sich mal einlassen kann. (Ich bin sicher, das Buch wird noch manche positiven Ueberraschungen bereithalten. Habe es ja selber noch nicht ganz gelesen – aber die gedankliche Klarheit ist einfach super positiv fuer den Leser. Endlich mal ein Autor, der Philosophie nicht kuenstlich kompliziert machen muss :-)).

    Die Schrift von Krabbendam werde ich mir bei Gelegenheit mal anschauen.

    OK, vielen Dank erst mal!

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