Wie Calvin das Evangelium sah

Tullian Tchividjian hat in seinem Blog einen Auszug aus Calvin’s Vorwort zu Olivétan’s »Märtyrerbibel« wiedergegeben (die französische Bibel aus dem Jahr 1534, die auf der Grundlage der griechischen und hebräischen Urtexte übersetzt worden ist). Als Johannes Calvin diese Einleitung schrieb, muss er ungefähr 25 Jahre alt gewesen sein (siehe allerdings den Kommentar von Sebastian). Ich gebe das Zitat gekürzt wieder und halte mich dabei an den Satz von Justin Taylor:

Without the gospel

    everything is useless and vain;

without the gospel

    we are not Christians;

without the gospel

    all riches is poverty,
    all wisdom folly before God;
    strength is weakness,
    and all the justice of man is under the condemnation of God.

But by the knowledge of the gospel we are made

    children of God,
    brothers of Jesus Christ,
    fellow townsmen with the saints,
    citizens of the Kingdom of Heaven,
    heirs of God with Jesus Christ, by whom

      the poor are made rich,
      the weak strong,
      the fools wise,
      the sinner justified,
      the desolate comforted,
      the doubting sure,
      and slaves free.

It is the power of God for the salvation of all those who believe.
It follows that every good thing we could think or desire is to be found in this same Jesus Christ alone.

Und nun die deutsche Rekonstruktion dank der Angaben in den Kommentaren:

Ohne das Evangelium

    sind wir alle unbrauchbar und nichtig,

ohne das Evangelium

    sind wir keine Christen,

ohne das Evangelium

    ist aller Reichtum Armut,
    unsere Weisheit Torheit vor Gott,

Aber durch die Kenntnis des Evangeliums werden wir

    Kinder Gottes,
    Brüder Jesu Christi,
    Mitbürger der Heiligen,
    Bürger des Himmelreichs,
    Erben Gottes zusammen mit Jesus Christus, durch welchen

      die Armen reich,
      die Schwachen mächtig,
      die Törichten weise,
      die Sünder gerecht,
      die Verzweifelten getrost,
      die Zweifler gewiss
      und die Unfreien frei geworden sind.

Das Evangelium ist das Wort des Lebens.
Es folgt daraus, das alles Gute, das wir denken und verlangen können, in diesem Jesus Christus allein zu finden ist.

Kommentare

  1. destinatio meint:

    Hallo,

    eine deutsche Übersetzung findet sich auf Seite 8 bzw. 10 dieser PDF-Datei:

    http://warc.jalb.de/warcajsp/news_file/doc-784-1.pdf

    Liebe Grüße
    destinatio

  2. Alexander meint:

    Vorrede zur Olivetanbibel, in: Calvin-Studienausgabe, Bd. 1/1. Reformatorische Anfänge (1533-1541), hg. v. Eberhard Busch et al. (Neukirchen-Vluyn 1994) 34-57.

    Gruß
    Alexander

  3. @Destinatio: Das ging aber schnell. Danke!
    Liebe Grüße, Ron

  4. Richtig, dort ist das Vorwort auf deutsch zu finden. In der neueren Calvinforschung gibt es jedoch Manche, die argumentieren, das Vorwort sei gar nicht von Calvin geschrieben worden, sondern möglicherweise von Olivetan selbst. So z.B. Frans Van Stam bei einer Tagung kürzlich in Apeldoorn. http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/tagungsberichte/id=2435&count=2546&recno=18&sort=ort&order=up Doch ganz neu ist diese These nicht. Ich würde also – so oder so – nicht zu großes Gewicht auf dieses Vorwort für die Theologie Calvins legen (auch wenn es dort durchaus gut hinein passt).

  5. Danke Euch allen für die Hinweise!
    Liebe Grüße, Ron

  6. Hallo Ron,

    Ein schönes Vorwort!!! Super!!! Hoch gelobt sei Gott!!!

    Grüße,

    Cristiano.

Trackbacks/ Pingbacks

  1. […] Gegen Ende des zweiten Vorwortes findet sich eine Art Hymne auf den Reichtum des Evangeliums (ich folge hier der englischen Übersetzung und dem Umbruch bei Justin Taylor,  s. auch hier): […]

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