Wie können wir wachsen?

Ich fasse die Antworten von Wilhelm Lütgert nachfolgend zusammen (vgl. hier; Quelle: Wilhelm Lütgert, Im Dienst Gottes: Zur Gestaltung des geistlichen Lebens, Brunnen Verlag, 1990, S. 20–24):

1. Wachstum kommt durch das Bleiben im Wort

„Das Wachsen ist ein Lebensprozeß, und Leben ist nicht menschliches Gemächte, sondern Gottes Werk. Unser Leib lebt durch Gottes Macht, und unser Geist lebt von Gottes Wort. Wenn wir Gottes Wort in uns aufnehmen, so wachsen wir in der Gnade und Erkenntnis unseres Herrn Jesu Christi. Diesem Ziel soll unsere ganze theologische, wissenschaftliche Arbeit dienen. Wir haben nicht zwei Aufgaben: eine praktische und eine wissenschaftliche, die wir abwechselnd verfolgen, und von denen die eine vielleicht gar die andere stört.“

2. Das erwartungsvolle Schriftstudium

„Es gibt ein Studium der Schrift, durch das man nicht reicher wird. Man liest alte, längst bekannte Dinge und Gedanken und erfährt durch all sein Schriftstudium nichts Neues. Die Kunst des Schriftstudiums besteht darin, daß man liest, als läse man zum erstenmal. Man muß glauben, daß es hier etwas zu lernen gibt, was uns neu ist. Wir müssen unsere eigenen Gedanken beiseite setzen und auf den Gedanken des Textes eingehen. Wer Gottes Gedanken fassen will, muß seine eigenen Gedanken preisgeben. Wer lernen will, muß verlernen können.“

3. Fragen stellen

„Wir müssen ferner mit Fragen an die Schrift herantreten. Wer nicht fragt, erhält auch keine Antwort. Fragen aber regt unser Leben täglich und reichlich in uns an. Gegen diese Fragen, die uns das Leben stellt, darf man sich nicht ab-stumpfen. Man muß sie hören. Hört das Fragen auf, so hört das Wachsen auf. Wenn das Fragen in uns erlischt, so ist das nicht minder schlimm, als wenn wir das Bitten verlernen und nichts mehr zu bitten haben. Der Reichtum Gottes wäre dann für uns umsonst da. So ist auch der Reichtum Gottes an Wahrheit für uns vergeblich da, wenn wir nicht mehr fragen, sondern uns einbilden, daß es für uns nichts mehr zu fragen und zu lernen gäbe. Mit immer neuen Fragen an die Bibel heranzutreten, das ist der sicherste Schutz vor Verarmung. Daß es immer neue Fragen für uns gibt, dafür sorgt der Gang unseres Lebens reichlich. Doch gibt uns die Welt nur Fragen und nicht auch Antworten. Antworten, solche Antworten, die gewisse Erkenntnis geben, kann nur Gott geben. Mit dem Verlangen nach immer neuem Licht, immer reicherer Erkenntnis, immer mehr Wahrheit, müssen wir daher an die Schrift herantreten.“

4. Gnade und Wahrheit: Mit unseren Bitten zu Gott kommen

„Aber mit Bedacht stellt der Apostel vor das Wachstum in der Wahrheit das Wachstum in der Gnade. Gnade und Wahrheit und darum Glaube und Erkenntnis, diese beiden Dinge gehören unlöslich zusammen. Wir bekommen das eine nur mit dem anderen. Wer die Gnade sucht, der findet auch die Wahrheit, und wer Wahrheit findet, der findet auch Gnade. Nur Gnade wollen, aber nicht auch Wahrheit, oder nur Wahrheit suchen, aber nicht auch Gnade, beides ist gleich verkehrt. Wir können und dürfen nicht nur mit Fragen zu Gott kommen, sondern auch mit Bitten. Wie mancher hat nach Wahrheit gesucht und sie nicht gefunden. Warum nicht? Er hat nur Erkenntnis gesucht und nicht auch Gnade, er kam nur mit Fragen zu Gott und nicht auch mit Bitten. Nur sein Gedanke wendete sich zu Gott, aber nicht auch sein Wille. Er öffnete die Augen, aber er verschloß sein Herz. So kam er nicht zum Ziel. Unter den Gaben, die uns Gott anbietet, dürfen wir nicht auswählen, das eine annehmen und das andere verschmähen. Wir erhalten alles oder nichts. Wir dürfen nicht das nehmen, was wir uns wünschen, sondern das, was Gott gibt. So muß auch unser Fragen zum Bitten werden. Wenn das der Fall ist, dann wird unser Lernen zum Nehmen, und unser Wissen ist ein Haben. Wir suchen nicht nur Gedanken über Gott, sondern ihn selber, und darum erhalten wir auch nicht nur einen Gottesgedanken, sondern den Vater selbst, seinen Geist. Es ist keine Frage, daß es ein Wissen gibt, das innerlich aushöhlt und entleert. Es gibt ein Theologiestudium, durch das man immer ärmer und hohler wird. Woran liegt das? Weil wir Gedanken suchen und nicht Gott selbst.“

Kommentare

  1. Vielen Dank, Ron! Diese Ausführungen sind sehr hilfreich.

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