Wie man als Gelehrter Bücher verkauft (und ausverkauft)

Folgende Ratschläge für den erfolgreichen Bücherverkauf habe ich von dem Reformationsforscher Jim West erhalten. Vielen Dank Jim!

Also:

(1) Schreibe unorthodox. Unorthodox verkauft sich, besonders wenn du den Glauben oder die Kirche abwertest.

(2) Stelle den wissenschaftlichen Konsens falsch dar.

(3) Tue so, als ob die ketzerische Sichtweise aus dem 2. oder 3. Jahrhundert tatsächlich deine eigene neue Erkenntnis sei.

(4) Schmücke dein Buch mit einem glanzvollen Einband und mit seltsamen Posierfotos von dir auf dem Rückumschlag.

(5) Gehe auf die primitivsten Aspekte und Neugierden der menschlichen Natur ein.

(6) Stelle einen Agenten ein.

(7) Eisegetisiere, eisegetisiere, eisegetisiere.

(8) Ignoriere die historische Theologie.

Wenn du diese acht Schritte befolgst, wirst du deine Bücher verkaufen. Um genau zu sein, wenn du diesen Schritten folgst, brauchst du gar nicht mehr vorzugeben, ein Wissenschaftler zu sein (weil du nicht länger einer bist). Du kannst einfach der sein, der du geworden bist: ein Ausverkäufer.

(Es sind einige Musterbeispiele erhältlich, um dich durch den Prozess zu führen. Folge einfach ihren Fußspuren, selbst wenn diese Leute beim besten Willen nicht als Gelehrte bezeichnet werden können.)

VD: NK

Kommentare

  1. Roderich meint:

    Wadenbeisserisch, aber nur zu wahr 😉
    Wobei ‚orthodox‘ ja eigentlich das neue ‚Unorthodox‘ ist. Subversiv bibeltreu kann man ja heute sein…

    Und der wissenschaftliche Konsens ist auch nicht immer das Mass aller Dinge. Aber die Unsachlichkeit mancher Autoren, die Jim wohl meint, ist manchmal frappierend.

  2. Roderich meint:

    … und die Medien haben natürlich einen wesentlichen Anteil.
    Markus Gabriels Buch „Warum es die Welt nicht gibt“ wurde vom SPIEGEL durch ein Interview gepusht, prompt landete es auf der Bestsellerliste. (Kann das etwa irgend etwas damit zu tun haben , dass Gabriel von Gott sagte: „Es gibt keinen Gott“ ?…)
    Es gibt also bewusste Entscheidungen von Medien, bestimmte Personen bekannt zu machen. (So war das auch bei Richard David Precht: „Den machen wir bekannt“, hatte eine Fernsehredaktion beschlossen). Dabei können die Autoren auch durchaus gut und kompetent sein. Es sollte aber weltanschaulich auch passen… ein bibeltreuer Christ mit gleichen Kenntnissen und Fähigkeiten wie Precht wäre sicher nicht so auf’s Podest gehoben worden. Precht eckt sicher nicht an, da seine Eltern ja Leninisten waren. Das erweckt bei den Medien eine gewisse heimelige Grundsympathie.

  3. Mir kam mal die Idee ein Buch zu schreiben mit dem Titel „Jesus – der Tierfreund“. Mir sind eine Menge „biblischer“ Argumente dazu eingefallen. Nachdem ich die Idee in einem Anspiel im Gottesdienst umgesetzt hatte, kamen einige Geschwister danach zu mir und meinten, dass sich ein solches Buch heute bestimmt gut verkaufen ließe…traurig aber wahr.

    So wie mein ehemaliger Apologetiklehrer einmal bemerkte: Schreibe ein Buch über Jesus mit einem bestimmten Schwerpunkt, reiße dazu Bibelstellen aus dem Kontext, rede den Menschen nach dem Mund und du wirst garantiert einen Bestseller schreiben…

  4. Schandor meint:

    Mit Dreck kann man noch viel mehr Geld verdienen, wie man am Beispiel Charlotte Roche sehen kann.

    Da das Geldverdienen wohl in umgekehrten Verhältnis steht, also: je näher der Wahrheit, desto kärger der Cent, je perverser, desto Hochglanz der $ollar, könnte man beinahe auf die Idee kommen, Gott halte nicht so viel von Geld. Deshalb lässt der den Schwerstverbrechern auf unserem Planeten auch das meiste Geld, ich meine neben jenen Friedensnobelpreisträgern, auf deren Kappe hunderttausende Menschenleben gehen genauso wie jene Myriardäre, die anhand von Think-Tanks Prozesse auf höchster Ebene in Gang setzen, um unsere Gesellschaftsstruktur höchst wirksam und erfolgreich zu zerstören.

  5. Roderich meint:

    @Schandor, mit Myriardaere, meinst Du die Rockefeller-Foundation, oder Leute wie George Soros?
    Ich denke, wo das Geld ist, ist ja auch ein Spiegel von dem, was die in Intellektuellen Kreisen gerade vorherrschende Weltsicht ist… Im Mittelalter waren das mal „wir“ 🙂

  6. Schandor meint:

    @Roderich

    Die reichen Familien. Auch die genannten, ja. Für die sind Projekte wie die Umformung der Gesellschaft (z. B. der Gendermist) nur Spiele. Die Reichen haben Angst (sie instumentalisieren daher auch die Überwachungsindustrie), und ihnen ist langweilig. Sie wollen spielen. Mit Menschen und Menschenleben. Ich glaube nicht, dass man die heutige Situation mit dem Mittelalter vergleichen kann. Damals gab es zwar auch Weltmachtsphantasien (Vatikan), aber die Technik hat gefehlt. Das ist heute nicht mehr der Fall. Heute wird konsequent umgesetzt, was man damals noch nicht konnte. Nicht nur in Thinktanks werden Allmachtsphantasien geträumt, sondern auch an verborgenen Orten wie einem kalifornischen Wäldchen …

  7. Roderich meint:

    Psalm – Kapitel 2 (kopiert aus Bibel-online.de: was denkt Gott über die von Schandor genannten?)
    Gottes Sieg und die Herrschaft seines Sohnes
    1 Warum toben die Heiden, und die Völker reden so vergeblich? (Apostelgeschichte 4.25-30) 2 Die Könige der Erde lehnen sich auf, und die Herren ratschlagen miteinander wider den HERRN und seinen Gesalbten: (Offenbarung 11.18) (Offenbarung 19.19) 3 „Lasset uns zerreißen ihre Bande und von uns werfen ihre Seile!“ (Jeremia 2.20) (Jeremia 5.5) (Lukas 19.14)
    4 Aber der im Himmel wohnt, lacht ihrer, und der HERR spottet ihrer. (Psalm 37.13) (Psalm 59.9) 5 Er wird einst mit ihnen reden in seinem Zorn, und mit seinem Grimm wird er sie schrecken. (Jesaja 34.1) 6 „Aber ich habe meinen König eingesetzt auf meinem heiligen Berg Zion.“ 7 Ich will von der Weisheit predigen, daß der HERR zu mir gesagt hat: „Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeuget: (Psalm 89.27-30) (Apostelgeschichte 13.33) (Hebräer 1.5) (Hebräer 5.5) 8 heische von mir, so will ich dir Heiden zum Erbe geben und der Welt Enden zum Eigentum. (Daniel 7.13-14) 9 Du sollst sie mit einem eisernen Zepter zerschlagen; wie Töpfe sollst du sie zerschmeißen.“ (Offenbarung 2.27) (Offenbarung 12.5) (Offenbarung 19.15)
    10 So lasset euch nun weisen, ihr Könige, und lasset euch züchtigen, ihr Richter auf Erden! 11 Dient dem HERRN mit Furcht und freut euch mit Zittern! (Philipper 2.12) (Hebräer 12.28) 12 Küßt den Sohn, daß er nicht zürne und ihr umkommt auf dem Wege; denn sein Zorn wird bald entbrennen. Aber wohl allen, die auf ihn trauen! (1. Samuel 10.1) (Psalm 34.9) (Psalm 84.13) (Jesaja 30.18)

  8. rolf eicken meint:

    @Schandor und Roderich
    Wie lange will Euer Gott da noch zuschauen? Wo beleibt die versprochene Perusie? Denn die vor 2000 Jahren so dringend Naherwartete blieb aus. Paulus ging doch selbst davon aus, dass die Erusie noch zu seinen Lebzeiten eintreten würde. Karl Barth hat ja schlauerweise aus der Not eine Tugend gemacht und die 3 Gestalten geschaffen. Ich frage mich immer, wieso läßt ER es zu, dass wir diese ethisch-moralisch verwerflichen Zustände auf der Welt haben, wo ER doch allmächtig und allwissend ist. (Ausfluß eines Laien)
    MfG
    Rolf

  9. Hallo Rolf,

    entschuldige, dass ich mich in eure Unterhaltung einmischen, aber mich stört ein Punkt in deiner Denkweise und den kann ich nicht so stehen lassen:-)
    Bist du dir sicher, dass es Gott ist oder doch nicht ehe der Mensch selbst, der das verursacht?
    Du sagst Gott ist allmächtig und allwissend. Ja, das ist er!!!Aber was ist mit den Menschen? Ist er es nicht selbst, der alles besser wissen will und versucht Gott gleich zu werden, ja manchmal sogar noch besser zu sein? Schaue genau hin .-)

    LG, Sylvia

  10. rolf eicken meint:

    Hallo Sonja,
    da gibt`s nichts zu entschuldigen, dies ist ein offener Blog und wenn Herr Kubsch es zuläßt, können -wir- uns auch unterhalten. Danke für Ihre Antwort.
    Ich habe nicht unbedacht die Allmacht Gottes angeführt. Augustinus v. Hippo hat die Lehre von der (Doppelten) Prädestination gelehrt und die kath. Kirche hat das bis heute als richtig erkannt. Wenn aber Gott -im Voraus- weiß was geschehen wird, warum hatte er es dann nötig, die Menschen durch Sünde und Verbrechen zu führen, um sie dann auf so grausame Weise dr. seinen eigenen Sohn zu erretten? Gab`s keinen anderen Weg? Ich glaube nicht an die beste aller Welten lt. Leibniz.
    Von den Römern wurden 10000de gekreuzigt, nicht nur Jesus. Würde ein Richter die Ausrede akzeptieren, Gott habe das Sündigen der Menschen nicht gewollt und nicht selbst bewirkt, sondern nur zugelassen? Er wußte doch, wie`s ausgeht. Ist Gott dann ein Komplize der augustinischen Erbsünde? Offensichtlich, ja;denn wenn ich ein Verbrechen zulasse, bin ich involviert. Bayle sagt dazu: „In diesen Fragen haben wir die Wahl, entweder den Glauben zu verweigern oder zu kapitulieren und den Verstand gefangen zu geben unter die Autorität Gottes.“ Aber was ist damit gewonnen? Macht es das besser?
    MfG
    Rolf

  11. Tut mir leid, das Vorige war ein technischer Fehler meinerseits.
    Es sollte eigentlich so eingebettet sein:

    @rolf eicken
    Das Thema, das Sie hier anschneiden, ist sicher keines, dass im „gib mal schnell Antwort -modus“ ge- oder erklärt werden kann.

    Diese Fragen beschäftigen Gläubige wie Ungläubige …
    Nur der Unterschied, der hier zu machen ist, ist mit Sicherheit der, dass Gläubige ihren Gott, den sie durch Sein Zeugnis kennen, nicht auf die Anklagebank setzen können. Das können sie nicht, weil sie „etwas“ über Ihn wissen ….
    Dieses Wissen haben sie sich auch nicht irgendwie selbst zusammen gereimt oder …
    Das Ganze hat eine Grundlage und es hat mit Verstand und Vernunft zu tun.

    Um nicht ganz vom eigentlichen Thema abzuweichen:
    Heute verkaufen sich tatsächlich die Bücher am Besten, die besonders spektakuläre neue Dinge zu Tage zu befördern meinen …
    Wer interessiert sich schon für das alte „langweilige“ Original und dessen gleich bleibende Bedeutung und Interpretation … So lassen sich keine Bücher zum Bestseller vermarkten …

    Als deutscher Laie kann ich in diesen Fragen immer wieder zu Beginn dieses Buch empfehlen (der Link ist gehalten um einen etwas genaueren Einblick – mit Inhaltsverzeichnis und …- zu geben):
    http://www.cbuch.de/Carson-Ach-Herr-wie-lange-noch-p2900/

    „Die Vereinbarkeitsthese“ – möchte ich dennoch an der Stelle hier zitieren:
    Zitat: „Sowohl die Bibel in ihrem Zusammenhang als auch gewisse Schriftabschnitte lehren entweder ausdrücklich oder setzen stillschweigend voraus, dass folgende beide Aussagen wahr sind:
    1. Der allmächtige Gott waltet souverän und frei, doch wirkt sich seine Herrschaft niemals so aus, dass dabei die Verantwortung des Menschen beschnitten, minimiert oder gänzlich aufgehoben würde.
    2. Menschen sind moralisch verantwortliche Wesen – sie treffen sinnvolle Entscheidungen, rebellieren, gehorchen, glauben, widersetzen sich usw. und werden zu Recht für diese Handlungsweisen verantwortlich gemacht: Dies wirkt sich jedoch nie so aus, dass Gott dadurch eingeschränkt würde.
    Im Folgenden vertrete ich die Ansicht, dass die Bibel die Wahrheit beider Aussagen stützt. Die Ansicht, dass beide Aussagen zugleich wahr sind, bezeichne ich als die Vereinbarkeitsthese.“ (Zitat Ende, Seite 197)

    Was ist jetzt mit Paulus und seiner „Naherwartung“?
    Das Ganze ist so ähnlich.
    Was hat denn Paulus wirklich dazu gesagt? Wie kann ich das herausfinden?
    Man kann doch einen Paulus nicht verstehen, wenn man nicht anfängt wie ein Paulus zu denken. Das wiederum ist nur soweit möglich, soweit ich Zugang zum „Originalen“ habe.
    Was ich von Paulus nicht wissen kann, werde ich nicht wissen. Es hängt alles daran, ob eine „Offenbarung“ dazu vorliegt.
    Das Denken eines Paulus wird uns heute nur innerhalb der Bibel genügend Aufschluss geben.
    Also: was hat Paulus diesbezüglich wirklich gesagt und gemeint? – wäre die Frage, die es am Original zu beantworten gilt.
    Ihre Ausführungen lassen keinen Rückbezug zum Original erkennen.

    MfG Lutz

  12. Roderich meint:

    @Rolf,

    Wie lange will Euer Gott da noch zuschauen?

    Die Prinzipien von Psalm 2 sind auch während der Geschichte immer wieder aktiv – Gott demütigt die Hochmütigen. Nur eben manchmal mit 1, 10, 30 Jahren oder (im Falle von ganzen Zivilisationen, die sich von Ihm abwenden) vielleicht 100 Jahren Aufschub.
    Gott ist täglich am Werk – in den Gläubigen, in den Nationen – vgl. Jesaja 26,9: „Wenn deine Gerichte über die Erde gehen, so lernen die Völker Gerechtigkeit“.

    Manches vom Wirken Gottes ist verborgen, anderes offensichtlicher.

    Warum greift Gott nicht ständig ein, um jede böse Handlung zu unterbinden? Dann wäre Freiheit der Entscheidung nicht mehr möglich.

    Ravi Zacharias spricht darüber in mehreren Clips, falls Englisch kein Problem ist:
    http://www.youtube.com/watch?v=it7mhQ8fEq0
    (Es gibt keine Liebe ohne die Freiheit, nicht zu lieben. Also ist eine gewisse Willensfreiheit – und damit die Möglichkeit zum Sündigen und Böses tun – notwendig).
    Anders gefragt: was genau wäre die Alternative? Soll Gott die Willensfreiheit einschränken?

  13. Schandor meint:

    Es gibt keine Liebe ohne die Freiheit, nicht zu lieben.

    Ich glaube, Liebe ist erst dann Liebe, wenn man gar nicht anders kann. „Freiheit“, nicht zu lieben, ist nicht Freiheit, sondern … Könnte ich mich „entscheiden“, heute mal nicht zu lieben, wäre das Liebe?

    http://www.youtube.com/watch?v=eJk-HxMTbmQ

  14. rolf eicken meint:

    @ Lutz und Roderich

    Herzlichen Dank für diese Erklärungen. Ich habe mir vor 10 Tagen extra eine evangelische Bibel gekauft, damit ich Ihre diversen Verweise auf die Bibelstellen auch nachvollziehen kann.
    Ihre Erklärungen haben schon etwas für sich. Trotzdem muss ich das nochmals überdenken; denn für Gott müssen, trotz der sehr wichtigen Willensfreiheit (ich habe vor einiger Zeit einen Vortrag über den „Freien Willen“ gehalten), da er alles schon vorher weiss, die Entscheidungen der Menschen wie ein „Spiel“ vorkommen.
    Die Alternative wäre, eine Welt geschaffen zu haben, in der der Mensch im platonischen Sinne genuin „GUT“ ist und damit würde die Welt und der Mensch selber nicht unter sich leiden (homo hominis lupus). Ist das zu blauäugig?
    MfG
    Rolf

  15. Schandor meint:

    @Rolf

    Meinen Sie Willensfreiheit (ich kann selbst bestimmen, was ich will) oder Handlungsfreiheit (ich kann tun, was ich will)?

    Ich persönlich halte beides für einen Mythos. Weder kann ich bestimmen, was ich will, noch kann ich tun, was ich eigentlich will. Deshalb brauche ich auch Erlösung, denn:

    Gott sagt mir nicht nur, was ich tun soll, sondern auch, was ich wollen soll. Aber ich kann nicht.

    Kant sagt: Du kannst, denn du sollst.
    Ich sage mit den Reformatoren: Ich soll, aber ich kann nicht.

    Ich bin somit der Gefangene meines eigenen Wesens. Befreiung gibt es nur, wenn mich jemand von innen her „um-schafft“ – dann kann ich (hier auf Erden immer nur unvollkommen oder zum Teil!) wollen, was ich soll, und manchmal (hoffentlich immer öfter!) auch tun, was ich soll.

    Das ist der Punkt, um den sich die Willensfreiheit dreht. Ein freier Wille, das ist für mich, wenn ich das will, was Gott will.

    Das Wichtigste bei der ganzen Sache ist, dass man fragt: frei WOVON? Die Freiheit, die ich meine, ist die Freiheit, das zu wollen, was Gott will – DAS verstehe ich unter Willensfreiheit.

    Denn unser Wille ist die Manifestation unseres Wesens und unserer Neigungen.

    Es ist in der Tat sehr seltsam, wenn wir unvollkommene Menschen Gott auf unsere Ebene ziehen, um zu sagen, was er hätte tun müssen oder sollen, damit …

    Verwechseln Sie vielleicht Gottes Ratschluss mit seinem Willen? Das geschieht sehr oft. Die beiden Instanzen sind inkongruent. Wir haben nicht den „freien Willen“, uns für oder gegen Gott zu entscheiden, denn
    1) sind wir von Geburt an gegen Gott („gefallene Wesen“) und
    2) “ jetzt aber gebietet er allen Menschen überall, Buße zu tun!“ (Apg 17,30).

  16. Lieber Rolf,

    vielen Dank für Ihre Rückantwort.

    Ich sehe das so, Gott liebt den Menschen, den er erschaffen hat und wollte ihn gern führen und um ihn sorgen, aber er ist kein „Sklavenbesitzer“ sondern durch seine Liebe und Güte, hat er uns einen Freien Willen geschenkt und uns damit zu Persönlichkeiten gemacht, die selbst entscheiden können, was sie wollen.
    Das interessante ist, trotz der Loslösung von ihm, weil er es voraussehen konnte, was passieren wird!, hat er uns mit allem ausgestattet, was wir zum Leben benötigen und uns auch Hinweise (siehe 10 Gebote) geschenkt, die uns ein Leben miteinander ermöglichen sollten.
    Würden wir uns Menschen nur an diese Gebote halten, hätten wir paradiesische Zustände!!!!
    Aber wir halten uns nicht daran! Dass die Entscheidung, die der einzelne trifft, auch andere betrifft, das sieht man nicht 🙂 Die Konsequenzen müssen letztendlich alle tragen!!!
    Ich kann mir das gut vorstellen, wie Gott da sitzt und nur mit dem Kopf schüttelt, wie ein Vater der seinem Kind sagt: „Steige nicht darauf, du fällst runter und tust dir weh!“ Die Entscheidung liegt beim Kind. Kind steigt auf, fällt runter und was ist dann? Papa hat es vorausgesagt, und wer leidet? Nicht nur das Kind sondern auch der Papa und Mama und womöglich sind auch noch Ärzte, Krankenschwester etc. mit ihm beschäftigt … 🙂
    So ist das auch in der Beziehung mit Gott.
    Gott ist heilig und rein und hat seine Ordnung! Und ich denke es war schon sehr wichtig, dass Jesus gekommen ist und uns für alle mal von der Sünde reinzuwaschen, damit wir vor ihm treten können!! Sonst könnten wir nicht umkehren und ihm die Zügel unseres Lebens zu übergeben, damit wir das Chaos in unserem Leben /falsche Entscheidung los werden 🙂
    Die Geschichte von verlorenen Sohn macht das ganz deutlich. Als der Junge loszieht, bekommt er alles zum Überleben vom Vater mit (der in mit schweren Herzen ziehen ließ) und was passiert dann….kennen wir. Als er erkennt, was mit ihm passiert ist und Herr seiner eigenen Umstände nicht mehr ist und keinen Ausweg mehr weiß, kehrt zurück und was macht der Vater, damit er wieder ins Haus kommt kann (weil er den Gestank von den Schweinen noch an sich hatte etc.)? Ja, er wäscht ihn, putzt ihn heraus und freut sich. So ist das auch mit uns.
    Wir müssen erst gewaschen und herausgeputzt werden, um in seiner „Ordnung“ leben zu können und das geschieht durch Jesus Christus.
    Wenn wir umgekehrt sind und reingewaschen und die Gnade und Liebe Gottes empfangen haben, können wir nicht so weitermachen wie vorher. Wir sollen uns an seine Ordnung und seiner Liebe orientieren und es weitergeben.
    Wenn wir das tun, kann jeder von uns die Welt ein bisschen zum Paradies machen :-).
    An dieser Stelle möchte ich Ihnen ein sehr gutes Buch von Alvin J. Schmidt „Wie das Christentum die Welt veränderte“ empfehlen.

    Wünsche Ihnen, lieber Rolf, einen gesegneten Sonntag
    Gott befohlen!
    Sylvia

  17. rolf eicken meint:

    @ Sylvia
    Wenn alle Menschen so dächten und wären wie Sie, brauchten wir diesen Diskurs nicht machen. Danke für Ihre Wünsche, ich wünsche Ihnen von Herzen dasselbe.

    @Schandor
    Ich meinte tatsächlich mit Willensfreiheit: ich kann selbst bestimmen, was ich will. Ich habe dies im Kontext mit Kants KI gesehen, mit Platons „Wege zum Guten“ und der Nikomachischen Ethik v. Aristoteles. (Die Thesen von dem Neurologen, Prof Roth sind mit Vorsicht zu genießen und wurden in meinem Vortrag teilweise widerlegt)
    Sehr interessant finde ich Ihre Sicht: Freiheit WOVON! Vielleicht verwechsele ich wirklich Gottes Willen und seinen Ratschluss; denn auf die Idee bin ich noch gar nicht gekommen. Danke für diese Prämisse, allein dafür hat sich das hier gelohnt.
    Nun aber zu Ihrem Punkt 1.): „wir sind von Geburt an gegen Gott“. Das bezweifele ich ganz energisch. Wenn sie die augistinische Erbsündenlehre meinen, wonach Adam gegen Gott im Paradiese gesündigt hat und deshalb alle Menschen erst einmal „Sünder“ sind (ich weiß nicht einmal was das ist), so lasse ich mir eine Kollektivschuld (das erinnert mich an die NAZIs) nicht aufoktroyieren. Augustinus v. Hippo hat ja auch behauptet, alle Neugeboren seien in den Klauen des Satans und die Mütter trügen sie nur in die Kirche, um sie daraus zu befreien. Julian von Aeclanum hat ihm hier auch energisch widersprochen.
    zu 2.) Buße- wofür? ; doch nur, wenn -ich- mich tatsächlich in voller Absicht gegen Gott versündige und nicht dafür, dass ein imaginärer Vorfahre in Gottes Sinn eine Sünde begangen hat. Wer ein anständiges Leben führt, niemanden absichtlich verletzt (physich und psychisch) und sich human, hilfsbereit und tolerant (nicht gleichgültig – Toleranz ist etwas Aktives) gegenüber seinen Mitmenschen verhält, hat m.M. nach keine Grund zur Buße. Ich fürchte, dass ich theologisch gesehen ein schwieriger Fall bin.
    MfG
    Rolf

  18. rolf eicken meint:

    @Schandor
    Ihr Hinweis, dass Liebe erst Liebe ist, wenn man gar nicht anders kann und wir die Freiheit haben zu lieben oder auch nicht, hat mich voll erwischt, aber ich stimme Ihnen voll und ganz zu. Ich kann nicht lieben wollen o. sollen – entweder liebe ich oder eben nicht. Sie haben recht: mal lieben und mal nicht ist nicht möglich und wäre auch keine Liebe.
    Danke!
    MfG
    Rolf

  19. @rolf eicken
    Wann ist man „blauäugig“?
    Ich denke, dass man sich hier dem normalen Sprachgebrauch anschließen kann.
    Es hängt am Fundament. Worauf baue ich (ob das jetzt einfache Gedankenmodelle mit Schlussfolgerungen sind oder wissenschaftlich präsentierte Ergebnisse)?

    Wenn es um den Menschen geht und darum, was er kann, was er will, was er soll …. – gibt es vernünftiger Weise keine bessere Autorität als den, der diesen Menschen geschaffen hat.
    Nun hier scheiden sich bereits die Geister, weil genau das nicht allgemeiner Konsens ist. Der Mensch als von einem Schöpfer geschaffenes Geschöpf ist nicht überall Fundament der Denkweise. Daraus ergeben sich logischer Weise unterschiedliche Reflektionen ein und derselben Wirklichkeit.

    Der Schöpfungsbericht weist unmissverständlich das Werturteil dieses Schöpfers aus. „Es war sehr gut.“ – der Mensch also inbegriffen.
    Das Urteil hat sich nicht geändert – aber es trat danach eine Veränderung mit drastischen Folgen ein.

    Die „Struktur“ des menschlichen Willens heute muss also unter dieser Berücksichtigung (es hat eine drastische Veränderung gegeben) betrachtet werden.
    Vernünftigerweise wird dazu derselbe Schöpfer, wenn Er sich denn dazu äußert, die oberste Priorität in der Fundamentsbildung einnehmen.
    So gesehen, wäre „blauäugig“ – genau das zu ignorieren.
    Dabei geht es jetzt nur um ein „Nach-denken“ (also wörtliche Orientierung auf der Vorsilbe: „nach-“, nicht voraus denken, nicht neben her denken, nicht …).
    Die geschichtliche Auseinandersetzung zwischen Erasmus und Luther bezüglich des „freien Willens“ gepaart mit der Möglichkeit selbst am Original (Bibel) nachzuvollziehen, wäre eine Option.
    Zumindest Luthers Abhandlung kann hier noch einmal frei zugänglich gelesen werden:
    http://glaubensstimme.de/doku.php?id=autoren:l:luther:v:vom_unfreien_willen

    MfG Lutz

  20. Roderich meint:

    @Rolf,

    Wer ein anständiges Leben führt, niemanden absichtlich verletzt (physich und psychisch) und sich human, hilfsbereit und tolerant (nicht gleichgültig – Toleranz ist etwas Aktives) gegenüber seinen Mitmenschen verhält, hat m.M. nach keinen Grund zur Buße.

    Buße tut man gegenüber Gott, nicht gegenüber Günter Jauch (Talkshow-Moralstandards von „das ist okay, das ist nicht okay“), oder einem sonstigen gesellschaftlich akzeptierten „Durchschnittswert“ an mitmenschlich-verträglichem Verhalten.
    Daher ist Gottes Standard entscheidend, den man ggf. erst richtig kennenlernen muss. (Dazu hilft u.a. ein regelmäßiges Bibelstudium).
    Bei Gott zählen bereits sündhafte Gedanken als handfeste Sünde. Gott ist heilig, daher ist ihm „jede Befleckung des Geistes und des Leibes“ nicht recht (siehe 2. Kor. 7,1)
    Hier ein Mini-Beichtspiegel:
    Das 1. Gebot: waren mir schon mal andere Dinge im Leben wichtiger als Gott? Dann haben wir gegen das 1. Gebot verstoßen.
    Das 2. Gebot: habe ich schon mal Gottes heiligen Namen missbraucht, und sei es achtlos?
    Das 3. Gebot: Sabbat heiligen – schon mal übertreten?
    Das 9./10. Gebot: Schon mal in Gedanken den Nachbarn beneidet? die „Reichen“? (bzw. die „noch reicheren“?)
    Das 6. Gebot: Schon mal in Gedanken eine hübsche Frau begehrt, die nichtidentisch war mit einem Element aus der Menge der eigenen Ehefrauen, wobei die Anzahl der Menge der Ehefrauen (jeweils) nicht größer als 1 ist?

    Man mag sagen: Aber wem schadet das schon?
    Nun, Gott ist heilig. In den Himmel kommt nur der, der ein komplett reines Sündenkonto hat. Denn etwas Unheiliges kann Gott nicht zu sich in den Himmel lassen, da Gott nicht mit der Sünde Gemeinschaft haben kann. Aber: wie kann man das erreichen? Natürlich gar nicht! Jeder Mensch neigt in Gedanken und Taten zur Sünde.
    Aber dafür ist Jesus Christus gekommen. Dieses unglaubliche Angebot steht uns frei: wer zu Jesus Christus kommt, denn wird er nicht hinausstoßen (Hebräerbrief 4,16)

    Also: wenn es um die Notwendigkeit des „Buße tun“ geht, darf man nicht den Nachbarn fragen, mit dem man ja „irgendwie zurecht kommt“ – der würde vermutlich sagen: „mein Nachbar darf von mir aus in den Himmel; also, mich stört er hier nicht“; sondern Gott, der den tiefsten Winkel unseres Herzens kennt.

    Ob Augustinus recht hat oder nicht, ist erst mal zweitrangig, ich würde mich selber prüfen anhand des Maßstabes der Bibel. (Ob die ganze Welt „in Sünden geboren“ ist, oder erst später Sünde in ihr Leben gekommen ist – darüber kann man sich dann später Gedanken machen, das „hat Zeit“. Es gibt aber andere Dinge, die eventuell keine Zeit haben).

    Und dann – wenn nötig – die nächsten Schritte tun.
    Viel Segen ! (Auch bei der Reise ins Ausland).

  21. rolf eicken meint:

    @ Lutz @ Roderich
    Meine Herren, Sie haben mir nun soviele Denkanstöße geliefert, dass ich den Disput erst einmal beenden muss, um über das alles nachzudenken. Ganz herzlichen Dank für Ihre Ausführungen.
    Da habe ich einige harte Nüsse zu knacken. Aber ich denke, ich ahne jetzt, was Sie meinen.
    Danke für Ihre guten Wünsche.
    MfG
    Rolf

  22. Roderich meint:

    @Rolf,
    interessant in dem Zusammenhang auch Augustinus, „Der Gottesstaat“. Gleich im ersten Kapitel beschreibt er da die Vorsehung Gottes und wie Gott die Geschicke der Nationen fügt, dabei auch „züchtigt“ etc.
    Gutes „Knacken“ der Nüsse gewünscht 🙂

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