Wie zuverlässig sind Gefühle?

201302081631.jpgDer 3L Verlag hat Evangelium21 freundlicherweise ein Kapitel aus Jonathan Edwards Klassiker Sind religiöse Gefühle zuverlässige Anzeichen für wahren Glauben? (Originaltitel: „Religious Affections”) als Auszug zur Verfügung gestellt.

Edwards warnt in dem Buch einerseits vor dem Exzess einer extremen Gefühlsbetontheit im christlichen Leben, die oftmals einer Form der Fleischlichkeit entspringt. Andererseits betont er aber auch, dass es eine Art von äußerlicher Praxis ohne inneres Erleben gibt, die aus der Sicht Gottes gar keinen Wert hat. Denn wie Edwards betont, kommt das Evangelium immer in Veränderungen unseres Charakters zum Ausdruck, die wiederum zu einem aufopferungsvollen und selbstlosen Dienst führen.

Hier das erste Kapitel aus dem Buch: Edwards_Sind_religioese_Gefuehle__(Auszug).pdf. Das gesamte Buch:

  • Jonathan Edwards: Sind religiöse Gefühle zuverlässige Anzeichen für wahren Glauben? (Die Puritaner, Band 13), Waldes: 3L Verlag, 264 S., 10,50 €.

gibt es hier.

Übrigens? Schon für die E21-Konferenz 2013 angemeldet? Informationen dazu unter: www.evangelium21.net.

Kommentare

  1. Roderich meint:

    Ein sehr gutes Kapitel. Vielen Dank !

  2. Cristian Lang meint:

    Sind Gefühle zuverlässig?
    Antwort (zweites Siegel):
    Alle Emotionen sind leidvoll…
    Die vier Siegel:

    “Das erste Siegel – Alle zusammengesetzten Dinge sind unbeständig

    Jedes Phänomen, an das wir denken, ist zusammengesetzt und daher ein Fall der Unbeständigkeit. Gewisse Aspekte der Vergänglichkeit, wie den Wandel des Wetters, können wir einfach akzeptieren, aber es gibt ein paar offensichtliche Dinge, die wir nicht akzeptieren. Beispielsweise unser Körper ist sichtbar vergänglich und wird jeden Tag älter, und dennoch ist das etwas, was wir nicht akzeptieren wollen. Gewisse beliebte Zeitschriften, die auf Jugend und Schönheit ausgerichtet sind, nutzen dieses Verhalten aus. Bezüglich Sicht, Meditation und Handlung haben deren Leser vielleicht eine Sicht, dass sie glauben, nicht zu altern oder dem Prozess des Alterns irgendwie entkommen können. Sie denken über diese Sicht von Beständigkeit nach und ihre daraus resultierende Handlung ist, in Fitness-Zentren zu gehen, sich plastischer Chirurgie zu unterziehen und allem anderen lästigen Kram unterziehen.
    Erleuchtete Wesen würden denken, dass dies lächerlich ist und auf einer falschen Sicht basiert. Hinsichtlich der unterschiedlichen Aspekte von Vergänglichkeit, Älter werden und Sterben, dem Wandel des Wetters usw. haben Buddhisten eine einzige Bezeichnung dafür, nämlich das erste Siegel: Phänomene sind vergänglich, weil sie zusammengesetzt sind. Alles, was zusammengefügt ist, wird früher oder später auseinander gehen.
    Wenn wir „zusammengesetzt“ sagen, dann schließt das die Dimensionen von Raum und Zeit mit ein. Die Zeit ist zusammengesetzt und daher unbeständig: ohne Vergangenheit und Zukunft gibt es nichts anderes als die Gegenwart. Wenn der gegenwärtige Moment beständig wäre, gäbe es keine Zukunft, weil die Gegenwart immer da wäre. Jede Handlung, die man macht – sagen wir, das Pflanzen einer Blume oder das Singen eines Liedes – hat einen Anfang, eine Mitte und ein Ende. Wenn im Falle eines Liedes, der Anfang, die Mitte oder das Ende fehlen würden, gäbe es nicht so etwas wie das Singen eines Liedes. Das bedeutet, das Singen eines Liedes ist zusammengesetzt.
    „Na und?“ fragen wir. „Was schert uns das? Was soll das Getue? Es gibt einen Anfang, eine Mitte und ein Ende – na und?“ Es ist nicht so, dass sich Buddhisten wirklich über Anfang, Mitte und Ende sorgen; das ist nicht das Problem. Das Problem ist, wenn es Zusammengesetztes und Vergänglichkeit gibt, wie dies in zeitweiligen und materiellen Dingen gibt, es Unsicherheit und Leid gibt.
    Manche Leute glauben, dass Buddhisten pessimistisch sind, weil sie immer über Tod, Vergänglichkeit und Altern reden. Aber das ist nicht notwendigerweise wahr. Vergänglichkeit ist eine Erlösung! Ich habe heute keinen BMW und der Vergänglichkeit dieser Tatsache habe ich möglicherweise morgen einen. Ohne Vergänglichkeit hänge ich im Nicht-Besitzen eines BMWs fest und ich kann nie einen haben. Ich fühle mich heute ziemlich niedergedrückt und dank der Vergänglichkeit fühle ich mich morgen vielleicht großartig. Unbeständigkeit ist nicht notwendigerweise eine schlechte Nachricht; es hängt von der Art des Verständnisses ab. Selbst wenn der BMW heute von Vandalen beschädigt wird oder unser bester Freund uns niedermacht, dann wird man sich, wenn man eine Sicht der Vergänglichkeit hat, nicht sorgen.
    Täuschungen entstehen, weil wir nicht begreifen, dass alle zusammengesetzten Dinge vergänglich sind. Aber wenn wir diese Wahrheit realisieren, tief drinnen und nicht nur intellektuell, dann ist das genau das, was wir Befreiung nennen: erlöst aus diesem eindimensionalen, kleingeistigen Glauben an Beständigkeit. Alles, ob man es mag oder nicht – selbst der Pfad, der kostbare buddhistische Pfad – ist zusammengesetzt. Er hat einen Anfang, er hat eine Mitte und er hat ein Ende.
    Wenn man versteht, dass „alle zusammengesetzten Dinge vergänglich sind“, dann ist man vorbereitet, die Erfahrung des Verlusts zu akzeptieren. Weil alles unbeständig ist, wird dies erwartet.

    Das zweite Siegel – Alle Emotionen sind leidvoll

    Das tibetische Wort für Emotion ist in diesem Zusammenhang „zagche“, was „verunreinigt“ oder „befleckt“ bedeutet, in Sinne von durchdrungen von Verwirrung oder Dualität.
    Bestimmte Emotionen, wie Aggressionen oder Eifersucht, erkennen wir natürlicherweise als Qual. Aber was ist mit Liebe und Anhaftung, Freundlichkeit und Hingabe, die netten, leichten und lieblichen Emotionen? Wir bedenken sie nicht als leidvoll; nichts desto trotz beinhalten sie Dualität und das bedeutet, dass sie am Ende eine Quelle des Leidens sind.
    Der dualistische Geist beinhaltet jeden Gedanken, den wir haben. Wieso ist dies leidvoll? Weil es missverstanden wird. Jeder dualistische Geist ist ein missverständlicher Geist, ein Geist, der nicht die Natur der Dinge versteht. Wie können wir nun Dualität verstehen? Es ist ein Subjekt und Objekt: uns selbst auf der einen Seite und unsere Erfahrung auf der anderen. Diese Art der dualistischen Wahrnehmung ist falsch, wie wir im Fall von unterschiedlichen Personen sehen, nehmen diese dasselbe Objekt auf verschiedene Arten wahr. Ein Mann glaubt, eine bestimmte Frau ist schön und das ist seine Wahrheit. Aber wenn dies eine Art absolute, unabhängige Art von Wahrheit wäre, dann würde jeder andere sie ebenfalls als schön ansehen. Klarerweise ist das keine Wahrheit, die unabhängig von irgendetwas anderem ist. Es hängt von unserem Geist ab; es ist unsere eigene Projektion.
    Der dualistische Geist schafft viele Erwartungen – eine Menge Hoffnung, eine Menge Furcht. Solange es einen dualistischen Geist gibt, gibt es Hoffung und Furcht. Hoffnung ist perfekte, systematische Qual. Wir tendieren dahin zu glauben, dass Hoffnung nicht leidvoll ist, aber eigentlich ist es eine große Qual. Was die Qual der Furcht angeht, gibt es nichts zu erklären.
    Der Buddha sagte: „Versteht Leiden.“ Das ist die erste Edle Wahrheit. Viele von uns verstehen Leiden fälschlich als Erfreuen – das Erfreulich, dass wir jetzt haben, ist eigentlich die Ursache für das Leiden, das wir früher oder später erfahren. Ein weiterer buddhistischer Weg des Erklärens ist, wenn eine große Qual kleiner wird, dass wir dies Erfreuen nennen. Das nennen wir dann Glück.
    Weiters haben Emotionen keine inhärente wahrhafte Existenz. Wenn durstige Leute eine Wasserspiegelung sehen, dann haben sie ein Gefühl von Befreiung: „Großartig, da gibt’s Wasser!“ Aber wenn sie näher kommen, löst sich die Fata Morgana auf. Das ist ein wichtiger Aspekt bei Emotionen: Emotion ist etwas, das keine unabhängige Existenz hat.
    Daher fassen Buddhisten alle Emotionen als qualvoll zusammen. Weil sie vergänglich und dualistisch sind, sind sie unsicher und immer von Hoffnungen und Ängsten begleitet. Aber letztendlich haben sie keine und hatten keine inhärent existierende Natur, daher sind sie nicht besonders viel wert. Alles, was wir durch unsere Emotionen schaffen, ist am Ende sinnlos und leidvoll. Daher praktizieren Buddhisten Shamatha- und Vipassana-Meditation – dies hilft, die Fesseln, die unsere Emotionen über uns haben, zu lösen und die Zwangsvorstellungen, die wir wegen ihnen haben.

    Frage: Ist Mitgefühl eine Emotion?
    Antwort: Leute wie wir haben ein dualistisches Mitgefühl, wohingegen das Mitgefühl der Buddhas kein Subjekt und Objekt benötigt. Aus der Sicht eines Buddhas benötigt Mitgefühl kein Subjekt und Objekt. Dies wird „Mahakaruna“ – großes Mitgefühl – genannt.
    Frage: Ich kann es schwer akzeptieren, dass alle Emotionen Leid sind.
    Antwort: Okay, wenn du eine etwas philosophische Ausführung willst, kannst du das Wort „Emotion“ wegnehmen und einfach sagen, „alles, was dualistisch ist, ist Qual“. Aber ich verwende gerne das Wort „Emotion“, weil es provoziert uns.
    Frage: Ist Leiden/Qual nicht auch vergänglich?
    Antwort: Ja! Wenn du das weißt, dann ist alles in Ordnung. Weil wir das nicht wissen, versuchen wir mit vielen nutzlosem Kram unsere Probleme zu lösen. Und das ist das zweite große Problem, das wir haben – unsere Probleme zu lösen versuchen.

    Das dritte Siegel – Alle Phänomene sind leer; sie sind ohne inhärente Existenz

    Wenn wir „alles“ sagen, dann bedeutet dies wirklich alles, einschließlich dem Buddha, der Erleuchtung, dem Pfad usw. Buddhisten definieren ein Phänomen als etwas mit Merkmalen und als ein Objekt, das von einem Subjekt ersonnen wurde. Daran festzuhalten, dass ein Objekt etwas Äußeres ist, ist Unwissenheit und daher hindert uns daran, das Wahre von diesem Objekt zu sehen.
    Das Wahre eines Phänomens wird Shunyata – Leerheit – genannt, was impliziert, dass ein Phänomen keine wahrhaftig existierende Essenz oder Natur hat. Wenn eine verblendete Person oder ein Subjekt etwas sieht, wird dieses Objekt als etwas wirklich Existierendes interpretiert. Wie man sehen kann, die Existenz, die man durch das Subjekt unterstellt wird, ist eine falsche Annahme. Solch eine Annahme basiert auf verschiedenen Bedingungen, die dazuführen, dass ein Objekt als wahrhaft erscheint. Allerdings existiert das Objekt nicht wirklich so. Es ist, als ob wir eine Fata Morgana sehen: da gibt es kein wirklich existierendes Objekt dort, obwohl es so danach aussieht. Mit der Leerheit meint der Buddha, dass Dinge nicht wahrhaft existieren, wie wir fälschlicherweise glauben, dass sie es tun. Und sie sind wirklich leer von dieser falschen, hinzugefügten Existenz.
    Weil sie daran glauben, dass ihre verwirrten Projektionen wirklich sind, leiden die fühlenden Wesen. Es war daher ein Heilmittel dafür, dass der Buddha den Dharma lehrte. Einfach gesagt, wenn wir über Leerheit reden, meinen wir, dass die Art, wie die Dinge erscheinen, nicht die Art ist, wie sie wirklich existieren. Wie ich schon früher sagte, als wir über Emotionen gesprochen haben, sieht man eine Fata Morgana und denkt, dass dies etwas Reales wäre, aber wenn man dann näher kommt, löst sich die Fata Morgana auf, egal wie wirklich sie anfangs erschien.
    Leerheit kann sich manchmal auf den Dharmakaya beziehen und in einem anderen Zusammenhang könnten wir sagen, dass der Dharmakaya beständig, unwandelbar, alles durchdringend ist, und all die schönen, poetischen Worte verwenden. Dies sind die mystischen Ausdrücke, die zum Pfad gehören, aber im Moment befinden wir uns noch im Erdgeschoß und versuchen ein intellektuelles Verständnis zu erlangen. Auf dem Pfad porträtieren wir vielleicht Buddha Vajradhara als Symbol für den Dharmakaya oder der Leerheit, aber aus akademischer Sicht ist selbst das Zeichnen des Dharmakayas ein Fehler. Der Buddha lehrte drei unterschiedliche Annäherungen zu drei verschiedenen Gelegenheiten. Diese sind als die „Drei Drehungen des Rades“ bekannt, aber sie können in einer einzigen Aussage zusammengefasst werden: „Geist; es gibt keinen Geist; Geist ist Leuchtkraft.“
    Die erste – „Geist“ – bezieht sich auf die erste Garnitur von Belehrungen und zeigt, dass der Buddha lehrte, dass es einen „Geist“ gibt. Dies geschah, um die nihilistische Sicht aufzulösen, dass es keinen Himmel, keine Hölle, keine Ursache und kein Ergebnis gäbe. Als dann der Buddha sagte, „es gibt keinen Geist“, meinte er, dass Geist einfach ein Konzept ist, und dass es nicht so ein Ding wie einen wahrhaft existierenden Geist gibt. Schließlich sagte er, „Geist ist Leuchtkraft“. Dabei bezog er sich auf die Buddha-Natur die unverschleiert oder uranfänglich existierende Weisheit.
    Der große Kommentator Nagarjuna sagte, der Zweck der ersten Drehung war, um sich von Unheilsamen zu reinigen. Woher kommt das Unheilsame? Es kommt daher, weil man entweder Eternalist oder Nihilist ist. Um nun den unheilsamen Taten und Gedanken ein Ende zu bereiten, gab der Buddha seine erste Belehrung. Die zweite Drehung des Dharma-Rades, als der Buddha über Leerheit sprach, geschah, um das Haften an einem „wahrhaft existierenden Selbst“ und an „wahrhaft existierenden Phänomenen“ aufzulösen. Schließlich wurden die Belehrungen der dritten Drehung gegeben, um alle Sichtweisen – selbst die eines Nicht-Ich – aufzulösen. Die drei Garnituren der Belehrungen des Buddhas versuchten nicht etwas Neues einzuführen; ihr Zweck war einfach darin, die Verwirrung zu beseitigen.
    Als Buddhisten praktizieren wir Mitgefühl, aber wenn es uns an Verständnis des dritten Siegels mangelt – dass alle Phänomene leer sind – geht unser Mitgefühl nach hinten los. Wenn man am Ziel des Mitgefühls anhaftet, während man versucht, ein Problem zu lösen, bemerkt man möglicherweise nicht, dass die Idee der Lösung gänzlich auf der eigenen persönlichen Auslegung basiert. Und vielleicht endet man als Opfer von Hoffnung und Furcht und hat schließlich Unannehmlichkeiten. Man fängt mit „ein guter Mahayana-Praktizierender“ an und ein- oder zweimal versucht man fühlenden Wesen zu helfen. Aber wenn man kein Verständnis vom dritten Siegel hat, wird man müde und gibt auf, fühlenden Wesen zu helfen.
    Es gibt noch ein weiteres Problem, das aus dem fehlenden Verständnis von Leerheit entsteht. Dies tritt mit ziemlich oberflächlichen und sogar mit abgestumpften Buddhisten auf. In buddhistischen Kreisen, wenn man Leerheit nicht akzeptiert, ist man nicht cool. Man gibt also vor, dass man Leerheit versteht und gibt vor, dass man darauf meditiert. Aber wenn man Leerheit nicht wirklich versteht, dann stellt sich eine schlechte Nebenwirkung ein. Man sagt vielleicht: „Oh, alles ist Leerheit. Ich kann machen, was mir beliebt.“ Dann ignorieren und verletzen die Details von Karma, die Verantwortung für unsere Handlung. Wir werden „geschmacklos“ und wir entmutigen andere beim Geschäft. S.H. der Dalai Lama spricht oft von diesem Verfall durch das fehlende Verständnis von Leerheit. Ein korrektes Verständnis der Leerheit führt dahin, dass wir sehen, womit die Dinge wirklich verbunden sind und wie wir für unsere Welt verantwortlich sind. Man kann Millionen von Seiten über dieses Thema lesen. Nagarjuna allein schrieb fünf verschiedene Kommentare, die sich hauptsächlich dem widmeten und dann gibt es noch die Kommentare seiner Nachfolger. Es gibt endlose Belehrungen um diese Sicht zu begründen. In den Mahayana-Tempeln oder Klöstern singen die Leute die Prajnaparamita Herz-Sutra – dies ist ebenfalls eine Belehrung zum dritten Siegel.
    Philosophien oder Religionen sagen vielleicht: „Dinge sind Illusion, die Welt ist Maya, Illusion.“ Aber da gibt es immer ein oder zwei Begriffe, die weggelassen werden, die als wahrhaft existent angesehen werden: Gott, kosmische Energie, was auch immer. Im Buddhismus ist dies nicht der Fall. Alles in Samsara und Nirvana – vom Kopf Buddhas angefangen bis zu einem Stück Brot – ist alles Leerheit. Es gibt nichts, das nicht in dieser letztendlichen Sicht enthalten wäre.

    Frage: Wenn wir selbst dualistisch sind, können wir dann jemals Leerheit verstehen, die doch jenseits von Beschreibung ist?

    Buddhisten sind sehr schlau. Da hast du recht. Man kann niemals über die absolute Leerheit sprechen, aber man kann über eine „Vorstellung“ von Leerheit sprechen – etwas, dass man überprüfen kann und worüber man nachdenken kann, sodass am Ende die wirkliche Leerheit erlangt. Man sagt vielleicht: „Also das ist zu einfach. Das ist Käse.“ Aber dazu sagen Buddhisten: „Zu schlecht, so funktioniert’s nun mal.“ Wenn man auf jemanden trifft, den man niemals zuvor gesehen hat, kann ich ihn dir beschreiben oder dir ein Foto von ihm zeigen. Und durch die Hilfe dieses Fotos kann man sich dann aufmachen und die wirkliche Person finden. Letztendlich gesprochen ist der Pfad irrational, aber relativ gesprochen, ist er sehr rational, weil er die relativen Bezüge unserer Welt benutzt. Wenn ich über Leerheit spreche, hat alles, was ich sage mit diesem „Bildnis“ von Leerheit zu tun. Ich kann dir keine wirkliche Leerheit zeigen, aber ich kann dir erzählen, warum Dinge nicht inhärent existieren.
    Im Buddhismus gibt es so viele Abbildungen, dass man möglicherweise denkt, dass dies das Objekt der Meditation wäre oder ein Objekt der Anbetung. Aber aus unseren Belehrungen heraus versteht man, dass dies alles nicht-existent ist?
    Wenn man in einen Tempel geht, sieht man viele schöne Statuen, Farben und Symbole. Diese sind für den Pfad wichtig. Dies bezieht sich alles darauf, was wir „Darstellungs-Weisheit“, als „Abbild-Leerheit“ nennen. Während wir dem Pfad folgen und uns auf seine Methoden stützen, ist es sehr wichtig zu wissen, dass der Pfad selbst letztendlich eine Illusion ist. Eigentlich können wir dies nur dann richtig schätzen.

    Das vierte Siegel – Nirvana ist jenseits der Extreme

    Da ich nun Leerheit erklärt habe, finde ich, dass das vierte Siegel „Nirvana ist jenseits von Extremen“, ebenfalls abgehandelt wurde. Aber in aller Kürze, das letzte Siegel ist ebenfalls etwas einigartig Buddhistisches. In vielen Philosophien oder Religionen ist das finale Ziel etwas, dass man erhält und behält. Das letzte Ziel ist das einzige Ding, das wirklich existiert. Aber Nirvana ist nicht hervorgebracht, daher ist das nicht etwas, das man bekommen kann. Dies bezieht sich auf „jenseits der Extreme“.
    Wir glauben manchmal, dass wir irgendwo hingehen können, wo wir ein besseres Sofa oder ein besseres Duschset, ein besseres Abwassersystem, ein Nirvana, wo man keine Fernbedienung braucht, wo alles sofort vorhanden ist, wenn man es nur denkt. Aber ich sagte früher, es ist nicht, dass wir etwas neues hinzufügen, das vorher nicht bestanden hat. Nirvana ist erlangt, wenn alles entfernt wurde, was künstlich und verschleiernd war.
    Es macht nichts aus, ob man ein Mönch oder eine Nonne ist, dies sich dem weltlichen Leben entsagt haben oder ob man ein Yogi ist, der die tiefgründigen tantrischen Methoden praktiziert. Wenn man versucht, Anhaftung an die eigenen Erfahrungen aufzugeben oder zu verwandeln, versteht man die vier Siegel nicht. Man endet darin, die Inhalte des Geistes als Manifestationen etwas bösen, teuflischen oder schlechten anzusehen. Wenn man das macht, ist man weit von der Wahrheit entfernt. Und der ganze Kern des Buddhismus liegt darin, dass man die Wahrheit versteht. Wenn es eine wahre Beständigkeit in den zusammengesetzten Phänomenen gäbe; wenn es wahre Freuden in den Emotionen gäbe, hätte der Buddha dazu bemerkt, in dem er gesagt hätte: „Bitte haltet sie fest und bewahr diese.“ Aber dank seines großen Mitgefühls, tat er dies nicht, da er für uns wollte, dass wir erkennen, was wahr ist, was wirklich ist.
    Wenn man ein klares Verständnis von diesen vier Siegeln als die Basis der eigenen Praxis hat, wird man zufrieden sein, egal was mit einem geschieht. So lange man diese vier als Sicht hat, kann nichts schief gehen. Wer immer diese vier im Herzen oder in der Hand hält und sie kontempliert, ist ein Buddhist. Es ist dann nicht notwendig, dass eine Person einen als Buddhist bezeichnet. Er oder sie durch diese Definition ein Nachfolger des Buddha.”

  3. @Cristian Lang: Das Posten dieses Lang-en Textes (nun schon zum zweiten Mal als ein Kommentar hier) empfinde ich als unhöflichen Spam. Weder passt es wirklich zum Thema noch bringt es die Diskussion voran, vielmehr gerät sie dadurch ins Stocken, was ich persönlich schade finde.

  4. Cristian Lang meint:

    Schon ganz gelesen? Es geht darin, im zweiten und auch vierten Siegel, sehr klar darum, wie zuverlässig Gefühle sind.
    Also würde ich den Text kaum als unpassend bezeichnen…
    Sondern: die Argumente prüfen. Wenn es wirklich unwahr sein sollte, nehme ich meinen Hut und zolle dir meinen Respekt.

  5. @Cristian Lang: Ja, gelesen bereits hier: http://theoblog.de/von-allah-zu-jesus/17858/comment-page-1/#comment-19628

    Außerdem habe ich mich auch davor schon mit verschiedenen Ausformungen des Buddhismus befasst. Insofern war es nichts Neues. Was ich in erster Linie kritisiert habe, war bis jetzt noch nicht einmal der Inhalt, sondern die Vorgehensweise. Diese bestand nämlich darin, denselben langen Text in bisher bereits drei verschiedenen Diskussionen „reinzuquetschen“. Diese Vorgehensweise empfinde ich als aufdringlich und unpassend für eine Diskussion, die in den Kommentaren eines Blogs geführt wird. Erstens hat nicht jeder die Zeit, solche Riesenkommentare ganz durchzulesen, zweitens wirkt es abschreckend auf Personen, die neu in diese Diskussion hineinkommen möchten und drittens macht es für jeden, der danach ewig runterscrollen muss, erheblich mehr Mühe. Kurz und knapp gesagt, würgt es einen Teil der Diskussion ab. Um auf den Inhalt selbst einzugehen, ist die Kommentarfunktion eines Blogs nicht gerade ideal, weil man dazu ein Buch schreiben müsste. Ich werde später aber noch ein paar Sätze dazu schreiben, im Moment ist meine Zeit zu begrenzt.

  6. @Cristian Lang: Ich versuche mal in aller Kürze auf eineinhalb der vier Siegel einzugehen. Wie oben angesprochen, könnte man Bände damit füllen. Der Grund liegt darin, dass man den Buddhismus nicht ohne seine weiteren Hintergründe verstehen kann, die im Hinduismus, im Leben Buddhas und seiner Nachfolger zu finden sind.
    Ich möchte bei der Behauptung beginnen, dass alle Emotionen leidvoll sind. Schon unsere Erfahrung zeigt, dass dem nicht so ist. Das Leidvolle an Emotionen ist eher, dass sie nicht beständig sind positiv sind.
    Wenn wir den Gott der Bibel fragen, dann fällt zuerst auf, dass wir einen Gott haben, der auch Emotionen hat. Das ist ganz wichtig. Denn auf diese Weise ist der Mensch in Gottes Ebenbild geschaffen – mit dem Unterschied, dass die des Menschen durch die Sünde – den Ungehorsam gegen Gott – verunreinigt und deshalb so schwankend sind. Der Mensch ist nur zu einem begrenzten Umfang an Emotionen zugleich fähig, Gott kann zugleich vollkommene Freude in Sich Selbst und gleichzeitig abgrundtiefen Hass gegen die Sünde und den Tod empfinden.
    Im Buddhismus haben wir es damit zu tun, dass der Mensch seine Erleuchtung selbst erarbeiten muss. Dazu muss er die Emotionen verleugnen. Der Gott der Bibel ist der Gott, der selbst zu den Menschen kommt und sie von innen heraus verändert. Die Erleuchtung nach der Bibel ist ein Gnadengeschenk von Gott und keinerlei selbst erarbeitete Tat. Aber weil der Gott der Bibel souverän Menschen erlöst, bekommen die Emotionen wieder ihren Sinn und Wert. Sie dienen dazu, dem Menschen zu helfen, das Richtige zu tun.
    Gott möchte die Quelle der Freude von uns Menschen sein. Stattdessen suchen viele Menschen dort Freude, wo nur zwiespältige Freude zu finden ist. Jeremia hat das angeprangert: „Denn mein Volk hat eine zweifache Sünde begangen: Mich, die Quelle des lebendigen Wassers, haben sie verlassen, um sich Zisternen zu graben, löchrige Zisternen, die kein Wasser halten!“ (Jeremia 2, 13)
    In der Zeit, als Jonathan Edwards lebte, um dessen Buch es hier geht, gab es auch Christen, die die Emotionen ablehnten. Seine Antwort darauf war: „Statt glaubensmäßige Regungen ohne Prüfung zu schätzen und zu bewundern, verwirft und verachtet man sie ohne Prüfung. Hierin erkennt man die List Satans … Er weiß genau, dass er auf diese Weise alle Frömmigkeit zu einem rein äußerlichen Formalismus ohne jedes geistliche Leben machen und die Kraft der Gottseligkeit samt allen geistlichen Sachverhalten ausschließen kann. So wird allem wahren Christentum die Tür verschlossen.“

  7. Cristian Lang meint:

    Ein Christ will dem Buddhisten den Buddhismus erklären…
    Kein Kommentar.

  8. Cristian Lang meint:

    Es gibt auch ein super Buch über die vier Siegel:
    „Warum Sie kein Buddhist sind“ von Dzongsar Khyentse Rinpoche.

  9. Roderich meint:

    @Cristian,
    ja, ich würde Jonas zustimmen und vorschlagen: Fasse doch die Artikel mit eigenen Worten zusammen, indem Du die wesentlichen Punkte – dir Dir für diese konkrete Diskussion wichtig erscheinen – ansprichst. Auf „fertige Texte“ kannst Du ja per „Link“ verweisen.

    Schade dann, dass Du auf Jonas‘ Ausführungen nicht eingegangen bist, da er sich doch (dennoch) die Mühe genommen hat, Deinen Artikel ganz zu lesen…

    Na wie dem auch sei, mal kurz eine Meinung von mir:

    Zum ersten Siegel:

    Jedes Phänomen, an das wir denken, ist zusammengesetzt und daher ein Fall der Unbeständigkeit.

    Das spielt auf die buddhistische Lehre an, dass letztlich alles „eins“ ist, und die Vielheit nur Illusion. Das Problem mit dem „Alles ist eins“-Fimmel ist, dass dann gar kein Sinn mehr im diesseitigen Leben liegt. Es geht letztlich nur um die „Flucht“ aus der Welt.
    Als Christ sieht man die Welt als Gottes Schöpfung an. Sie ist „sehr gut“ geschaffen. Wir dürfen Gott für diese reale Welt danken.
    Die buddhistische Sicht „alles ist eins“ ist übrigens ontologisch viel weniger sinnvoll als die christliche Sicht. Aus christlicher Sicht gibt es „das Eine und die Vielen“, was ontologisch begründet ist in Gott, der drei-einig ist. In Gott ist Einheit und Vielheit. Vergleiche das Buch „The One and the Many“ von Rousas J. Rushdoony.

    [Manche Menschen] … denken über diese Sicht von Beständigkeit nach und ihre daraus resultierende Handlung ist, in Fitness-Zentren zu gehen, sich plastischer Chirurgie zu unterziehen und allem anderen lästigen Kram unterziehen.
    Erleuchtete Wesen würden denken, dass dies lächerlich ist und auf einer falschen Sicht basiert.

    Als Christ sieht man das etwas differenzierter. Man soll für seinen Körper sorgen, er ist ein Geschenk Gottes. Das kann auch einschließen, ins Fitness Studio zu gehen – es geht nur um die Motivation. Geht man dahin, um mehr Frauen abschleppen zu können (oder um öfters abgeschleppt zu werden), ist das die falsche Motivation. Geht man ins Fitness-Studio, weil man Gott dankt für den Körper, und man tut so viel und so wenig, wie nötig ist, um sich gut zu fühlen, ist das gut. Wir sollen auch um unseren Körper sorgen, damit wir länger haben, um Gott zu dienen. Auch ist körperliche Fitness wichtig, damit wir weniger oft krank werden, denn wenn wir krank sind, können wir Gott natürlich weniger gut dienen.

    Also – natürlich gibt es da gewisse Gemeinsamkeiten mit Buddhisten, nur tut man als Christ manche Dinge mit anderer Motivation.

    Selbst wenn der BMW heute von Vandalen beschädigt wird oder unser bester Freund uns niedermacht, dann wird man sich, wenn man eine Sicht der Vergänglichkeit hat, nicht sorgen.

    Das „nicht sorgen“ ist natürlich gut, aber auch da kommt es auf die Motivation an. Man sollte das nicht deshalb tun, weil die Dinge sowieso vergänglich sind. Dann könnte man auch sagen: paar Leute gestorben, aber macht nichts, ist ja alles vergänglich.
    Vielmehr sollte man sein Herz nicht an Materielles hängen. (Dazu gehört natürlich eine gewisse „spirituelle Reife“ und Gnade Gottes). Als Christ sollte man ja das Eigentum in Gottes Hand legen – es gehört alles Gott. Es kann auch die eigene Sünde sein, die dazu geführt hat, dass der BMW weg ist (Züchtigung gemäß Hebräer 12). Oder es ist ein Test im Glauben. Oder es hat andere Gründe – Gott will, dass man nächste Woche auf dem Fußweg zur Arbeit jemanden trifft (z.B. den Cristian) ;-). Oder was auch immer. Dennoch wird man auch den normalen Weg gehen und zur Polizei gehen, um den Diebstahl anzuzeigen. Also, die innere Haltung ist entscheidend.
    Christen beziehen ihre Kraft zu so einer Haltung, die ihr Herz nicht an Besitz hängt, aus der Gemeinschaft mit Gott – aus dem Wissen, dass uns in Christus alle Schätze der geistlichen Welt geschenkt werden, und aus den vielen Verheißungen Gottes.

    (Aus welchen Kraftquellen der Buddhist schöpft, um diese Geisteshaltung zu erlangen, ist eine andere Frage.)

    Täuschungen entstehen, weil wir nicht begreifen, dass alle zusammengesetzten Dinge vergänglich sind. Aber wenn wir diese Wahrheit realisieren, tief drinnen und nicht nur intellektuell, dann ist das genau das, was wir Befreiung nennen: erlöst aus diesem eindimensionalen, kleingeistigen Glauben an Beständigkeit.

    Die Täuschung ist nicht, dass wir nicht verstehen, dass alles eins ist. Denn nicht alles ist eins. Die Täuschung liegt darin, dass wir diese Welt verabsolutieren, anstatt dem Schöpfer die Ehre zu geben. (Es gibt auch nicht-zusammengesetzte Dinge, die vergänglich sind. Z.B. Atome, oder andere kleinste Teilchen. Alle geschaffene Materie ist vergänglich; nur Gott ist nicht vergänglich, und das, dem Gott „Ewigkeit“ zuspricht.)
    Der christliche Begriff von „Befreiung“ ist auch ein anderer. Befreiung ist nicht primär ein gedanklicher Akt, ein Realisieren von Vergänglichkeit.
    (Sondern primär Befreiung von Sünde – was nicht einfach durch einen menschlichen Gedankenakt geschehen kann).

    Zum ZWEITEN Siegel noch kurz:

    Aber was ist mit Liebe und Anhaftung, Freundlichkeit und Hingabe, die netten, leichten und lieblichen Emotionen? Wir bedenken sie nicht als leidvoll; nichts desto trotz beinhalten sie Dualität und das bedeutet, dass sie am Ende eine Quelle des Leidens sind.

    Auch das würde man als Christ wieder anders sehen. Emotionen sind zwar nichts Singuläres, sondern – wenn man so will – etwas „Zusammengesetztes“, aber sie sind gottgewollt; sie gehören zum natürlichen Menschen. Emotionen sind nicht per se sündhaft. Jesus hatte Emotionen, und Jesus war ohne Sünde.
    Emotionen sind zwar vergänglich, aber Emotionen sind nicht immer die Quelle des Leides.
    Ursache des Leides ist der Sündenfall (und der Sündenfall selber bestand nicht aus dem „Fall in die Dualität“, sondern aus dem Fall aus der Gemeinschaft mit Gott; denn die Dualität gab es schon vor dem Sündenfall und auch dann, wenn die Menschen perfekte Gemeinschaft mit Gott hatten oder heute – durch Christus – wieder haben). Und nach dem Sündenfall gibt es verschiedene Ursachen des Leides, z.B. „Leid, um dadurch näher zu Gott zu kommen“, „Leid wegen Sünde“, „Leid wegen der Sünde anderer Menschen“, „Leid wegen Verfolgung (Leid, um darin Gemeinschaft mit Christus zu haben“, etc.)

    Weiters haben Emotionen keine inhärente wahrhafte Existenz. Wenn durstige Leute eine Wasserspiegelung sehen, dann haben sie ein Gefühl von Befreiung: „Großartig, da gibt’s Wasser!“ Aber wenn sie näher kommen, löst sich die Fata Morgana auf. Das ist ein wichtiger Aspekt bei Emotionen: Emotion ist etwas, das keine unabhängige Existenz hat.

    Ich merke, dass dieser Text sehr viele ontologische Aussagen macht – Aussagen über den Seinszustand von Dingen. Emotionen haben also kein wirkliches Sein… ts, ts, ts. Auch dem kann man wieder nicht zustimmen. Die reale Welt ist real geschaffen, dazu gehören reale Emotionen.
    Diese buddhistische Sicht führt letztlich zur Weltflucht und Weltverneinung.
    Vielleicht wäre da mal eine andere Ansicht interessant, Cristian, z.B. von Nicolai Hartmann: „Der Aufbau der realen Welt“. Sehr tief, lohnend. Ich bin mit vielem nicht eins (er war Materialist), aber er sagt doch interessante Dinge über den Schichtenaufbau der Welt und streift alle wesentlichen ontologischen Fragen. Dort kann man zumindest sehen, welche sonstigen ontologischen Fragen relevant sind. Es geht eben nicht nur um die Frage „ist alles eins oder nicht“.

    Dass Mitgefühl ein dualistisches (und daher vergängliches) Gefühl ist, spricht ja nun nicht gerade für den Buddhismus. Wo bleibt dann die „absolute“ Werthaftigkeit der Barmherzigkeit? Wie kann man die schlüssig begründen?

    Nur noch sehr sehr kurz zum 3. Siegel:

    Das Wahre eines Phänomens wird Shunyata – Leerheit – genannt, was impliziert, dass ein Phänomen keine wahrhaftig existierende Essenz oder Natur hat. Wenn eine verblendete Person oder ein Subjekt etwas sieht, wird dieses Objekt als etwas wirklich Existierendes interpretiert.

    Diese Sicht ist – ganz unabhängig vom christlichen Glauben – wirklich sehr unrealistisch. Sie widerspricht dem gesunden Menschenverstand und ist philosophisch nicht haltbar. Niemand lebt so, als wäre alles um ihn nicht wirklich wahr. Man kann also kein konsequenter Buddhist sein. (Oder wenn „konsequent Buddhist sein“ bedeutet, nur noch zu meditieren, wäre das arg wenig und weltverneinend).

    Aber da gibt es immer ein oder zwei Begriffe, die weggelassen werden, die als wahrhaft existent angesehen werden: Gott, kosmische Energie, was auch immer. Im Buddhismus ist dies nicht der Fall. Alles in Samsara und Nirvana – vom Kopf Buddhas angefangen bis zu einem Stück Brot – ist alles Leerheit. Es gibt nichts, das nicht in dieser letztendlichen Sicht enthalten wäre.

    Gott ist also „Leerheit“? Na, da wird sich Gott aber freuen…
    Aber im Ernst – das ist natürlich blasphemisch, und zeigt die Kluft, die zwischen Buddhismus und Christentum besteht.

    Es macht nichts aus, ob man ein Mönch oder eine Nonne ist, dies sich dem weltlichen Leben entsagt haben oder ob man ein Yogi ist, der die tiefgründigen tantrischen Methoden praktiziert.

    Schluck… (nein, die nehmen sich nicht viel).

    Und der ganze Kern des Buddhismus liegt darin, dass man die Wahrheit versteht.

    Nun ja.

    Wenn man ein klares Verständnis von diesen vier Siegeln als die Basis der eigenen Praxis hat, wird man zufrieden sein, egal was mit einem geschieht. So lange man diese vier als Sicht hat, kann nichts schief gehen.

    Das ist wie ein Ersatz für die christliche Sicht „Wer nur Gott hat, der hat alles“. Der Buddhismus setzt eine bestimmte mentale Haltung an die Stelle Gottes.

    Cristian, sorry, das klang jetzt womöglich ein wenig „dogmatisch“, aber ich habe einfach die Elemente aus Deinem Posting mal mit meiner biblisch orientierten Sicht kontrastiert. Das erst mal als Ausgangsbasis für den Dialog. Wenn beide Seiten keine klare Meinung haben, kann es keinen Dialog geben.

    Angesichts dieses Textes kann ich Deine Begeisterung für den Buddhismus eigentlich nicht so ganz nachvollziehen.

    Nun gut. Wie Jonas bereits sagte, wäre ich dankbar, wenn Du nicht „Fertigtexte“ posten würdest, sondern eher mit eigenen Beiträgen diskutieren würdest.

    OK, allen erst mal eine gesegnete Nachtruhe und guten Anfang der Woche.

  10. Mein Kommentar bezieht sich auf die eingangs gestellte Frage: „Wie zuverlässig sind religiöse Gefühle?“ Ich halte Gefühle, egal welcher Art, für potentiell unzuverlässig. Ihnen blindlings zu folgen halte ich für gefährlich. Als alleiniger Maßstab für die Praxis einer Wortreligion sind sie völlig inadäquat. Selbstverständlich dürfen und sollen wir unseren Gefühlen zuhören. Eine religiöse Praxis, die nicht den gesamten Menschen, also auch seine Gefühle ergreift, ist bedeutungslos.

    Ich finde übrigens, dass sich Blogkommentare ausschließlich und unmittelbar auf das Thema des Eingangsposts beziehen sollten. Besserwisserische Kommentarschlachten, wie die zwischen @Thomas König und @Roderich über Bibeltreue versus historische Kritik, oder wie jetzt hier über Buddhismus versus Christentum sind wenig erhellend. Wenn erst der 10. Kommentar zu einem Post, sich mit dem Post selbst befasst läuft irgendwas schief.

  11. Roderich meint:

    @Havalim,
    kannst Du mir den Unterschied zwischen „besserwisserisch“ und „nach Wahrheit suchen“ aus Deiner Sicht mal erklären?
    Ich denke, mit besserwisserisch haben meine Kommentare gegenüber Thomas König nichts zu tun. Da wäre ich doch dankbar, wenn Du Ursache und Wirkung nicht verwechselst.
    (Zur Erinnerung: in diesem Eintrag http://theoblog.de/eine-untersuchung-des-neuen-modernismus/19637/ trat Herr König zunächst mit einigen Vorwürfen gegen eine bibeltreue Sicht auf. Auf Argumente ist er dann nicht eingegangen – hat dies sogar noch mit der Borniertheit der Evangelikalen begründet.)
    .
    (Die Hauptfrage, die Herrn König ja umtreibt, ist: wie sicher kann man sich sein, Gottes Willen zu verstehen aus Gottes Wort. Das ist eine relevante Frage, aber zu der Diskussion kam es nie.)
    Thomas König treibt ein ähnliches Spiel ja leider auch auf anderen Blogs, siehe hier:
    http://jobo72.wordpress.com/tag/okumene/
    .
    Bezüglich des obigen Postings: Cristian Lang hat hier einen thematisch nicht dazupassenden Beitrag geliefert – im Prinzip macht er Werbung für den Buddhismus. Man kann so etwas ignorieren, aber ich möchte mich damit inhaltlich auseinandersetzen.
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    Aber vielleicht wäre es sinnvoll, wenn Ron mal einen eigenen Thread zum Thema Buddhismus aufmacht, dann können wir über die philosophischen Ansichten dazu dort diskutieren, wo sie hingehören.

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