Wo die Kirche Evangelium lehrt, gibt es Verfolgung

Martin Luther schreibt in seiner Vorlesung zu Gal 5,12:

Alles in allem: die Kirche muß Verfolgung leiden, wenn sie das Evangelium rein lehrt. Das Evangelium predigt die Barmherzigkeit und Ehre Gottes und öffnet den Blick für die Bosheit und die List des Teufels, ja, es malt ihn mit seinen Farben und reißt ihm die Larve der göttlichen Majestät herunter, durch die er der ganzen Welt Eindruck macht, d. h. das Evangelium zeigt, daß alle Kultübungen, Religionsübungen, Ordensstände, die von Menschen erdacht sind, ferner alle Traditionen von dem Zölibat, von Speisen etc., dadurch die Menschen Vergebung der Sünden und die Rechtfertigung erwerben wollen, gottlose und dämonische Lehren sind. Durch keine Sache wird der Teufel mehr gereizt, als durch die Predigt des Evangeliums, die nimmt ihm die Larve Gottes weg und verrät, was er in Wahrheit ist, nämlich der Teufel und nicht Gott. Darum ist es unmöglich, daß dort, wo das Evangelium blüht, keine Verfolgung statthabe oder aber der Teufel ist mit Sicherheit noch gar nicht richtig getroffen, sondern höchstens leicht berührt. Wenn er wirklich getroffen wird, ruht er nicht, sondern fängt furchtbar an zu toben und alles zu verwirren.

Kommentare

  1. Super der Artikel, Danke fürs Raussuchen. Passt so echt in unsere Zeit. Man denke nur an die Greultaten des Taufels durch IS, Boko Haram, Hamas u.a. Da kann man nur beten, dass die verfolgten Christen nicht so leiden müssen.

  2. Was Luther schreibt, kann ich als Katholik nicht völlig unterschreiben, schließlich hat Luther in seinen Beispielen (etwa Ordensstände, Zölibat) auch die katholische Kirche im Blick. Diese aber verkündet selbst das Evangelium.
    Es ist überdies ein Missverständnis zu denken, dass etwa der Zölibat angeblich dazu beitragen solle, sich selbst aus sich heraus „Rechtfertigung“ zu „erwerben“. Die Gleichsetzung mit dämonischen Lehren und die Unterstellung, dass jede Religion des Menschen „teuflisch“ und „dämonisch“ sei, geht deutlich zu weit. Man sollte nicht hinter alles und jedem den Teufel sehen.
    Liest man Guardini (etwa „Der Herr“), so erkennt man, dass auch aus christlicher Sicht die Wertschätzung nichtchristlicher Religionen und Bräuche aus christlicher Sicht in jedem Falle ihre Berechtigung hat. Gleichwohl übersteigt die Offenbarung das, was der Mensch „von Natur aus“ von Gott erkennen kann. Und natürlich ist die Erlösung eine Gnade Gottes. Dennoch geschieht sie nicht losgelöst vom Menschen über ihn hinweg. Taten des Menschen sind nicht pauschal als unnütz zu verwerfen. Man darf sie lediglich nicht „aus sich heraus“ als erlösend verstehen.

    Luthers Ansicht ist also mit Vorsicht zu genießen, insofern sie alles, was seiner Ansicht nach nicht „Evangelium“ ist, pauschal verurteilt. Ebenso kritisch ist seine Traditionskritik zu sehen, wenn auch aufgrund seines Lebens verständlich. Aber verallgemeinern darf man das aus meiner Sicht nicht.

  3. @Katholik,
    besten Dank.
    Die Frage ist, auf was sich denn die „Wertschätzung“ anderer Religionen bezieht? Etwa auf Offenbarungen, die zu einer anderen Religion führen, die Jesus Christus leugnen? Kann so eine Offenbarung denn von Gott sein?
    Paulus selber spricht ja von Lehren, die von Dämonen inspiriert sind. (1. Tim. 2,26 und v.a. 1. Tim 4,1).
    Es kann sein, dass Gott auch manchmal Gebete von Menschen in anderen Religionen hört, aufgrund seiner „allgemeinen Gnade“ und weil er das ehrliche Herz ansieht. Aber das Wirken des Heiligen Geistes wird in anderen Religionen doch vor allem jenes sein: die Menschen zu Christus zu ziehen. (Johannes 16,8.9). Denn die primäre Sünde ist es, nicht an Jesus Christus zu glauben. Mit ihm hat uns Gott alles geschenkt.

    Ansonsten: ja, in katholischen Klöstern gibt es sicher auch vieles Gutes. (Solange das Evangelium nicht verdrängt wird, sondern zentral steht).

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