Wofür ist der Gottesdienst da?

Georg Wilhelm Friedrich Hegel war mit dem Begründungsansatz der Schleiermacher-Theologie nicht sonderlich glücklich und schrieb 1822 in einer Vorrede zu Hinrichs Religionsphilosophie berechnend:

„Gründet sich die Religion im Menschen nur auf ein Gefühl, so hat solches richtig keine weitere Bestimmung, als das Gefühl seiner Abhängigkeit zu sein, und so wäre der Hund der beste Christ, denn er trägt dieses am stärksten in sich und lebt vornehmlich in diesem Gefühle. Auch Erlösungsgefühle hat der Hund, wenn seinem Hunger durch einen Knochen Befriedigung wird.“

Es leuchtet ein, dass Hegel und Schleiermacher nie Freunde geworden sind.

Wenn wir bei Schleiermacher genauer hinschauen, verstand er unter Gefühl nicht das, was wir heute gemeinhin darunter verstehen. Schlimmer ist: Heute dreht sich unser Gottesdienst tatsächlich oft darum, wie wir uns fühlen.

Hier ein hörenswerter Beitrag des großen Predigers Alistair Begg dazu:

VD: MFK

Kommentare

  1. Offensichtlich fühlte er sich genau so schrecklich bei diesen immer wieder gleichen fürchterlichen abgedroschenen nichtssagenden Liedern wie ich.

    Und wenn man dann nach Hause geht und sich deshalb (und wegen all der Belanglosigkeiten, die man dort hört) den ganzen Sonntag schlecht fühlt, weshalb sollte man hingehen?

    Wo ist die KRAFT des Evangeliums? Ich meine nicht jene vernichtende und sengende Paul-Washer-Botschaft, nach der du sicher weißt: Zu Gott kommst du jedenfalls nie! Nein, ich meine, wo ist die Mut spendende Kraft? Wo? Wer wird predigen, um zu ermutigen, um zu ermutigen, weiterzumachen, zu kämpfen, auch und besonders dort, wo der Kampf aussichtslos scheint? Wo es gilt, gegen die Wirklichkeit anzuglauben (was ja das Wesen des Glaubens ist, worin der Glaube ja besteht)???

  2. @Schandor
    Das ist wieder ein Kommentar bei dem ich nicht weiß, ob es dein eigenwilliger Humor ist, der etwas karikiert – oder ob es dir bitter ernst ist …
    Also sieh mir nach, ich nehme jetzt einfach Letzteres an …

    Den Text des Eintrags hier habe ich gelesen.
    Wozu ist Gottesdienst da?
    Der Fokus liegt wohl auf der sonntäglichen Zusammenkunft.
    An der Stelle möchte ich jetzt gar nicht auf theologische Ausarbeitungen verweisen, sondern etwas Anderes in Erinnerung bringen.

    Deine und meine Bibel verwendet mit Absicht familiäre Begriffe, wenn es um Gemeinde geht (da haben wir Vater, Bruder ….).
    Der Vater möchte (und hier verwende ich bewusst „möchte“ und nicht „anweisen oder …“, um das Familiäre herauszustellen), dass sich Seine Kinder regelmäßig mit Ziel an einem Tisch versammeln (also nicht persönlich, individuell in den jeweils eigenen Häusern an eigenen Tischen).
    Was wäre wenn seine Kinder kämen und so sprächen: Das ist langweilig, laufend diese Belanglosigkeiten, die meine Geschwister zum Thema machen …. Ich komme nicht mehr.

    Um wen geht es eigentlich zuerst? Um die Geschwister – oder doch eher um den Vater?
    Ich weiß, ich lege jetzt den Fokus auf den Vater, damit blende ich jetzt ganz bewusst mal die Dimension „Geschwister“ aus – wohl wissend, die gibt es auch und auch dort wird ein Ziel verfolgt.

    Damit will ich deine Situation (unter meiner Prämisse: es ist dir ernst) nicht schönreden, aber die Lücke, die du wahrnimmst, muss gefüllt werden, zuerst für dich ganz persönlich. Da sind doch Internet und MP3 und Bücher und … tatsächlich mit Ziel segensreich einzusetzen.
    Wenn dir das Mut-machende momentan in Predigten fehlt, kann ich dir als persönliche Kompensation die deutschen Predigten von Pastor Audey Shepard empfehlen.
    Die findest du hier (momentan ab Seite 13 – Predigten ab dem Jahr 2005 rückwärts). Über den Titel kannst du dir dein Menü selbst zusammenstellen. Seine Reihe zu Psalm 51 ist mir bspw. stetige Kraftquelle und ich muss mitunter auch kompensieren):
    http://www.sermonaudio.com/search.asp?SpeakerOnly=true&currSection=sermonsspeaker&keyword=Audey%5EShepard

    Dann bleibt mir nur noch daran zu erinnern, dass persönliche „Auffüllung“ auch nie Selbstzweck ist, sondern im Dienst der Familie steht. Jetzt käme die „Dimension“ Geschwister in den Überlegungen und auch in der Tat zum Zuge.

    Lieben Gruß Lutz

  3. Confessor meint:

    Gottesdienst ist dazu da, um sich von einem ordentlich eingestzten Prediger unter Gottes Wort zu versammeln, und das Abendmahl zu feiern.
    Gefühle haben im Gottesdienst durchaus ihren Platz. Allerdings nicht im Sinne einer euphorischen, oberflächlichen Erfahrung von „Gemeinschaft“, wie sie gerade in vielen neo-evangelikalen Lobpreisliedern zum Ausdruck kommt. „Gemeinschaft“ und „Beziehung“- (die horizontale Ebene), scheint für viele immer wichtiger zu werden, als sich UNTER Gottes Wort zu stellen (die vertikale Ebene). Dann kommt wieder der einwand, eine Predigt dürfe doch nicht „von unten herab“ sein, alles müsse doch „dialogisch“ ablaufem.

    P.S.: die Lieder von Paul Gerhardt – in ihrer emotianalen Tiefe einzigartig- sind nun gerade ein BEispiel dafür, dass Gefühle nicht per se schlecht sind.

  4. @Lutz @Confessor

    Ich denke seit Tagen über das nach, was ihr geschrieben habt. Es bewegt mich. Danke!

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