World Vision macht Rückzieher

World Vision hat auf den Protest aus Spenderkreisen reagiert und die Entscheidung, eine revidiertes Eheverständnis einzuführen, zurückgenommen. „Bestimmte Überzeugungen sind so zentral für unseren trinitarischen Glauben, dass wir entschieden daran festhalten müssen“ sagte der Präsident von World Vision in Nordamerika, Richard Stearns, nur zwei Tage nachdem er einen Richtungswechsel bekannt gab.  Künftig werde nur der „biblische Bund der Ehe zwischen einem Mann und einer Frau“ respektiert, erklärte das Hilfswerk laut Christianity Today. 

Das Deutschlandradio Kultur meldete gestern:

Zwei Tage zuvor hatte das christliche Hilfswerk angekündigt, auch verheiratete oder in Partnerschaft lebende Homosexuelle beschäftigen zu wollen. Daraufhin hatten vor allem evangelikale Kirchen protestiert. In Schreiben spricht der Vorstand nun von einem „Fehler“ und bat um Verzeihung für die vermeintliche Abkehr von der entschiedenen Verpflichtung gegenüber der biblischen Autorität.

Laut dem US-amerikanische Sender Christian Broadcasting Network hatten mehrere Leiter christlicher Gemeinschaften zu einem Spendenboykott aufgerufen. „World Vision Deutschland“ fragt Bewerber und Mitarbeiter nicht nach ihrer sexuellen Identität oder nach ihren Partnerschaften.

Meines Erachtens spiegelt die Kontroverse wider, wie sehr heute soziologische oder monetäre Kenngrößen über theologische Inhalte entscheiden. Timothy Dalrymple thematisiert in seinem Kommentar die Vernachlässigung der Theologie.

When Stearns and his team call it a “culture war” issue, that belittles the significance of the issue. It makes the people who work for healthy families (and therefore for healthy environments for children) feel that their labors are devalued. And it shows, I think, a limited engagement with scripture and the theological tradition on the issue as well as a shortsighted vision of God’s redemption of the world. It’s extraordinarily important to serve the poor. Putting food in the mouths of children who would otherwise starve is sacred and eternally significant work.

But it’s also extraordinarily important to strengthen families so that fewer people will be poor in the first place. It’s also extraordinarily important to speak for God’s truth and the gospel of Jesus Christ, so that more people — rich and poor alike — can enjoy a reconciled relationship with God forever. And it’s also extraordinarily important to uphold the truths and values of God, because people who embrace anything short of that are, ultimately, embracing self-destruction.

Kommentare

  1. “wes Brot ich ess, des Lied ich sing”.

    Am Ende sind die Armen die Leidtragenden dieser hin – und her Aktion…

  2. Seitdem ich diesen Artikel gelesen habe, weiß ich einfach nicht, ob ich das jetzt gut und richtig oder verlogen und heuchlerisch finden soll … Ich kenne die Leute von World Vision Nordamerika nicht und weiß nicht, was intern besprochen wurde und wie man genau dazu gekommen ist, nun doch wieder bei der biblischen Wahrheit, die für uns Christen maßgeblich für den Lebenswandel ist, zu bleiben. Wenn jedoch aus Spenderkreisen die Kritik und die Empörung so groß war, daß es womöglich finanzielle Folgen gehabt hätte, dann frage ich mich, wie ich solch eine Aussage einordnen soll:

    „Bestimmte Überzeugungen sind so zentral für unseren trinitarischen Glauben, dass wir entschieden daran festhalten müssen“.

    Wenn ich „entschieden daran festhalten MUSS“, frage ich mich, warum man es extrem kurze Zeit vorher noch verwerfen wollte? Das paßt einfach nicht!

    Ich vermute, daß man weiterhin hinter vorgehaltener Hand meint, ein anderes (nämlich sündiges und unzüchtiges) Eheverständnis sei gut, richtig und gottgefällig, das aber nach außen anders mitteilen wird, um Spender nicht zu vergraulen. Man darf nicht vergessen, daß die Entscheidung, sich für bewußt homosexuell lebende und verpartnerte Menschen zu öffnen, ganz sicher nicht aus einer kurzen Laune heraus getroffen wurde – diese Leute müssen schon davon überzeugt gewesen sein, daß es in dieser Form richtig sei; eine solche Haltung ändert man nicht ganz plötzlich über Nacht – oder sehe ich das zu negativ?

    Wir Christen dürfen uns nie nach dem richten, was gerade die Mehrheit sagt, denkt, meint, lebt und fordert – wir müssen immer auf dem Boden biblischer Wahrheiten stehen, denn was ist, wenn sich die Mehrheit der Spender in den nächsten Jahren oder Jahrzehnten anders entscheiden sollte? Was ist dann? Ist es dann doch wieder gut und richtig, homosexuell verpartnerte Menschen einzustellen oder deren Lebenswandel für gut zu erklären?

    Ich finde, daß ein Beigeschmack bleiben wird …

    http://www.idealisten.net/beitrag/article/liebt-mich-auch-wenn-ich-anders-bin.html

  3. schandor meint:

    Es mag also sein und ist gewiß so, daß man die Botschaft der Liebe (und damit die Botschaft des Evangeliums überhaupt) nicht ausrichten kann, ohne gleichzeitig die Planungen und Taten der Liebe zu betreiben, d. h. eine Organisation der Weltgestalt in Angriff zu nehmen, die prophylaktisch die Misere von Hunger, Armut und Ungerechtigkeit zu verhüten hilft, die damit der Entfremdung des Menschen und der Blockierung seiner Hörfähigkeit entgegenwirkt und zugleich Chancen zur Menschwerdung vermittelt. Man kann die Botschaft der Liebe, man kann das Evangelium nicht so „an den Mann bringen“, daß man gleichzeitig die Welt unverändert läßt. Dann nämlich würde man das Evangelium als falschen Trost gegenüber einer Misere mißbrauchen, die der Mensch verschuldet hat. Man würde es Evangelium ohne Gesetz sein lassen: Man würde sich der Infragestellung unseres Soseins und unseres Weltzustandes verweigern, der gegenüber das Evangelium allein gilt. Man würde es wiederum zu einer Botschaft vom „lieben Gott“ machen, der den einzelnen in seiner Misere mit Wohlwollen begleitet, aber unfähig ist, den Willen zur Änderung zu entbinden. Er gliche jenem ohnmächtigen Greis in Wolfgang Borcherts Drama „Draußen vor der Tür“, der über das Unglück seiner Menschen greint, aber ihm nicht zu wehren vermag. Ein so verstandenes Evangelium der bloßen Vertröstung müßte in der Tat als Opium für das Volk verstanden werden. Sein Jenseits wäre ein taktisch ersonnenes Paradies, das den Menschen willig macht, in der Misere des Jetzt passiv auszuharren. So würde es zu einem dämonischen Mittel, mit dessen Hilfe man den status quo stabilisiert – während die vom Evangelium ausgehende Botschaft der Liebe doch gerade die Veränderung der Verhältnisse und Strukturen fordert.

    Helmut Thielicke, Der evangelische Glaube, Bd. 2, S. 313f.

    Es geht also um die Frage, aus welchem Motiv und mit welcher Intention ich an der Veränderung der Welt arbeite

    ders., S. 312

  4. Roderich meint:

    Ich las irgendwo, dass der einzige Weg Glaubwürdigkeit wiederherzustellen wäre, wenn die gesamte Führungsriege von WorldVision zurücktritt, zumindest alle, die die vorherige Entscheidung befürwortet hatten. Dem konnte ich zustimmen.

  5. Johannes Strehle meint:

    Roderich meint:
    „Ich las irgendwo, dass der einzige Weg Glaubwürdigkeit wiederherzustellen wäre, wenn die gesamte Führungsriege von WorldVision zurücktritt, zumindest alle, die die vorherige Entscheidung befürwortet hatten. Dem konnte ich zustimmen.“
    Zu diesem Ergebnis war ich auch gekommen.
    Aber Glaubwürdigkeit spielt zwar für Jesus, aber nicht für (Kirchen-)Politiker eine Rolle.
    Eines der wichtigsten Qualifikationsmerkmale für (Kirchen-)Politiker ist die Bereitschaft,
    sich immer wieder lächerlich zu machen.

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  2. […] Hilfswerk World Vision (USA) revidierte seinen Entschluss (siehe diese Meldung auf theoblog). Holger Lahaye kommentiert in einem längeren Beitrag des Gemeindehilfswerks (VD: […]

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